Vertretung in Deutschland

Die EU rechnet sich – auch für Deutschland

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Ist Deutschland wirklich der Zahlmeister Europas? Bei der absoluten Summe schon. Aber nicht, wenn man sich die Kosten pro Bürger und in Bezug zur Wirtschaftskraft ansieht. Im Jahr 2015 waren bei dieser Betrachtungsweise die Niederlande und Schweden die größten Nettozahler.


01.03.2017 - Deutschland ist die größte Volkswirtschaft in der EU und im Vergleich zu vielen osteuropäischen Staaten wohlhabend. Da ist es nur natürlich, dass der deutsche Staat unter dem Strich mehr in den EU Haushalt einzahlt, als er daraus zurückbekommt - um ärmeren Staaten zu helfen. Damit ist Deutschland ein Nettozahler der EU (im Gegensatz zum Nettoempfänger).

Berechnet man den deutschen Beitrag zum EU-Haushalt auf die Einwohnerzahl, so stehen die Deutschen bei den Pro-Kopf-Zahlungen in der Rangliste nur auf Platz vier. Jeder Bundesbürger zahlte 2015 laut Statistikbehörde Eurostat im Schnitt 176 Euro in den Gemeinschaftshaushalt ein. An der Spitze standen die Schweden (226 Euro), gefolgt von den Niederländern (219 Euro) und den Briten (178 Euro). Der deutsche Beitrag ging übrigens zurück, 2014 hatten die Deutschen mit 192 Euro noch Platz drei belegt. Bei den Netto-Empfängern - die also mehr Geld zurückbekommen als sie einzahlen - standen 2015 die Slowaken an der Spitze. Sie erhielten rein rechnerisch 571 Euro pro Kopf aus dem Gemeinschaftshaushalt. Dahinter folgten die Tschechen (541 Euro), die Ungarn (470 Euro) und dann die Griechen (454 Euro).

Betrachtet man die Wirtschaftskraft, so liegt Deutschland ebenfalls nur auf dem dritten Platz beim Beitrag zum EU-Haushalt. Bezogen auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten waren im Jahr 2015 erneut die Niederlande der größte Nettozahler der EU. Der negative Haushaltssaldo der Niederlande entsprach 0,54 des BIP. Danach folgte Schweden (mit minus 0,48 Prozent) und erst dann Deutschland mit minus 0,46 Prozent.

Nur in Anbetracht der absoluten Zahlen ist Deutschland also tatsächlich der größte Nettozahler der Europäischen Union. Im Jahr 2015 zahlte Deutschland rund 14,3 Milliarden Euro mehr in den EU-Haushalt ein, als es aus den diversen Brüsseler Fördertöpfen erhielt. Es folgten das Vereinigte Königreich (11,5 Milliarden Euro in 2015) und dann Frankreich (5,5 Milliarden Euro). Der EU-Haushalt betrug 2015 insgesamt 145 Milliarden Euro, mehr als 80 Prozent stammen aus Beiträgen der Mitgliedstaaten.

Allerdings lässt sich die Frage, ob die EU-Mitgliedschaft für einen Staat mehr Vorteile oder mehr Nachteile mit sich bringt, nicht allein mit der Nettozahler-Position beantworten. Man muss ja auch andere Faktoren berücksichtigen, die viele Vorteile mit sich bringen. Dazu gehören zum Beispiel die politische Stabilität und Sicherheit, die Reisefreiheit, der Binnenmarkt und der Euro als Leitwährung. Keine andere europäische Volkswirtschaft profitiert aufgrund ihrer Export-Orientierung so sehr vom EU-Binnenmarkt wie die deutsche.

Daten von Eurostat zum EU-Haushalt 2015

Bundeszentrale für politische Bildung zu Nettozahlern und Empfängern in der EU

Pressekontakt: Reinhard Hönighaus, Tel.: +49 (30) 2280-2300

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.