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Bericht zu Beschäftigung und sozialer Lage: Technologischer Wandel stellt Europas Arbeitsmärkte und Sozialsysteme vor große Herausforderungen

Die Zahl der Erwerbstätigen in Europa hat neue Höchstwerte erreicht. Fast 238 Millionen Menschen haben eine Arbeit – nie zuvor war das Beschäftigungsniveau in der EU so hoch wie heute. Der heute (Freitag) von der Kommission vorgelegte Beschäftigungs- und Sozialbericht für 2018 bestätigt positive Trends, zeigt aber auch Herausforderungen durch Automatisierung und Digitalisierung auf. Eine bessere Bildung und lebenslanges Lernen sowie die Gewährleistung, dass unser Arbeitsmarkt und die Sozialschutzsysteme den Herausforderungen gewachsen sind, sind für die Anpassung an diese sich wandelnde Arbeitswelt von entscheidender Bedeutung.

13/07/2018

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen erklärte dazu: „Die europäische Wirtschaft wächst schneller und gleichmäßiger als je zuvor. Dadurch wird die Beschäftigung begünstigt, das Einkommen der Haushalte angehoben und die sozialen Bedingungen werden verbessert. Der technologische Wandel birgt ein großes Potenzial zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung, aber nur, wenn wir diesen Wandel mitgestalten. Die europäische Säule sozialer Rechte bietet eine Richtschnur dafür, wie wir alle auf diese Umstellung vorbereiten können. Mit unseren Vorhaben wird diese Säule in die Praxis umgesetzt, indem den Menschen in Europa lebenslang bessere Bildung und Qualifikationen vermittelt werden und indem durch unsere Vorschläge zu transparenten und verlässlichen Arbeitsbedingungen und zum Zugang zum Sozialschutz dafür gesorgt wird, dass die Grundrechte aller Arbeitnehmer in dieser sich rasch wandelnden Arbeitswelt geschützt werden.“

Der diesjährige Bericht zu Beschäftigung und sozialer Lage bestätigt die anhaltend positive Arbeitsmarktentwicklung und die Verbesserung der sozialen. Im Vergleich zu 2016 waren 2017 über dreieinhalb Millionen mehr Menschen erwerbstätig. Zwar ist die Zahl der pro Beschäftigtem geleisteten Arbeitsstunden in den letzten Jahren gestiegen, sie liegt aber immer noch unter dem Niveau von 2008. Gleichzeitig sind ein steigendes verfügbares Einkommen und niedrigere Armutsraten zu beobachten. Im Vergleich zu 2012 waren 16,1 Millionen weniger Menschen von erheblicher materieller Entbehrung betroffen – ein Rekordtief.

Betrachtet man jedoch die Folgen technologischer Entwicklungen, so ist unklar, wie sich Automatisierung und Digitalisierung in Zukunft auswirken werden. Deshalb liegt der Schwerpunkt des Beschäftigungs- und Sozialberichts 2018 auf der sich wandelnden Arbeitswelt.

Der technologische Fortschritt ist zwar ein Schlüsselelement zur Steigerung der Gesamtproduktivität ist, allerdings werden dadurch auch Routineaufgaben, die nur eine geringe Qualifikation erfordern, ersetzt und die Qualifikationsanforderungen für die Beschäftigungsfähigkeit steigen: Zwar gibt es keine definitive Aussage über den möglichen Umfang, in dem sich die Technologie auf die Beschäftigung auswirkt, doch aus Studien geht hervor, dass repetitive Routinearbeiten bei den derzeit ausgeübten Tätigkeiten am ehesten teilweise oder vollständig automatisiert werden; eine Teilautomatisierung könnte einer Studie zufolge in naher Zukunft bei 37 Prozent bis 69 Prozent der Arbeitsplätze erfolgen. Eine bessere Bildung und lebenslanges Lernen sowie die Gewährleistung, dass unser Arbeitsmarkt und die Sozialschutzsysteme den Herausforderungen gewachsen sind, sind für die Anpassung an diese sich wandelnde Arbeitswelt von entscheidender Bedeutung.

Mit der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen und mit EU-Finanzmitteln hat die Kommission den Weg dafür bereitet, in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, Ausbildungsanbietern und Unternehmen die Menschen in Europa mit besseren Qualifikationen auf allen Ebenen auszustatten. Auch die Sozialpartner spielen eine wichtige Rolle bei der Weiterqualifizierung und Umschulung der Arbeitskräfte und beim Umgang mit der größeren Flexibilität in der sich wandelnden Arbeitswelt. Sie tragen zur Gestaltung von Schulungsprogrammen bei und ermitteln die positiven und negativen Seiten der raschen Veränderungen, denen die Arbeitsmärkte unterliegen.

Neue Technologien tragen zur Erhöhung der Zahl der atypisch Beschäftigten und der Selbständigen bei. Der Beschäftigungs- und Sozialbericht kommt zu dem Ergebnis, dass neue Arbeitsformen sowohl für Arbeitnehmer als auch für Unternehmen Vorteile in Form einer größeren Flexibilität und einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben mit sich bringen und gleichzeitig Menschen, einschließlich Personen mit Behinderungen und Älteren, neue Chancen eröffnen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder auf dem Arbeitsmarkt zu verbleiben.

Der Beschäftigungs- und Sozialbericht zeigt allerdings auch einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Zahl atypischer Arbeitsverhältnisse und einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen mit einer höheren Einkommensvolatilität, einer geringeren Arbeitsplatzsicherheit und einem unzureichenden Zugang zum Sozialschutz auf, etwa bei über Online-Plattformen beschäftigten Arbeitnehmern. Die Kommission will hier durch Vorschläge zur Modernisierung des Arbeitsrechts und der Sozialschutzsysteme auf die neue Arbeitswelt reagieren. Mit dem Vorschlag für eine Richtlinie über transparente und verlässliche Arbeitsbedingungen werden neue Mindeststandards für alle Arbeitnehmer vorgesehen, auch für jene in atypischen Beschäftigungsformen. Außerdem werden die Mitgliedstaaten mit dem Vorschlag für eine Empfehlung für den Zugang zum Sozialschutz aufgefordert, allen Arbeitnehmern und Selbständigen Zugang zum Sozialversicherungsschutz zu gewähren, einschließlich der Übertragbarkeit von Ansprüchen von einem Arbeitsplatz auf den nächsten und von einem Beschäftigungsstatus auf den anderen.

Hintergrund

Der jährlich erscheinende Europäische Beschäftigungs- und Sozialbericht bietet eine aktuelle wirtschaftliche Analyse der beschäftigungs- und sozialpolitischen Entwicklungen in Europa. Vor dem Hintergrund dieser Trends weist der Bericht auf potenzielle Herausforderungen hin und zeigt mögliche politische Antworten auf. Dieser Bericht ist das wichtigste Instrument der Europäischen Kommission zur Analyse von relevantem Material und zur Überprüfung von Trends und anstehenden Herausforderungen auf den Arbeitsmärkten.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie die Kommission die in den jährlichen Berichten aufgezeigten Probleme gezielt angeht. So stellt ihr jüngster Vorschlag für den Mehrjährigen Finanzrahmen mehr Mittel für Investitionen in Menschen bereit, u. a. über den neuen Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und einen verbesserten Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung (EGF). Initiativen und Instrumente wie die neue europäische Agenda für Kompetenzen‚ die Jugendgarantie und die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen, die weitere Stärkung des Programms Erasmus und das Europäische Solidaritätskorps werden genauso wie die Vorschläge der Kommission über den Zugang zum Sozialschutz und zu transparenten und verlässlichen Arbeitsbedingungen dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Beschäftigung und soziale Lage in Europa

Memo: Europäischer Beschäftigungs- und Sozialbericht 2018 – Fragen und Antworten

Factsheet: Europäischer Beschäftigungs- und Sozialbericht 2018 – Arbeitswelt im Wandel: über die Digitalisierung hinaus

Beschäftigungs- und Sozialbericht 2018

Beschäftigung und Sozialanalyse auf der Website der GD EMPL

Pressekontakt: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.