Statistiken zur Kriminalität

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Daten vom Januar 2014. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: September 2016.Die englische Version ist aktueller.
Abbildung 1: Registrierte Kriminalität, EU-28, 2002-2012 (1)
(in Millionen) – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Abbildung 2: Polizeilich registrierte Kriminalität, EU-28, 2007-2012 (1)
(2007 = 100) – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 1: Polizeilich registrierte Kriminalität, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 2: Polizeilich registrierte Gewaltdelikte, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 3: Polizeilich registrierte Tötungsdelikte, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Abbildung 3: Tötungsdelikte, Durchschnitt pro Jahr, 2007-2009 und 2010-2012
(pro 100 000 Einwohner) – Quelle: Eurostat (crim_gen), (demo_pjan) und (demo_r_d2jan)
Tabelle 4: Polizeilich registrierte Raubdelikte, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 5: Polizeilich registrierte Wohnungseinbrüche, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 6: Polizeilich registrierte Kraftfahrzeugdiebstähle, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 7: Polizeilich registrierter Drogenhandel, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_gen)
Tabelle 8: Polizeibeamte, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_plce)
Abbildung 4: Polizeibeamte, Durchschnitt pro Jahr, 2007-2009 und 2010-2012
(pro 100 000 Einwohner) – Quelle: Eurostat (crim_plce), (demo_pjan) und (demo_r_d2jan)
Tabelle 9: Gefangenenpopulation, 2002-2012 – Quelle: Eurostat (crim_pris)
Abbildung 5: Gefangenenpopulation, Durchschnitt pro Jahr, 2007-2009 und 2010-2012
(pro 100 000 Einwohner) – Quelle: Eurostat (crim_pris), (demo_pjan) und (demo_r_d2jan)

In diesem Artikel werden aktuelle statistische Daten zur Kriminalität und Strafjustiz in der Europäischen Union (EU) vorgestellt. Die derzeit vorliegenden Statistiken spiegeln die unterschiedlichen Polizei- und Rechtssysteme in der EU wider. Bei Vergleichen zwischen den Kriminalitätsstatistiken der EU-Mitgliedstaaten sollten daher keine direkten Vergleiche zwischen den Kriminalitätsraten der Länder für ein bestimmtes Jahr vorgenommen werden, vielmehr sollten die Entwicklungen im zeitlichen Verlauf zugrunde gelegt werden. Grund hierfür ist, dass die Darstellung der Daten durch verschiedene Faktoren beeinflusst sein kann, z. B. den Umfang der Kriminalisierung, die Effizienz der Strafjustizsysteme und die Praktiken der polizeilichen Erfassung. Zudem werden nicht alle Straftaten polizeilich registriert.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Polizeilich registrierte Kriminalität

Die in diesem Artikel vorgestellten Daten zur Kriminalitätsstatistik beziehen sich auf die in den EU-Mitgliedstaaten und einigen anderen europäischen Ländern polizeilich erfassten Straftaten. Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, die gesamte Kriminalität in Europa erschöpfend zu beschreiben, da zum einen manche Straftaten nicht gemeldet werden und zum anderen Veränderungen in der Häufigkeit bestimmter Straftaten auch auf neue Strategien der Polizeiarbeit oder methodische Änderungen zurückzuführen sein können.

In der Regel können hinsichtlich Art und Umfang der Kriminalität keine unmittelbaren Vergleiche zwischen den einzelnen Ländern gezogen werden, da sich deren Rechts- und Strafjustizsysteme beispielsweise im Hinblick auf die Definition von Straftatbeständen [1], die Verfahren der Berichterstattung, Erfassung und Zählung von Straftaten sowie die Anteile der nicht gemeldeten Straftaten unterscheiden – siehe diesbezüglich den Abschnitt Datenquellen und Datenverfügbarkeit.

Die nationalen Daten wurden aggregiert, um Schätzungen für die EU insgesamt vornehmen und somit allgemeine Entwicklungen aufzeigen zu können. Etwaige Schlussfolgerungen für die EU oder einzelne Mitgliedstaaten sollten auf den Entwicklungen im Zeitverlauf basieren.

Insgesamt registrierte Kriminalität

Die Daten für die registrierte Gesamtkriminalität beziehen sich ausschließlich auf Verstöße gegen das Strafgesetzbuch; Ordnungswidrigkeiten bleiben hier unberücksichtigt. Die Zahl der in der EU-28 erfassten Straftaten ist seit 2003 kontinuierlich gesunken (siehe Abbildung 1), wobei im Jahr 2012 in der EU-28 12 % weniger Straftaten registriert wurden als neun Jahre zuvor. Es ist darauf hinzuweisen, dass diese Daten über die Gesamtzahlen der registrierten Straftaten ein breiteres Spektrum von Straftatbeständen abdecken als die unten stehenden Analysen – diese berücksichtigen nur ausgewählte Straftatbestände, namentlich Gewaltdelikte, Tötungsdelikte, Raubdelikte, Eigentumsdelikte und Drogendelikte – und daher die Summe der in den Analysen beschriebenen Straftaten nicht der Gesamtsumme aller registrierten Straftaten entspricht.

Insgesamt war in den letzten Jahren bei der registrierten Kriminalität eine rückläufige Entwicklung zu beobachten: Wie Abbildung 2 zeigt, ging in der EU-28 zwischen 2007 und 2012 bei den meisten Straftatbeständen die Zahl der polizeilich erfassten Fälle zurück. Während die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Drogenhandel sowie Raub- und Gewaltdelikten zwischen 2007 und 2012 um 4 % bis 10 % sank, war in diesem Zeitraum im Hinblick auf die Zahl der Kraftfahrzeugdiebstähle ein erheblich stärkerer Rückgang (-37 %) zu verzeichnen, mit dem sich eine bereits seit Längerem zu beobachtende Entwicklung fortsetzte. Dagegen war bei den Wohnungseinbrüchen in der EU-28 eine steigende Tendenz festzustellen: Im Jahr 2012 wurden 14 % mehr Wohnungseinbrüche gemeldet als 2007.

Tabelle 1 ist zu entnehmen, dass in zehn EU-Mitgliedstaaten die Zahl der Straftaten zwischen 2007 und 2012 zugenommen hat (für Irland und Frankreich sind keine Zeitreihen verfügbar). In den verbleibenden 16 EU-Mitgliedstaaten hingegen ging die registrierte Gesamtkriminalität zurück, wobei die deutlichsten Veränderungen in Griechenland (-54 %), Teilen des Vereinigten Königreichs (-25 % in England und Wales sowie -29 % in Schottland), Estland (-19 %) und der Slowakei (-18 %) zu beobachten waren; es ist zu beachten, dass der besonders starke Rückgang in Griechenland zum Teil auf einen Zeitreihenbruch zurückzuführen sein könnte.

England und Wales hatten den größten Anteil an der in diesem Zeitraum in der EU-28 verzeichneten rückläufigen Entwicklung: Hier wurden 2012 über 1,2 Mio. weniger Straftaten erfasst als 2007. Was die in Tabelle 1 dargestellten Drittländer betrifft, stieg in der Türkei die Gesamtzahl der polizeilich erfassten Straftaten zwischen 2007 und 2012 um 96 %.

Gewaltdelikte

Die Daten über Gewaltdelikte umfassen Gewalttaten gegen Personen (etwa Körperverletzung), Raub (Diebstahl unter Anwendung oder Androhung von Gewalt) und Sexualstraftaten (einschließlich Vergewaltigung und sexuelle Nötigung). Eine ausführliche Analyse dieser Art von Straftaten ist schwierig, weil nicht alle EU-Mitgliedstaaten die Standarddefinition heranziehen. Darüber hinaus wären Vergleiche mit den Daten über die Gesamtzahl der im Bezugsjahr 2011 verübten Gewaltdelikte irreführend, weil in den Daten über die im Jahr 2012 in Frankreich verübten Gewaltdelikte die von der Gendarmerie erfassten Straftaten nicht enthalten sind (Bruch in den Zeitreihen).

Insgesamt ist jedoch für die EU-28 eine rückläufige Tendenz festzustellen, wobei die Zahl der registrierten Gewaltdelikte zwischen 2007 und 2012 um 10 % sank. Großen Anteil an diesem Gesamtrückgang haben die Daten aus England und Wales: Hier wurden im Jahr 2012 166 000  weniger Gewaltdelikte registriert als 2007 (siehe Tabelle 2). Die Betrachtung der übrigen EU-Mitgliedstaaten ergibt für den Zeitraum zwischen 2007 und 2012 ein uneinheitliches Bild mit erheblichen Zuwächsen in Luxemburg (38 %), Ungarn (26 %) und Dänemark (23 %) sowie starken Rückgängen in Litauen (-42 %), Kroatien (-33 %), Schottland (-32 %), Lettland und der Slowakei (jeweils -30 %) sowie Malta (-27 %).

Tötungsdelikte

Als Tötungsdelikt gilt die beabsichtigte Tötung eines Menschen, d. h. Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen und Kindestötung. Ausgenommen sind Fälle von fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr, Schwangerschaftsabbruch und Beihilfe zum Selbstmord. Die Daten über Tötungsdelikte sind relativ kohärent, und zwischen den einzelnen Ländern bestehen hinsichtlich der herangezogenen Definitionen geringere Unterschiede als bei anderen Arten von Straftaten. Die hier vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf vollendete Tötungsdelikte. Die einzige Ausnahme bildet diesbezüglich Lettland, für das die Daten auch versuchte Tötungsdelikte einschließen. In einigen Ländern registriert die Polizei jeden Todesfall, der nicht unmittelbar auf andere Ursachen zurückgeführt werden kann, als Tötungsdelikt. Infolgedessen ist es möglich, dass die Zahl der Tötungsdelikte zu hoch angegeben ist.

Die nach Ländern aufgeschlüsselte Zahl der Tötungsdelikte ist Tabelle 3 zu entnehmen. Die durchschnittliche Zahl der Tötungsdelikte je 100 000 Einwohner (siehe Abbildung 3) ist zwischen den Zeiträumen von 2007 bis 2009 und von 2010 bis 2012 gesunken: Diese rückläufige Entwicklung war in allen Ländern mit Ausnahme Griechenlands, Maltas und Österreichs zu beobachten. In den drei baltischen Mitgliedstaaten ging die Zahl der Tötungsdelikte je 100 000 Einwohner zwar zurück, war jedoch in diesen Ländern nach wie vor höher als in allen anderen Mitgliedstaaten.

Raubdelikte

Raub ist eine Unterkategorie der Gewaltdelikte. Er ist definiert als das Bestehlen einer Person unter Anwendung oder Androhung von Gewalt, einschließlich Straßenraub (Handtaschenraub) und Raubüberfall. Weil in den Daten über die im Jahr 2012 in Frankreich verübten Raubdelikte die von der Gendarmerie erfassten Straftaten nicht enthalten sind (Bruch in den Zeitreihen), wären Vergleiche mit den Daten über die Gesamtzahl der im Bezugsjahr 2011 erfassten Raubdelikte irreführend.

In der EU-28 insgesamt blieb die Zahl der Raubdelikte zwischen 2007 und 2012 mit einem Rückgang um 4 % relativ stabil. Während in den baltischen Mitgliedstaaten (durchschnittlich -46 % im Zeitraum zwischen 2007 und 2012) und in Schottland (-40 %) ein deutlicher Rückgang zu beobachten war, verzeichneten einige Länder sehr starke Zuwächse. So stieg die Zahl der Raubdelikte in Zypern, Dänemark und Griechenland zwischen 2007 und 2012 auf mehr als das Doppelte (siehe Tabelle 4).

Eigentumsdelikte

Als Eigentumsdelikt bezeichnet man den Diebstahl oder die Zerstörung von Eigentum. Die in den Tabellen 5 und 6 ausgewiesenen Daten über Wohnungseinbrüche und Kraftfahrzeugdiebstähle lassen unterschiedliche Tendenzen erkennen. Weil in den Daten über die im Jahr 2012 in Frankreich verübten Wohnungseinbrüche und Kraftfahrzeugdiebstähle die von der Gendarmerie erfassten Straftaten nicht enthalten sind (Bruch in den Zeitreihen), wären Vergleiche mit den Daten über die Gesamtzahl der im Bezugsjahr 2011 erfassten Wohnungseinbrüche und Kraftfahrzeugdiebstähle irreführend.

Als Wohnungseinbruch gilt das gewaltsame Eindringen in eine Wohnung in Diebstahlsabsicht. Zwischen 2007 und 2012 stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche in der EU-28 insgesamt um 14 % (siehe Abbildung 2). Unter den EU-Mitgliedstaaten, aus denen für diesen Zeitraum fortlaufende Zeitreihen vorliegen, verzeichneten Griechenland (76 %), Spanien (74 %), Italien (42 %), Rumänien (41 %) und Kroatien (40 %) den stärksten Anstieg der Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche. Ein starker Rückgang war hingegen in dem in Tabelle 5 erfassten Fünfjahreszeitraum in Litauen (-36 %) und der Slowakei (-29 %) zu beobachten. Es ist darauf hinzuweisen, dass der besonders starke Anstieg in Spanien zum Teil auf einen Zeitreihenbruch zurückzuführen sein könnte.

Der Tatbestand des Kraftfahrzeugdiebstahls umfasst den Diebstahl von Personenkraftwagen, Motorrädern, Bussen, Lastkraftwagen sowie Baufahrzeugen und landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen. Die Zahl der Kraftfahrzeugdiebstähle ist in der EU in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, was teilweise auf technische Verbesserungen im Bereich der Kfz-Diebstahlsicherungen zurückzuführen ist. Die Zahl der unter dieser Kategorie erfassten Straftaten ging zwischen 2007 und 2012 in der EU-28 insgesamt um 37 % und in England und Wales sowie Schottland (jeweils -53 %) um mehr als die Hälfte zurück. In Griechenland stieg die Zahl der Kraftfahrzeugdiebstähle zwischen 2007 und 2012 um 38 % (siehe Tabelle 6).

Drogendelikte

Drogenhandel ist eine Unterkategorie der Drogendelikte. Er umfasst den illegalen Besitz, den Anbau, die Herstellung, die Lieferung, den Transport, die Einfuhr und die Ausfuhr von Drogen sowie die Finanzierung von Drogengeschäften. Weil in den Daten über den Drogenhandel in Frankreich im Jahr 2012 die von der Gendarmerie erfassten Straftaten nicht enthalten sind (Bruch in den Zeitreihen), wären Vergleiche mit den Daten über die Gesamtzahl der im Bezugsjahr 2011 registrierten Fälle von Drogenhandel irreführend.

Verglichen mit den im Hinblick auf einige andere Arten von Straftaten beobachteten Entwicklungen war in der EU-28 im Zeitraum zwischen 2007 und 2012 beim Drogenhandel ein relativ geringer Rückgang (-5 %) zu verzeichnen (siehe Abbildung 2). In Schottland (-48 %) und Estland (-40 %) ging der Drogenhandel drastisch zurück – siehe Tabelle 7 –, während er in einigen der größten EU-Mitgliedstaaten, insbesondere in Deutschland (-26 %), in geringerem Maße sank; in Ungarn wurde ein besonders starker Rückgang verzeichnet, der im Wesentlichen auf einen Zeitreihenbruch zurückzuführen war. Die meisten Mitgliedstaaten (18 Mitgliedstaaten sowie Nordirland und England und Wales) beobachteten jedoch zwischen 2007 und 2012 insgesamt einen Anstieg der Straftaten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Die stärkste Zunahme vermeldeten Litauen und Schweden, wo sich in diesem Zeitraum die Zahl dieser Straftaten mehr als verdoppelte. Was die in Tabelle 7 ausgewiesenen Drittländer betrifft, so stieg die Zahl der im Zusammenhang mit dem Drogenhandel verübten Straftaten in der Türkei zwischen 2007 und 2012 auf mehr als das Dreifache.

Zahl der Polizeibeamten stabil

Die Daten über Polizeibeamte beziehen sich auf die Bediensteten der Kriminalpolizei, Verkehrspolizei, Grenzpolizei, Gendarmerie, uniformierten Polizei und Stadtpolizei, nicht jedoch auf zivile Beschäftigte, Zollbeamte, Angehörige der Steuerfahndung, der Militärpolizei, des Geheimdienstes oder freiwilliger Polizeidienste, Polizeischüler und Angehörige der Gerichtspolizei. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass in den einzelnen Rechtsordnungen unterschiedliche Definitionen herangezogen werden.

Die Gesamtzahl der Polizeibeamten in der EU-28 ist in den letzten Jahren stabil geblieben. Mit Ausnahme Nordirlands und Bulgariens wiesen alle EU-Mitgliedstaaten im Zeitraum zwischen 2007 und 2012 einen Anstieg der Zahl der Polizeibeamten um 2,3 % aus (siehe Tabelle 8). Im Jahr 2012 gab es in Italien, Spanien und Deutschland mehr Polizeibeamte als in den übrigen EU-Mitgliedstaaten; gemeinsam entfielen auf diese Länder 45 % aller Polizeibeamten in der EU.

Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße meldete Zypern im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 die meisten Polizeibeamten (631 pro 100 000 Einwohner), während diesbezüglich in Finnland (151 pro 100 000 Einwohner) der niedrigste Wert verzeichnet wurde (siehe Abbildung 4). Zwischen den Zeiträumen von 2007 bis 2009 sowie von 2010 bis 2012 waren hinsichtlich der Zahl der Polizeibeamten im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße in Ungarn und Estland – wobei allerdings die Daten für diese beiden Mitgliedstaaten in diesem Zeitraum Zeitreihenbrüche aufweisen – sowie in Belgien, Spanien und Griechenland besonders starke Zuwächse festzustellen. Frankreich und Zypern hingegen verzeichneten in diesem Zeitraum den stärksten Rückgang der Zahl der Polizeibeamten im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße.

Kontinuierlicher Anstieg der Gefangenenpopulation

Die Daten über die Gefangenenpopulation beziehen sich auf die Gesamtzahl der erwachsenen und jugendlichen Strafgefangenen (einschließlich Untersuchungshäftlinge) in allen Arten von Haftanstalten. Nicht eingeschlossen sind Personen, die nicht im Rahmen von strafrechtlichen, sondern von verwaltungsrechtlichen Verfahren interniert bzw. inhaftiert sind (z. B. während der Prüfung ihres aufenthaltsrechtlichen Status).

Im Jahr 2012 waren in der EU-28 (ohne Schottland) etwa 643 000 Strafgefangene inhaftiert. Die Gesamtzahl der Strafgefangenen ist in der EU-28 (ohne Schottland) zwischen 2007 und 2012 um 7 % gestiegen (siehe Tabelle 9). In diesem Zeitraum wuchs die Gefangenenpopulation in Malta um gut die Hälfte (53 %) und in Italien sowie der Slowakei um gut ein Drittel (35 % bzw. 34 %). Von den in Tabelle 9 erfassten Drittländern verzeichneten Liechtenstein (97 %), Montenegro (51 %) und die Türkei (41 % zwischen 2007 und 2011) relativ starke Zuwächse; es ist darauf hinzuweisen, dass der starke Anstieg in Montenegro zum Teil auf einen Zeitreihenbruch zurückzuführen sein könnte.

Abbildung 5 weist die Zahl der Gefangenen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung als Durchschnitt für die Zeiträume 2007 bis 2009 und 2010 bis 2012 aus. Für diese beiden Zeiträume verzeichneten die baltischen Mitgliedstaaten die höchsten Anteile von Gefangenen pro Einwohner, wobei der Anteil in Lettland zwischen den beiden Zeiträumen stabil blieb, in Litauen stieg und in Estland zurückging. Mit Ausnahme Schottlands verzeichnete die EU-28 im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 einen durchschnittlichen Anteil von 128 Gefangenen pro 100 000 Einwohner, gegenüber einem Anteil von 125 Gefangenen im Zeitraum 2007 bis 2009. Die niedrigsten Anteile wurden im Zeitraum 2010 bis 2012 in den nordischen Mitgliedstaaten und Slowenien verzeichnet (zwischen 60 und 72 Gefangene pro 100 000 Einwohner.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Zum Themenbereich Kriminalität und Strafjustizsysteme veröffentlicht Eurostat seit 1950 Daten über die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten und seit 1993 Daten über bestimmte Straftatbestände. Darüber hinaus enthält die Datenbank Statistiken über die Zahl der Strafgefangenen ab dem Jahr 1987 und über die Zahl der Polizeibeamten ab dem Jahr 1993.

Für das Vereinigte Königreich werden die Zahlen separat für die getrennten Rechtsordnungen von England und Wales, Schottland und Nordirland gemeldet.

Da davon auszugehen ist, dass das Erfassungssystem eines Landes im Laufe der Zeit weitgehend unverändert bleibt, sollten Vergleiche zwischen statistischen Daten über Kriminalität und Strafjustizsysteme generell auf der Grundlage von Trends und nicht von Niveaus vorgenommen werden. Es ist jedoch mit einer größeren Zahl von Brüchen in den Zeitreihen und anderen Änderungen hinsichtlich Methodik oder Definitionen zu rechnen.

Länderübergreifende Vergleiche der Kriminalitätsstatistiken können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z. B.:

  • die verschiedenen Rechts- und Strafjustizsysteme;
  • die Häufigkeit, mit der Straftaten der Polizei gemeldet und von ihr registriert werden;
  • den Punkt, an dem eine Straftat erfasst wird (z. B. zum Zeitpunkt der Anzeige bei der Polizei, bei der Ermittlung von Strafverdächtigen usw.);
  • die Regeln für die Zählung von Mehrfachstraftaten;
  • den Arten von Straftaten, die in den kriminalstatistischen Gesamtwerten enthalten sind.

Die vorgestellten Informationen sind daher mit der gebotenen Vorsicht zu werten.

Auch die Angaben über die Gefangenenpopulation können durch viele Faktoren beeinflusst werden, u. a. durch:

  • die Zahl der von den Gerichten behandelten Fälle;
  • den Prozentsatz der Straftäter, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden;
  • die Dauer der verhängten Freiheitsstrafen;
  • die Zahl der Untersuchungsgefangenen;
  • den Erhebungszeitpunkt (insbesondere in Ländern, in denen Amnestien gewährt werden oder sonstige Möglichkeiten einer vorzeitigen oder bedingten Haftentlassung bestehen).

Die Gefangenenpopulation sollte als Gesamtzahl der erwachsenen und jugendlichen Strafgefangenen (einschließlich Untersuchungshäftlinge) zum 1. September eines jeden Jahres gemessen werden. Die Gefangenenpopulation umfasst Straftäter in Einrichtungen der Gefängnisverwaltung und sonstigen Einrichtungen wie Jugendstrafvollzugsanstalten, Einrichtungen für Drogenabhängige und psychiatrischen oder anderen Krankenhäusern.

Gegenwärtig wird an der Verbesserung der Vergleichbarkeit der Statistiken zur Kriminalität in den EU-Mitgliedstaaten gearbeitet. Die Entwicklung eines Systems für Statistiken über Kriminalität und Strafverfolgung, das bessere Vergleichsmöglichkeiten bietet, wird in einer Mitteilung der Europäischen Kommission mit dem Titel „Messung der Kriminalität in der EU: Statistik-Aktionsplan 2011-2015“ (KOM(2011) 713 endgültig) beschrieben.

Kontext

Durch die schrittweise Abschaffung der Grenzkontrollen in der EU wurde die Freizügigkeit für die Bürgerinnen und Bürger Europas erheblich erleichtert, allerdings ist es auch für Straftäter leichter geworden, über Landesgrenzen hinweg zu operieren, insbesondere weil die Reichweite der Strafverfolgungsbehörden und Strafjustizsysteme im Allgemeinen auf die Hoheitsgebiete der einzelnen Mitgliedstaaten begrenzt bleibt.

Mit der Annahme des Vertrags von Amsterdam hat sich die EU zum Ziel gesetzt, einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu schaffen. Dieses Ziel wurde 2004 mit dem Haager Programm weiterentwickelt, in dem zehn Schwerpunkte vorgegeben wurden: Stärkung der Grundrechte und der Unionsbürgerschaft, Bekämpfung des Terrorismus, ein ausgewogenes Konzept zur Steuerung der Migrationsströme, integrierter Schutz an den Außengrenzen der Union, Einführung eines gemeinsamen Asylverfahrens, Maximierung der positiven Auswirkungen der Einwanderung, Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Datenschutz und Sicherheit, Ausarbeitung eines strategischen Konzepts zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, ein leistungsfähiger europäischer Rechtsraum für alle und gemeinsame Ausübung von Verantwortung und Solidarität.

Die gegenseitige Anerkennung von Entscheidungen der nationalen Gerichte soll zu einem Eckpfeiler der justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen werden. Hierzu wurde bereits eine Reihe von Instrumenten entwickelt, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Praxis erleichtern.

Im Rahmen ihrer Anstrengungen zur Harmonisierung und zum Aufbau von Statistiken über Kriminalität und Strafverfolgung einigten sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine Angleichung der Definitionen von Straftatbeständen und der Höhe der Strafen für bestimmte Arten von Straftaten.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Datenbank

Polizeilich registrierte Kriminalität (crim_gen)
Polizeilich registrierte Kriminalität – NUTS 3 – Regionen (crim_gen_reg)
Polizeilich registrierte Kriminalität: Tötungsdelikte in Städten (crim_hom_city)
Polizeilich registrierte Kriminalität: Zeitreihe (Straftaten insgesamt) 1950-2000 (crim_hist)
Polizeibeamte (crim_plce)
Zahl der Gefangenen (crim_pris)
Zahl der Gefangenen: Zeitreihe 1987-2000 (crim_pris_hist)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks


Fußnoten

  1. Beispielsweise wird in Griechenland, Zypern, Luxemburg, Island und Liechtenstein nicht zwischen „Wohnungseinbrüchen“ und anderen Einbrüchen (in Geschäften, Werkstätten, Tankstellen usw.) unterschieden. Die Daten aus diesen Ländern können somit nicht unmittelbar mit den Daten anderer Länder verglichen werden, die lediglich Wohnungseinbrüche berücksichtigen.