Archive:Bildungsstatistiken auf regionaler Ebene


Datenauszug vom März/April 2019.

Aktualisierung des Artikels geplant: Dezember 2020.

Highlights

Východné Slovensko — die östlichste Region der Slowakei — war die einzige Region in der EU, in der 2017 weniger als zwei Drittel (65,3 %) der Kinder zwischen vier Jahren und dem gesetzlichen Einschulungsalter an frühkindlicher Bildung teilnahmen.

Fünf Regionen in der EU meldeten, dass 2018 mehr als sieben Zehntel der Menschen im Alter von 30 bis 34 Jahren einen Hochabschluss besaßen, nämlich die Hauptstadtregionen Litauens, Polens und des Vereinigten Königreichs (sowohl Inner London — West als auch Inner London — East) sowie North Eastern Scotland.

Quelle: Eurostat

Mit einem der 20 Grundsätze, die der europäischen Säule sozialer Rechte zugrunde liegen, soll sichergestellt werden, dass „jede Person Recht auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form [hat], damit sie Kompetenzen bewahren und erwerben kann, die es ihr ermöglichen, vollständig am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und Übergänge auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu bewältigen“. Mindestens ein grundlegendes Bildungsniveau ist in der Tat wünschenswert, damit jeder die Möglichkeit hat, am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilzunehmen und gleichzeitig das Risiko für Armut oder gesellschaftliche Ausgrenzung zu reduzieren. Allgemeine und berufliche Bildung werden darüber hinaus aber auch als entscheidend für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt angesehen; dies gilt insbesondere für eine globalisierte und wissensbasierte Wirtschaft, die auf gut ausgebildete Arbeitskräfte angewiesen ist, um im Hinblick auf Produktivität und Innovation wettbewerbsfähig zu bleiben.

Allgemeine Bildung, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen spielen in den wirtschaftlichen und sozialen Strategien der Europäischen Union (EU) eine zentrale Rolle. In diesem Artikel werden Daten zu den verschiedenen Stufen des Bildungssystems (gemäß der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED) – siehe Kasten für weitere Informationen) entsprechend dem natürlichen Verlauf der Schüler und Studierenden präsentiert. Anschließend wird der Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt analysiert. Für folgende Themen werden Daten präsentiert: Anteil der Kinder unter drei Jahren, die sich in formaler Betreuung befinden; Geschlechtergefälle bei Teilnehmern an beruflicher Bildung; Bevölkerungsanteil mit tertiärem Bildungsabschluss; frühzeitige Schul- und Ausbildungsabgänger, Anteil nicht erwerbstätiger junger Menschen, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen; Beschäftigungsquoten von Absolventen sowie Teilnahme an Maßnahmen der allgemeinen und beruflichen Erwachsenenbildung (auf Englisch).

Internationale Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED)

Da sich die nationalen Bildungssysteme in ihrer Struktur und hinsichtlich ihrer Lehrpläne unterscheiden, gestalten sich räumliche oder zeitliche Vergleiche zur Bewertung der Leistungsfähigkeit verschiedener Systeme schwierig. Um die Voraussetzungen, Abläufe und Erfolge unterschiedlicher Bildungssysteme interpretieren zu können, werden offizielle Bildungsstatistiken gemäß der Internationalen Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED) erhoben. Mit der ISCED können verschiedenste Statistiken zu Themen wie Einschreibung und Teilnahme an Bildungsmaßnahmen, Bildungsabschlüssen und personellen oder finanziellen Investitionen zusammengeführt werden.

Als Referenzklassifikation ermöglicht sie die Einordnung von formalen Bildungsgängen und entsprechenden Qualifikationen unterschiedlicher Bildungsstufen und -bereiche in international vereinbarte Kategorien. Die aktuelle Version – ISCED 2011 (auf Englisch) – wurde im November 2011 von der UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet. Sie enthält folgende Stufen:

  • Frühkindliche Bildung – ISCED-Stufe 0;
  • Primarschulbildung – ISCED-Stufe 1;
  • Sekundarstufe I – ISCED-Stufe 2;
  • Sekundarstufe II– ISCED-Stufe 3;
  • Nichttertiäre Bildung nach dem Sekundarbereich – ISCED-Stufe 4;
  • Kurzstudiengänge – ISCED-Stufe 5;
  • Bachelorstudiengänge oder gleichwertige Studiengänge – ISCED-Stufe 6;
  • Masterstudiengänge oder gleichwertige Studiengänge – ISCED-Stufe 7;
  • Promotionsstudiengänge oder gleichwertige Studiengänge – ISCED-Stufe 8.

Die Stufen 5-8 werden als tertiäre Bildung bezeichnet.

2016 befanden sich 110 Millionen Kinder, Schüler, Studierende und Lernende in der EU auf allen Bildungsstufen (auf Englisch) in Ausbildung, von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Promotionsstudium.

Full article

Frühkindliche Bildung (und Betreuung)

Mit einem der 20 Grundsätze, die der Europäischen Säule sozialer Rechte zugrunde liegen, soll sichergestellt werden, dass „Kinder Recht auf hochwertige, bezahlbare frühkindliche Bildung und Betreuung [haben]“. Die Forschung hat gezeigt, dass frühe Erfahrungen im Kindesalter oftmals ausschlaggebend für die langfristige Entwicklung eines Menschen sind, weshalb die frühkindliche Bildung und die Primarschulbildung als entscheidend dafür betrachtet werden, Ungleichheiten zu überwinden und Grundkompetenzen zu erhöhen und so möglicherweise die Lebensperspektiven zu verbessern.

Frühkindliche Bildung (ISCED-Stufe 0) ist gewöhnlich nach einem ganzheitlichen Ansatz gestaltet und verfolgt das Ziel, die kindliche Entwicklung im kognitiven, physischen, sozialen und emotionalen Bereich zu fördern, und zwar durch zwei Kategorien von Bildungsgängen: frühkindliche Bildungsentwicklung (Stufe 01) und Bildung im Elementarbereich (Stufe 02). Bildungsprogramme im Primarbereich (ISCED-Stufe 1) sind üblicherweise darauf ausgelegt, Schülerinnen und Schülern Grundfertigkeiten im Lesen, im Schreiben und in der Mathematik zu vermitteln, mit anderen Worten, Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen zu entwickeln.

Fast drei Zehntel der Kinder unter drei Jahren nahmen in der EU an formaler Kinderbetreuung teil

Die Teilnahme an formaler Kinderbetreuung ist eine der ersten Gelegenheiten für Kinder, Lernfähigkeit, die Fähigkeit zum kritischen Denken und Teamfähigkeit zu entwickeln. 2016 nahmen fast drei Zehntel (29,5 %) der Kinder unter drei Jahren in der EU-28 an formaler Kinderbetreuung teil; dieser Indikator ist Bestandteil eines Scoreboards für die Europäische Säule sozialer Rechte, mit der eine inklusivere und gerechtere EU aufgebaut werden soll.

Abbildung 1 zeigt die Verteilung dieses Anteils nach dem Grad der Urbanisierung: So nimmt ein größerer Anteil der Kinder in Städten (31,7 %) an formaler Kinderbetreuung teil als in kleineren Städten und Vorstädten (28,6 %) oder in ländlichen Gebieten (26,8 %). Im Hinblick auf die Tendenz zur Nutzung von formaler Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren gab es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten. In nördlichen und westlichen Regionen der EU wurden häufig höhere Teilnahmequoten verzeichnet, während Kinder unter drei Jahren in südlichen und östlichen Regionen eher zuhause oder bei Mitgliedern der erweiterten Familie oder Freunden betreut wurden (anstelle der Inanspruchnahme von formaler Kinderbetreuung).

Im Gegensatz zu diesem gesamteuropäischen Muster nahmen in den ländlichen Gebieten Dänemarks (82,4 %), des Vereinigten Königreichs (66,1 %) und Frankreichs (53,7 %) mehr Kinder unter drei Jahren an formaler Kinderbetreuung teil als gleichaltrige Kinder in Städten oder in kleineren Städten und Vorstädten. Ein ähnliches Muster wiederholte sich in Deutschland (38,0 %) und Finnland (36,4 %), wo knapp mehr als ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren, die in ländlichen Gebieten leben, an formaler Betreuung teilnahmen. In Slowenien betrug die Teilnahmequote in ländlichen Gebieten sogar nur 2,6 %. Anderswo war bei in Städten und in kleineren Städten und Vorstädten lebenden Kindern unter drei Jahren die Wahrscheinlichkeit, dass sie in eine formale Betreuung eingeschrieben waren, höher als bei Kindern in ländlichen Gebieten. Dies spiegelt wohl zumindest teilweise den Umstand wider, dass es in ländlichen Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte an Betreuungsangeboten fehlt.

Abbildung 1: Kinder unter drei Jahren in formaler Betreuung, 2016
(in %, nach Urbanisierungsgrad)
Quelle: Eurostat (ilc_ats01) und (ilc_caindformal)

Mehr als 95 % der Kinder zwischen vier Jahren und dem gesetzlichen Einschulungsalter nahmen in der EU an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen teil

Im strategischen Rahmen für die allgemeine und berufliche Bildung 2020 (ET 2020) wurde als Kernziel festgelegt, dass bis 2020 mindestens 95 % der Kinder zwischen vier Jahren und dem gesetzlichen Einschulungsalter an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen teilnehmen sollten. Es sei angemerkt, dass frühkindliche Bildungsmaßnahmen im Gegensatz zur Kinderbetreuung eine spezielle Bildungskomponente aufweisen. 2016 lag dieser Wert in der EU-28 bei 95,3 %, das heißt, das Kernziel wurde bereits erreicht.

Wie eine Analyse nach NUTS-2-Regionen für 2017 zeigt, lag die Teilnahmequote an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum gesetzlichen Einschulungsalter in 85 der 226 Regionen (in Karte 1 in gelben Farbtönen dargestellt) unter 95,0 %. Zu diesen Regionen gehörten alle Regionen in Bulgarien, Tschechien (mit Ausnahme von Střední Morava), Griechenland, Kroatien, Polen (mit Ausnahme der Hauptstadtregion Warszawski stołeczny), Rumänien, Slowenien, der Slowakei und Finnland (mit Ausnahme der Inselregion Åland) sowie Estland und Zypern (beide eine Region auf dieser Gliederungsebene) und Litauen (nur nationale Daten verfügbar).

Karte 1: Teilnahmequoten an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen, 2017
(in %, Anteil der Kinder im Alter von vier Jahren bis zum gesetzlichen Einschulungsalter, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_enra17) und (educ_uoe_enra10)

Im Zeitraum 2014-2017 stieg der Anteil der Kinder, die an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen teilnahmen, in der überwiegenden Mehrheit der griechischen Regionen rasch an

In Abbildung 2 wird die Analyse der Quoten der Teilnahme an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen ausgeweitet, indem jüngere Entwicklungen ausführlicher betrachtet werden. Die Abbildung gibt darüber Aufschluss, in welchen EU-Regionen die Quoten im Zeitraum 2014-2017 am stärksten gestiegen bzw. zurückgegangen sind (in Prozentpunkten (pp)). In Griechenland nahm die Teilnahme an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen rasch zu. Sieben der zehn stärksten Zuwächse in der EU waren in folgenden griechischen Regionen zu verzeichnen:

  • Notio Aigaio in der südlichen Ägäis, wo die Quote der Teilnahme an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen bei Kindern im Alter von vier Jahren bis zum gesetzlichen Einschulungsalter am meisten – nämlich um 19,4 pp – zulegte;
  • die Hauptstadtregion Attiki mit einem Anstieg um 16,2 pp;
  • die Region Kentriki Makedonia im Norden, zu der die Stadt Thessaloniki gehört, mit einem Anstieg um 12,1 pp.

Am anderen Ende des Spektrums meldeten viele der Regionen, in denen die Beteiligung an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen unter 95 % lag, dass die Teilnahmequoten im Zeitraum 2014-2017 ebenfalls zurückgegangen waren und wiesen darauf hin, dass sie das für 2020 angestrebte Ziele wahrscheinlich nicht erreichen werden. Dies war insbesondere in folgenden Regionen der Fall:

  • in fünf der sechs bulgarischen Regionen (die Teilnahmequote ging auch in der Hauptstadtregion Yugozapaden zurück);
  • in Bratislavský kraj, der slowakischen Hauptstadtregion;
  • in Scotland im Vereinigten Königreich (Daten nur für NUTS-Ebene-1 verfügbar); die Region wies (mit 19,5 pp) nicht nur den größten Rückgang auf, sondern auch EU-weit den einzigen Wert im zweistelligen Bereich.
Abbildung 2: Entwicklung der Quoten der Teilnahme an frühkindlichen Bildungsmaßnahmen, 2014-2017
(Änderung am Anteil der Kinder im Alter von vier Jahren bis zum gesetzlichen Einschulungsalter, Unterschied in Prozentpunkten (2017 minus 2014), nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_enra17) und (educ_uoe_enra10)

Berufliche Bildung

Die berufliche Bildung vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die konkret für einen bestimmten Beruf benötigt werden. Politische Entscheidungsträger messen dieser Bildungsform immer größere Bedeutung bei, da sie zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit beitragen und jungen Menschen den Übergang zwischen Bildung und Arbeitsmarkt erleichtern kann, vor allem wenn die entsprechenden Bildungsgänge spezifische Fähigkeiten vermitteln, die von Arbeitgebern verlangt werden.

2016 waren 22,0 Millionen Schülerinnen und Schüler in der EU in Bildungseinrichtungen der Sekundarstufe II eingeschrieben

In der Regel endet die Sekundarstufe II (ISCED-Stufe 3), wenn die Schüler 17 bis 18 Jahre alt sind. Bildungsgänge dieser Stufe zielen darauf ab, die Schüler auf eine Hochschulbildung vorzubereiten und/oder ihnen beschäftigungsrelevante Fähigkeiten zu vermitteln. 2016 nahmen in der EU-28 10,8 Millionen Schüler und damit fast die Hälfte aller Schüler (49,3 %) des Sekundarbereichs II an einem berufsbezogenen Bildungsgang teil; die übrigen 50,7 % besuchten allgemeinbildende Zweige der Sekundarstufe II, die von akademischerer Natur sind.

Bei den Schüleranteilen in berufsbezogenen Bildungsgängen der Sekundarstufe II gab es zwischen den NUTS-2-Regionen erhebliche Unterschiede. Zum Teil hängen diese möglicherweise mit der Verfügbarkeit bzw. dem Image von beruflicher Bildung zusammen. So wird diese Bildungsform beispielsweise in Tschechien, in den Niederlanden und in Österreich allgemein als gute Möglichkeit zur Erleichterung des Einstiegs in den Arbeitsmarkt betrachtet. 2017 nahmen in 24 NUTS-2-Regionen in der EU mehr als sieben Zehntel der Schüler der Sekundarstufe II an berufsbezogenen Bildungsgängen teil, nämlich in sieben der acht tschechischen Regionen (der höchste Anteil in den NUTS-2-Regionen wurde in der tschechischen Region Severozápad mit 76,7 % verzeichnet), in sechs Regionen der Niederlande und in fünf Regionen in Österreich.

Im Gegensatz dazu war die Bedeutung von berufsbezogenen Bildungsgängen im Verhältnis zur Schülerzahl in Bildungsgängen der Sekundarstufe II im Allgemeinen relativ niedrig in Hauptstadtregionen, was die Konzentration von akademischen Einrichtungen in diesen Städten widerspiegelt. In folgenden Regionen nahmen weniger als ein Viertel der Schüler in der Sekundarstufe II an einem berufsbezogenen Bildungsgang teil:

  • in der Region Közép-Dunántúl im Nordwesten Ungarns (24,0 %);
  • in zwei griechischen Regionen, der Festlandregion Peloponnisos (24,8 %) und der Hauptstadtregion Attiki (23,4 %);
  • in Zypern, wo der niedrigste Anteil in der EU verzeichnet wurde (16,7 %; nur nationale Daten auf dieser Detailebene).

Während 54,0 % der männlichen Schüler in der Sekundarstufe II in der EU an einem berufsbezogenen Bildungsgang teilnahmen, lag der entsprechende Anteil unter weiblichen Schülerinnen der Sekundarstufe II mit 44,5 % niedriger

Im Hinblick auf die Beteiligung an berufsbezogenen Bildungsgängen bestand ein Gefälle zwischen den Geschlechtern: 2016 nahmen junge Männer in der EU eher an einem berufsbezogenen Bildungsgang (54,0 % aller Schüler in Bildungsgängen der Sekundarstufe II) teil, junge Frauen dagegen eher an einem akademischen, allgemeinen Bildungsgang (55,5 % aller Schülerinnen in Bildungsgängen der Sekundarstufe II).

Die erste Hälfte von Abbildung 3 zeigt diejenigen NUTS-2-Regionen, in denen das Verhältnis von Schülern zu Schülerinnen in berufsbezogenen Bildungsgängen der Sekundarstufe II am höchsten beziehungsweise am niedrigsten ausfiel. Beispielsweise nahmen in Zypern 2017 mehr als dreimal so viele Schüler wie Schülerinnen an berufsbezogenen Bildungsgängen teil und auch in fünf griechischen Regionen (das größte Geschlechtergefälle wies Ionia Nisia auf), zwei ostdeutschen Regionen (Brandenburg und Sachsen) und der süditalienischen Region Abruzzo Verhältnis von Schülern zu Schülerinnen mehr als zwei- bis dreimal höher.

Dagegen war in 30 Regionen die Zahl der in berufsbezogenen Bildungsgängen der Sekundarstufe II eingeschriebenen Schülerinnen höher als die der Schüler (diese Regionen lagen ausschließlich in Belgien, den Niederlanden, Finnland, Schweden und dem Vereinigten Königreich). 2017 wurden die größten Geschlechtergefälle zugunsten von Frauen in folgenden Regionen verzeichnet:

  • in der schwedischen Hauptstadtregion Stockholm, wo die Zahl der männlichen Schüler in berufsbezogenen Bildungsgängen 82,8 % der Gesamtzahl der weiblichen Schülerinnen entsprach;
  • in East Midlands (83,9 %) und der Hauptstadtregion London (85,8 %) im Vereinigten Königreich (jeweils Daten von 2016 und für NUTS-Ebene 1).

Zwischen 2014 und 2016 sank das Verhältnis von Schülern zu Schülerinnen in berufsbezogenen Bildungsgängen der Sekundarstufe II in der EU-28 um 2,8 pp. Die zweite Hälfte von Abbildung 3 zeigt die Regionen, in denen sich die jeweiligen Anteile von Schülern und Schülerinnen im Zeitraum 2014-2017 am stärksten verändert haben. Die Beteiligung von Frauen an berufsbezogenen Bildungsgängen stieg in diesem Zeitraum in großen Teilen Spaniens, Zyperns (nationale Daten auf dieser Gliederungsebene), der Niederlande, Polens, Rumäniens, Schwedens und des Vereinigten Königreichs.

Abbildung 3: Verhältnis von männlichen Schülern zu weiblichen Schülerinnen in berufsbezogenen Bildungsgängen der Sekundarstufe II, 2017
(% im Jahr 2017 und Unterschied in Prozentpunkten 2017 minus 2014, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_enrs06)

Tertiäre Bildung

Tertiäre Bildung (ISCED-Stufen 5-8) baut auf den Bildungsgängen der Sekundarstufen auf und umfasst Lerninhalte von höherer Komplexität. Sie wird von Universitäten, Berufsbildungseinrichtungen, technischen Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen angeboten, an denen akademische Grade und/oder berufsqualifizierende Abschlüsse erworben werden können. Die tertiäre bzw. Hochschulbildung steht vor einigen Herausforderungen, wie etwa der Ausweitung der Bildungsbeteiligung (insbesondere auf benachteiligte Gruppen), der Verringerung der Abbrecherquoten und der Verkürzung der Studienzeiten einzelner Studierender sowie der Steigerung der Relevanz von Studiengängen für die moderne Arbeitswelt. In den nächsten Jahren wird wahrscheinlich ein zunehmender Anteil der Erwerbsbevölkerung während ihres Arbeitslebens neue Fähigkeiten erwerben/erlernen müssen, um beschäftigungsfähig zu bleiben.

In Inner London — West verfügten über vier Fünftel der Menschen im Alter von 30 bis 34 über einen Hochschulabschluss

Karte 2 liefert Informationen über den Anteil der Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren, die einen Bildungsgang des tertiären Bereichs erfolgreich abgeschlossen hatten. Diese Altersgruppe wurde gewählt, da die meisten Studierenden ihre tertiäre Bildung in ihren Zwanzigern abschließen (auch wenn sie ein Master- oder Aufbaustudium anhängen). Dieser Indikator ist Teil eines Scoreboards, mit dem die europäische Säule sozialer Rechte überwacht wird und stellt eine Benchmark für den ET-2020-Rahmen wie auch ein Ziel der Strategie Europa 2020 dar. In beiden Fällen wird angestrebt, den Erwerb von tertiären Bildungsabschlüssen in der EU-28 auf mindestens 40 % zu steigern.

2018 verfügten mehr als zwei Fünftel der (40,7 %) der Bevölkerung der EU-28 im Alter von 30 bis 34 Jahren über einen tertiären Bildungsabschluss. Die Benchmark für den ET-2020-Rahmen wurde somit zwei Jahre früher erreicht. Der Anteil der Bevölkerung zwischen 30 und 34 Jahren mit einem tertiärem Bildungsabschluss stieg in der EU-28 zwischen 2008 und 2018 um 9,6 pp und zwischen 2017 und 2018 um 0,8 pp. Im Jahr 2018 bewegten sich diese Anteile den EU-Mitgliedstaaten in einer Größenordnung von nur 24,6 % in Rumänien und 27,8 % in Italien bis hin zu mehr als der Hälfte dieser Teilsamtheit in Schweden (52,0 %), Luxemburg (56,2 %), Irland (56,3 %), Zypern (57,1 %) und Litauen (57,6 %).

Ähnlich wie bei einigen anderen Bildungsindikatoren geht aus Karte 2 hervor, dass Hauptstadtregionen offenbar besonders viele Hochqualifizierte anziehen. Aufgrund der vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten (und der Möglichkeiten für das soziale Leben und den Lebensstil) für Absolventen mit tertiärem Abschluss kann von Hauptstädten eine erhebliche Sogwirkung ausgehen. Beispielsweise sind hier häufig die Hauptniederlassungen großer Organisationen (sowohl des öffentlichen als auch des privatwirtschaftlichen Sektors) und ein relativ großes Stellenangebot für Absolventen in dynamischen und gut bezahlten Bereichen (wie in kreativen Branchen oder dem Finanzsektor) zu finden. Die Anziehungskraft bestimmter Städte hat das Potenzial, Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten zu verursachen. Der steigende Zuzug von Hochschulabsolventen in die Hauptstadtregionen kann nämlich zu einer Gentrifizierung ehemaliger Arbeitergegenden und (aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten und unangemessener Wohlverhältnisse) zur Verdrängung von Geringverdienern führen. Die Anziehungskraft einiger Hauptstadtregionen bringt möglicherweise auch mit sich, dass manche Hochschulabsolventen (zumindest zeitweise) Arbeitsplätze annehmen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. In den letzten Jahren hat dieser Trend immer mehr ausländische Hochschulabsolventen erfasst, die auf der Suche nach Arbeit und einem bestimmten Lebensstil in einige der kosmopolitischsten europäischen Hauptstädte ziehen.

2018 verfügten in 10 NUTS-2-Regionen mehr als drei Fünftel der Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren über einen tertiären Bildungsabschluss (als dunkelster Farbton in Karte 2 dargestellt). Vier dieser Regionen befanden sich im Vereinigten Königreich, Inner London — West, wo der höchste Anteil mit tertiärem Bildungsabschluss in der EU verzeichnet wurde (80,4 %), die Hauptstadtregionen Inner London — East und Outer London — West and North West sowie die Region North Eastern Scotland. Bei vier weiteren Regionen handelte es sich um die Hauptstadtregionen der EU-Mitgliedstaaten Dänemark, Litauen, Polen und Schweden.

Dagegen blieb die Zahl der Hochschulabsolventen in mehr als der Hälfte (152 von 278) der NUTS-2-Regionen hinter der ET-2020-Benchmark von 40 % zurück (in Karte 2 als drei gelbe Farbtöne dargestellt). Vielen dieser Regionen waren ländliche oder dünn besiedelte Regionen mit einem relativ großem Landwirtschaftssektor, die daher über geringe Beschäftigungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte verfügen.

Karte 2: Bevölkerung mit tertiärem Bildungsabschluss, 2018
(in %, Anteil der Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (edat_lfse_12)

Übergang vom Bildungssystem zur Arbeitswelt

Die Bildungspolitik soll sicherstellen, dass die Europäerinnen und Europäer über die Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen verfügen, um ihre berufliche Laufbahn lebenslang gestalten zu können. Sie soll das Wohlbefinden und die Erwerbsbeteiligung jedes Einzelnen fördern und im weiteren Sinne einen Beitrag zur Gesamtproduktivität leisten. Schulabgänger und Absolventen haben allerdings bei Abschluss ihres Bildungswegs keine Beschäftigungsgarantie. Sie werden beim Eintritt in die Arbeitswelt unter anderem durch eine unangemessene Ausbildung, mangelnde einschlägige Berufserfahrung, fehlende Problemlösungs-, Kommunikations- und Teamfähigkeit, die sich beschleunigenden negativen Auswirkungen von Technologie und Globalisierung auf einige Branchen und eine allgemeine Stellenknappheit behindert.

Der Übergang vom Bildungssystem zur Arbeitswelt ist für Menschen mit geringer Lese- und Rechenkompetenz schwieriger. Dies gilt auch für Menschen, die das Bildungssystem frühzeitig verlassen, sowie für Menschen aus benachteiligten Verhältnissen (beispielsweise Zuwandererfamilien und von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Familien).

Für die Analyse frühzeitiger Schul- und Ausbildungsabgänger kann man den Anteil der 18- bis 24-Jährigen betrachten, die höchstens über einen Bildungsabschluss der Sekundarstufe I (ISCED-Stufen 0–2) verfügen und (in den letzten vier Wochen vor der Arbeitskräfteerhebung (AKE)) an keinem weiteren allgemeinen oder berufsbildenden Bildungsgang teilgenommen haben. Dieser Indikator ist Teil eines Scoreboards, mit dem die europäische Säule sozialer Rechte überwacht wird. Er stellt sowohl eine ET-2020-Benchmark als auch ein Ziel der Strategie Europa 2020 dar, die jeweils darauf abzielen, den Anteil der frühzeitigen Abgänger in der EU auf unter 10 % zu senken.

2018 lag der Anteil der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger in der EU-28 bei 10,6 %. Er blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert und setzte dem Trend sinkender Quoten eine Ende. In den EU-Mitgliedstaaten bewegte sich der Anteil der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger in Größenordnung von 3,3 % in Kroatien und 17,9 % in Spanien. Diese Verteilung war allerdings insofern verzerrt als die Anteile in neun Mitgliedstaaten über dem EU-28-Durchschnitt lagen. Dagegen wiesen 19 Mitgliedstaaten niedrigere Anteile auf, wobei in 17 dieser Mitgliedstaaten die Anteile der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger unter dem angestrebten 10 %-Ziel blieben.

In der litauischen Hauptstadtregion Sostinės regionas wurde mit 1,9 % der niedrigste regionale Anteil der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger verzeichnet

2018 lag der Anteil der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger in 120 von 257 NUTS-Regionen – also in etwa der Hälfte der NUTS-Regionen, für die Daten verfügbar sind – bei unter 10,0 % (auf Karte 3 als blaue Farbtöne dargestellt). Die niedrigsten Anteile frühzeitiger Abgänger waren in Osteuropa konzentriert: Zu den 23 Regionen mit Werten unter 5,0 % (dunkelblau) gehörten sieben Regionen in Polen, vier Regionen in Tschechien und jeweils beide Regionen Kroatiens und Sloweniens.

Karte 3 verdeutlicht, dass 2018 in Hauptstadtregionen tendenziell einige der niedrigsten Anteile der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger verzeichnet wurden. Dies traf für alle oben genannten östlichen Mitgliedstaaten zu, deren Hauptstadtregionen Anteile unter 5,0 % verzeichneten, sowie für die Hauptstadtregionen Irlands, Griechenlands und Litauens. Der relativ niedrige Anteil frühzeitiger Abgänger in Hauptstadtregionen dürfte unter anderem mit einem größeren Bildungsangebot, vielfältigeren Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen oder höheren Bildungsabschlüssen der Eltern zusammenhängen.

2018 wurden die EU-weit niedrigsten regionalen Anteile der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger in folgenden Regionen verzeichnet:

  • in drei osteuropäischen Hauptstadtregionen – Sostinės regionas in Litauen (1,9 %), Praha in Tschechien (2,7 %) und Warszawski stołeczny in Polen (ebenfalls 2,7 %; Daten von 2015) sowie
  • in der kroatischen Küsten-/Inselregion Jadranska Hrvatska (2,5 %).

Die belgische und die deutsche Hauptstadtregion waren atypisch. Die Anteile der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger lagen hier jeweils über dem nationalen Durchschnitt. 2018 belief sich der Anteil der frühzeitigen Abgänger in Région de Bruxelles-Capitale/Brussels Hoofdstedelijk Gewest auf 10,7 % (verglichen mit einem nationalen Durchschnitt von 8,6 % für Belgien insgesamt) und in Berlin auf 13,6 % (verglichen mit einem nationalen Durchschnitt von 10,3 %). Wie eine genauere Analyse zeigt, wies Berlin – nach Koblenz (13,9 %) und Bremen (14,6 %) – den dritthöchsten regionalen Anteil von frühzeitigen Abgängern in Deutschland auf.

Bei vielen der Regionen in der EU mit den höchsten Anteilen frühzeitiger Schul- und Ausbildungsabgänger handelte es sich um Inselregionen und/oder Regionen in Randlage. Dort ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass unverhältnismäßig viele Schüler wegziehen müssen, um an einem bestimmten Kurs oder Bildungsgang der tertiären Bildung teilzunehmen, wodurch es zu einer höheren Konzentration an frühzeitigen Abgängern kommt. In der EU wurde nur in drei Regionen mehr als ein Viertel der jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren als frühzeitige Schul- und Ausbildungsabgänger eingestuft, nämlich in

  • der portugiesischen Inselregion Região Autónoma dos Açores (28,3 %),
  • der spanischen autonome Region Ciudad Autónoma de Melilla (29,5 %) und
  • Guyane, einer französischen Region Guyane in äußerster Randlage (31,0 %).
Karte 3: Frühzeitige Schul- und Ausbildungsabgänger, 2018
(in %, Anteil der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (edat_lfse_16)

Die niederländischen Regionen Groningen und Utrecht wiesen mit 4,1 % den niedrigsten Anteil an nicht erwerbstätigen jungen Menschen auf, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen

Der Anteil der jungen Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen (im Folgenden „NEET“), wird bezogen auf die gleichaltrige (18-24-jährige) Gesamtpopulation ausgedrückt. Allerdings sei darauf hinzuweisen, dass dieser Anteil nicht nur arbeitslose junge Menschen umfasst, sondern auch solche, die aus Gründen, die nicht mit Bildung oder Ausbildung zusammenhängen, nicht erwerbstätig sind (beispielsweise weil sie Angehörige betreuen, Freiwilligendienst leisten, auf Reisen sind oder eine Krankheit oder Behinderung haben). Der Anteil der NEET ist einer der Indikatoren im Rahmen des Scoreboards für die europäische Säule sozialer Rechte.

Nachdem die NEET-Quote infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2012 den Spitzenwert von 17,2 % erreicht hatte, fiel sie sechs Jahre in Folge kontinuierlich bis auf 13,7 % im Jahr 2018. Der Rückgang um 0,9 pp zwischen 2016 und 2017 war in diesem Zeitraum der größte Rückgang im Vorjahresvergleich, zwischen 2017 und 2018 folgte ein weiterer Rückgang um 0,6 pp. Die NEET-Quoten bewegten sich zwischen einem Tiefstwert von 5,4 % in den Niederlanden und einem Höchstwert von 24,9 % in Italien. Dieses Verhältnis war allerdings insofern verzerrt als die Anteile in nur acht EU-Mitgliedstaaten über dem und in 20 Mitgliedstaaten unter dem EU-Durchschnitt lagen.

Karte 4 zeigt die regionale Verteilung von NEET-Quoten in NUTS-2-Regionen: 2018 waren die niedrigsten Quoten (in der Karte im hellsten Farbton dargestellt) hauptsächlich in weiten Teilen von Tschechien, Deutschland und den Niederlanden zu finden. In insgesamt 42 EU-Regionen lag die NEET-Quote unter 7,5 %:

  • in allen 12 Regionen der Niederlande (darunter Groningen und Utrecht, die 2018 mit jeweils 4,1 % die niedrigste NEET-Quote in der EU verzeichneten);
  • in sechs der acht tschechischen Regionen (die Ausnahmen bildeten Moravskoslezsko und Severozápad) und
  • in 16 deutschen Regionen.

Zu den übrigen acht Regionen mit NEET-Quoten unter 7,5 % zählten die fünf Hauptstadtregionen in Bulgarien, Dänemark, Litauen, Polen und Slowenien sowie zwei österreichische Regionen (die Daten für Westösterreich decken eine NUTS-1-Region ab) und Prov. Vlaams-Brabant in Belgien. Tatsächlich lag der Anteil der jungen Menschen, die weder erwerbstätig waren noch an Bildung oder Weiterbildung teilnahmen, in den Hauptstadtregionen der meisten EU-Mitgliedstaaten vergleichsweise niedrig. In diesem Zusammenhang waren die belgische und die deutsche Hauptstadtregion atypisch. Sie meldeten die höchsten regionalen Quoten für das jeweilige Staatsgebiet, nämlich für Région de Bruxelles-Capitale/Brussels Hoofdstedelijk Gewest 16,6 % (gegenüber einem nationalen Durchschnitt von 11,5 %) und für Berlin 12,0 % (gegenüber 8,1 %).

Die höchsten NEET-Quoten in der EU wurden dagegen in zwei französischen Regionen in äußerster Randlage verzeichnet. Der Anteil der jungen Menschen, die weder erwerbstätig waren noch an Bildung oder Weiterbildung teilnahmen, erreichte 41,2 % in La Réunion und einen Höchstwert von 46,6 % in Guyane (diese Quoten sind damit mehr als 10-mal so hoch wie in Groningen und Utrecht).

In einigen westlichen EU-Mitgliedstaaten war außerdem ein anderes Muster erkennbar. Demnach treten in frühere industriellen Zentren einige der höchsten NEET-Quoten im Staatsgebiet auf. So wurden beispielsweise drei der höchsten Quoten in Belgien in Prov. Liège, Prov. Namur und Prov. Hainaut und vergleichsweise hohe Quoten in den französischen Regionen Champagne-Ardenne, Nord-Pas-de-Calais und Picardie sowie in den britischen Regionen West Midlands, West Wales and the Valleys, Merseyside, Northumberland und Tyne and Wear verzeichnet.

Karte 4: Nicht erwerbstätige junge Menschen, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen (NEET), 2018
(in %, Anteil der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (edat_lfse_22)

In Niederbayern in Deutschland wurde mit 98,2 % die höchste Beschäftigungsquote von Absolventen verzeichnet

Die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen ist integraler Bestandteil der ET-2020-Strategie. Zu diesem Zweck wurde ein Benchmark-Indikator für die Beschäftigungsquote von jungen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren, die in den vorhergehenden ein bis drei Jahren mindestens einen Bildungsabschluss der Sekundarstufe II erworben haben (im Folgenden „Absolventen“ genannt), festgelegt: Angestrebt wird eine Quote von 82 %.

Von einem relativ niedrigen Wert von 75,4 %, der im Jahr 2013 nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise verzeichnet wurde, stieg die Beschäftigungsquote von Absolventen in der EU-28 fünf Jahre hintereinander kontinuierlich, zuletzt um 1,4 pp. 2018 lag die Beschäftigungsquote von Absolventen bei 81,6 % und somit nur knapp (0,4 pp) unter der Benchmark der ET-2020-Strategie.

Die Beschäftigungsquote von Absolventen überstieg 2018 in einer Mehrheit (17) der EU-Mitgliedstaaten die ET-2020-Benchmark. Sie bewegte sich in einer Größenordnung von über 90 % in Malta, Deutschland und den Niederlanden bis zu einem Anteil von weniger als drei Fünfteln der Absolventen in Italien (56,5 %) und Griechenland (55,3 %).

Karte 5 bietet eine detailliertere regionale Analyse. Aus ihr geht hervor, dass die Beschäftigungsquote von Absolventen 2018 in drei Fünfteln der NUTS-2-Regionen, für die Daten zur Verfügung standen, die Benchmark von 82 % erreichte oder übertraf. Darunter waren 75 NUTS-2-Regionen, in denen die Beschäftigungsquote von Absolventen bei 90 % oder mehr lag (im dunkelsten Blauton dargestellt). Sie erstreckten sich auf große Teile Tschechiens, Deutschlands, der Niederlande, Österreichs und Schwedens. Die höchste regionale Beschäftigungsquote von Absolventen wurde mit 98,2 % in der Region Niederbayern im Südosten Deutschlands, an der Grenze zu Tschechien und Österreich, verzeichnet.

Im Gegensatz dazu betrug die Beschäftigungsquote von Absolventen in vier EU-Regionen weniger als ein Drittel:

  • Drei dieser Regionen befanden sich in Süditalien (Basilicata (31,4 %), Calabria (31,3 %) und Sicilia (27,3 %));
  • eine lag in Mittelgriechenland, nämlich Sterea Ellada (31,8 %; geringe Verlässlichkeit).
Karte 5: Erwerbstätigenquote von Absolventen, 2018
(in %, Anteil der Bevölkerung im Alter von 20–34 Jahren mit mindestens einem Bildungsabschluss der Sekundarstufe II, die das Bildungs- oder Ausbildungssystem vor 1-3 Jahren verlassen haben, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (edat_lfse_33)

Lebenslanges Lernen

Durch lebenslanges Lernen – oder lebenslange allgemeine und berufliche Bildung – sollen die Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen und/oder Qualifikationen einer Person aus persönlichen, sozialen und/oder beruflichen Gründen verbessert werden. Im Laufe des Berufslebens müssen in zunehmendem Maße bestehende Fähigkeiten weiterentwickelt und neue Fähigkeiten erworben werden, die für den speziellen Arbeitsplatz relevant sind oder Möglichkeiten für neue berufliche Laufbahnen eröffnen. In diesem Zusammenhang gibt die Arbeitskräfteerhebung (AKE) der EU Aufschluss über den Anteil der Bevölkerung im Alter von 25–64 Jahren, der (in den letzten vier Wochen vor der Erhebung) an formalen oder nichtformalen Maßnahmen für die allgemeine und berufliche Bildung teilgenommen hat. Dieser Indikator zur Beteiligung an der Erwachsenenbildung (allgemeine und berufliche Bildung) ist Teil des Scoreboards zur Überwachung der Fortschritte in Bezug auf die europäische Säule sozialer Rechte und zugleich Bestandteil des ET-2020-Rahmens: Ziel ist es, die Beteiligung an der Erwachsenenbildung bis 2020 auf mindestens 15 % anzuheben. Die Eurostat-Erhebung über Erwachsenenbildung (AES) vermittelt zwar ein umfassenderes Bild von der Erwachsenenbildung (bezogen auf einen Referenzzeitraum von vollen zwölf Monaten), die Stichproben sind jedoch für eine Analyse nach NUTS-2-Regionen nicht ausreichend groß.

2018 nahm ein Neuntel (11,1 %) der erwachsenen Bevölkerung der EU-28 an allgemeinen oder beruflichen Bildungsmaßnahmen teil. Dies stellte einen geringfügigen Anstieg um 0,2 pp im Vergleich zum Vorjahr dar. 2018 war bereits das dritte Jahr in Folge mit einem leichten Anstieg der Beteiligungsquote. Die Beteiligung an Erwachsenenbildung bliebt dennoch weit hinter dem Benchmark-Ziel von 15 % zurück.

In acht EU-Mitgliedstaaten hatte die Beteiligungsquote an der Erwachsenenbildung bereits bis 2018 das Benchmark-Ziel von 15 % erreicht. Die höchsten Quoten wiesen die nordischen Mitgliedstaaten Dänemark (23,5 %), Finnland (28,5 %) und Schweden (29,2 %) auf. In Griechenland, der Slowakei, Kroatien, Bulgarien und Rumänien lag die Beteiligung an Erwachsenenbildung dagegen bei unter 5 %, in Rumänien war sie mit 0,9 % am geringsten.

In allen Regionen in Dänemark, den Niederlanden, Finnland und Schweden lag die Beteiligung an Erwachsenenbildung bei über 15 %

In etwa einem Viertel der NUTS-2-Regionen, für die Daten zur Verfügung standen, lag die Beteiligung an Erwachsenenbildung über der ET-2020-Benchmark (in Karte 6 als blaue Farbtöne dargestellt). In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten waren diese Regionen gleichmäßig verteilt, was vermutlich darauf zurückgeht, das Initiativen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung auf nationaler (statt auf regionaler) Ebene organisiert werden. In Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Schweden sowie Estland und Luxemburg (beide eine einzige Regionen auf dieser Gliederungsebene) lagen die Beteiligungsquoten in jeder Region bei mindestens 15 %.

Bei eingehenderer Betrachtung zeigt sich, dass 2018 der höchste Anteil in Helsinki-Uusimaa, der Hauptstadtregion von Finnland, verzeichnet wurde, wo fast ein Drittel (32,2 %) aller Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren an allgemeinen oder beruflichen Bildungsmaßnahmen teilnahm. Es folgten fünf Regionen, die gemeinsam die südliche Hälfte Schwedens ausmachten; unter diesen wurde die höchste Quote in Sydsverige (30,4 %) verzeichnet.

Der dunkelste Gelbton in Karte 6 zeigt diejenigen Regionen an, in denen die Beteiligungsquote an Erwachsenenbildung unter 5,0 % lag, darunter alle Regionen in Bulgarien, Kroatien und Rumänien sowie alle Regionen in Griechenland und der Slowakei (mit Ausnahme der Hauptstadtregionen Attiki und Bratislavský kraj). Die niedrigsten Anteile wurden in Rumänien verzeichnet, wo alle acht Regionen 2018 Beteiligungsquoten an Erwachsenenbildung von weniger als 1,5 % aufwiesen; die niedrigste Quote (0,7 %) wurde in vier verschiedenen Regionen – Nord-Vest, Centru, Sud-Est und Sud-Vest Oltenia – verzeichnet. Die einzigen anderen Regionen in der EU mit Beteiligungsquoten von weniger als 1,5 % waren die bulgarischen Regionen Severozapaden und Severoiztochen sowie die griechische Region Sterea Ellada.

Karte 6: Beteiligungsquoten an der Erwachsenenbildung, 2018
(in %, Anteil der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren, die in den letzten vier Wochen vor der Erhebung an formalen oder nichtformalen Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen hat, nach NUTS-2-Regionen)
Quelle: Eurostat (trng_lfse_04)

Quelldaten für Abbildungen und Karten

Excel.jpg Education and training at regional level (auf Englisch)

Datenquellen

Da sich die Strukturen der Bildungssysteme von Land zu Land unterscheiden, ist ein Rahmen für die Erfassung, Kompilierung und Darstellung regionaler, nationaler und internationaler Bildungsstatistiken und -indikatoren als Voraussetzung für die Vergleichbarkeit der Daten erforderlich. Dieser Rahmen wird durch die Internationale Standardklassifikation des Bildungswesens (ISCED) vorgegeben. Die ISCED 2011 wurde im November 2011 von der UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet und bildet die Grundlage für die Statistikdaten in diesem Artikel.

Weitere Informationen:

International standard classification of education (ISCED 2011) (auf Englisch)

Die meisten Daten zur EU-Bildungsstatistik werden im Rahmen eines gemeinsamen Vorhabens mit Beteiligung des Statistischen Instituts der UNESCO (UNESCO-UIS), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Eurostat erhoben. Diese gemeinsame Datenerhebung wird häufig als „UOE-Datenerhebung“ bezeichnet. Daten über regionale Beteiligungsquoten werden von Eurostat gesondert erfasst. Die UOE-Datenerhebung basiert im Wesentlichen auf administrativen Quellen, die von Bildungsministerien oder nationalen statistischen Ämtern bereitgestellt werden. Die Daten über Hochschulabsolventen beziehen sich auf das Kalenderjahr, während für alle übrigen nicht monetären Daten das Schul-/Studienjahr (systematisiert nach dem Kalenderjahr, in dem das Schul-/Studienjahr endet) als Bezugszeitraum dient.

Weitere Informationen:

UNESCO-UIS-Website (auf Englisch)

Die Arbeitskräfteerhebung der EU enthält Daten zu frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgängern, zum Anteil der nicht erwerbstätigen jungen Menschen, die sich weder in einer schulischen noch in einer beruflichen Ausbildung befinden, zum Anteil der Bevölkerung nach Bildungsstand, zur Erwerbstätigenquote von Absolventen und Informationen zur Erwachsenenbildung. Sie erfasst die gesamte in Privathaushalten lebende Bevölkerung ab 15 Jahren und wird zweimal jährlich aktualisiert, wobei die Informationen für jedes neue Bezugsjahr im Frühjahr des folgenden Jahres zur Verfügung gestellt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die nach Bildungsgrad ausgeschlüsselten Daten der Arbeitskräfteerhebung für Estland und Österreich im Jahr 2014 eine Niveaukorrektur (einen Zeitreihenbruch) aufweisen.

Weitere Informationen:

EU’s labour force survey (LFS) (auf Englisch)

Abschnitt über Bildung und Weiterbildung – Methodik

Kontext

Jeder EU-Mitgliedstaat ist für die eigene allgemeine und berufliche Bildungspolitik verantwortlich. Allerdings unterstützt die EU nationale Maßnahmen und hilft den Mitgliedstaaten über die sogenannte offene Koordinierungsmethode bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung: So bietet die EU den Mitgliedstaaten ein Forum für die Erörterung aktueller Themen (z. B. Überalterung der Gesellschaft, Qualifikationsdefizite oder globaler Wettbewerb) und ermöglicht es ihnen zudem, einen Austausch über bewährte Verfahren zu pflegen.

„Allgemeine und berufliche Bildung 2020“ (ET 2020) ist eine zentrale europäische Strategie, mit der vier gemeinsame Ziele verfolgt werden sollen: Lebenslanges Lernen und Mobilität als Realität; Verbesserung der Qualität und Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung; Förderung von Chancengleichheit, sozialem Zusammenhalt und aktivem Bürgersinn sowie Förderung von Innovation und Kreativität einschließlich unternehmerischen Denkens. Mit dem ET-2020-Rahmen wurden acht EU-Benchmarks festgelegt, durch die sichergestellt werden soll, dass die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht werden. 2015 wurde in einer Zwischenbilanz über die Umsetzung des strategischen ET-2020-Rahmens sechs neue prioritäre Bereiche festgelegt:

  • Förderung des lebenslangen Lernens, wobei der Fokus auf den Lernergebnissen im Hinblick auf Beschäftigungsfähigkeit, Innovation, bürgerschaftliches Engagement und Wohlbefinden liegt;
  • inklusive Bildung und Förderung von Bürgerkompetenz;
  • offene und innovative allgemeine und berufliche Bildung;
  • Unterstützung für Lehrkräfte, Ausbilder, Schulleiter und sonstiges pädagogisches Personal;
  • Transparenz und Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen zur Erleichterung der Lern- und Arbeitsmobilität;
  • nachhaltige Investitionen sowie Qualität und Effizienz der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Die EU-Kohäsionspolitik investiert in die Fähigkeiten und Kompetenzen, die für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas von zentraler Bedeutung sind. Durch die Förderung des sozialen Zusammenhalts sollen alle Bürgerinnen und Bürger von mehr und besseren Arbeitsplätzen profitieren können. Aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) werden Mittel für Aktivitäten bereitgestellt, die dazu beitragen,

  • die Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu modernisieren und Investitionen in Bildungsinfrastruktur zu tätigen;
  • die Schulabbrecherquoten zu reduzieren;
  • einen besseren Zugang zu hochwertiger Bildung für alle zu ermöglichen;
  • den Zugang zu lebenslangem Lernen zu verbessern;
  • die Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung auszubauen.

Weitere Informationen:

Strategischer Rahmen – allgemeine und berufliche Bildung 2020 (ET 2020)

Gemeinsamer Bericht des Rates und der Kommission über die Umsetzung des strategischen Rahmens für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020) – Neue Prioritäten für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung

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Mittels des Statistischen Atlasses von Eurostat (auf Englisch) können Sie alle Karten interaktiv verwenden (siehe Benutzerhandbuch auf Englisch).

Dieser Artikel ist Bestandteil der wichtigsten jährlichen Veröffentlichung von Eurostat, des Eurostat Jahrbuchs der Regionen.