Vertretung in Deutschland

Die EU sorgt für sauberes Wasser – egal ob zum Baden oder zum Trinken

Verseuchte Meere, ölverschmierte Strände und Phosphate im Trinkwasser: das war einmal. Die EU greift ein, um die Gewässer sauber zu halten. Damit die Europäer ungetrübten Badespaß und sauberes Trinkwasser haben.

Als Lehre aus Tankerunglücken und Ölkatastrophen hat die EU moderne Standards für Schiffe festgelegt, die Häfen in der EU anlaufen. Nach dem Unglück des Tankers „Erika“ 1999 vor der französischen Küste wurde die Europäische Agentur für Maritime Sicherheit (EMSA) mit Sitz in Lissabon eingerichtet. Sie kümmert sich um die Sicherheit in Europas Gewässern. So wurden zum Beispiel Tanker mit einer einfachen Stahlwand verboten, stattdessen müssen Tanker Doppelwände haben.

Das Baden in Seen und Meeren ist nach EU-Angaben in mehr als 95 Prozent der Gewässer der EU unbedenklich, wie der EU-Bericht zur Qualität der Badegewässer aus dem Jahr 2020 zeigte. In Deutschland lag der Wert sogar noch etwas höher. Ein Grund dafür: hohe Wasserstandards der EU und wirksame Regeln, um diese auch zu erreichen.

In Deutschland ist allerdings die anhaltend hohe Nitratbelastung im Grundwasser und Oberflächenwasser in vielen Regionen ein Problem. Weil Deutschland entgegen gemeinsam beschlossener Regeln jahrelang keine strengeren Gegenmaßnahmen ergriffen hat, hat die EU-Kommission Deutschland im Jahr 2016 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt. Eine zu hohe Nitratbelastung durch Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft fördert das Wachstum von Algen, die anderes Leben ersticken. Eine Nitratkonzentration von über 50 mg/l kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, insbesondere auf schwangere Frauen und Kleinkinder. Für die Wasserwirtschaft verursacht die Entfernung von Nitraten aus dem Trinkwasser hohe Kosten. Im Juni 2018 hat der Europäische Gerichtshof Deutschland wegen des anhaltenden Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie verurteilt. Die Bundesregierung hat auf das Urteil im Jahr 2020 schließlich mit einer neuen Düngeverordnung reagiert.

Seit Anfang 2017 begrenzt eine EU-Verordnung etwa den Phosphorgehalt in Geschirrspülermitteln wie Tabs oder Pulver. Denn wenn zu viele Phosphate mit dem Abwasser in Flüsse und Seen gelangen, wachsen die Algen dank dieses Nährstoffs massenhaft – ähnlich wie bei zu hohen Nitratwerten.

Die EU unternimmt also viel, damit die Europäerinnen und Europäer sauberes Trinkwasser haben. Im Februar 2020 haben die Mitgliedstaaten den Weg für die endgültige Annahme einer neuen Trinkwasserrichtlinie geebnet. Die Kommission war damit auf die Forderung von 1,6 Millionen Menschen eingegangen, die mit ihrer Unterschrift die erste erfolgreiche Europäische Bürgerinitiative zum Recht auf Wasser („Right2Water“) unterstützt hatten. Die Reform soll die Qualität und den Zugang zu sauberem Trinkwasser optimieren sowie Bürger besser darüber informieren. Als Nebeneffekt sollen mehr Menschen Leitungswasser trinken und auf den Kauf von Plastikwasserflaschen verzichten. Damit die Menschen auch unterwegs ihren Durst stillen können, werden künftig in möglichst vielen öffentlichen Räumen Wasserhähne oder Wasserspender eingerichtet. Für eine bessere Wasserqualität wird es Mindestanforderungen an die Hygiene von Leitungen geben.

Pressekontakt: Claudia Guske , Tel.: +49 (30) 2280-2190

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.