Archive:Verbraucherpreisindizes – Inflation und vergleichende Preisniveaus

Datenauszug vom Juni 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank.

Die deutsche Sprachversion dieses Artikels wurde im September 2018 archiviert.

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Abbildung 1: Gesamt-HVPI, durchschnittliche jährliche Inflationsrate, 2006-2016
(in %)
Quelle: Eurostat (prc_hicp_aind) und (prc_ipc_a)
Tabelle 1: Gesamt-HVPI, durchschnittliche jährliche Inflationsrate, 2006-2016
(in %)
Quelle: Eurostat (prc_hicp_aind) und (prc_ipc_a)
Abbildung 2: HVPI nach Hauptkategorien, durchschnittliche jährliche Inflationsrate, EU-28, 2016
(in %)
Quelle: Eurostat (prc_hicp_aind)
Tabelle 2: Vergleichende Preisniveaus, 2005-2015
(Konsum der privaten Haushalte einschl. indirekter Steuern, EU-28 = 100)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind)
Abbildung 3: Preiskonvergenz zwischen den EU-Mitgliedstaaten, 2005-2015
(in %, Variationskoeffizient der vergleichenden Preisniveaus des Konsums der privaten Haushalte einschl. indirekter Steuern)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_conv)

Der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus von Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft wird als Inflation bezeichnet, der umgekehrte Fall – das Absinken des allgemeinen Preisniveaus – als Deflation. Inflation und Deflation werden in der Regel anhand von Verbraucherpreisindizes oder Einzelhandelspreisen gemessen. Innerhalb der Europäischen Union (EU) wurde ein spezieller Verbraucherpreisindex entwickelt, der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Wenn andere Faktoren (beispielsweise Löhne) gleich bleiben, nimmt bei einer Inflation in einer Volkswirtschaft die Kaufkraft der Verbraucher ab, da sie für denselben Geldbetrag nicht mehr dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen kaufen können.

Kaufkraftparitäten werden zur Schätzung von Unterschieden im Preisniveau verschiedener Länder herangezogen, und sie können zur Berechnung von Preisniveauindizes verwendet werden. Diese wiederum eignen sich als Grundlage für eine Analyse der Preiskonvergenz zwischen Ländern oder Regionen.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Inflation: Preisveränderungen im Zeitverlauf

Im Vergleich zu früheren Trends stiegen die Verbraucherpreise in den letzten beiden Jahrzehnten relativ moderat. So bewegte sich etwa die durchschnittliche jährliche Inflationsrate für die EU (basierend auf einem Index unter Verwendung eines beweglichen Aggregats für die jeweiligen EU-Mitgliedstaaten) im Zeitraum 1997 (Beginn der Zeitreihen) bis 2007 zwischen 1,2 % und 2,3 %.

Im Vorfeld der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und unmittelbar danach kam es zu erheblichen Schwankungen der Nahrungsmittel- und vor allem der Energiepreise, was zu starken Veränderungen der Inflationsraten geführt hat. In der EU erreichte die durchschnittliche jährliche Inflation 2008 3,7 %. Nach relativ starken Schwankungen im Zeitraum 2008-2012 (siehe Abbildung 1) verlangsamte sich der Preisanstieg 2013 auf 1,5 % und 2014 auf 0,5 %. 2015 war keine Veränderung zu verzeichnen (0,0 %). Nach den jüngsten Daten lag die Inflationsrate in der EU 2016 bei 0,3 %. Diese drei Werte der Jahre 2014 bis 2016 waren die niedrigsten Inflationsraten in der EU seit Beginn der Aufzeichnungen. Zudem wurden über mehrere Monate in diesem Zeitraum negative Inflationsraten gemessen (gegenüber den Preisen des Vorjahresmonats).

Insgesamt lag die Veränderung des HVPI in der EU im Zeitraum 2006-2016 bei 18,4 % und somit bei durchschnittlich 1,7 % pro Jahr. Die Preisänderungen in den USA waren weitgehend vergleichbar mit einem Gesamtanstieg um 18,1 % im gleichen Zeitraum und einer ganz ähnlichen Entwicklung wie in der EU (siehe Abbildung 1).

Zu den EU-Mitgliedstaaten mit den höchsten Anstiegen des HVPI im Zeitraum 2006 bis 2016 (siehe Tabelle 1) zählten Ungarn, Lettland und Estland (zwischen 39,0 % und 40,0 %); den höchsten Anstieg des HVPI verzeichnete Rumänien mit 43,0 %. Den geringsten Preisanstieg in diesem Zeitraum wies Irland auf (Gesamtanstieg des HVPI um 6,5 %).

Ein Blick auf die Hauptbestandteile des HVPI zeigt, dass die Preise im Bereich Bildung sowie für alkoholische Getränke und Tabakwaren im Zeitraum 2006 bis 2016 EU-weit am schnellsten stiegen (um 49,0 % bzw. 48,6 %), gefolgt vom Preis für den aggregierten Index für Wohnung, Wasser und Brennstoffe (27,2 %). Auch die Preise für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen, Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke und andere Waren und Dienstleistungen stiegen schneller als der Durchschnittswert für den Gesamt-HVPI. Dagegen verringerten sich die Preise für Nachrichtenübermittlung im Zeitraum 2006-2016 insgesamt um 11,3 %, während die Preise für Bekleidung und Schuhe (1,4 %) sowie für den Bereich Freizeit und Kultur (4,1 %) nahezu unverändert blieben.

Eine genauere Betrachtung der jüngsten Entwicklungen zeigt, dass die Preise im Bereich Bildung sowie für alkoholische Getränke und Tabakwaren zwischen 2015 und 2016 weiterhin schnell stiegen – mit jährlichen Steigerungsraten in der EU von 2,2 % bzw. 1,7 % – und auch die Preise für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen stiegen relativ schnell (1,8 %). Nur der Bereich andere Waren und Dienstleistungen hatte in der EU einen Preisanstieg von mehr als 1,0 % zu verzeichnen (um 1,3 %). Demgegenüber gingen die Preise für Wohnung, Wasser und Brennstoffe zwischen 2015 und 2016 um 0,7 % und im Bereich Verkehr um 1,2 % zurück.

Preisniveauindizes: Vergleich der Preisniveaus der einzelnen Länder

Die vergleichenden Preisniveaus des Verbrauchs der privaten Haushalte sind in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. 2015 (neueste verfügbare Daten) reichte die Bandbreite von 47 in Bulgarien bis 136 in Dänemark (EU-28 = 100). Somit lagen die Preisniveaus in Bulgarien knapp unter der Hälfte des Durchschnittswertes für die EU-28, während sie in Dänemark 36 % über dem EU-28-Durchschnitt lagen (siehe Tabelle 2).

In den zehn Jahren von 2005 bis 2015 verzeichneten mehrere Mitgliedstaaten, die der EU im Jahr 2004 oder 2007 beigetreten sind, einen erheblichen Anstieg ihrer vergleichenden Preisniveaus, insbesondere Lettland, die Slowakei und Estland. Das galt auch für Luxemburg, wobei das durchschnittliche Preisniveau in Luxemburg schon 2005 über dem EU-28-Durchschnitt gelegen hatte.

Bis 2008 war innerhalb der EU-28 eine Konvergenz der Preisniveaus zu beobachten (siehe Abbildung 3), wobei der Variationskoeffizient der vergleichenden Preisniveaus drastisch gesunken ist. Danach gingen die Preisniveaus in der EU-28 etwas auseinander, und diese Entwicklung setzte sich 2015 fort (letzter Bezugszeitraum, für den Daten vorliegen). Auch im Euroraum (ER-19) näherten sich die Preisniveaus bis 2008 einander an. Diese Entwicklung setzte sich fort (wenn auch 2009 etwas langsamer). In den darauffolgenden drei Jahren hat sich an der Preiskonvergenz kaum etwas etwas verändert. Von 2013 bis 2015 entwickelten sich die Preisniveaus wieder leicht auseinander.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Inflation

Mit dem HVPI können die Veränderungen der Preise der von privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck erworbenen Waren im Zeitverlauf gemessen werden. Einige Kategorien der Konsumausgaben wurden aus dem HVPI ausgeklammert, da sie bei der Preiserhebung Probleme bereiten oder keine monetären Transaktionen darstellen oder weil keine harmonisierte Behandlungsmethode zur Verfügung steht. Dazu zählen beispielsweise Drogen, selbstgenutztes Wohneigentum und Glücksspiel.

Die Waren und Dienstleistungen werden nach der europäischen Klassifikation der Verwendungszwecke des Individualverbrauchs (COICOP) klassifiziert, die an die Zusammenstellung der harmonisierten Verbraucherpreisindizes angepasst wurde (COICOP/HVPI). Auf der derzeit verfügbaren untersten Ebene dieser Systematik veröffentlicht Eurostat rund 400 Teilindizes für Verbraucherpreise. Die jährliche Inflationsrate misst die Veränderung des Index zwischen einem Monat und dem Vorjahresmonat, und die monatliche Inflationsrate vergleicht die Indizes zweier aufeinander folgender Monate.

Die Indizes werden nach einem einheitlichen Satz von Definitionen berechnet. Dadurch liefern sie vergleichbare Messwerte für Veränderungen der Verbraucherpreise in allen Ländern sowie für verschiedene Ländergruppen: den Euroraum, die Europäische Union und den Europäischen Wirtschaftsraum (der sowohl die EU-Mitgliedstaaten als auch Island und Norwegen einschließt).

Zu beachten ist, dass diese Aggregate sich verändernde Indizes sind, d. h. sie tragen Veränderungen in der Zusammensetzung der Länder durch die Verwendung einer Kettenindex-Formel Rechnung; so wird Litauen im VPI-Index erst ab 2015 berücksichtigt.

Die harmonisierten Verbraucherpreisindizes beziehen sich auf ein einheitliches Basisjahr (derzeit 2015 = 100). Normalerweise werden anhand der Indizes prozentuale Veränderungen ermittelt, die den Preisanstieg/-rückgang in dem betreffenden Zeitraum angeben. Die Preisänderungen in den Tabellen und Abbildungen dieses Artikels werden als Jahresdurchschnittswerte angegeben, die Basisindizes werden dagegen von Eurostat monatlich erstellt und veröffentlicht. Seit Oktober 2001 gibt Eurostat zudem am Ende jedes Referenzmonats eine Schnellschätzung für die Inflationsrate im Euroraum heraus. Diese Schätzung wird um die Monatsmitte des darauffolgenden Monats ersetzt, sobald der vollständige Datensatz vorliegt.

Vergleichende Preisniveaus

Im Rahmen des Eurostat-OECD-Programms Kaufkraftparitäten (KKP) werden in regelmäßigen Abständen die Preise von Waren und Dienstleistungen des privaten Verbrauchs in den EU-Mitgliedstaaten, den EFTA-Ländern, den Kandidatenländern (Montenegro, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Albanien, Serbien und der Türkei) sowie in Bosnien und Herzegowina und Kosovo[1] erhoben. Jeder Erhebungszyklus umfasst sechs Erhebungen, die sich auf eine bestimmte Gruppe von Produkten des privaten Verbrauchs beziehen; mit zwei Erhebungen pro Jahr umfasst der gesamte Zyklus drei Jahre.

KKP sind Indikatoren für die Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern. Sie geben an, wie viele Währungseinheiten eine bestimmte Menge von Waren und Dienstleistungen in verschiedenen Ländern kostet, wodurch der Effekt von Preisniveauunterschieden zwischen den Ländern ausgeschaltet wird. So können anhand von KKP Aggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in vergleichbare Volumenaggregate umgerechnet werden, um beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verschiedener Länder zu vergleichen, ohne dass die Zahlen durch unterschiedliche Preisniveaus in diesen Ländern verzerrt werden.

KKP können auch herangezogen werden, um Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern zu schätzen. Preisniveauindizes, berechnet als Verhältnis der Kaufkraftparitäten zu den Wechselkursen, können für eine Reihe von Ausgabenaggregaten auf der Grundlage der Ausgabenklassifikation des ESVG 2010 ermittelt werden. Eurostat gibt detaillierte Informationen über Preisniveauindizes für über 30 verschiedene Gruppen von Waren und Dienstleistungen heraus. Vergleichende Preisniveaus für die EU-Mitgliedstaaten werden im Verhältnis zum durchschnittlichen Preisniveau der EU ausgedrückt. Liegt der Preisniveauindex eines bestimmten Mitgliedstaates über 100, bedeutet dies, dass die Preise in diesem Mitgliedstaat im Durchschnitt über denen der EU-28 insgesamt liegen. Beträgt der Preisindex hingegen weniger als 100, liegen die Preise im Durchschnitt unter dem Wert für die EU-28 insgesamt.

Preisniveauindizes können als Basis für eine Analyse der Preiskonvergenz verwendet werden. Zu diesem Zweck wird der Variationskoeffizient der Preisniveauindizes für mehrere Länder berechnet (z. B. für die EU-Mitgliedstaaten). Ein im Zeitverlauf abnehmender Koeffizient deutet auf konvergierende Preisniveaus hin. Eurostat veröffentlicht eine jährliche Schätzung der Preiskonvergenz auf der Grundlage der Entwicklung des Variationskoeffizienten im Zeitverlauf.

Kontext

Harmonisierte Verbraucherpreisindizes dienen zur Messung der Inflation im Euroraum. Hauptziel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Sicherung der Preisstabilität. Die EZB hat Preisstabilität als mittelfristen Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex für den Euroraum jeweils gegenüber dem Vorjahr von knapp unter 2 % definiert.

HVPI werden auch für geldpolitische Zwecke und für die Bewertung der Inflationskonvergenz gemäß dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union verwendet.

Ein besonders wichtiger Verwendungszweck der KKP ist für die Europäische Kommission die Erstellung der Liste der Regionen, die für Leistungen der Strukturfondsin Betracht kommen, sowie die Festlegung der Höhe der Mittel für die einzelnen Regionen. Ein Kriterium für die Zuteilung dieser Mittel basiert auf dem durch KKP umgerechneten BIP, das dann in Kaufkraftstandards pro Kopf ausgedrückt wird.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Datenvisualisierung

Haupttabellen

Datenbank

HVPI (2015=100) – monatliche Daten (Index) (prc_hicp_midx)
HVPI (2015=100) – monatliche Daten (jährliche Änderungsrate) (prc_hicp_manr)
HVPI (2015=100) – monatliche Daten (monatliche Änderungsrate) (prc_hicp_mmor)
HVPI (2015=100) – monatliche Daten (Veränderungsrate des 12-Monatsdurchschnitts) (prc_hicp_mv12r)
HVPI (2015=100) – jährliche Daten (Durchschnittsindex und Veränderungsrate) (prc_hicp_aind)
HVPI – Ländergewichte (prc_hicp_cow)
HVPI – Gewichte der Indizes (prc_hicp_inw)
Kaufkraftparitäten (KKP), Preisniveauindizes und reale Ausgaben für Aggregate des ESVG 2010 (prc_ppp_ind)
Preiskonvergenzanzeige (Variationskoeffizient des vergleichenden Preisniveauindex für die Konsumausgaben der privaten Haushalte in %) (prc_ppp_conv)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks

Fußnoten

  1. Diese Bezeichnung berührt nicht die Standpunkte zum Status und steht im Einklang mit der Resolution 1244/1999 des UN-Sicherheitsrates und dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo.