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Kommission startet 1-Milliarde-Euro-Initiative zur Entwicklung der Quantentechnik in Europa

Für die nächsten zehn Jahre stehen für europäische Forscher auf dem Gebiet der Quantentechnik Mittel in Höhe von 1 Mrd. Euro bereit. Ziel der Leitinitiative zur Entwicklung der Quantentechnik ist es, Europa an die Spitze der zweiten Quantenrevolution zu bringen. Der Startschuss für die Initiative fällt heute (Montag) auf einer vom österreichischen EU-Ratsvorsitz ausgerichteten und hochrangig besetzten Veranstaltung in Wien.

29/10/2018

Die Entwicklung der Quantentechnik hat zur Entdeckung sogenannter „Quanteneffekte“ geführt. Hierbei handelt es sich um Erscheinungen, die die mikroskopische Welt der Moleküle, Atome und noch kleineren Teilchen beherrschen. Im frühen 20. Jahrhundert ermöglichte die erste Quantenrevolution den Wissenschaftlern, grundlegende Quanteneffekte in Bauteilen wie Transistoren und Mikroprozessoren zu verstehen und zu nutzen, und zwar durch das Beeinflussen und Messen einzelner Partikel. In der zweiten Quantenrevolution, die Anfang des 21. Jahrhunderts begann, geht es nun darum, diese Eigenschaften für wichtige technische Fortschritte zu nutzen. Erste gewerbliche Produkte sind bereits auf dem Markt.

An der Leitinitiative zur Quantentechnik werden sich Forschungseinrichtungen, Wissenschaftler, Industrie, Unternehmen und politische Entscheidungsträger beteiligen, um die wissenschaftliche Führungsrolle und Exzellenz Europas auf diesem Gebiet zu festigen und auszubauen. Die Initiative wird die Entwicklung einer Quantenindustrie in Europa fördern und soll dafür sorgen, dass die Ergebnisse dann auch als kommerzielle Anwendungen und bahnbrechende Technologien zur Verfügung stehen.

Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt verantwortliche Vizepräsident der Kommission, und Mariya Gabriel, die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin, erklärten hierzu: „Europa hat eine etablierte und anerkannte Führungsrolle bei der Erforschung der Quantentechnik. Um seine Führungsposition zu behaupten und das volle Potenzial der Quantentechnik zu erschließen, muss Europa schneller Fortschritte machen und eine solide industrielle Basis aufbauen, damit die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Führung auch umgesetzt werden können. Mit der Leitinitiative wird das ehrgeizige Ziel verfolgt, eine Wende in diesem Bereich herbeizuführen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Forschung und technologischen Entwicklung sowie auf der Überführung der hervorragenden europäischen Forschungsergebnisse in konkrete technische Anwendungsmöglichkeiten und in marktfähige Produkte, die unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft zugutekommen.“

Professor Jürgen Mlynek, Vorsitzender des hochrangigen Lenkungsausschusses für Quantentechnik (einer Expertengruppe der Kommission), fügte hinzu: „Dank der gemeinsamen Anstrengungen von Wissenschaft und Wirtschaft und mit der Unterstützung der Fachkreise aus allen Teilen Europas ist eine umfassende Strategie für Quantentechnik entstanden. Darauf aufbauend wagen wir jetzt den Sprung vom Reißbrett in die reale Welt. Wir sind hocherfreut, dass die Leitinitiative zur Quantentechnik mit ihrer ersten Welle ehrgeiziger Projekte nun Wirklichkeit wird. Dies ist ein deutliches Signal an die Welt, dass Europa das Beste geben wird, um seinen historischen Vorsprung in der Quantenwissenschaft zu behaupten.“

Die zweite Quantenrevolution wird es ermöglichen, Quanteneffekte für wichtige technische Fortschritte nutzbar zu machen, z. B. in Bereichen wie Rechentechnik, Sensorik und Messwesen, Simulationen, Kryptographie und Telekommunikation. All dies wird letztlich den Bürgern durch hochgenaue Sensoren für die Medizintechnik, aber auch durch Quantenkommunikation und Quantenschlüsselaustausch zur Erhöhung der Sicherheit digitaler Daten zugutekommen. Quantencomputer können Rechenprobleme lösen, an denen klassische Supercomputer derzeit scheitern.

Auf europäischer Ebene ist das strategische Vorgehen zur Markteinführung quantentechnischer Anwendungen noch immer uneinheitlich. Als kohärentes europaweites Programm, das von allen Mitgliedstaaten getragen wird, wird die Leitinitiative zur Quantentechnik auf früheren Bemühungen aufbauen, die aus europäischen und nationalen Mitteln finanziert wurden. Auf diese Weise wird Europa in der Lage sein, in der Forschung und Entwicklung mit seinen weltweiten Konkurrenten Schritt zu halten.

Die Leitinitiative wird voraussichtlich eine Mittelausstattung von 1 Mrd. Euro über die nächsten zehn Jahre haben. Die Anlaufphase (Oktober 2018–September 2021) wird im Rahmen des Programms „Horizont 2020“ als Teil der Leitinitiative für künftige und neu entstehende Technologien (FET) unterstützt werden. In dieser Phase werden zunächst 20 Projekte mit einem Gesamtbetrag von 132 Mio. Euro gefördert. Dabei wird der Schwerpunkt auf vier Anwendungsgebieten liegen – Quantenkommunikation, Quantencomputertechnik, Quantensimulation, Quantenmetrologie und -sensorik – sowie auf der Grundlagenforschung im Bereich der Quantentechnik. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer sind Industrieunternehmen aus einer Vielzahl von Branchen, ein großer Teil davon sind KMU. Die Leitinitiative umfasst auch Forschungsprojekte, die von QuantERA unterstützt werden, einer Forschungsinitiative, die von der Kommission und nationalen Fördereinrichtungen aus 26 europäischen Ländern kofinanziert wird. Es wird eine enge Koordinierung zwischen diesen Projekten und den von den Mitgliedstaaten über nationale Quantentechnikprogramme geförderten Projekten geben.

Nächste Schritte

Derzeit laufen Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission, in denen es darum geht, im mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2021–2028 genügend Mittel für die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Quantentechnik vorzusehen. Die Förderung der Quantentechnik erfolgt im Zuge des vorgeschlagenen Programms „Horizont Europa“ für Forschung und Raumfahrtanwendungen sowie des vorgeschlagenen Programms „Digitales Europa“, das die strategischen digitalen Kapazitäten Europas entwickeln und stärken, die Entwicklung der ersten europäischen Quantencomputer und ihre Integration mit klassischen Supercomputern vorantreiben und den Aufbau einer europaweiten Infrastruktur für die Quantenkommunikation unterstützen soll.

Hintergrund

Seit 1998 wurden mithilfe des Kommissionsprogramms für neue und neu entstehende Technologien (FET) rund 550 Mio. Euro für die Quantenforschung in Europa bereitgestellt.

Die Leitinitiative zur Quantentechnik ist eine FET-Leitinitiative der EU (d. h. für künftige und neu entstehende Technologien), in der sich Forscher und Industrie aus verschiedenen Bereichen zusammenfinden, um wichtige wissenschaftliche Fortschritte zu erzielen und sie in konkrete Innovationen zu verwandeln, die das Wirtschaftswachstum fördern und dazu beitragen werden, die gesellschaftlichen Herausforderungen in Europa zu bewältigen.

Die Leitinitiative zur Quantentechnik ist Teil der Europäischen Cloud-Initiative der Kommission, die im April 2016 zusammen mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen gestartet wurde, um nationale Initiativen zur Digitalisierung der Industrie und zugehöriger Dienstleistungen zu unterstützen und miteinander zu verknüpfen und um – gestützt auf strategische Partnerschaften und Netze – neue Investitionsanreize zu geben.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Quantum Technologies Flagship kicks off with first 20 projects

Memo

The first 20 projects

Offizielle Website der Leitinitiative zur Quantentechnik

Pressekontakt: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.