Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und BIP

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Datenauszug vom Juli 2018.

Aktualisierung des Artikels geplant: Dezember 2019.

Im Fokus
Das BIP wuchs 2017 in der EU im fünften Jahr in Folge und im Euroraum in vierten Jahr in Folge.
Divergierende strukturelle Entwicklungen in der EU in den letzten zehn Jahren: sinkender Anteil der Baubranche an der gesamten Wertschöpfung, steigender Anteil der unternehmensbezogene Dienstleistungen.
2017 verzeichnete die Wirtschaft in der EU im vierten Jahr in Folge eine Zunahme der Investitionen.

Reales BIP-Wachstum, 2007-2017

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) liefern Daten zu einer Vielzahl bekannter Wirtschaftsindikatoren, die in diesem Artikel dargestellt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist das am häufigsten verwendete Maß für die Gesamtgröße einer Volkswirtschaft. Davon abgeleitete Indikatoren wie das BIP pro Kopf, z. B. in Euro oder um Unterschiede in den Preisniveaus bereinigt (ausgedrückt in Kaufkraftstandards, KKS), werden häufig für einen Vergleich der Lebensstandards oder zur Beobachtung der wirtschaftlichen Konvergenz oder Divergenz in der Europäischen Union (EU) verwendet.

Darüber hinaus können die Entwicklungen bestimmter Komponenten des BIP und damit verbundener Indikatoren, z. B. für die Wirtschaftsleistung, für Einfuhren und Ausfuhren, für den Inlandsverbrauch (der privaten Haushalte und der öffentlichen Hand) und für Investitionen sowie Daten zur Verteilung von Einkommen und Sparen hilfreiche Einblicke in die Hauptantriebskräfte der Wirtschaft vermitteln und so eine Grundlage für die Konzeption, die Überwachung und die Bewertung gezielter politischer Maßnahmen der EU schaffen.

Vollständiger Artikel

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der EU: Wachstum seit 2013

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise führte 2009 in der EU zu einer schweren Rezession (siehe Abbildung 1), auf die 2010 eine Erholung folgte. Die Krise hatte schon zuvor in Japan und den Vereinigten Staaten ihren Anfang genommen. Dort verzeichnete man bereits 2008 negative jährliche Veränderungsraten beim BIP (in realen Werten), die 2009 noch stärker ausfielen, bevor sie 2010 wieder anzogen. Im Gegensatz dazu legte die Wirtschaftsleistung in China auch während der Krise vergleichsweise rasch zu (jedes Jahr um fast 10 %), verlangsamte ihre Dynamik in den folgenden Jahren etwas, wuchs aber immer noch wesentlich stärker als in allen anderen, in Abbildung 1 gezeigten Volkwirtschaften. Die Krise hatte sich bereits 2008 mit einem erheblichen Rückgang der Steigerungsrate des BIP in der EU-28 abgezeichnet. 2009 verringerte sich das reale BIP dann um 4,3 %. Im Zuge der Erholung stieg der verkettete Volumenindex des BIP 2010 in der EU-28 um 2,1 % und 2011 um weitere 1,8 %. 2012 verringerte sich das BIP real um 0,4 %, während in den darauffolgenden Jahren 2013 (0,3 %), 2014 (1,7 %) und 2015 (2,3 %) immer höhere positivere Veränderungsraten zu verzeichnen waren. Das Wachstum setzte sich, wenn auch mit geringerem Tempo (1,9 %), 2016 fort. Im Jahr 2017 zog es – mit einer Zunahme des BIP um 2,4 % und somit der höchsten jährlichen Veränderungsrate seit dem Beginn der Krise – erneut an. Im Euroraum (ER-19) verlief die Entwicklung bis 2010 fast parallel zur EU-28. 2011 war der Zuwachs dagegen etwas schwächer (1,6 %) und 2012 fiel der Rückgang (-0,9 %) stärker aus als und setzte sich 2013 weiter fort (-0,2 %). Im Zeitraum von 2014 bis 2016 stieg die reale Wachstumsrate des BIP im Euroraum etwas schwächer als in der EU-28 insgesamt, wobei dieser Trend 2017, als beide Aggregate die gleiche Veränderungsrate aufwiesen, endete.

Abbildung 1: Reales BIP-Wachstum, 2007-2017
(Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp) und OECD


In der EU fiel das Wachstum des realen BIP sowohl im Zeitverlauf als auch im Ländervergleich sehr unterschiedlich aus (siehe Tabelle 1). Nachdem das Wirtschaftswachstum 2009 in allen Mitgliedstaaten außer Polen rückläufig gewesen war, zog es 2010 in 23 Mitgliedstaaten wieder an (und blieb in Spanien unverändert). Im Jahr 2011 gab es in 24 Mitgliedstaaten ein Wirtschaftswachstum. Diese Entwicklung veränderte sich jedoch im Jahr 2012, als die Hälfte (14) der Mitgliedstaaten eine wirtschaftliche Expansion verzeichnete, während sich in Bulgarien das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität nicht veränderte und in den restlichen Mitgliedstaaten die Wirtschaftsleistung nachließ. 2013 meldete erneut eine Mehrheit (17) der Mitgliedstaaten Wachstumsraten, 2014 waren es schon 25 und in den Jahren 2015 und 2016 gar 27. 2017 verzeichneten dann alle 28 Mitgliedstaaten erstmals seit 2007 wieder positive Veränderungsraten. Als einziger Mitgliedstaat mit einer negativen Veränderungsrate wies Griechenland 2015 und 2016 einen Rückgang um 0,3 % bzw. 0,2 % auf, nachdem die Wirtschaftsleistung im Jahr 2014 um 0,7 % zugenommen hatte und von 2008 bis 2013 sechsmal in Folge zurückgegangen war.

Tabelle 1: Reales BIP-Wachstum, 2007-2017
(Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %; in % pro Jahr)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp) und Weltbank

Die höchsten jährlichen Wachstumsraten des realen BIP wurden 2017 in Irland (7,2 %), Rumänien (6,9 %), Malta (6,4 %) und Slowenien (5,0 %) verzeichnet. Am niedrigsten fielen die Zuwachsraten in Belgien und dem Vereinigten Königreich (beide 1,7 %), Italien (1,5 %) und Griechenland (1,4 %) aus.

Im letzten Jahrzehnt lag die durchschnittliche jährliche Zunahme des BIP in der EU und im Euroraum unter 1 %

Polen wies in dem gesamten in Tabelle 1 erfassten Zeitraum positive Veränderungsraten auf; unter den dargestellten Drittstaaten traf dies auch auf Albanien, Kosovo (UNSCR 1244; Daten von 2009 bis 2016) und China (neueste Daten ebenfalls von 2016) zu. Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Irland, Frankreich, Litauen, Malta, die Slowakei und das Vereinigte Königreich meldeten 2017 zum achten Mal in Folge eine positive jährliche Veränderungsrate, ebenso Norwegen, die Schweiz und die Vereinigten Staaten, während die Türkei 2016 im siebten Jahr in Folge eine positive Veränderungsrate verzeichnete.

Infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Wirtschaftsleistung der EU-Mitgliedstaaten in den vergangenen zehn Jahren insgesamt verschlechtert. Im Zeitraum von 2007 bis 2017 betrugen die durchschnittlichen Wachstumsraten der EU-28 und des Euroraums (ER-19) 0,8 % bzw. 0,6 % pro Jahr (siehe Tabelle 1). Den größten Zuwachs konnte zwischen 2007 und 2017 Malta vorweisen (durchschnittliches Wachstum von 4,2 % pro Jahr), gefolgt von Irland (4,1 %) und Polen (3,3 %). Insgesamt negativ fiel die Entwicklung des realen BIP im Zeitraum von 2007 bis 2017 dagegen in Griechenland, Italien, Kroatien und Portugal aus.

Nach KKS erwirtschaftete Deutschland 2017 etwa ein Fünftel des BIP in der EU-28

Ländervergleiche werden häufig anhand von Kaufkraftstandards (KKS) vorgenommen, weil damit die Preisunterschiede zwischen den Ländern bereinigt werden. Zu beachten ist, dass die Zahlen in Abbildung 2 und Abbildung 3 sowie in Tabelle 2 in jeweiligen Marktpreisen angegeben sind. Aufgrund der Inflation und der Wechselkursschwankungen sind sie für Vergleiche im Zeitverlauf ungeeignet. 2017 belief sich das BIP in der EU-28 auf 15,3 Billionen KKS (15 300 Milliarden), wobei zu beachten ist, dass für die EU-28 ein KKS einem Euro entspricht. Damit war das BIP der EU-28 in KKS in jedem in diese Analyse einbezogenen Jahr höher als das BIP der Vereinigten Staaten. In China, wo die Wirtschaftsleistung seit jeher geringer war als in der EU-28 und den Vereinigten Staaten, hat sich die Situation durch den rasanten Wandel und die anhaltende Expansion der chinesischen Wirtschaft mittlerweile verändert. 2013 überstieg das chinesische BIP in KKS erstmals das der Vereinigten Staaten und 2015 erreichte Chinas Wirtschaftsleistung ein höheres Niveau als das der EU-28 (diese Situation blieb auch 2016 und 2017 bestehen).

Abbildung 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2007-2017
(in Mrd. KKS)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind) und Weltbank

Auf den Euroraum (ER-19) entfiel 2017 mit 70,7 % des BIP der EU-28 (gemessen in KKS) ein geringerer Anteil als 2007, als dieser Wert bei 72,6 % lag. 2017 kamen die fünf größten Volkswirtschaften der EU (Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien) zusammen auf etwas mehr als zwei Drittel (66,8 %) des BIP der EU-28; das waren 1,8 Prozentpunkte weniger als zehn Jahre zuvor (2007).

2017 betrug das BIP pro Kopf in der EU-28 durchschnittlich 29 900 EUR

Zur Bewertung des Lebensstandards wird in der Regel das BIP herangezogen, weil dadurch die Größe einer Volkswirtschaft gemessen an ihrer Bevölkerung herausgerechnet wird. 2017 belief sich das durchschnittliche BIP pro Kopf in jeweiligen Preisen in der EU-28 auf 29 900 EUR. In KKS ausgedrückte Werte wurden um die Preisunterschiede zwischen den Ländern bereinigt. Die relative Position einzelner Länder lässt sich im Vergleich mit dem EU-28-Durchschnitt darstellen, der mit 100 gleichgesetzt wird (siehe Tabelle 2). Legt man diesen Maßstab zugrunde, verzeichnete Luxemburg den höchsten Wert der EU-Mitgliedstaaten; sein BIP pro Kopf in KKS überstieg im Jahr 2017 den EU-28-Durchschnitt etwa um das 2,5fache (was zum Teil auf die große Zahl von Grenzgängern aus Belgien, Frankreich und Deutschland zurückzuführen ist). Im Gegensatz dazu betrug das BIP pro Kopf in KKS in Bulgarien etwas weniger als die Hälfte des Durchschnittswerts für die EU-28.

Tabelle 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2007 und 2015-2017
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind) und Weltbank

Auch wenn KKS-Daten im Prinzip nur zu Ländervergleichen für einzelne Jahre statt über längere Zeiträume hinweg herangezogen werden sollten, weist doch die Entwicklung dieser Zahlen im vergangenen Jahrzehnt auf eine allmähliche Angleichung der Lebensstandards hin. In den meisten Mitgliedstaaten, die der EU 2004, 2007 oder 2013 beigetreten sind und die 2007 noch unter dem EU-28-Durchschnitt gelegen hatten, war trotz einiger Rückschläge während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2017 eine Annäherung an den EU-Durchschnitt festzustellen. Ausnahmen waren Slowenien und Zypern. Slowenien fiel noch etwas weiter unter den EU-28-Durchschnitt, ebenso wie Griechenland und Portugal in der Gruppe der EU-15 (siehe Abbildung 3). Zypern fiel ebenso wie Italien und Spanien von einem über dem EU-28-Durchschnitt liegenden Wert auf einen darunter liegenden Wert zurück. Während Irland, Deutschland, Österreich und Dänemark 2017 im Vergleich zu 2007 den EU-28-Durchschnitt noch stärker überschritten, bewegten sich einige andere EU-15-Mitgliedstaaten, nämlich Luxemburg, Finnland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Schweden und Frankreich, von einem Wert über dem EU-28-Durchschnitt im Jahr 2007 auf einen näher am (aber immer noch über dem) EU-28-Durchschnitt liegenden Wert im Jahr 2017 zu. Belgien und Kroatien verzeichneten in diesem Zeitraum so gut wie keine Veränderung ihres BIP pro Kopf in KKS gegenüber dem Durchschnitt der EU-28.

Abbildung 3: BIP pro Kopf in jeweiligen Marktpreisen, 2007 und 2017
(EU-28 = 100; BIP pro Kopf in KKS)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind), OECD und Weltbank

Bruttowertschöpfung in der EU nach Wirtschaftszweigen

Etwa drei Viertel der 2017 in der EU-28 erwirtschafteten Wertschöpfung wurden im Dienstleistungsbereich erzielt

In Tabelle 3 wird das BIP von der Entstehungsseite her betrachtet, und die relative Bedeutung von zehn Wirtschaftszweigen (gemäß NACE Rev. 2) wird anhand ihres Beitrags zur Wertschöpfung in Herstellungspreisen veranschaulicht. Zwischen 2007 und 2017 ging der Beitrag der Industrie zur Wertschöpfung in der EU-28 um 0,5 %Prozentpunkte auf 19,6 % zurück, dicht gefolgt von Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie, deren Anteil an der Bruttowertschöpfung 2007 und 2017 gleich hoch war (19,0 %). Dagegen stieg der Anteil der Bereiche öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheit an der Wertschöpfung 2017 um 0,8 Prozentpunkte auf 18,6 %. Die — gemessen an der Bruttowertschöpfung — nächstgrößeren Wirtschaftszweige waren 2017 Grundstücks- und Wohnungswesen (11,3 %), freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (im Folgenden unternehmensbezogene Dienstleistungen; 11,2 % mit einem Anstieg um 1,0 Punkte im Zeitraum zwischen 2007 und 2017), Baugewerbe/Bau (5,4 % mit einem Rückgang um 1,0 Punkte im gleichen Zeitraum), Informations- und Kommunikationsdienstleistungen (5,0 %) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (4,9 %). Am geringsten war der Beitrag der Bereiche Kunst, Unterhaltung und sonstige Dienstleistungen (3,5 %) sowie Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (1,6 %).

Tabelle 3: Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, 2007 and 2017
(%-Anteil an der Bruttowertschöpfung insgesamt)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)

Im Jahr 2017 trugen Dienstleistungen 73,5 % zur gesamten Wertschöpfung in der EU-28 bei, im Jahr 2007 waren es 71,9 %. Eine verhältnismäßig wichtige Rolle spielte der Dienstleistungsbereich insbesondere in Luxemburg, Zypern, Malta, dem Vereinigten Königreich, Griechenland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Portugal, wo mindestens drei Viertel der gesamten Wertschöpfung auf Dienstleistungen entfielen. Dagegen machten Dienstleistungen in der Tschechischen Republik und in Irland weniger als drei Fünftel aus.

Divergierende Entwicklungen der Wirtschaftszweige in den letzten zehn Jahren

Strukturelle Veränderungen sind zumindest teilweise auf Faktoren wie den technologischen Wandel, die Entwicklung der relativen Preise sowie Auslagerung und Globalisierung zurückzuführen, die häufig zu einer Verlagerung der Produktion und mancher Dienstleistungen (soweit sie aus der Ferne durch Call Center erbracht werden können) in Regionen mit niedrigeren Arbeitskosten sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU führen. Darüber hinaus wurden einige Wirtschaftszweige von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und deren Folgen besonders hart getroffen. In der Industrie der EU-28 fiel der Rückgang der Wertschöpfung im Zeitraum von 2007 bis 2009 mit einem Minus von insgesamt 12,5 % (volumenmäßig) am stärksten aus. Von 2011 bis 2013 ging die Industrieproduktion in der EU-28 um weitere 2,3 % zurück, bevor sie – 2014, 2015 und 2017 relativ schnell (um 2,7 %, 3,2 % bzw. 3,2 %) und 2016 etwas moderater (1,9 %) – zu wachsen begann. Die längste und stärkste Rezession verzeichnete das Baugewerbe. Hier sank die von 2007 bis 2013 durchgehend rückläufige Produktion um insgesamt 19,0 %. 2014 wurde mit einem Plus von 1,3 % der erste jährliche Anstieg nach sieben Jahren verzeichnet, gefolgt von weiteren Zuwächsen um 2,0 % (2015), 1,5 % (2016) und 4,2 % (2017). Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie in den Bereichen Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie nahm die Wertschöpfung 2009 ebenfalls stark ab, und zwar um 6,9 % bzw. 5,9 %. Danach wurden bis 2017 jedoch wieder positive jährliche Zuwachsraten verzeichnet. Eine Ausnahme bildete 2013 ein moderater Rückgang um 0,1 % in den Bereichen Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie. Nach relativer Stabilität im Jahr 2009 (keine Veränderung) ging die Produktion im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei 2010 um 3,6 % und 2012 erneut um 5,5 % zurück. Nach Anstiegen um 3,7 %, 3,0 % bzw. 1,5 % in den Jahren 2013, 2014 und 2015 sank 2016 die Produktion im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei um 1,1 %, bevor sie sich 2017 wieder um 1,0 % zunahm. In zwei der in den Abbildungen 4 und 5 dargestellten Wirtschaftsbereiche – Grundstücks- und Wohnungswesen sowie öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen – war während des Bezugszeitraums kein Rückgang der jährlichen Wertschöpfung festzustellen.

Für 2017 meldeten alle Wirtschaftszweige außer Land- und Forstwirtschaft und Fischerei ein Wachstum ihrer Bruttowertschöpfung gegenüber 2016. Am kräftigsten waren die Zuwächse in den Bereichen Information und Kommunikation (4,6 %), Bauwesen (4,2 %) und unternehmensbezogene Dienstleistungen (4,1 %).

Abbildung 4: Entwicklungen der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2007-2017
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)
Abbildung 5: Entwicklungen der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2007-2017
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)

Arbeitsproduktivität

Zur Ausschaltung von Inflationseffekten kann die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem anhand preisbereinigter Daten berechnet werden. Eine Analyse der Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem in jeweiligen Preisen (auf der Grundlage verketteter Volumenänderungen) über den Zehnjahreszeitraum von 2007 bis 2017 ergibt für die meisten Wirtschaftszweige ein Wachstum. Die größten Produktivitätszuwächse verzeichneten die Bereiche Land- und Forstwirtschaft und Fischerei mit einer Zunahme um insgesamt 28,9 %, Information und Kommunikation (20,0 %) und Industrie (13,7 %) (siehe Abbildung 6). Da verkettete Volumen nicht additiv sind, ist ein genauer Vergleich der Arbeitsproduktivität der verschiedenen Wirtschaftszweige nur für das Referenzjahr 2010 möglich. Am höchsten war die Arbeitsproduktivität 2010 bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, dicht gefolgt von Information und Kommunikation, während Land- und Forstwirtschaft und Fischerei den bei weitem niedrigsten Wert aufwiesen.

Abbildung 6: Reale Arbeitsproduktivität, EU-28, 2007, 2012 und 2017
(1 000 EUR pro Beschäftigten)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10) und (nama_10_a10e)

Weitere Daten zur Entwicklung der realen Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem oder pro geleisteter Arbeitsstunde enthält Tabelle 4. Die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem stieg im Zeitraum von 2007 bis 2017 real in fast allen EU-Mitgliedstaaten. Lediglich Luxemburg, Griechenland, Italien und Finnland verzeichneten Rückgänge (für Malta sind keine Daten verfügbar und in Österreich trat keine Veränderung ein). Im gleichen Zeitraum, d. h. von 2007 bis 2017, hat sich die Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitsstunde in allen EU-Mitgliedstaaten außer Luxemburg und Griechenland erhöht (für Malta sind keine Daten verfügbar). Lässt man die Mitgliedstaaten mit einem Bruch in der Zeitreihe unberücksichtigt, wurden die höchsten Zuwächse (prozentual) für beide Maße der realen Arbeitsproduktivität in Bulgarien, Lettland, Litauen, der Slowakei, Spanien und der Tschechischen Republik verzeichnet.

Tabelle 4: Reale Arbeitsproduktivität, 2007, 2012 und 2017
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_a10_e)

Konsumausgaben

Eine Analyse der Verwendungskomponenten des BIP zeigt, dass die Konsumausgaben zwischen 2007 und 2017 in der gesamten EU-28 trotz leichter Rückgänge 2009 und 2012 volumenmäßig um 8,1 % gestiegen sind (siehe Abbildung 7). Der Anstieg der Konsumausgaben des Staates vollzog sich in diesem Zeitraum etwas schneller; zwischen 2007 und 2017 war ein Plus von 11,1 % zu verzeichnen. Die Entwicklung der Bruttoinvestitionen verlief in diesem Zeitraum relativ unstetig. Sie gingen 2009 rapide zurück, schwankten im Zeitraum von 2010 bis 2013 und folgten dann bis 2017 wieder einem Aufwärtstrend. Die Ausfuhrzuwächse haben die Einfuhrzuwächse außer in den Jahren 2009 sowie 2014 bis 2016 stets übertroffen. Im Zeitraum von 2007 bis 2017 nahmen die Ausfuhren um insgesamt 33,4 % und die Einfuhren um 26,5 % zu.

Abbildung 7: Entwicklungen der realen Konsumausgaben, Bruttoinvestitionen, Ausfuhr und Einfuhr von Waren, EU-28, 2007-2017
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Nach einem Rückgang 2009 erholten sich die Konsumausgaben der Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POOE) 2010 volumenmäßig um 0,8 %. Im Jahr 2011 blieben sie unverändert (0,0 %), bevor sie 2012 (-0,6 %) und 2013 (-0,1 %) erneut zurückgingen. Anschließend stiegen diese Ausgaben in vier aufeinanderfolgenden Jahren und nahmen um jeweils 1,2 %, 2,1 %, 2,4 % und 1,9 % zu.

Im Jahr 2010 verlangsamte sich das volumenmäßige Wachstum der Ausgaben des Staatssektors in der EU-28. Diese Entwicklung setzte sich im Zeitraum von 2011 bis 2013 (mit Werten zwischen -0,1 % und +0,4 %) relativ gleichmäßig fort, bevor ein etwas kräftigerer Zuwachs einsetzte und die Ausgaben 2014 um 1,1 %, 2015 um 1,4 %, 2016 um 1,6 % und 2017 um 1,0 % stiegen.

Investitionen

Trotz eines Anstiegs im Jahr 2011 (1,9 %) erholten sich die Bruttoanlageinvestitionen in der EU-28 nicht vollständig von ihrem steilen Rückgang im Jahr 2009 (-11,8 %). 2012 und 2013 wiesen sie erneut eine negative Veränderungsrate auf. Im Zeitraum von 2014 bis 2017 erhöhten sich die Bruttoanlageinvestitionen jedoch wieder und stiegen um 2,8 %, 4,8 %, 2,9 % bzw. 3,1 %.

Abbildung 8: Reale jährliche Änderungsrate der Verwendungskomponenten des BIP, EU-28, 2007-2017
(in %)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

2017 trugen die Konsumausgaben der Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck in jeweiligen Preisen 55,7 % zum BIP der EU-28 bei, während sich der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen auf 20,5 % und der Anteil der Staatsausgaben auf 20,1 % beliefen (siehe Abbildung 9).

Abbildung 9: Verwendungskomponenten des BIP in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2017
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) oder (tec00009), (tec00010), (tec00011) und (tec00110)

Die großen Unterschiede in der Investitionsintensität der einzelnen EU-Mitgliedstaaten sind u. a. auf den unterschiedlichen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und die unterschiedliche Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre zurückzuführen (siehe Abbildung 10). 2017 beliefen sich die Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) in Prozent des BIP auf 20,1 % in der EU-28 und auf 20,5 % im Euroraum (ER-19). Am höchsten war dieser Anteil in Schweden (24,9 %), der Tschechischen Republik (24,7 %), Estland (23,7 %), Irland und Österreich (beide 23,5 %) und am niedrigsten in Portugal (16,2 %) und Griechenland (12,6 %).

Abbildung 10: Bruttoanlageinvestitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2017
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Wie aus Tabelle 5 hervorgeht, wurde der überwiegende Teil der Investitionen in der EU-28 vom privaten Sektor getätigt. 2017 machten die Investitionen von Unternehmen und privaten Haushalten 17,9 % des BIP in der EU-28 aus, während sich die Investitionen des öffentlichen Sektors auf 2,8 % beliefen. Relativ betrachtet war der Anteil der öffentlichen Investitionen in Ungarn (6,6 % des BIP) und Estland (4,8 %; Daten von 2016) am höchsten, während die Investitionen von Unternehmen in Irland (27,2 %; Daten von 2016) und Schweden (17,2 %) und die Investitionen privater Haushalte in Finnland (6,5 %) und in Deutschland (6,0 %; Daten von 2016) am höchsten waren. Die Investitionen privater Haushalte (in Prozent des BIP) waren 2016 in Griechenland, Irland, Zypern und Spanien deutlich niedriger als 2007, während sie in Rumänien um einiges höher ausfielen. Die einzigen anderen Mitgliedstaaten, in denen sich der Anteil der von privaten Haushalten getätigten Investitionen am BIP erhöht hat, waren Bulgarien, Litauen und Deutschland.

Tabelle 5: Investitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2007, 2012 und 2017
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nasa_10_ki)

Einkommen

Wie eine von der Einkommensseite vorgenommene Analyse des BIP in der EU-28 zeigt, entfiel 2017 bei der Verteilung der Einkommen aus dem Produktionsprozess auf die Produktionsfaktoren der größte Anteil auf die Arbeitnehmerentgelte, die 47,3 % des BIP in jeweiligen Marktpreisen ausmachten. Auf den Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen entfielen 40,8 % des BIP, und der Anteil der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen belief sich auf 11,9 % (siehe Abbildung 11). Den niedrigsten Anteil der Arbeitnehmerentgelte am BIP verzeichnete Irland (29,4 %), gefolgt von Griechenland (33,6 %) und Rumänien (36,0 %). In vier EU-Mitgliedstaaten, darunter Luxemburg, Deutschland und Dänemark, betrug dieser Anteil über 50,0 % und in Frankreich erreichte er mit 52,2 % seinen höchsten Wert. In Irland hängt dies jedoch mit Globalisierungsfolgen zusammen; siehe: globalisation related effects (auf Englisch).

Abbildung 11: Einkommensverteilung in jeweiligen Marktpreisen, 2017
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Wie aus Abbildung 12 (Angaben ebenfalls in jeweiligen Marktpreisen) hervorgeht, haben sich die Einkommensaggregate 2011 bzw. 2012 von den in der Finanz- und Wirtschaftskrise erlittenen Einbußen erholt. 2009 sank das Arbeitnehmerentgelt in der EU-28 um 2,8 %, übertraf jedoch 2017 den entsprechenden Wert von 2008 um 18,1 %.

Der Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen hatten in der EU-28 schon 2008 nur noch geringe Zuwächse zu verzeichnen und gingen dann 2009 um 8,2 % zurück. 2012 hatte sich dieses Einkommensaggregat wieder dem vor der Krise (2008) erreichten Höchststand angenähert, und 2017 lag es 14,3 % darüber.

Der Rückgang der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen hatte in der EU-28 bereits 2008 eingesetzt (-3,1 %) und sich 2009 beschleunigt (-9,2 %). Bis 2011 waren die Verluste mehr als ausgeglichen, und 2016 lag dieses Einkommensaggregat 20,4 % über seinem Höchststand aus der Zeit vor der Krise (2007).

Abbildung 12: Entwicklungen der Einkommen in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2007-2017
(2007 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Konsum der privaten Haushalte

In fast zwei Drittel (19) der EU-Mitgliedstaaten machten die Konsumausgaben der privaten Haushalte 2017 mindestens die Hälfte des BIP (in jeweiligen Marktpreisen) aus. Am höchsten war dieser Anteil in Zypern (67,7 %), Griechenland (66,6 %), Litauen (63,8 %), Portugal (63,1 %) und dem Vereinigten Königreich (63,0 %). Am niedrigsten war der Anteil in Luxemburg (28,6 %), obwohl das Land auch nach Berücksichtigung der zwischen den Mitgliedstaaten bestehenden Unterschiede im Preisniveau die weitaus höchsten durchschnittlichen Konsumausgaben privater Haushalte pro Kopf verzeichnete (21 700 KKS; siehe Tabelle 6).

Tabelle 6: Konsumausgaben der privaten Haushalte, 2007, 2012 und 2017
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_pc)

Relativ hoch waren die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Kopf (in KKS) 2017 außer in Luxemburg auch im Vereinigten Königreich (19 800 KKS), Österreich (19 100 KKS) und Deutschland (18 900 KKS). Ungarn und Bulgarien waren dagegen die einzigen EU-Mitgliedstaaten, in denen die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte weniger als 10 000 KKS betrugen.

Eine Analyse der realen Entwicklung der durchschnittlichen Konsumausgaben pro Kopf in Euro (auf der Grundlage eines verketteten Volumenindexes) im Zeitraum von 2012 bis 2017 zeigt, dass sich der schnellste Zuwachs in den baltischen Mitgliedstaaten und in Rumänien vollzogen hat. Österreich meldete als einziger EU-Mitgliedstaat einen Rückgang der Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Kopf um durchschnittlich 0,2 % in jedem Jahr des Bezugszeitraums; in Griechenland dagegen war keine Veränderung zu verzeichnen.

Datenquellen

Das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene (ESVG 2010) enthält die Methodik für die Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in der EU. Die aktuelle Fassung des ESVG 2010, die im Mai 2013 angenommen wurde und seit September 2014 angewendet wird, entspricht in allen Punkten den weltweit gültigen Leitlinien für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, dem 2008 SNA (System of National Accounts 2008) (auf Englisch).

Das BIP und seine Hauptbestandteile

Die Hauptaggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden von institutionellen Einheiten erhoben, d. h. von nichtfinanziellen und finanziellen Kapitalgesellschaften, vom Sektor Staat, von privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POOE).

Die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen betreffen Komponenten des BIP, Beschäftigung, Konsumaggregate und Sparen. Viele dieser Variablen werden auf jährlicher und vierteljährlicher Basis berechnet.

Das BIP ist das zentrale Maß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, mit dem die wirtschaftliche Lage eines Landes (oder einer Region) zusammenfassend abgebildet wird. Für die Berechnung des BIP stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung: die Entstehungsrechnung, die Verwendungsrechnung und die Verteilungsrechnung.

Bei einer Analyse des BIP pro Kopf entfällt der Einfluss der absoluten Einwohnerzahl, was Ländervergleiche erleichtert. Das BIP pro Kopf ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Indikator für den Lebensstandard. Anstatt Marktwechselkurse zu verwenden, können BIP-Daten in den Landeswährungen anhand von Kaufkraftparitäten (KKP), die die Kaufkraft der einzelnen Währungen widerspiegeln, in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet werden. Auf diese Weise werden die Unterschiede im Preisniveau der verschiedenen Länder ausgeschaltet. Der Volumenindex des BIP pro Kopf in KKS wird im Verhältnis zum Durchschnitt für die EU-28 (gleich 100) ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer bzw. kleiner als 100, liegt das BIP pro Kopf dieses Landes über bzw. unter dem Durchschnitt der EU-28. Dieser Index ist nicht für Vergleiche im Zeitverlauf, sondern für Ländervergleiche zu verwenden.

Die Berechnung der jährlichen Wachstumsrate des BIP anhand von verketteten Volumenindizes (reale Veränderungen) ermöglicht einen Vergleich der Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung sowohl im Zeitverlauf als auch zwischen Volkswirtschaften unterschiedlicher Größe unabhängig vom Preisniveau.

Ergänzende Daten

Die Wirtschaftsleistung kann auch nach Wirtschaftszweigen analysiert werden. Auf der höchsten Gliederungsebene werden zehn Abschnitte der NACE berücksichtigt: Land- und Forstwirtschaft, Fischerei; Industrie; Baugewerbe/Bau; Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie; Information und Kommunikation; Finanz- und Versicherungsdienstleistungen; Grundstücks- und Wohnungswesen; Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen; öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen; Kunst, Unterhaltung und Erholung, Erbringung von sonstigen Dienstleistungen, private Haushalte mit Hauspersonal sowie extraterritoriale Organisationen und Körperschaften.

Eine Analyse der nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselten Wirtschaftsleistung im Zeitverlauf (reale Veränderungen) kann durch die Verwendung eines Volumenmaßes erleichtert werden, d. h. durch die Deflationierung des Produktionswertes, um den Einfluss von Preisänderungen auszuschalten. Jeder Wirtschaftszweig wird einzeln deflationiert, um die Preisänderungen der betreffenden Produkte zu berücksichtigen.

Ein anderer Datensatz der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen wird für Analysen der Wettbewerbsfähigkeit verwendet. Dabei handelt es sich um Indikatoren für die Produktivität der Arbeitskräfte, z. B. Maße der Arbeitsproduktivität. Maße der Produktivität in KKS eignen sich besonders für Ländervergleiche. Das BIP pro Beschäftigtem soll einen allgemeinen Eindruck von der Produktivität einer Volkswirtschaft vermitteln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieses Maß von der Struktur der Gesamtbeschäftigung beeinflusst wird und z. B. niedriger ausfallen kann, wenn es weniger Vollzeitbeschäftigte als Teilzeitbeschäftigte gibt. Das BIP je geleisteter Arbeitsstunde vermittelt ein genaueres Bild der Produktivität, da Teilzeitarbeit je nach Land und Wirtschaftszweig einen ganz unterschiedlichen Stellenwert hat.

Mithilfe eines makroökonomischen Ansatzes liefern die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen jährliche Daten über die Ausgaben der Haushalte. Als alternative Quelle für die Analyse der Ausgaben der Haushalte können die Erhebungen über die Wirtschaftsrechnungen der privaten Haushalte (HBS) herangezogen werden. Im Rahmen dieser Erhebungen führen private Haushalte ein Haushaltsbuch über ihre Einkäufe. Das ermöglicht eine wesentlich genauere Erfassung von Gütern und Dienstleistungen, sodass auch viel detailliertere sozioökonomische Analysen bereitgestellt werden können. Die HBS werden nur alle fünf Jahre durchgeführt und veröffentlicht; 2015 ist das jüngste Bezugsjahr, für das derzeit Daten zur Verfügung stehen, allerdings noch nicht für alle EU-Mitgliedstaaten.

Kontext

EU-Institutionen, Regierungen, Zentralbanken und andere wirtschaftliche und soziale Einrichtungen des öffentlichen und des privaten Sektors benötigen vergleichbare und zuverlässige Statistiken, auf die sie ihre Entscheidungen stützen können. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können für unterschiedliche Analysen und Bewertungen herangezogen werden. Die Verwendung international anerkannter Konzepte und Definitionen ermöglicht es, verschiedene Volkswirtschaften, beispielsweise die wechselseitige Abhängigkeit der Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten, zu analysieren oder Vergleiche zwischen EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten anzustellen.

Konjunkturpolitische Analysen und Analysen der makroökonomischen Politik

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) werden vor allem benötigt, um zur Unterstützung wirtschaftspolitischer Entscheidungen auf europäischer Ebene und zur Verwirklichung der Ziele der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) Konjunkturstatistiken von hoher Qualität bereitzustellen, anhand derer die makroökonomischen Entwicklungen überwacht und Empfehlungen für die Makroökonomie ausgesprochen werden können. Zu den wichtigsten Verwendungszwecken der VGR gehört seit Langem die Quantifizierung der Wachstumsrate einer Volkswirtschaft, einfacher ausgedrückt, das Wachstum des BIP. Die Kerndaten der VGR dienen insbesondere der Ausarbeitung und Überwachung makroökonomischer Strategien, während detailliertere VGR-Daten auch zur Entwicklung sektorbezogener oder industriepolitischer Konzepte verwendet werden können, insbesondere durch die Analyse von Input-Output-Tabellen.

Seit Beginn der WWU im Jahr 1999 gehört die Europäische Zentralbank (EZB) zu den Hauptnutzern der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Die EZB stützt sich bei ihrer Bewertung der Risiken für die Preisstabilität auf eine „Zwei-Säulen-Strategie“, d. h. auf eine wirtschaftliche und eine monetäre Analyse. Eine Vielzahl monetärer und finanzieller Indikatoren wird dabei in Bezug auf andere relevante Daten ausgewertet, die die Kombination von monetären, finanziellen und wirtschaftlichen Analysen ermöglichen, z. B. Kernaggregate der VGR. Auf diese Weise können monetäre und finanzielle Indikatoren im Zusammenhang mit der übrigen Volkswirtschaft ausgewertet werden.

Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen überwacht die wirtschaftliche Entwicklung. Die EU hat einen jährlichen Zyklus für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik festgelegt, das sogenannte Europäische Semester. Jedes Jahr nimmt die Europäische Kommission eine detaillierte Analyse der von den EU-Mitgliedstaaten geplanten haushaltspolitischen, makroökonomischen und strukturellen Reformen vor, und gibt länderspezifische Empfehlungen für die folgenden 12 bis 18 Monate ab.

Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellt auch – abgestimmt auf den jährlichen Zyklus des Europäischen Semesters – dreimal jährlich (im Herbst, Winter, Frühjahr und Sommer) die Wirtschaftsprognosen (auf Englisch) der Europäischen Kommission. Diese Prognosen erstrecken sich auf alle EU-Mitgliedstaaten, um Vorausschätzungen für den Euroraum und die EU ableiten zu können. Sie beinhalten aber auch Entwicklungsperspektiven für Kandidatenländer und für einige Drittstaaten.

Die Analyse der öffentlichen Finanzen ist ein weiterer wichtiger Verwendungszweck der VGR. Innerhalb der EU wurde eine spezielle Anwendung zu den Konvergenzkriterien für die WWU entwickelt, von denen sich zwei direkt auf den Bereich der öffentlichen Finanzen beziehen. Diese Kriterien, nämlich das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP, wurden anhand von VGR-Daten definiert. Nähere Informationen dazu enthält der Artikel über die Statistiken der öffentlichen Finanzen.

Regionale, strukturelle und sektorbezogene Politikfelder

Außer in der Konjunkturanalyse und der makroökonomischen Analyse finden die Daten des Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene auch in anderen Bereichen, insbesondere im Zusammenhang mit regionalen, strukturellen und sektorbezogenen Themen, Verwendung.

Die Mittelzuweisung im Rahmen der Strukturfonds erfolgt zum Teil auf der Grundlage regionaler Gesamtrechnungen. Regionalstatistiken werden zudem für die Ex-post-Bewertung der Ergebnisse der Regional- und Kohäsionspolitik verwendet.

Die Förderung von Wachstum und Beschäftigung ist eine strategische Priorität der EU und der Mitgliedstaaten und Teil der Strategie Europa 2020. Zur Unterstützung dieser strategischen Prioritäten werden gemeinsame Maßnahmen in allen Bereichen der EU-Wirtschaft umgesetzt, während die Mitgliedstaaten eigene Strukturreformen (auf Englisch) durchführen.

Die Europäische Kommission führt wirtschaftliche Analysen durch, die der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dienen. Dabei prüft sie die Effizienz ihrer Stützungsmechanismen und entwickelt eine langfristige Perspektive. Das schließt Forschung, Analyse und Folgenabschätzungen zu Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Wirtschaft im ländlichen Raum in den EU-Mitgliedstaaten und in Drittstaaten ein, wobei auch auf die Landwirtschaftlichen Gesamtrechnungen zurückgegriffen wird.

Zielsetzung, Benchmarking und Beiträge

Für die einzelnen Politikfelder der EU werden zunehmend mittel- oder langfristige Ziele verbindlich oder unverbindlich vorgegeben. In einigen Fällen dient die Höhe des BIP als Referenzwert, wenn beispielsweise ein Investitionsvolumen für Forschung und Entwicklung von 3,00 % des BIP vorgesehen ist (ein Ziel der Strategie Europa 2020).

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bilden auch die Grundlage für die Festlegung der EU-Eigenmittel, die in einem Beschluss des Rates geregelt ist. Der Finanzierungsbedarf des EU-Haushalts errechnet sich aus den Ausgaben abzüglich sonstiger Einnahmen. Die Eigenmittelobergrenze ist an das Bruttonationaleinkommen (BNE) der EU gekoppelt.

Die VGR-Daten werden nicht nur für die Ermittlung der Beiträge zum Gemeinschaftshaushalt in der EU, sondern auch zur Festlegung der Beiträge für andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) verwendet. Die Beiträge zum Haushalt der UN werden auf der Grundlage des Bruttonationaleinkommens unter Anwendung verschiedener Anpassungen und Grenzwerte errechnet.

Analysten und Prognostiker

Auch Analysten und Forscher stützen sich bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und der wirtschaftlichen Entwicklungen vielfach auf Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Sozialpartner wie Arbeitgebervertreter (z. B. Wirtschaftsverbände) oder Arbeitnehmervertreter (z. B. Gewerkschaften) sind ebenfalls an VGR-Daten interessiert, um Entwicklungen analysieren zu können, die sich auf die Arbeitsbeziehungen auswirken. Forscher und Analysten nutzen die VGR u. a. für Konjunkturanalysen und zur Analyse langfristiger Konjunkturzyklen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, politischen oder technologischen Entwicklung.

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BIP und Hauptkomponenten (Produktionswert, Ausgaben und Einkommen) (t_nama_10_gdp)
Exporte und Importe nach EU-Ländern/Drittländern (t_nama_10_exi)
Konsumausgaben der privaten Haushalte nach Verwendungszwecken (COICOP) (t_nama_10_co)
Zusätzliche Indikatoren (Bevölkerung, BIP pro Kopf und Produktivität) (t_nama_10_aux)
Regionale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (t_nama_10_reg)
Hauptaggregate des BIP (nama_10_ma)
Zusätzliche Indikatoren (Bevölkerung, BIP pro Kopf und Produktivität) (nama_10_aux)
Hauptgliederung der Aggregate des BIP und der Erwerbstätigkeit (nach Wirtschaftsbereichen und Anlagegütern) (nama_10_bbr)
Detailgliederung der Hauptaggregate des BIP (nach Wirtschaftsbereichen und Verwendungszwecken) (nama_10_dbr)
Gliederung des Nichtfinanziellen Anlagevermögens nach Typ, Industrie und Sektor (nama_10_nfa)
Regionale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - ESVG 2010 (nama_10_reg)
Vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (namq_10)
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - internationale Datenkooperation (naid_10)