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Die EU sichert die Rechte von Passagieren auf Reisen

Ist der Flug überbucht, fällt aus, oder der Koffer verschwindet, dann haben die Passagiere Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Dafür sorgen einheitliche Regeln der EU. Dieser Verbraucherschutz ist einmalig auf der Welt und gilt nicht nur für Flugreisen, sondern auch für Bahn-, Bus-, und Schiffsreisen und auch für den Nahverkehr.

Seit 2005 hat die Europäische Union in einer Verordnung eine Reihe von Fluggastrechten festgeschrieben, die für alle Passagiere von Linien- und Charterflügen gelten – und zwar für solche Flüge, die auf einem Flughafen in der EU starten oder ein Ziel innerhalb der EU haben. Wird ein Flug zum Beispiel auf den nächsten Tag verschoben, muss die Airline üblicherweise eine Hotelübernachtung zahlen. Landet man erheblich später, fällt der Flug kurzfristig aus oder ist trotz Buchung kein Platz mehr an Bord, hat man Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Wie viel Geld es gibt, hängt von der Flugstrecke ab: Je nach Entfernung bekommt der Passagier 250, 400 oder 600 Euro. Allerdings nur dann, wenn der Grund kein außergewöhnlicher Umstand wie schlechtes Wetter oder ein Streik der Fluglotsen war.

Bei Reisebeschränkungen infolge von Pandemien wie dem Coronavirus-Ausbruch gibt es zwar kein Recht auf Entschädigung, aber die Reisenden haben ein Recht darauf, dass ihnen das bereits bezahlte Geld für Pauschal- und Flugreisen zurückerstattet wird. Dies ist eine erhebliche Belastung für Tourismusunternehmen, da der Reiseverkehr fast ganz zum Erliegen gekommen ist. Die EU empfiehlt daher den Reisenden, freiwillig auch Gutscheine für spätere Reisen anzunehmen, sofern diese attraktiv gestaltet und gegen Insolvenz gesichert sind.

Fluggäste müssen das Geld von der Fluggesellschaft einfordern. Weigert sich die Airline, können sich die Passagiere sich bei der zuständigen nationalen Flugaufsichtsbehörde beschweren, in Deutschland ist dies das Luftfahrtbundesamt. Bei Streit kann man sich auch an die Schlichtungsstelle des Zentrums für europäischen Verbraucherschutz wenden. Bei zivilrechtlichen Streitigkeiten können sich Betroffene in Deutschland an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp) wenden.

2007 hat die EU auch den Verbraucherschutz für Bahnfahrer verbessert. Eine EU-Verordnung regelt seitdem die Rechte von Bahngästen europaweit einheitlich. Bei Zugverspätung, beim Ausfall eines Zuges und bei Unfällen bekommen Fahrgäste Entschädigung – egal ob sie in einem Land oder über Grenzen hinweg reisen. Reisende erhalten 25 Prozent des Ticketpreises zurück, wenn der Zug mehr als 60 Minuten Verspätung hat. Bei mehr als 120 Minuten Verspätung bekommen sie die Hälfte des Ticketpreises.

Sobald eine Verspätung von mindestens 60 Minuten absehbar ist, haben Fahrgäste die Wahl, sich den Fahrpreis erstatten zu lassen oder kann verlangen, kostenlos mit einem Ersatzzug oder Bus an den Zielort gebracht zu werden. Nachts haben Reisende das Recht, ein Taxi zu nutzen und sich die Kosten bis maximal 80 Euro erstatten zu lassen. Müssen sie wegen des Ausfalls übernachten, zahlt das Bahnunternehmen für das Hotel.

Ähnliche Regelungen gibt es auch für den Bus- und Schiffsverkehr.

Pressekontakt: Nikola John , Tel.: +49 (30) 2280-2410

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.