Vertretung in Deutschland

Mythos: „Deutschland stünde besser da mit der D-Mark“

Noch immer gibt es viele Deutsche, die der guten alten D-Mark hinterhertrauern. In ihrer Nostalgie halten sie den Euro für einen Misserfolg, der Deutschland Geld koste. Das Gegenteil ist der Fall: Der Euro ist eine stabile und sichere Währung, inzwischen die zweitwichtigste Währung der Welt. In einem sich rasch wandelnden internationalen Umfeld kann Europa seine Wirtschaftskraft und sein Netz der sozialen Sicherheit nur mit einem starken Binnenmarkt und einer global bedeutsamen Währung wahren.

09/05/2019

Dass der Euro ein „Teuro“ sei, stimmt nicht, auch wenn es immer wieder behauptet wird. Tatsächlich ist die Inflationsrate seit der Euro-Einführung 1999 niedriger als zu D-Mark-Zeiten. Die Euro-Rate lag im Schnitt unter 2 Prozent - deutlich niedriger als in den 20 Jahren vor der Euro- Einführung (1979 bis 1998) mit durchschnittlich 2,89 Prozent. Zu D-Mark-Zeiten, in den 1970er und 80er Jahren, betrug die Teuerungsrate gar noch knapp vier Prozent, 1992 überschritt sie sogar die Marke von fünf Prozent.

Eine niedrige Teuerungsrate macht die Ersparnisse der europäischen Bürger sicherer. Das steht ganz im Gegensatz zu den Befürchtungen von Euro-Gegnern, die bei der Einführung der Gemeinschaftswährung glaubten, dass der Euro zu einer Inflationsgemeinschaft werde, weil der Konsens darüber fehle, wie wichtig stabile Preise sind.

Viele Verbraucher hatten den Eindruck, dass der Euro die Preise in Deutschland angeheizt hat. Dieses Gefühl kam daher, dass Kneipen und Restaurants ihre Preise nach der Bargeld-Einführung 2002 deutlich anhoben und auch Lebensmittel – wegen globaler Preissteigerungen - teurer wurden. Das war aber absolut nicht die Schuld des Euro.

Nach den Prophezeiungen der Euro-Kritiker sollte die Euro-Zone zum Hochzinsgebiet werden - was nun wirklich nicht so gekommen ist. Der Leitzins ist derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau, Banken bekommen frisches Zentralbankgeld zu null Prozent Zinsen. Dass die Euro-Zone in der Schuldenkrise ab 2010 ins Kriseln kam, lag nicht am Euro selbst, sondern an anderen Dingen, mit denen der Euro an sich wenig zu tun hatte: Den Immobilien-Crashs und einer Jahrhundert-Bankenkrise.

Der Euro fördert Handel und Beschäftigung und schützt vor Währungsschwankungen 

Seit Einführung des Euro im Jahr 1999 ist das Durchschnittseinkommen im Euroraum (EA19) von 20.900 Euro auf 33.900 Euro gestiegen (2018). Im gleichen Zeitraum ist die Erwerbstätigenquote von 63,6 auf 71,0 Prozent geklettert.

Verbraucher und Unternehmen profitieren vom Euro, weil sie beim Reisen ins europäische Ausland keine Wechselgebühren mehr zahlen müssen. Viele Waren wurden billiger, weil die Preise von heimischen und ausländischen Produkten leichter vergleichbar sind. Die Stabilität des Euro macht es für Unternehmen weltweit im Handel mit Europa attraktiv, in Euro angegebene Preise zu akzeptieren. Dies spart den europäischen Unternehmen die mit Wechselkursschwankungen und der Umrechnung in andere Währungen verbundenen Kosten. Außerdem wird für die Länder, die den Euro verwenden, der Handel untereinander viel einfacher und billiger. Unternehmen müssen nicht mehr die wettbewerbsverzerrenden Abwertungen in anderen Ländern fürchten, wie sie vor der Währungsunion zum Beispiel in Italien immer wieder vorkamen. Die Kosten für Überweisungen in den Euro-Raum sind weggefallen, weil solche Überweisungen genau wie Inlandsüberweisung behandelt werden. Der mit dem Euro verbundene Wegfall all dieser Handelshindernisse führte zu einer Vertiefung des europäischen Binnenmarkts, aus der Deutschland erhebliche wirtschaftliche Kraft schöpft.

In der Finanzkrise war der Euro ein wichtiger Schutzschirm. Der Euro hat die Kosten von Währungsschwankungen innerhalb des Euro-Raums beseitigt und die Menschen und Unternehmen vor kostspieligen Ausschlägen an den Devisenmärkten geschützt, die vor der Währungsunion in einigen Ländern das Vertrauen untergruben, Investitionen hemmten und wirtschaftliche Instabilität verursachten.

Die Erfolgsgeschichte des Euro zeigt sich auch daran, dass immer mehr Länder der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten: Der Euro-Raum wuchs von elf auf inzwischen 19 Staaten. Im Jahr 2018 unterstützten 74 Prozent der Europäerinnen und Europäer eine europäische Wirtschafts- und Währungsunion mit einer einheitlichen Währung, dem Euro. Die Zustimmung war noch nie größer.

Printversion hier

/germany/file/mythosdmarkpdf_demythos_dmark.pdf