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Der Euro ist eine stabile Währung und bietet viele Vorteile

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Der Euro hatte es nicht leicht: Erst wurde er als „Teuro“ verschrien, dann gab er der Staatsschulden-Krise seinen Namen. Dabei bietet er den Bürgern viele praktische Vorteile. Außerdem ist der Euro eine stabile Währung und wird von den europäischen Regierungen verteidigt.


01.03.2017 - Ja, er ist seit seiner Geburt umstritten, der Euro. Dabei ist er noch ziemlich jung: Die Gemeinschaftswährung wurde 1999 eingeführt und ist seit 2002 auch im Portemonnaie der Bürger zu finden. Zum ersten Mal seit 1500 Jahren haben die gleichen Münzen Geltung vom Mittelmeer bis zur Ostsee. Rund 338 Millionen Europäer bezahlen täglich mit dieser gemeinsamen Währung, die 19 der 28 EU-Länder eingeführt haben. Für die Europäer hat der Euro das Reisen einfacher gemacht, weil sie kein Geld mehr tauschen müssen. Das spart jedes Jahr über 30 Milliarden Euro Wechselgebühren. Beim Einkauf im Ausland sind durch den direkten Preisvergleich viele Produkte für die Verbraucher günstiger geworden.

Nach der Bargeld-Einführung lautete der Vorwurf, der Euro sorge für steigende Preise. Viele Deutsche sehnten sich deshalb nach der D-Mark zurück. Die Statistik belegt aber das Gegenteil. Der Euro hat die Preise in Deutschland nicht angeheizt – auch wenn viele Verbraucher das so empfanden. Dieses Gefühl resultierte daher, dass Kneipen, Restaurants und Kinos ihre Preise damals deutlich anhoben.

Der Euro ist  eine stabile Währung. Die  Inflation ist seit seiner Einführung wesentlich niedriger als in den Jahrzehnten zuvor. In den 20 Jahren vor der Euro-Einführung (1979 bis 1998) betrug die Teuerungsrate durchschnittlich 2,89 Prozent. Nach dem Euro-Start lag sie von 1999-2005 im Schnitt in Deutschland nur noch bei 1,44 Prozent. Auch in den Euro-Ländern insgesamt betrug die Inflation von 2010 bis 2016 durchschnittlich nur 1,26 Prozent.

Über die gesamte Krise hinweg ist sein Wechselkurs bemerkenswert stabil geblieben. Hätte es den Euro in der Finanzkrise nicht gegeben, wäre Europa wie Anfang der 1990er Jahre mit großen Währungsschwankungen und steigenden Zinsen konfrontiert gewesen. In unserer verklärenden Erinnerung an vermeintlich gute alte Zeiten übersehen wir oft, dass Europa vor dem Euro immer wieder durch Währungskrisen erschüttert wurde.

Der Euro hat sich inzwischen als zweitwichtigste Reservewährung der Welt nach dem Dollar etabliert. Damit gibt der Euro den Ländern des Euroraums und der EU insgesamt mehr politisches und wirtschaftliches Gewicht auf der internationalen Bühne. Auch die Steuerzahler profitieren von der gemeinsamen Währung. Die Staaten des Euroraums haben nach Berechnung der EU-Kommission alleine 2016 rund 50 Milliarden Euro an Zinsen gespart – dank der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank EZB.

Allerdings kam der Euro mit einem Geburtsfehler auf die Welt, denn es fehlte eine gemeinsame Haushalts- und Wirtschaftspolitik. Ein Verzicht auf nationale Hoheitsrechte war damals noch nicht durchsetzbar. Die verantwortungslose Haushaltspolitik einiger Regierungen war einer der Gründe für die aufkommende Schuldenkrise. Ein anderer war die ausufernde private Verschuldung etwa in Irland und Spanien. 2010 geriet die Staatsverschuldung in Griechenland aus dem Ruder, dann griff die Krise auf Irland, Portugal, Spanien und Zypern über.  

Als Reaktion darauf zeigten die europäischen Regierungen eine beispiellose Solidarität und schufen ein Sicherheitsnetz für Euro-Länder in Schwierigkeiten in Form der Rettungsfonds EFSF und später ESM. Im Gegenzug verpflichteten sich die Krisenländer zu durchgreifenden Reformen. Ein „Grexit“, Griechenlands Austritt aus der Eurozone, wurde damit abgewendet, denn er hätte das Vertrauen in die Unumkehrbarkeit der Gemeinschaftswährung zerstört.

Auch für die Krisenländer hat der harte Euro einen großen Vorteil: Er versperrt den bequemen Ausweg. Sie können ihre hausgemachten Probleme nicht mehr durch ein Abwerten einer eigenen Währung kurzfristig abfedern. Stattdessen zwingt der Euro sie dazu, sich ihren wahren Problemen zu stellen. Sie müssen konkurrenzfähiger werden, statt über eine Abwertung nur am Symptom herumzudoktern. Das ist schmerzhaft, aber es ist heilsam.

Die Euro-Staaten haben sich auch daran gemacht, die Geburtsfehler des Euro zu beheben.  Zwischen 2011 und 2013 beschloss die EU neue, strengere Regeln für die Kontrolle der Staatsschulden und Haushaltsdefizite – um sicherzustellen, dass keine Regierung über ihre Verhältnisse lebt. Damit wurde der Stabilitäts- und Wachstumspakt verschärft. So muss jedes Land seinen Haushaltsplan in Brüssel vorlegen und bei Verstößen mit härteren Sanktionen rechnen. Die Wirtschaftspolitik wird enger koordiniert.

Das zeigt Wirkung: Während die staatlichen Haushaltsdefizite im Euro-Raum 2009 noch durchschnittlich 6,3 Prozent betrugen, liegen sie heute unter 2 Prozent. Die wirtschaftliche Erholung geht ins fünfte Jahr, die Arbeitslosigkeit geht zurück. Durch die Disziplin der gemeinsamen Währung wird die Staatsverschuldung in der Euro-Zone eingedämmt, während sie zum Beispiel in den USA und Japan immer weiter zunimmt. Der Euro macht sich also!

Website der EU-Kommission zum Euro

Pressekontakt: Reinhard Hönighaus, Tel.: +49 (30) 2280-2300

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.