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Weltfrauentag: Bericht zeigt bestehende Defizite bei Gleichstellung von Frauen in Europa

Bei der Gleichstellung von Frauen und Männern in Europa ist immer noch viel zu tun: nach wie vor übernehmen Frauen den Großteil der Betreuungspflichten in der Familie, das geschlechtsspezifische Lohngefälle stagniert seit Jahren bei 16 Prozent und Gewalt gegen Frauen ist noch immer ein Problem. Das geht aus dem aktuellen Bericht über die Gleichstellung von Männern und Frauen in der EU hervor, den die Kommission heute (Donnerstag) anlässlich des Weltfrauentages vorgestellt hat. „Die Frage der Gleichstellung der Geschlechter steht nach wie vor auf der Tagesordnung, es werden aber nur langsam Fortschritte vor Ort erzielt. Um einen echten Wandel für die Frauen zu erreichen, müssen wir Bewusstsein und Absichten in die Tat umsetzen", so der Erste Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans. Dies erfordert die Annahme der von der Kommission vorgeschlagenen neuen Rechtsvorschriften über Beruf und Privatleben, den Beitritt zum Übereinkommen von Istanbul und die Durchführung der bereits vereinbarten Politik zur Bekämpfung des Lohngefälles und von Gewalt gegen Frauen.“

08/03/2018

Die Kommission hat gehandelt, um einen Wandel herbeizuführen. Sie hat einen Vorschlag zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben für Erwerbstätige mit Familie sowie einen Aktionsplan zum Abbau des geschlechtsspezifischen Lohngefälles vorgelegt und dazu aufgerufen, durch Finanzierungs- und Sensibilisierungs-Maßnahmen der Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen.

Der Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern 2018 zeigt, dass die Probleme für Frauen in verschiedenen Bereichen fortbestehen:

  • Während Frauen in Europa höher qualifiziert sind als Männer (2016 hatten 44 Prozent der Frauen gegenüber 34 Prozent der Männer im Alter von 30 bis 34 Jahren einen Hochschulabschluss), sind sie jedoch in Führungspositionen in Unternehmen weitgehend unterrepräsentiert und verdienen im Durchschnitt in der gesamten EU immer noch um 16 Prozent weniger als Männer.
  • Auch in der Politik sind Frauen unterrepräsentiert. In sechs Ländern (Griechenland, Kroatien, Zypern, Lettland, Ungarn und Malta) stellen Frauen weniger als 20 Prozent der Parlamentsmitglieder.
  • Die geschlechtsspezifische Diskrepanz bei der Beschäftigung stagniert in den letzten Jahren bei rund 11 Prozentpunkten. Es wurde kein nennenswerter Aufholprozess zwischen schlecht und gut abschneidenden Mitgliedstaaten festgestellt.
  • Ca. 44 Prozent der Europäer sind der Ansicht, dass Frauen sich um Haus und Familie kümmern sollten. In einem Drittel der Mitgliedstaaten sind nicht weniger als 70 Prozent der Europäer dieser Meinung.
  • Gewalt ist immer noch zu weit verbreitet: In der EU hat ein Drittel der Frauen ab einem Alter von 15 Jahren bereits körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlitten. Außerdem haben 55 Prozent der Frauen in der EU sexuelle Belästigung erfahren.

Die Erhöhung des Frauenanteils im digitalen Zeitalter

Bis 2020 wird der Technologiesektor wird 500 000 neue Jobs schaffen. Leider besteht die Gefahr, dass die europäischen Frauen diese Möglichkeiten nicht nutzen und die europäische Wirtschaft ebensowenig. Die Beteiligung von Frauen bei IKT und im digitalen Sektor hat sich in den letzten Jahren nicht deutlich verbessert. Die Kommission veröffentlichte heute eine ergänzende Studie über Frauen im digitalen Zeitalter, die aufzeigt, dass ein Anstieg des Frauenanteils in digitalen Arbeitsplätzen zu einer jährlichen Steigerung des BIP um 16 Mrd. EUR in der EU führen könnte. Allerdings haben nur 24,9 % der Frauen einen technikbezogenen Hochschulabschluss. Neue Unternehmen im Technologiebereich haben, wenn sie von Frauen gegründet werden, mehr Aussicht auf Erfolg, aber nur 14,8 % der Gründer sind laut der Studie weiblich.

Zur Erhöhung des Anteils von Frauen im digitalen Sektor stellte Kommissarin Gabriel heute Pläne zur Bekämpfung von Stereotypen, zur Förderung von Vorbildern in der IT-Branche und digitaler Kompetenzen in der Bildung sowie zum verstärkten Engagement für mehr Unternehmerinnen vor. Die Initiative für Frauen im digitalen Zeitalter läuft während der Jahre 2018 und 2019.

Hintergrund

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Grundwert der Europäischen Union und in den Verträgen von Anbeginn an verankert, da der Vertrag von Rom bereits eine Bestimmung über Lohngleichheit enthielt.

Die Arbeit der Kommission im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter beruht auf dem „Strategischen Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter 2016 – 2019“, und konzentriert sich auf fünf vorrangige Bereiche:

  • Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und Männern;
  • Verringerung des Einkommens- und Rentengefälles und dadurch Bekämpfung der Armut von Frauen;
  • Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Entscheidungsprozessen;
  • Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Gewalt sowie Schutz und Unterstützung für die Opfer; und
  • Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Rechte der Frau weltweit.

Weitere Informationen:

Bericht 2018 über die Gleichstellung von Männern und Frauen

Studie „Erhöhung des Frauenanteils im digitalen Zeitalter“

Initiative zur Erhöhung der Teilhabe von Frauen an der digitalen Wirtschaft

Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen – Pressemitteilung zu dem Bericht über Frauen in der Technik

Das jährliche Grundrechte-Kolloquium, das diesmal unter dem Motto „Frauenrechte in turbulenten Zeiten“ stand, befasste sich mit gegen Frauen gerichteter Gewalt und Belästigung sowie mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in Wirtschaft und Politik, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle und der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben lag.

Eurostat: Frauen verdienten 2016 in der EU im Schnitt 16% weniger als Männer

Mit der von der Europäischen Kommission zusammen mit den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen Spotlight-Initiative soll auf globaler Ebene gegen geschlechtsspezifische Gewalt vorgegangen werden.

Gleichstellungsindex 2017

Video zur Sensibilisierung in Bezug auf Gewalt gegen Frauen

Pressekontakt: Katrin Abele, Tel.: +49 (30) 2280-2140

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.