Vertretung in Deutschland

Juncker in Wittlich: „Die Welt braucht mehr Zärtlichkeit, nicht mehr Einsamkeit“

In Andenken an den Künstler und Kulturpolitiker Georg Meistermann, der während der nationalsozialistischen Herrschaft unerschütterlich für Demokratie und Meinungsfreiheit eingetreten ist, wurde EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montagabend für seine Leistung für das europäische Integrationsprojekt mit dem Georg-Meistermann-Preis der Stiftung Stadt Wittlich (Rheinland-Pfalz) geehrt. In seiner Dankesrede vor knapp 1000 Gästen erinnerte Jean-Claude Juncker an das Verdienst der Kriegsgeneration für das europäische Einigungswerk und ging auf die aktuelle Weltlage ein. „Gerade in einer Welt, die aus den Fugen gerät, kommt es sehr darauf an, dass Europa ein Stabilitäts- und Sicherheitsanker ist“, sagte Juncker.

19/06/2018

„Ein Tag Krieg in Europa kostet viel mehr als zwanzig Jahre Europäische Union. Das sollte man sich überlegen, wenn man über den europäischen Haushalt debattiert. Frieden ist billiger als Krieg“, sagte Juncker. „Deshalb müssten wir auch auf internationaler Ebene, G7 und alles Mögliche, unter Beweis stellen, dass wir auch – ich sage nicht gerne unsere Werte exportieren – aber dass wir auch zu unseren Werten stehen, wenn wir mit anderen reden. G7 ist ein gutes Beispiel dafür.“  

Im gleichen Sinne warnte Präsident Juncker vor nationalen Alleingängen und forderte Kompromissbereitschaft in der Europäischen Union: „Simple Lösungen werden allenthalben herumgereicht, aber exklusive  nationale Wege führen zu Betriebsblindheit und zu gefährlicher Abschottung. Wer nur national denkt, sieht die anderen nicht mehr. Und nach einer gewissen Zeit sieht er sich auch nicht mehr richtig. Auf Dauer macht der Tunnelblick einsam. Uns selbst und die anderen. Die Welt braucht mehr Zärtlichkeit, nicht mehr Einsamkeit.“

Der Georg-Meistermann-Preis der Stiftung Stadt Wittlich wird seit dem Jahr 2006 verliehen. Erstmalig nahm ihn Christina Rau stellvertretend für ihren verstorbenen Mann, Bundespräsident a.D. Johannes Rau, entgegen. Weitere Preisträgerinnen und Preisträger sind Charlotte Knobloch (2008), ihrerzeit Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Karl Kardinal Lehmann (2010), Bischof von Mainz, Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher (2013) sowie die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (2016). Die Laudatio der diesjährigen Preisverleihung hielt der frühere Präsident des Bundestages Norbert Lammert. 

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Preisgeld will der Kommissionspräsident dem Kuratorium der Stadt Wittlich für Projekte im Sinne des Stiftungszweckes überlassen.

Weitere Informationen:

Transkript der Dankesrede von Präsident Juncker anlässlich der Verleihung des Georg-Meistermann-Preises

VIDEO: Mitschnitt der Dankesrede von Präsident Juncker

Pressekontakt: Kathrin Wesolowski, Tel. +49 228 5300 923

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