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Neuer Weltatlas der Wüstenbildung zum Schutz lebensspendenden Bodens

Die Gemeinsame Forschungsstelle, der Wissenschafts- und Wissensdienst der Europäischen Kommission, hat heute den neuen Weltatlas der Wüstenbildung vorgestellt. Der Weltatlas bietet die erste umfassende, evidenzbasierte Bewertung der Bodendegradation auf globaler Ebene und macht deutlich, dass dringend Abhilfe geschaffen werden muss. Der Atlas liefert konkrete Beispiele dafür, wie menschliche Aktivitäten zu Bodendegradation führen, die letztlich das Wohlergehen großer Teile der Bevölkerung untergraben, Arten zum Aussterben bringen, den Klimawandel verschärfen und zur Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat und einem erhöhten Konfliktrisiko führen. 

21/06/2018

Tibor Navracsics, Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle, erklärte: „In den letzten zwanzig Jahren, seit der Veröffentlichung des letzten Weltatlas der Desertifikation, hat sich die landwirtschaftliche Erzeugung verdreifacht und die bewässerte Fläche hat sich verdoppelt, was überall die Qualität der Böden schwer beeinträchtigt. Der Silberstreif am Horizont ist, dass auch unsere wissenschaftlichen Kenntnisse und analytischen Fähigkeiten massiv zugenommen haben. Dieser Atlas der Europäischen Kommission gibt den Entscheidungsträgern überall umfassende und leicht zugängliche Einblicke in die Bodendegradation, deren Ursachen und mögliche Abhilfemaßnahmen, damit sie intelligente Entscheidungen treffen können, um die Desertifikation zu bekämpfen und degradierte Flächen wiederherzustellen.“ 

Durch den Weltatlas wird ein neues Instrument zur Verbesserung der lokalen Reaktionen auf Bodenverluste und Bodendegradation geboten. 

Das Bevölkerungswachstum und Veränderungen bei unseren Verbrauchsmustern üben einen beispiellosen Druck auf die natürlichen Ressourcen unseres Planeten aus. Über 75 Prozent der Landfläche der Erde ist bereits geschädigt und über 90 Prozent der Böden könnten bis 2050 degradiert werden. Das 67fache der Landfläche Belgiens wird jährlich degradiert, wobei Afrika und Asien am stärksten betroffen sind. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Verluste machen etwa 10 Prozent der weltweiten jährlichen Wirtschaftsleistung aus. 

Bodendegradation fördert Ernährungsunsicherheit, Klimawandel und Migration 

Bodendegradation hat Auswirkungen auf unsere Fähigkeit zur Herstellung von Nahrungsmitteln. Zwischen 1970 und 2012 sind die Süßwasserarten um 81 Prozent zurückgegangen. Wissenschaftler der GFS schätzen, dass sich durch Bodendegradation und Klimawandel die globalen Anbauerträge bis 2050 um etwa 10 Prozent verringern werden. Am stärksten betroffen werden Indien, China und Afrika südlich der Sahara sein, wo die Bodendegradation die Pflanzenproduktion halbieren könnte.

In Asien stellt der übermäßige Einsatz von Düngemitteln eine Bedrohung für die Bodenressourcen dar, während in Afrika das Gegenteil – die geringe oder gar keine Verwendung von Düngemitteln – der Bodendegradation Vorschub leistet. In beiden Fällen gibt es schwerwiegende, langfristige Folgen. 

Die Verschlechterung der Bodenqualität wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit zur Bekämpfung des Klimawandels aus und verstärkt diesen wesentlich. Die Entwaldung ist für etwa 10 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Letztendlich führt die Bodenverschlechterung zu einem Anstieg der Migrationsströme. 

Zugrunde liegende Ursachen 

In den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften, einschließlich Europa, wird die Bodendegradation durch den raschen Ausbau der Infrastruktur und die nicht nachhaltige Bewirtschaftung von Anbauflächen und Weideland zur Befriedigung verbrauchsintensiver Lebensstile angetrieben. Die wichtigsten Faktoren in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind der Anstieg des Verbrauchsniveaus in Verbindung mit einem steilen Bevölkerungswachstum. 

Lokale Lösungen für lokale Probleme finden 

Zwar handelt es sich bei der Verschlechterung der Bodenqualität um ein globales Problem, sie findet jedoch lokal statt und erfordert lokale Lösungen. Ein stärkeres Engagement und eine wirksamere Zusammenarbeit auf lokaler Ebene ist notwendig, um die Bodendegradation und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. 

Eine weitere landwirtschaftliche Expansion – eine der Hauptursachen für die Bodendegradation – könnte sich durch die Ertragssteigerung an bestehenden landwirtschaftlichen Flächen, die Umstellung auf pflanzliche Ernährung, den Verzehr tierischer Proteine aus nachhaltigen Quellen und die Verringerung von Nahrungsmittelverlusten und -verschwendung in Grenzen halten. 
Der Atlas bietet einen Ausgangspunkt hierfür. Er enthält eine klare Bewertung der Bodenverschlechterung sowie der zugrunde liegenden Ursachen weltweit. Er enthält auch eine Vielzahl von Fakten, Prognosen und globalen Datensätzen, mit denen wichtige, laufende biophysikalische und sozioökonomische Prozesse identifiziert werden können, die allein oder in Kombination zu einer nicht nachhaltigen Landnutzung und Bodendegradation führen können. 

Weitere Informationen:

Die vollständige Pressemitteilung

Neuer Weltatlas der Desertifikation 

Factsheet Gemeinsame Forschungsstelle

Pressekontakt: Gabriele Imhoff , Tel.: +49 (30) 2280-2820
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