Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und BIP

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Datenauszug vom August 2019.

Aktualisierung des Artikels geplant: Dezember 2020.

Die englische Version ist aktueller.

Im Fokus

Das BIP in der EU-28 stieg 2018 im sechsten Jahr in Folge; im Euroraum war der fünfte aufeinanderfolgende Anstieg zu verzeichnen.

In der EU-28 verliefen die strukturellen Entwicklungen in den letzten zehn Jahren unterschiedlich: Der Anteil des Bausektors an der gesamten Wertschöpfung sank, der Anteil der Unternehmensdienstleistungen stieg.

2018 verzeichnete die Wirtschaft in der EU-28 bei den Investitionen den fünften jährlichen Anstieg in Folge.

Wachstum des realen BIP, 2008-2018

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) liefern Daten zu einer Vielzahl bekannter Wirtschaftsindikatoren, die in diesem Artikel dargestellt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist das am häufigsten verwendete Maß für die Gesamtgröße einer Volkswirtschaft. Davon abgeleitete Indikatoren wie das BIP pro Einwohner (pro Kopf), z. B. in Euro oder um Unterschiede in den Preisniveaus bereinigt (ausgedrückt in Kaufkraftstandards, KKS), werden häufig für einen Vergleich der Lebensstandards oder zur Beobachtung der wirtschaftlichen Konvergenz oder Divergenz in der Europäischen Union (EU) genutzt.

Darüber hinaus können die Entwicklungen bestimmter Komponenten des BIP und damit verbundener Indikatoren, z. B. für die Wirtschaftsleistung, für Einfuhren und Ausfuhren, für den Inlandsverbrauch (der privaten Haushalte und der öffentlichen Hand) und für Investitionen sowie Daten zur Verteilung von Einkommen und Rücklagen hilfreiche Einblicke in die Hauptantriebskräfte der Wirtschaft vermitteln und so eine Grundlage für die Konzeption, die Überwachung und die Bewertung gezielter politischer Maßnahmen der EU schaffen.

Vollständiger Artikel

Entwicklungen beim BIP in der EU-28: Wachstum seit 2013

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise führte 2009 in der EU-28 zu einer schweren Rezession (siehe Abbildung 1), auf die 2010 eine Erholung folgte. Die Krise hatte bereits zuvor in Japan und den Vereinigten Staaten ihren Anfang genommen; dort verzeichnete man schon 2008 negative jährliche Veränderungsraten beim BIP (in realen Werten), die 2009 noch stärker ausfielen, bevor sie sich 2010 zu erholen begannen. Die Wirtschaftsleistung in China (einschließlich Hongkongs) dagegen setzte ihr Wachstum während der Krise in vergleichsweise raschem Tempo fort (jedes Jahr um fast 10 %), verlangsamte ihre Dynamik in den folgenden Jahren etwas, übertraf aber das Wachstum aller anderen, in Abbildung 1 gezeigten Volkwirtschaften um Längen.

Die herannahende Krise hatte sich bereits 2008 mit einem erheblichen Rückgang der Steigerungsrate des BIP in der EU-28 angekündigt. 2009 verringerte sich das reale BIP dann um 4,3 %. Im Zuge der Erholung stieg der (auf verketteten Volumenindizes beruhende) BIP-Index 2010 in der EU-28 um 2,1 % und 2011 um weitere 1,7 %. 2012 verringerte sich das BIP real um 0,4 %, bevor in den Folgejahren 2013 (0,3 %), 2014 (1,8 %) und 2015 (2,3 %) zunehmend positivere Veränderungsraten zu verzeichnen waren. Ab 2015 verlief das Wachstum mit jährlichen Raten zwischen 2,0 % und 2,5 % bis 2018 vergleichsweise stabil.

Im Euroraum (ER-19) verlief die Entwicklung bis 2011 fast parallel zur EU-28, während der 2012 verzeichnete Rückgang mit -0,9 % stärker ausfiel als in der EU-28 und sich 2013 weiter fortsetzte (-0.2 %). Im Zeitraum von 2014 bis 2018 stieg die reale Wachstumsrate des BIP im Euroraum etwas langsamer als in der EU-28 insgesamt.

Abbildung 1: Änderungsrate des realen BIP, 2008-2018
(Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp)

In der EU fiel das Wachstum des realen BIP sowohl im Zeitverlauf als auch im Ländervergleich sehr unterschiedlich aus (siehe Tabelle 1). Nachdem das Wirtschaftswachstum 2009 in allen EU Mitgliedstaaten außer Polen rückläufig gewesen war, nahm 2010 in 23 Mitgliedstaaten das Wirtschaftswachstum wieder zu (wobei das BIP in Spanien unverändert blieb), während 2011 die Wirtschaft in 24 Mitgliedstaaten wuchs. Diese Entwicklung veränderte sich jedoch im Jahr 2012, als die Hälfte (14) der Mitgliedstaaten eine wirtschaftliche Expansion verzeichnete, während sich in Bulgarien das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität nicht veränderte und in den restlichen Mitgliedstaaten die Wirtschaftsleistung nachließ. In der Folgezeit meldete erneut eine Mehrheit der Mitgliedstaaten positive Wachstumsraten; 2013 war dies bei 17 Mitgliedstaaten der Fall, 2014 waren es schon 25 und in den Jahren 2015 und 2016 gar 27. 2017 verzeichneten dann alle 28 Mitgliedstaaten erstmals seit 2007 wieder positive Veränderungsraten, die auch 2018 zu vermelden waren. Als einziger Mitgliedstaat mit einer negativen Veränderungsrate wies Griechenland 2015 und 2016 einen Rückgang um 0,4 % bzw. 0,2 % auf, nachdem die Wirtschaftsleistung im Jahr 2014 um 0,7 % zugenommen hatte und von 2008 bis 2013 sechsmal in Folge zurückgegangen war.

Tabelle 1: Änderungsrate des realen BIP, 2008-2018
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp)

Die höchsten jährlichen Wachstumsraten des realen BIP wurden 2018 in Irland (8,2 %) und Malta (6,7 %) verzeichnet. Am niedrigsten fielen die Zuwachsraten in Finnland, Frankreich (beide 1,7 %), Dänemark (1,5 %), Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Belgien (alle 1,4 %) und Italien (0,9 %) aus.

Im letzten Jahrzehnt betrug die durchschnittliche jährliche Zunahme des BIP in der EU-28 1,0 % und im Euroraum 0,8 %

Polen wies in dem gesamten, in Tabelle 1 erfassten Zeitraum positive Veränderungsraten auf, was unter den in der Tabelle erfassten Drittländern auch auf Albanien, das Kosovo [1] (Daten von 2008 bis 2017) und China (Daten von 2008 bis 2016) zutraf. Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Irland, Frankreich, Litauen, Malta, die Slowakei und das Vereinigte Königreich verzeichneten 2018 im neunten Jahr in Folge positive jährliche Veränderungsraten; dies war auch in Norwegen, der Schweiz und den Vereinigten Staaten der Fall, während die Türkei 2017 zum achten Mal in Folge positive jährliche Veränderungsraten meldete.

Eine Analyse der Entwicklungen im letzten Jahrzehnt zeigt, dass sich die Wirtschaftsleistung der EU Mitgliedstaaten infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise insgesamt verschlechtert hat. Im Zeitraum von 2008 bis 2018 betrugen die durchschnittlichen Wachstumsraten der EU-28 und des Euroraums (ER-19) 1,0 % bzw. 0,8 % pro Jahr (siehe Tabelle 1). Den nach diesem Maßstab größten Zuwachs unter den Mitgliedstaaten konnte Irland (durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,0 %) vorweisen, gefolgt von Malta (4,8 %) und Polen (3,4 %). Insgesamt negativ fiel die Entwicklung des realen BIP im Zeitraum 2008 bis 2018 dagegen in Griechenland, Italien und Kroatien aus.

Nach KKS erwirtschaftete Deutschland 2018 etwa ein Fünftel des BIP in der EU-28

Ländervergleiche werden häufig anhand von Kaufkraftstandards (KKS) vorgenommen, weil damit die zwischen den Ländern bestehenden Unterschiede im Preisniveau bereinigt werden. Zu beachten ist, dass die Zahlen in den Abbildungen 2 und 3 sowie in Tabelle 2 in jeweiligen Preisen angegeben sind. Aufgrund der Inflation und der Wechselkursschwankungen sind sie für die Berechnung von Veränderungsraten ungeeignet.

2018 belief sich das BIP in der EU-28 auf 15,9 Billionen (15 900 Milliarden KKS), wobei zu beachten ist, dass für die EU-28 ein KKS einem Euro entspricht. Damit war das BIP der EU-28 in KKS in jedem Jahr des Zeitraums 2008 - 2018 höher als das BIP der Vereinigten Staaten (siehe dazu Abbildung 2) [2]. In China, wo die Wirtschaftsleistung seit jeher geringer war als in der EU-28 und den Vereinigten Staaten, hat sich die Situation durch den rasanten Wandel und die anhaltende Expansion der chinesischen Wirtschaft mittlerweile verändert. 2013 zog das chinesische BIP in KKS erstmals mit dem der Vereinigten Staaten gleich und 2015 erreichte Chinas Wirtschaftsleistung ein höheres Niveau als das der EU-28 (diesen Stand hat China seither aufrechterhalten).

Abbildung 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2008-2018
(in Mrd. KKS)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind)

Auf den Euroraum entfiel 2018 mit 70,5 % des BIP der EU-28 (gemessen in KKS), ein geringerer Anteil als 2008, als dieser Wert bei 72,2 % lag. 2018 kamen die fünf größten Volkswirtschaften der EU (Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien) zusammen auf etwas weniger als zwei Drittel (66,4 %) des BIP der EU-28; das waren 1,5 Prozentpunkte weniger als zehn Jahre zuvor (2008). Deutschland allein erwirtschaftete 2018 19,9 % des BIP in der EU-28 und übertraf damit das Ergebnis von 18,9 % aus dem Jahr 2008.

2018 betrug das BIP je Einwohner in der EU-28 durchschnittlich 30 900 EUR

Zur Bewertung des Lebensstandards wird in der Regel das BIP pro Einwohner herangezogen, weil dabei die Größe einer Volkswirtschaft gemessen an ihrer Bevölkerung betrachtet wird. 2018 belief sich das durchschnittliche BIP pro Einwohner in jeweiligen Preisen in der EU-28 auf 30 900 EUR. In KKS ausgedrückte Werte wurden um die zwischen den Ländern bestehenden Unterschiede im Preisniveau bereinigt. Die relative Position einzelner Länder lässt sich durch einen Vergleich mit dem EU-28-Durchschnitt darstellen, der mit 100 gleichgesetzt wird (siehe die rechte Hälfte der Tabelle 2). Legt man diesen Maßstab zugrunde, verzeichnete Luxemburg den höchsten Wert der EU-Mitgliedstaaten; sein BIP pro Einwohner in KKS überstieg im Jahr 2018 den EU-28-Durchschnitt etwa um das 2,5fache (was zum Teil auf die große Zahl von Grenzgängern aus Belgien, Frankreich und Deutschland zurückzuführen ist). In Bulgarien dagegen betrug das BIP pro Einwohner in KKS die Hälfte des Durchschnittswerts für die EU-28.

Tabelle 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2008 und 2016-2018
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind)

Die Entwicklung der KKS-Zahlen im vergangenen Jahrzehnt weist auf eine allmähliche Angleichung der Lebensstandards hin. In den meisten Mitgliedstaaten, die der EU 2004, 2007 oder 2013 beigetreten sind und die 2008 noch unter dem EU-28-Durchschnitt gelegen hatten, war trotz einiger Rückschläge im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2018 eine Annäherung an den EU-Durchschnitt festzustellen. Ausnahmen waren Kroatien, Slowenien und Zypern. Kroatien verharrte in diesem Zeitraum im gleichen Abstand zum Durchschnitt in der EU-28. Slowenien sackte noch weiter unter den EU-28-Durchschnitt ab, ebenso wie Griechenland und Portugal in der Gruppe der EU-15-Mitgliedstaaten (siehe Abbildung 3); Zypern fiel von einem über dem EU-28-Durchschnitt liegenden Wert auf einen darunter liegenden Wert zurück; was auch auf Italien und Spanien aus der Gruppe der EU-15-Mitgliedstaaten zutraf. Während sich Irland, Deutschland, Österreich, Dänemark und Belgien 2018 im Vergleich zu 2008 vom EU-28-Durchschnitt weiter nach oben entfernten, bewegten sich die verbleibenden EU-15-Mitgliedstaaten, nämlich die Niederlande, Finnland, Luxemburg, das Vereinigte Königreich, Schweden und Frankreich, von einem Wert über dem EU-28-Durchschnitt im Jahr 2008 auf einen näher am (aber immer noch über dem) EU-28-Durchschnitt liegenden Wert im Jahr 2018 zu.

Abbildung 3: BIP pro Kopf in jeweiligen Marktpreisen, 2008 und 2018
(EU-28 = 100; BIP pro Kopf in KKS)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind)

Bruttowertschöpfung in der EU nach Wirtschaftszweigen

Etwa drei Viertel der 2018 in der EU-28 erwirtschafteten Wertschöpfung wurden im Dienstleistungsbereich erzielt

In Tabelle 3 wird das BIP von der Entstehungsseite her betrachtet, und die relative Bedeutung von zehn Wirtschaftszweigen (gemäß Definition in der NACE Rev. 2) wird anhand deren Beitrags zur Wertschöpfung in jeweiligen Herstellungspreisen veranschaulicht. Zwischen 2008 und 2018 ging der Beitrag der Industrie zur Wertschöpfung in der EU-28 um 0,3 Prozentpunkte auf 19,5 % zurück, dicht gefolgt von Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie, deren Anteil an der Bruttowertschöpfung 2008 und 2018 gleich hoch war (19,1 %). Dagegen stieg der Anteil der Bereiche öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen an der Wertschöpfung 2018 um 0,4 Prozentpunkte auf 18,5 %. Die (gemessen an der Bruttowertschöpfung) nächstgrößeren Wirtschaftszweige waren 2018 freiberufliche, wissenschaftliche, technische Dienstleistungen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen — im Folgenden unternehmensbezogene Dienstleistungen — (11,2 %; mit einem Anstieg um 0,9 Prozentpunkte im Zeitraum zwischen 2008 und 2018), Grundstücks- und Wohnungswesen (11,1 %; Rückgang um 0,1 Prozentpunkte), gefolgt vom Baugewerbe/Bau (5.6 %; -0,8 Prozentpunkte), Information und Kommunikation (5,1 %; Anstieg um 0,2 Prozentpunkte) sowie Finanz- und Versicherungsdiensten (4,8 %; Rückgang um 0,4 Prozentpunkte). Am geringsten war der Beitrag der Bereiche Kunst, Unterhaltung und sonstige Dienstleistungen (unverändert 3,4 %) sowie Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (1,6 %; -0,1 Prozentpunkte).

Tabelle 3: Bruttowertschöpfung zum jeweiligen Herstellungspreis, 2008 und 2018
(%-Anteil an der Bruttowertschöpfung insgesamt)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)

Im Jahr 2018 trugen Dienstleistungen 73,2 % zur gesamten Wertschöpfung in der EU-28 bei, im Jahr 2008 waren es 72,2 %. Eine verhältnismäßig wichtige Rolle spielte der Dienstleistungsbereich insbesondere in Luxemburg, Malta, Zypern, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Griechenland, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Dänemark, wo mindestens drei Viertel der gesamten Wertschöpfung auf Dienstleistungen entfielen. In Irland, der Slowakei und Tschechien dagegen betrug der Anteil des Dienstleistungsbereichs knapp drei Fünftel (wobei diese Länder für die Industrie vergleichsweise hohe Anteile verzeichneten).

Divergierende Entwicklungen der Wirtschaftszweige in den letzten zehn Jahren

Strukturelle Veränderungen sind zumindest teilweise auf Faktoren wie den technologischen Wandel, die Entwicklung der relativen Preise sowie Auslagerung und Globalisierung zurückzuführen, die häufig zu einer Verlagerung der Produktion und mancher Dienstleistungen (soweit sie aus der Ferne online oder durch Call Center erbracht werden können) in Regionen mit niedrigeren Arbeitskosten sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU führen. Darüber hinaus wurden einige Wirtschaftszweige von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und deren Folgen besonders hart getroffen. Nachdem bereits in den Jahren 2007 und 2008 eine leichte Abschwächung eingetreten war, fiel der Rückgang der Wertschöpfung in der Industrie der EU-28 im Zeitraum von 2008 bis 2009 mit einem Minus von insgesamt 11,4 % (nach Volumen) am stärksten aus. Von 2011 bis 2013 ging die Industrieproduktion in der EU-28 um weitere 2,3 % zurück, bevor sie in den nächsten vier Jahren relativ schnell (mit jährlichen Steigerungen von 2,5 % bis 3,1 %) und 2018 etwas moderater (1,8 %) zu wachsen begann. Die längste und stärkste Rezession verzeichnete das Baugewerbe. Hier sank von 2008 bis 2013 durchgehend in der gesamten EU-28 die bereits 2008 rückläufige Produktion um 18,1 %. 2014 wurde mit einem Plus von 1,3 % der erste jährliche Anstieg nach sieben Jahren verzeichnet, gefolgt von bis 2018 anhaltenden Zuwächsen um Werte zwischen 1,6 % und 4,2 %. Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie in den Bereichen Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie nahm die Wertschöpfung in der EU-28 im Jahr 2009 ebenfalls stark ab, und zwar um 7,0 % bzw. 5,8 %, doch danach wurden bis 2018 wieder positive jährliche Veränderungsraten verzeichnet. Eine Ausnahme bildete 2013 ein moderater Rückgang um 0,1 % in den Bereichen Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie. Nach relativer Stabilität im Jahr 2009 (keine Veränderung) ging 2010 die Produktion im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei in der EU-28 um 3,9 % und 2012 erneut um 5,5 % zurück; in den Jahren 2013 und 2014 war dann ein Wachstum um 3,8 % bzw. 6,1 % zu verzeichnen, an das sich 2015 und erneut im Jahr 2016 ein Rückgang der Produktion im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei um 0,9 % anschloss, bevor 2017 (+ 2,1 %) und 2018 (+ 0,6 %) wieder eine Zunahme eintrat. In zwei der in den Abbildungen 4 und 5 dargestellten Wirtschaftsbereichen – Grundstücks- und Wohnungswesen sowie öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen – war während des Bezugszeitraums nie ein Rückgang der jährlichen Wertschöpfung festzustellen. Eine interessante Beobachtung ist, dass die Wertschöpfung für die EU-28 im Grundstücks- und Wohnungswesen in ausnahmslos jedem Jahr des Bezugszeitraums (wenn auch in moderatem Tempo) stieg, der Anteil des Grundstücks- und Wohnungswesens an der gesamten Bruttowertschöpfung jedoch leicht schrumpfte.

Im Jahr 2018 meldeten alle Wirtschaftszweige in der EU-28 ein Wachstum ihrer Bruttowertschöpfung gegenüber 2017. Am kräftigsten waren die Zuwächse in den Bereichen Information und Kommunikation (4,7 %), Bauwesen (3,6 %) und unternehmensbezogene Dienstleistungen (3,3 %).

Abbildung 4: Entwicklungen der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2008-2018
(2010 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)


Abbildung 5: Entwicklungen der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2008-2018
(2010 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)

Arbeitsproduktivität

Zur Ausschaltung von Inflationseffekten kann die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem anhand preisbereinigter Daten berechnet werden. Eine Analyse der Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem in jeweiligen Preisen (auf der Grundlage verketteter Volumen) über den Zehnjahreszeitraum von 2008 bis 2018 ergibt für die meisten Wirtschaftszweige in der EU-28 ein Wachstum. Die größten Produktivitätszuwächse verzeichneten die Bereiche Land- und Forstwirtschaft und Fischerei mit einer Zunahme um insgesamt 28,0 %, Information und Kommunikation (17,5 %) und Industrie (16,3 %) (siehe Abbildung 6). Da verkettete Volumen nicht additiv sind, ist ein genauer Vergleich der Arbeitsproduktivität der verschiedenen Wirtschaftszweige in realen Werten nur für das Referenzjahr 2010 möglich.

Abbildung 6: Reale Arbeitsproduktivität, EU-28, 2008, 2013 und 2018
(1 000 EUR pro Beschäftigten)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10) und (nama_10_a10e)

Weitere Daten zur Entwicklung der realen Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem oder pro geleisteter Arbeitsstunde enthält Tabelle 4. Die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem stieg im Zeitraum von 2008 bis 2018 real in fast allen EU Mitgliedstaaten; lediglich Finnland, Italien, Luxemburg und Griechenland verzeichneten Rückgänge (für Malta sind keine Daten verfügbar). Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitsstunde in allen EU-Mitgliedstaaten außer Luxemburg und Griechenland (für Malta sind auch hier keine Daten verfügbar). Lässt man die Mitgliedstaaten mit einem Bruch in der Zeitreihe unberücksichtigt (siehe Tabelle 4), wurden die höchsten Zuwächse (prozentual) für beide Maße der realen Arbeitsproduktivität in Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien und der Slowakei verzeichnet.

Tabelle 4: Reale Arbeitsproduktivität, 2008, 2013 und 2018
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_a10_e)

Konsumausgaben

Eine Analyse der Verwendungskomponenten des BIP zeigt, dass auf der Ausgabenseite die Konsumausgaben zwischen 2008 und 2018 in der gesamten EU-28 trotz leichter Rückgänge (in den Jahren 2009 und 2012) volumenmäßig um 8,8 % gestiegen sind (siehe Abbildung 7). Der Anstieg der Konsumausgaben des Staates vollzog sich in diesem Zeitraum etwas schneller; zwischen 2008 und 2018 war ein Plus von 9,8 % zu verzeichnen. Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen verlief in diesem Zeitraum relativ unstetig. Sie gingen 2009 rapide zurück, schwankten im Zeitraum von 2010 bis 2013 und folgten dann bis 2018 wieder einem Aufwärtstrend. Die Ausfuhrzuwächse haben die Einfuhrzuwächse außer in den Jahren 2009 sowie 2014 bis 2016 stets übertroffen. Im Zeitraum von 2008 bis 2018 nahmen die Ausfuhren um insgesamt 36,3 % und die Einfuhren um 30,1 % zu.

Abbildung 7: Entwicklungen der realen Konsumausgaben, Bruttoinvestitionen, Ausfuhr und Einfuhr von Waren, EU-28, 2008-2018
(2010 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Nach einem Rückgang 2009 erholten sich die Konsumausgaben der Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POOE) in der EU-28 im Jahr 2010 volumenmäßig um 0,8 %. Im Jahr 2011 blieben sie unverändert (0,0 %), bevor sie 2012 (-0,6 %) und 2013 (-0,1 %) erneut zurückgingen. Anschließend stiegen diese Ausgaben in fünf aufeinanderfolgenden Jahren, wobei sich der Zuwachs anfänglich von 1,2 % auf 2,4 % beschleunigte und sich dann auf 1,6 % verlangsamte.

Im Jahr 2010 verlangsamte sich das volumenmäßige Wachstum der Ausgaben des Staatssektors in der EU-28. Diese Entwicklung setzte sich im Zeitraum 2011 bis 2013 (mit Werten zwischen -0,1 % und +0,4 %) relativ gleichmäßig fort, bevor in den Jahren zwischen 2014 und 2018 ein etwas kräftigerer Zuwachs einsetzte und die Ausgaben um Werte zwischen 1,0 % und 1,7 % stiegen.

Investitionen

Trotz eines Anstiegs im Jahr 2011 (1,9 %) erholten sich die Bruttoanlageinvestitionen in der EU-28 nicht vollständig von ihrem drastischen Rückgang im Jahr 2009 (-11,7 %). 2012 und 2013 wiesen sie erneut eine negative Veränderungsrate auf. Im Zeitraum von 2014 bis 2018 erhöhten sich die Bruttoanlageinvestitionen in der EU-28 jedoch wieder und stiegen jedes Jahr um Werte zwischen 2,3 % und 4,9 %.

Abbildung 8: Reale jährliche Änderungsrate der Verwendungskomponenten des BIP, EU-28, 2008-2018
(in %)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

2018 trugen die Konsumausgaben der Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck in jeweiligen Preisen 55,4 % zum BIP der EU-28 bei, während sich der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen auf 21,1 %, der Anteil der Staatsausgaben auf 20,1 % und der Außenbeitrag auf 3,4 % beliefen (siehe Abbildung 9).

Abbildung 9: Verwendungskomponenten des BIP in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2018
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp), (tec00009), (tec00010), (tec00011) und (tec00110)

Die großen Unterschiede in der Investitionsintensität der einzelnen EU-Mitgliedstaaten sind u. a. auf den unterschiedlichen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und die unterschiedliche Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre zurückzuführen (siehe Abbildung 10). 2018 beliefen sich die Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) in Prozent des BIP auf 20,5 % in der EU-28 und 20,9 % im Euroraum. Am höchsten war dieser Anteil in Tschechien, Ungarn und Schweden (alle 25,5 %), während er in Griechenland am niedrigsten war (11,1 %).

Abbildung 10: Bruttoanlageinvestitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2018
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Wie aus Tabelle 5 hervorgeht, wurde der überwiegende Teil der Investitionen in der EU-28 vom privaten Sektor getätigt. 2018 machten die Investitionen von Unternehmen und privaten Haushalten 18,1 % des BIP in der EU-28 aus, während sich die Investitionen des öffentlichen Sektors auf 2,9 % beliefen. Relativ betrachtet war der Anteil der öffentlichen Investitionen in Estland (5,4 %; Daten von 2017) und Schweden (4,8 %) am höchsten, während die Investitionen von Unternehmen in Irland (19,7 %; Daten von 2017), Schweden (17,4 %) und Tschechien (16,7 %; Daten von 2017) den höchsten Stand erreichten; in Zypern (6,8 %; Daten von 2017) und Finnland (6,7 %) dagegen tätigten die privaten Haushalte die meisten Investitionen. Die Investitionen privater Haushalte (in Prozent des BIP) waren 2017 in Griechenland, Irland, Zypern, Spanien und Lettland deutlich niedriger als 2008, während sie in Bulgarien (2016 gegenüber 2008) um einiges höher ausfielen. Die einzigen anderen Mitgliedstaaten, in denen sich der Anteil der von privaten Haushalten getätigten Investitionen am BIP zwischen 2008 und 2017 (bzw. im Fall Finnlands und Schwedens 2018) erhöht hat, waren das Vereinigte Königreich, Deutschland, Finnland, Schweden und Litauen.

Tabelle 5: Investitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2008, 2013 und 2018
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nasa_10_ki)

Einkommen

Wie eine von der Einkommensseite vorgenommene Analyse des BIP in der EU-28 zeigt, entfiel 2018 bei der Verteilung der Einkommen aus dem Produktionsprozess auf die Produktionsfaktoren der größte Anteil auf die Arbeitnehmerentgelte, die 47,6 % des BIP in jeweiligen Marktpreisen ausmachten. Auf den Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen entfielen 40,5 % des BIP und der Anteil der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen belief sich auf 11,9 % (siehe Abbildung 11). Den niedrigsten Anteil der Arbeitnehmerentgelte am BIP verzeichnete Irland (28,8 %), gefolgt von Griechenland (33,4 %); Anteile von über 50,0 % wurden dagegen in Luxemburg, Deutschland und Frankreich gemeldet und mit 52,4 % erreichte dieser Anteil in Dänemark seinen höchsten Wert. Dieser besonders niedrige Anteil in Irland lässt sich mit Globalisierungsfolgen erklären; siehe globalisation related effects (auf Englisch).

Abbildung 11: Einkommensverteilung in jeweiligen Marktpreisen, 2018
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Wie aus Abbildung 12 (Angaben ebenfalls in jeweiligen Marktpreisen) hervorgeht, haben sich die Einkommensaggregate 2011 bzw. 2013 von den in der Finanz- und Wirtschaftskrise erlittenen Einbußen erholt. 2009 sank das Arbeitnehmerentgelt in der EU-28 um 2,8 %, übertraf jedoch 2018 den entsprechenden Wert von 2008 um 23,0 %.

Der Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen hatten in der EU-28 schon 2008 nur noch geringe Zuwächse zu verzeichnen und gingen dann 2009 um 8,2 % zurück. 2013 hatte sich dieses Einkommensaggregat wieder dem vor der Krise (2008) erreichten Höchststand angenähert, und 2018 lag es 17,6 % darüber.

Der Rückgang der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen hatte in der EU-28 bereits 2008 eingesetzt (-3,1 %) und sich 2009 beschleunigt (-9,2 %). Bis 2011 waren die Verluste mehr als ausgeglichen, und 2018 lag dieses Einkommensaggregat 29,0 % über dem Niveau von 2008 (und 25,1 % über seinem Höchststand aus der Zeit vor der Krise im Jahr 2007).

Abbildung 12: Entwicklungen der Einkommen in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2008-2018
(2008 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)

Konsum der privaten Haushalte

In 17 der 28 EU-Mitgliedstaaten machten die Konsumausgaben der privaten Haushalte 2018 mindestens die Hälfte des BIP (in jeweiligen Marktpreisen) aus. Am höchsten war dieser Anteil in Zypern (66,5 %) und Griechenland (65,3 %). Am niedrigsten war er in Luxemburg (28,7 %), obwohl das Land auch nach Berücksichtigung der zwischen den Mitgliedstaaten bestehenden Unterschiede im Preisniveau die weitaus höchsten durchschnittlichen Konsumausgaben privater Haushalte pro Einwohner verzeichnete (22 600 KKS) (siehe Tabelle 6).

Tabelle 6: Konsumausgaben der privaten Haushalte, 2008, 2013 und 2018
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_pc)

Relativ hoch waren die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Einwohner (in KKS) 2018 außer in Luxemburg auch im Vereinigten Königreich (20 400 KKS), Österreich (19 500 KKS) und Deutschland (19 300 KKS). Bulgarien war dagegen der einzige EU-Mitgliedstaat, in dem die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Einwohner weniger als 10 000 KKS betrugen.

Eine Analyse der realen Entwicklung der durchschnittlichen Konsumausgaben pro Einwohner in Euro (auf der Grundlage eines verketteten Volumenindexes) im Zeitraum 2013 bis 2018 zeigt, dass sich der schnellste Zuwachs in Rumänien, Litauen, Bulgarien und Ungarn vollzogen hat. Österreich verzeichnete im Zeitraum 2013 bis 2018 mit durchschnittlich 0,1 % pro Jahr die geringste Zunahme der Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Einwohner, aber auch in Belgien, Luxemburg, Frankreich und Griechenland wurden jährliche Zuwächse von im Durchschnitt weniger als 1,0 % gemeldet.

Datenquellen

Das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene (ESVG 2010) enthält die Methodik für die Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in der EU. Die aktuelle Fassung ESA 2010, die im Mai 2013 angenommen wurde und seit September 2014 angewendet wird, entspricht in allen Punkten den weltweit gültigen Leitlinien für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, dem 2008 SNA (System of National Accounts 2008) (auf Englisch). Bitte beachten Sie, dass die meisten Mitgliedstaaten 2019 zwischen August und Oktober Benchmark-Revisionen durchführen. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Eurostat-Website, insbesondere dem Dokument (auf Englisch).

Das BIP und seine Hauptbestandteile

Die Hauptaggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden von institutionellen Einheiten erhoben, d. h. von nichtfinanziellen und finanziellen Kapitalgesellschaften, vom Sektor Staat, von privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POOE).

Die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen betreffen Komponenten des BIP, Beschäftigung, Konsumaggregate und Sparen. Viele dieser Variablen werden auf jährlicher und vierteljährlicher Basis berechnet.

Das BIP ist das zentrale Maß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, mit dem die wirtschaftliche Lage eines Landes (oder einer Region) zusammenfassend abgebildet wird. Für die Berechnung des BIP stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung: die Entstehungsrechnung, die Verwendungsrechnung und die Verteilungsrechnung.

Bei einer Analyse des BIP pro Einwohner entfällt der Einfluss der absoluten Einwohnerzahl, was Ländervergleiche erleichtert. Das BIP pro Einwohner ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Indikator für den Lebensstandard. Anstatt Marktwechselkurse zu verwenden, können BIP-Daten in den Landeswährungen anhand von Kaufkraftparitäten (KKP), die die Kaufkraft der einzelnen Währungen widerspiegeln, in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet werden. Auf diese Weise werden die Unterschiede im Preisniveau der verschiedenen Länder ausgeschaltet. Der Volumenindex des BIP pro Einwohner in KKS wird im Verhältnis zum Durchschnitt für die EU-28 (gleich 100) ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer bzw. kleiner als 100, liegt das BIP pro Kopf dieses Landes über bzw. unter dem Durchschnitt der EU-28. Dieser Index ist nicht für Vergleiche im Zeitverlauf, sondern für Ländervergleiche zu verwenden.

Die Berechnung der jährlichen Wachstumsrate des BIP anhand von verketteten Volumenindizes (reale Veränderungen) ermöglicht einen Vergleich der Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung sowohl im Zeitverlauf als auch zwischen Volkswirtschaften unterschiedlicher Größe unabhängig vom Preisniveau.

Ergänzende Daten

Die Wirtschaftsleistung kann auch nach Wirtschaftszweigen analysiert werden. Auf der höchsten Gliederungsebene werden für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zehn Abschnitte der NACE berücksichtigt: Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, Industrie; Baugewerbe/Bau; Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie; Information und Kommunikation; Finanz- und Versicherungsdienstleistungen; Grundstücks- und Wohnungswesen; Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen; öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen; Kunst, Unterhaltung und Erholung, Erbringung von sonstigen Dienstleistungen, private Haushalte mit Hauspersonal sowie extraterritoriale Organisationen und Körperschaften.

Eine Analyse der nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselten Wirtschaftsleistung im Zeitverlauf (reale Veränderungen) kann durch die Verwendung eines Volumenmaßes erleichtert werden, d. h. durch die Deflationierung des Produktionswertes, um den Einfluss von Preisänderungen auszuschalten. Jeder Wirtschaftszweig wird einzeln deflationiert, um die Preisänderungen der betreffenden Produkte zu berücksichtigen.

Ein anderer Datensatz der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird für Analysen der Wettbewerbsfähigkeit verwendet. Dabei handelt es sich um Indikatoren für die Produktivität der Arbeitskräfte, z. B. Maße der Arbeitsproduktivität. Maße der Produktivität in KKS eignen sich besonders für Ländervergleiche. Das BIP pro Beschäftigtem soll einen allgemeinen Eindruck von der Produktivität einer Volkswirtschaft vermitteln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieses Maß von der Struktur der Gesamtbeschäftigung beeinflusst wird und z. B. niedriger ausfallen kann, wenn Vollzeitbeschäftigte zu Teilzeitbeschäftigung übergehen. Das BIP je geleisteter Arbeitsstunde vermittelt ein genaueres Bild der Produktivität, da Teilzeitarbeit je nach Land und Wirtschaftszweig einen ganz unterschiedlichen Stellenwert hat.

Unter Verwendung eines makroökonomischen Ansatzes liefern die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen jährliche Daten über die Ausgaben der Haushalte. Als alternative Quelle für die Analyse der Ausgaben der Haushalte können die Erhebungen über die Wirtschaftsrechnungen der privaten Haushalte (HBS) herangezogen werden. Zur Gewinnung von Informationen für diese Erhebungen werden private Haushalte gebeten, ein Haushaltsbuch über ihre Einkäufe zu führen. Das ermöglicht eine sehr viel detailliertere Erfassung von Gütern und Dienstleistungen, sodass auch viel detailliertere sozioökonomische Analysen bereitgestellt werden können. Die HBS werden nur alle fünf Jahre durchgeführt und veröffentlicht; 2015 ist das jüngste Bezugsjahr, für das derzeit Daten zur Verfügung stehen; allerdings waren zu dem Zeitpunkt, als dieser Bericht verfasst wurde, die Daten für zwei EU-Mitgliedstaaten (Dänemark und Frankreich) noch nicht verfügbar.

Kontext

EU-Institutionen, Regierungen, Zentralbanken und andere wirtschaftliche und soziale Einrichtungen des öffentlichen und des privaten Sektors benötigen vergleichbare und zuverlässige Statistiken, auf die sie ihre Entscheidungen stützen können. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können für unterschiedliche Analysen und Bewertungen herangezogen werden. Die Verwendung international anerkannter Konzepte und Definitionen ermöglicht es, verschiedene Volkswirtschaften, beispielsweise die wechselseitige Abhängigkeit der Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten, zu analysieren oder Vergleiche zwischen EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten anzustellen.

Konjunkturpolitische Analysen und Analysen der makroökonomischen Politik

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden vor allem benötigt, um zur Unterstützung wirtschaftspolitischer Entscheidungen auf europäischer Ebene und zur Verwirklichung der Ziele der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) Konjunkturstatistiken von hoher Qualität bereitzustellen, anhand derer die makroökonomischen Entwicklungen überwacht und Empfehlungen für die Makroökonomie ausgesprochen werden können. Zu den wichtigsten Verwendungszwecken der VGR gehört seit Langem die Quantifizierung der Wachstumsrate einer Volkswirtschaft, einfacher ausgedrückt, des Wachstums des BIP. Die Kerndaten der VGR dienen insbesondere der Ausarbeitung und Überwachung makroökonomischer Strategien, während detailliertere VGR-Daten auch zur Entwicklung sektorbezogener oder industriepolitischer Konzepte verwendet werden können, insbesondere durch die Analyse von Input-Output-Tabellen.

Seit Beginn der WWU im Jahr 1999 gehört die Europäische Zentralbank (EZB) zu den Hauptnutzern der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Die EZB stützt sich bei ihrer Bewertung der Risiken für die Preisstabilität auf eine „Zwei-Säulen-Strategie“, d. h. auf eine wirtschaftliche und eine monetäre Analyse. Eine Vielzahl monetärer und finanzieller Indikatoren wird dabei in Bezug auf andere relevante Daten ausgewertet, die die Kombination von monetären, finanziellen und wirtschaftlichen Analysen ermöglichen, z. B. Kernaggregate der VGR. Auf diese Weise lassen sich monetäre und finanzielle Indikatoren im Kontext der übrigen Volkswirtschaft analysieren.

Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen überwacht die wirtschaftliche Entwicklung. Die EU hat einen jährlichen Zyklus für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik festgelegt, das sogenannte Europäische Semester. Jedes Jahr nimmt die Europäische Kommission eine detaillierte Analyse der von den EU-Mitgliedstaaten geplanten haushaltspolitischen, makroökonomischen und strukturellen Reformen vor, und gibt länderspezifische Empfehlungen für die folgenden 12 bis 18 Monate ab.

Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellt auch – abgestimmt auf den jährlichen Zyklus des Europäischen Semesters – viermal jährlich (im Herbst, Winter, Frühjahr und Sommer) die Wirtschaftsprognosen (auf Englisch) der Europäischen Kommission. Diese Prognosen erstrecken sich auf alle EU-Mitgliedstaaten, um Vorausschätzungen für den Euroraum und die EU ableiten zu können; häufig beinhalten sie auch Entwicklungsperspektiven für Kandidatenländer und für einige Drittstaaten.

Die Analyse der öffentlichen Finanzen ist ein weiterer wichtiger Verwendungszweck der VGR. Innerhalb der EU wurde eine spezielle Anwendung zu den Konvergenzkriterien für die WWU entwickelt, von denen sich zwei direkt auf den Bereich der öffentlichen Finanzen beziehen. Diese Kriterien, nämlich das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP, wurden anhand von VGR-Daten definiert. Nähere Informationen dazu enthält der Artikel über die Statistiken der öffentlichen Finanzen.

Regionale, strukturelle und sektorbezogene Politikfelder

Außer in der Konjunkturanalyse und der makroökonomischen Analyse finden die Daten des Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene der EU auch in anderen Bereichen, insbesondere im Zusammenhang mit regionalen, strukturellen und sektorbezogenen Themen, Verwendung.

Die Mittelzuweisung im Rahmen der Strukturfonds erfolgt zum Teil auf der Grundlage regionaler Gesamtrechnungen. Regionalstatistiken werden zudem für die Ex-post-Bewertung der Ergebnisse der Regional- und Kohäsionspolitik verwendet.

Die Förderung von Wachstum und Beschäftigung ist eine strategische Priorität sowohl für die EU insgesamt als auch für die einzelnen Mitgliedstaaten. Zur Unterstützung dieser strategischen Prioritäten werden gemeinsame Maßnahmen in allen Bereichen der EU-Wirtschaft umgesetzt, während die Mitgliedstaaten eigene Strukturreformen (Website auf Englisch) durchführen.

Die Europäische Kommission führt wirtschaftliche Analysen durch, die der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dienen. Hierzu prüft sie die Effizienz ihrer Stützungsmechanismen und entwickelt eine langfristige Perspektive. Das schließt Forschung, Analyse und Folgenabschätzungen zu Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Wirtschaft im ländlichen Raum in den EU-Mitgliedstaaten und in Drittstaaten ein, wobei auch auf die Landwirtschaftlichen Gesamtrechnungen zurückgegriffen wird.

Zielsetzung, Benchmarking und Beiträge

Für die einzelnen Politikfelder der EU werden zunehmend mittel- oder langfristige Ziele verbindlich oder unverbindlich vorgegeben. In einigen Fällen dient die Höhe des BIP als Referenzwert, wenn beispielsweise ein Ausgabenvolumen für Forschung und Entwicklung von 3,00 % des BIP vorgesehen ist (ein Ziel der Strategie Europa 2020).

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bilden auch die Grundlage für die Festlegung der EU-Eigenmittel, die in einem Beschluss des Rates geregelt ist. Der Finanzierungsbedarf des EU-Haushalts errechnet sich aus den Ausgaben abzüglich sonstiger Einnahmen. Die Eigenmittelobergrenze ist an das Bruttonationaleinkommen (BNE) der EU gekoppelt.

Die VGR-Daten werden nicht nur für die Ermittlung der Beiträge zum Gemeinschaftshaushalt in der EU, sondern auch zur Festlegung der Beiträge für andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) verwendet. Die Beiträge zum Haushalt der UN werden auf der Grundlage des Bruttonationaleinkommens unter Anwendung verschiedener Anpassungen und Grenzwerte errechnet.

Analysten und Prognostiker

Auch Analysten und Forscher stützen sich bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und der wirtschaftlichen Entwicklungen vielfach auf Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Sozialpartner wie Arbeitgebervertreter (z. B. Wirtschaftsverbände) oder Arbeitnehmervertreter (z. B. Gewerkschaften) sind ebenfalls an VGR-Daten interessiert, um Entwicklungen analysieren zu können, die sich auf die Arbeitsbeziehungen auswirken. Forscher und Analysten nutzen die VGR u. a. für Konjunkturanalysen und zur Analyse langfristiger Konjunkturzyklen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, politischen oder technologischen Entwicklung.

Anmerkungen

  1. Diese Bezeichnung berührt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244(1999) des VN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovos.
  2. Hier ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die KKS-Zahlen für Vergleiche zwischen verschiedenen Ländern gedacht sind; für zeitliche Vergleiche sind sie nicht geeignet, weil sie aus methodischen Gründen nicht als Zeitreihen betrachtet werden können.
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Hauptaggregate des BIP (t_nama_10_ma)
Zusätzliche Indikatoren (Bevölkerung, BIP pro Kopf und Produktivität) (t_nama_10_aux)
Hauptgliederung der Aggregate des BIP und der Erwerbstätigkeit (nach Wirtschaftsbereichen und Anlagegütern) (t_nama_10_bbr)
Detailgliederung der Hauptaggregate des BIP (nach Wirtschaftsbereichen und Verwendungszwecken) (t_nama_10_dbr)
Regionale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen – ESVG 2010 (t_nama_10reg)
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Gliederung des Nichtfinanziellen Anlagevermögens nach Typ, Industrie und Sektor (nama_10_nfa)
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