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Verspätungen im Flugverkehr: EU-Kommissarin Bulc fordert von den Mitgliedstaaten Entscheidung für einheitlichen Luftraum

Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, und Karima Delli, Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr im Europäischen Parlament haben heute (Freitag) in einer gemeinsamen Erklärung  mehr Reformwillen der Mitgliedstaaten angemahnt, um die Verspätungen im europäischen Luftverkehr zu beheben. Dazu bräuchte es vor allem neue Bewegung bei der seit Jahren von Kommission und Parlament angestrebten Reform des Flugverkehrsmanagements. Mit der die Initiative für den Single European Sky 2+ (SES 2+) will die Kommission das derzeitige Flickwerk von 27 nationalen Luftraumblöcken durch ein Netz größerer, regionaler Luftraumblöcke für Flugverkehrskontrolldienste ersetzen.

13/07/2018

„Mit 11 Millionen geplanten Flügen dürfte das Jahr 2018 für den Luftverkehr das bislang verkehrsreichste Jahr werden. Doch damit nicht genug – jetzt beginnen für die Familien die Sommerferien und damit die Vorfreude auf Sonne, Meer und Strand. Die nüchterne Realität wird jedoch so aussehen, dass pro Tag etwa 50.000 Reisende mit bis zu zwei Stunden Verspätung an den Flughäfen in Europa rechnen müssen, wodurch sie Anschlüsse verpassen und ihnen nicht eingeplante Kosten entstehen. Unser jetziges Luftverkehrssystem hat mit einem ständig steigenden Verkehrsaufkommen und sonstigen Störungen zu kämpfen“, erklärten Bulc und Delli.

„Das System muss dringend modernisiert werden. Jetzt ist der Zeitpunkt für mutige Entscheidungen – wir brauchen eine Zusammenarbeit zwischen den nationalen Flugsicherungsdienstleistern, die ihren Namen auch verdient, und wir müssen gemeinsam mit Eurocontrol an einer effektiveren Verwaltung des europäischen Luftverkehrsnetzes arbeiten. So werden Effizienz und Kapazität unseres Netzes verbessert und damit Verspätungen und Verkehrsüberlastungen an unseren Flughäfen verringert. Zudem dürften sich so die massiven Umweltauswirkungen des Luftverkehrs abmildern lassen.

Die EU setzt sich schon lange für ein harmoniertes Konzept ein, um das nationale Flickwerk im Luftraum zu überwinden. Der geltende EU-Rechtsrahmen für den europäischen Luftraum (Einheitlicher Europäischer Luftraum, „Single European Sky, SES“) hat bereits zu einer besseren Kapazitätsauslastung geführt: Die Sicherheitsstandards wurden verbessert, die Umweltverschmutzung reduziert und auch der Treibstoffverbrauch wurde um mehr als 2 Prozent pro Flug gesenkt. Auch haben wir den Anstieg bei den Kosten des Flugverkehrsmanagements gebremst.

Die Kommission ging sogar noch einen Schritt weiter und hat eine Reform des Rechtsrahmens vorgeschlagen (SES 2+), um das System zu modernisieren – leider liegt diese Reform seit Jahren auf Eis. Mit ihr ließen sich die Effizienz steigern, die Streckenführung verkürzen und die Betriebs- und Umweltkosten senken. So könnten in den nächsten 20 Jahren Einsparungen in Höhe von 36 Mrd. Euro erzielt und bis zu 11.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ja, die EU-Wirtschaft und der Luftverkehr verzeichnen wieder ein Wachstum – das sind gute Nachrichten. Die Flugzeuge sind voll besetzt und an den Flughäfen herrscht Hochbetrieb. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass diese europäische Erfolgsgeschichte fortgesetzt wird. Wir fordern daher die EU-Mitgliedstaaten und die Interessenträger auf, mit uns zusammenzuarbeiten, um eine moderne und effiziente Luftverkehrsinfrastruktur in Europa aufzubauen, sodass die Bürgerinnen und Bürger problemlos reisen können und unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt. Nur gemeinsam können wir die Veränderungen, die das System dringend benötigt, hervorbringen.“

Hintergrund: Fakten und Zahlen zu Verspätungen im Luftverkehr

Die Verspätungen im Luftverkehr in den 28 EU-Mitgliedstaaten, Norwegen und der Schweiz nehmen erneut zu. Den Eurocontrol-Prognosen zufolge werden sich 2018 die Kapazität und Personalausstattung gegenüber dem Jahr 2017 verschlechtern. Besondere Aufmerksamkeit gilt daher der Kapazitätsplanung, mit rechtzeitigen Investitionen in die Kapazität und ausreichend Flexibilität für Anpassungen an Nachfrageschwankungen. In diesem Jahr sind bisher schon so viele Störungen zu verzeichnen wie im gesamten Jahr 2017. Die wetterbedingten Verspätungen addieren sich bereits auf das Vierfache der im Jahr 2017 insgesamt zu verzeichnenden Verspätungen dieser Art. Für dieses Jahr gehen wir derzeit von 15 Millionen Minuten und damit von einer Verspätung von 1,35 Minuten pro Flug aus.

Der fragmentierte europäische Luftraum ist in vielerlei Hinsicht ineffizient, was jedes Jahr zusätzliche Kosten von nahezu 5 Mrd. Euro für die Luftfahrtunternehmen und ihre Kunden verursacht. Durch diese Ineffizienz verlängert sich die durchschnittliche Flugstrecke je Flug um 42 km, was den Treibstoffverbrauch erhöht und damit mehr Emissionen verursacht, die Ausgaben für die ohnehin teuren Nutzungsgebühren erhöht und zu mehr Verspätungen führt. In den Vereinigten Staaten entstehen in einem Luftraum gleicher Größe, in dem aber mehr Verkehr abgewickelt wird, nur etwa halb so hohe Kosten.

Mit der die Initiative für den Single European Sky 2+ (SES 2+) will die Kommission das derzeitige Flickwerk von 27 nationalen Luftraumblöcken durch ein Netz größerer, regionaler Luftraumblöcke für Flugverkehrskontrolldienste ersetzen, um so eine höhere Effizienz, weniger Kosten und geringere Emissionen zu erreichen.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Luftfahrt: Ein offenes und gut angebundenes Europa für Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und globale Führung

Offener und vernetzter Luftverkehr: Fragen und Antworten

Eine Luftfahrtstrategie für Europa

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