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Ländervergleich Bildung in Europa: Ungleiche Bildungschancen bleiben Herausforderung für Mitgliedstaaten

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Jugend forscht
© Jugend forscht

Der Anteil von 15-jährigen Schülern mit mangelnden Grundkompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften ist in der EU zwischen 2013 und 2016  gestiegen. Deutschland macht bei diesem Trend keine Ausnahme, schneidet aber besser als der Durchschnitt ab. Und zeigt sich deutlich, dass Schüler aus sozial schwächeren Schichten besonders häufig Probleme haben. Diese Entwicklung hat sich in Deutschland zwar abgeschwächt, bleibt aber weiterhin bestehen. Für mehr Gleichheit in der Bildung müsse noch viel getan werden, forderte die EU-Kommission in ihrem heute (Donnerstag) vorgelegten Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2017.

09/11/2017

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sagte: „Ungleichheit nimmt immer noch zu vielen Menschen in Europa die Chance, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Sie ist eine Bedrohung für den sozialen Zusammenhalt, langfristiges Wirtschaftswachstum und den Wohlstand. Und allzu oft wird die Ungleichheit durch unsere Bildungssysteme weitergeführt – wenn die Bedürfnisse von Menschen aus ärmeren Verhältnissen nicht berücksichtigt werden; wenn die Bildungsergebnisse vom sozialen Status der Eltern abhängen und Armut und Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden. Gegen diese Ungleichheiten müssen wir mehr tun. Den Bildungssystemen kommt beim Aufbau einer gerechteren Gesellschaft eine besondere Rolle zu, indem sie gleiche Chancen für alle bieten.“

In der EU-Wachstumsstrategie „Europa 2020“ haben sich die Mitgliedstaaten auch Ziele für die Verbesserung von Bildung und Ausbildung gesteckt. Ziel der EU ist es, den Anteil 15-Jähriger, die Kompetenztest beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften nicht bestehen, bis 2020 auf unter 15 Prozent zu senken. Doch ist der Anteil der Leistungsschwachen zwischen 2013 und 2016 sogar gestiegen, bei Naturwissenschaften von 16,6 auf 20,6 Prozent. Deutschland macht bei diesem Trend im Großen und Ganzen keine Ausnahme, schneidet aber besser als der Durchschnitt ab. Der Anteil der Leistungsschwachen in Naturwissenschaften lag 2016 bei 17 Prozent, in Mathematik bei 17,2 Prozent (EU: 22,2) und beim Lesen bei 16,2 Prozent (EU: 19,7). Insgesamt besteht laut Kommissionsbericht ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und dem Abschneiden in der Schule. Während von Kindern aus besonders benachteiligten Verhältnissen 33,8 Prozent schlechte Leistungen zeigten, seien es bei Gleichaltrigen aus privilegierten Verhältnissen nur 7,6 Prozent. Für Deutschland liegt die Spannbreite zwischen 27,9 und 4,8 Prozent.

Zukunftschancen hängen von Bildung ab

Schlechtere Bildung mindert dem Bericht zufolge wiederum die sozialen und wirtschaftlichen Zukunftschancen deutlich. So seien 16,6 Prozent der Menschen, die nur über Grundbildung verfügten und die Schulen vor der Sekundarstufe II nach neun oder zehn Schuljahren verlassen hätten, arbeitslos. Bei Personen mit Hochschulabschluss liegt diese Quote nur bei 5,1 Prozent. Laut Bericht ist es fast dreimal so wahrscheinlich, dass Menschen mit Grundbildung in Armut oder sozialer Ausgrenzung leben werden wie Menschen mit Hochschulabschluss.

Fortschritte haben die EU-Staaten bei anderen Bildungs-Schlüsselzielen aus der Wachstumsstrategie gemacht. So ist die Quote der Schulabbrecher von 2010 bis 2016 von 13,9 auf 10,7 Prozent gesunken. Die EU-Kommission hält das für 2020 gesteckte Ziel für erreichbar, die Schulabbrecherquote auf unter 10 Prozent zu drücken. In Deutschland lag sie zuletzt bei 10,2 Prozent.

Ähnlich sieht es bei dem Ziel aus, dass 2020 mindestens 40 Prozent der 30 bis 34-jährigen in der EU einen Hochschul- oder gleichwertigen Abschluss haben soll. 2016 war ein Durchschnittswert von 39,1 Prozent erreicht, was gegenüber 2010 eine Steigerung um über fünf Prozentpunkte bedeutet. 17 EU-Staaten haben laut Kommission die 40-Prozent-Marke bereits übertroffen. Deutschland liegt erst bei 33,2 Prozent.

Investitionen in Bildung steigen wieder

Wie es in dem Kommissionsbericht weiter heißt investieren die Mitgliedstaaten nach der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise wieder mehr in Bildung. 2015 habe die Steigerung zum Vorjahr inflationsbereinigt ein Prozent betragen. Rund zwei Drittel der Mitgliedstaaten gäben mehr für Bildung aus, darunter auch Deutschland, wo die Investitionen mit 4,2 Prozent des BIP aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt von 4,9 Prozent lagen. Lobend erwähnt wird in dem Bericht, dass Deutschland sein erfolgreiches System der dualen Ausbildung in Unternehmen und Berufsschulen anpasse, um Flüchtlinge in Bildungssystem und Arbeitsmarkt zu integrieren. Damit gehöre Deutschland zu den Ländern, die daran arbeiteten, die Bildungschancen sozial schwächerer Menschen zu verbessern.

Um die Bedeutung hochwertiger Bildungssysteme soll es beim ersten EU-Bildungsgipfel gehen. Zu diesem lädt die EU-Kommission am 25. Januar hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aller Mitgliedstaaten ein. Gesprochen werden soll darüber, wie nationale Bildungssysteme inklusiver und wirkungsvoller gestaltet werden können.

Der Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2017 ist die sechste Auflage dieses jährlich von der Kommission herausgegebenen Berichts, der die Fortschritte der EU im Hinblick auf sechs Ziele für die allgemeine und berufliche Bildung 2020 misst. Der Bericht enthält einen Ländervergleich und 28 ausführliche Länderberichte, außerdem werden auf einer eigenen Website zusätzliche Daten und Informationen angeboten.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Allgemeine und berufliche Bildung in Europa: Ungleichheit weiterhin eine Herausforderung

Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2017

Website des Monitors

Pressekontakt: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.