Vertretung in Deutschland

Weltfrauentag 2019: mehr Gleichheit, aber zu langsame Fortschritte

Zum Weltfrauentag hat die Kommission heute (Donnerstag) ihren Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU im Jahr 2019 veröffentlicht. Es gibt zwar Fortschritte, doch Frauen sind nach wie vor mit vielen Ungleichheiten konfrontiert: Sie bekommen weniger Lohn und Rente und sind in Europas Parlamenten und Regierungen unterrepräsentiert. In Deutschland zeigt sich ein gemischtes Bild: Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland besonders ausgeprägt, Frauen verdienen immer noch 21 Prozent weniger als Männer (EU-Durchschnitt: 16 Prozent). Dagegen liegt Deutschland beim Frauenanteil unter den Führungskräften in großen börsennotierten Unternehmen (33,1 Prozent) und bei den Ministerämtern (43,8 Prozent) über dem EU-Durchschnitt (26,2 bzw. 30,4 Prozent).

07/03/2019

Die Juncker-Kommission hat an allen Fronten gehandelt, um das Leben der Frauen in Europa zu verbessern: durch die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, den Abbau des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen und die Schaffung besserer Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Familien.

Frans Timmermans‚ Erster Vizepräsident der Kommission, erklärte heute: „Wir sind im Jahr 2019 und die Fortschritte auf dem Gebiet der Geschlechtergleichstellung kommen nach wie vor nur langsam voran. In einigen Ländern hat sich die Lage sogar verschlechtert. Alles was wir wollen ist Gleichheit für alle. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist an der Zeit, dass Frauen und Männer gemeinsam auf die Gleichstellung drängen.“

Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, fügte hinzu: „Frauen sind EU-weit immer noch unterrepräsentiert in der Politik, dies gilt auch für die europäischen Institutionen. Ich möchte mehr Frauen sehen, die bei Wahlen antreten. Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen: Ich fordere die Mitgliedstaaten auf, mehr weibliche Kandidaten als künftige EU-Kommissare vorzustellen.“

Der heutige Bericht zeigt einige Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter, Frauen sind jedoch in vielen Bereichen nach wie vor mit Ungleichheiten konfrontiert:

  • Die Frauenerwerbsquote in der EU war 2017 mit 66,4 Prozent so hoch wie nie zuvor‚ allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Im vergangenen Jahr erhielten acht Mitgliedstaaten Empfehlungen im Rahmen des Europäischen Semesters zur Verbesserung der Erwerbsbeteiligung von Frauen (Österreich, Tschechien, Deutschland, Estland, Irland, Italien, Polen und Slowakei).
  • Frauen sind stärker von Armut bedroht, die Gehälter sind im Durchschnitt 16 Prozent niedriger als die von Männern. Dies spiegelt sich auch im Rentengefälle wider, das 2017 bei 35,7 Prozent lag. In einigen Ländern können sich über 10 Prozent der älteren Frauen die notwendige Gesundheitsversorgung nicht leisten.
  • In Parlamenten und in der Regierung sind Frauen nach wie vor weitgehend unterrepräsentiert. Nur sechs der 28 nationalen Parlamente in der EU werden von einer Frau geleitet, und sieben von zehn Mitgliedern der nationalen Parlamente in der EU sind Männer. Obwohl der derzeitige Anteil an hochrangigen weiblichen Ministern mit 30,5 Prozent der höchste ist, seit 2004 erstmals für alle EU-Mitgliedstaaten Daten verfügbar waren, gibt es immer noch Hinweise darauf, dass Frauen in der Regel Portfolios zugewiesen werden, die eine geringere politische Priorität haben.
  • Die „gläserne Decke“ ist nach wie vor eine Realität in der Geschäftswelt: Nur 6,3 Prozent der Führungspositionen in großen börsennotierten Unternehmen in der EU werden von Frauen bekleidet.

Gemeinsame Verantwortung für Betreuungs- und Pflegeaufgaben – neue EU-Vorschriften für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

In der jüngsten Vereinbarung über die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird eine europäische Mindestnorm von zehn Tagen bezahlten Vaterschaftsurlaubs für Väter nach der Geburt ihres Kindes festgelegt, die auf Höhe des Krankengelds vergütet wird. Zudem wird das bestehende Recht auf vier Monate Elternurlaub gestärkt, indem zwei Monate zwischen den Eltern nicht mehr übertragbar sein werden und eine Vergütung für diese zwei Monate in einer von den Mitgliedstaaten festzulegenden Höhe einführt wird. Die neuen Vorschriften enthalten auch Bestimmungen für Pflegeurlaub, wonach pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer fünf Tage pro Jahr als neuer europäischer Anspruch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zugeteilt werden. Nicht zuletzt stärken die neuen Vorschriften auch das Recht für Eltern und pflegende Angehörige, flexiblere Arbeitsregelungen zu beantragen.

Frauen im Europäischen Parlament und in der Europäischen Kommission

Im November 2018 stellten Frauen 36,4 Prozent der 749 Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP), dieses Ergebnis lag unter dem Spitzenwert von 37,3 Prozent, der Ende 2016 erreicht wurde. Finnland hebt sich deutlich ab, 76,9 Prozent seiner MdEP sind Frauen. Die Vertreter von sieben Mitgliedstaaten umfassen mindestens 40 Prozent beider Geschlechter (Irland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Lettland, Malta und Schweden), während über 80 Prozent der Abgeordneten aus Bulgarien, Estland, Zypern, Litauen und Ungarn Männer sind.

Innerhalb der Europäischen Kommission haben die nachhaltigen Bemühungen, das von Präsident Jean-Claude Juncker festgelegte Ziel, bis 2019 einen Frauenanteil von 40 Prozent im mittleren und oberen Management zu erreichen, zu ersten Ergebnissen geführt. Der Anteil weiblicher Führungskräfte beträgt auf allen Ebenen 39 Prozent, auf der höheren Führungsebene 37 Prozent und auf der mittleren Führungsebene 40 Prozent.

Hintergrund

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zählt zu den Grundwerten der Europäischen Union und ist in den Verträgen von Anbeginn an verankert, da der Vertrag von Rom bereits eine Bestimmung über Lohngleichheit enthielt.

Die Arbeit der Kommission im Bereich der Geschlechtergleichstellung beruht auf dem „Strategischen Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter 2016-2019“ und konzentriert sich auf fünf vorrangige Bereiche:

  • Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und Männern,
  • Verringerung des Einkommens- und Rentengefälles zwischen den Geschlechtern und dadurch Bekämpfung der Armut von Frauen,
  • Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Entscheidungsprozessen,
  • Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt und Schutz und Unterstützung für Opfer sowie
  • Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Rechte der Frau weltweit.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Weltfrauentag 2019: mehr Gleichheit, aber zu langsame Fortschritte

Erklärung der Europäischen Kommission zum Weltfrauentag 2019

Gleichstellungsbericht 2019

Eurostat: Nur jede dritte Führungskraft in der EU ist eine Frau

Öffentliche Konsultation zur gleichen Entlohnung – bis 5. April 2019

Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen zur Verhütung und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt und Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen – bis 13. Juni 2019

Spotlight: Maßnahmen der EU zur Förderung von Frauen

Pressekontakt: Katrin Abele, Tel.: +49 (30) 2280-2140

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.