Archive:Landwirtschaftliche Erzeugung, Preisindizes und Einkommen

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Datenauszug vom Februar 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: Mai 2018.
Abbildung 1: Landwirtschaftliche Erzeugung und Bruttowertschöpfung, EU-28, 2005-2015
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (aact_eaa05)
Abbildung 2: Änderung der pflanzlichen Erzeugung und tierischen Erzeugung, 2005–2015
(durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, in %)
Quelle: Eurostat (aact_eaa01)
Abbildung 3: Änderung der Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft, 2005–2010 und 2010–2015
(durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, in %)
Quelle: Eurostat (aact_eaa01)
Abbildung 4: Änderung der Subventionen in der Landwirtschaft, 2005–2015
(in %)
Quelle: Eurostat (aact_eaa01)
Abbildung 5: Subventionen abzüglich Steuern in der Landwirtschaft, 2015
(in %, als Anteil der Wertschöpfung)
Quelle: Eurostat (aact_eaa01)
Abbildung 6: Änderung der deflationierten Preisindizes der landwirtschaftlichen Betriebsmittel und der landwirtschaftlichen Erzeugung, 2010-2015
(durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, in %)
Quelle: Eurostat (apri_pi10_ina) und (apri_pi10_outa)
Tabelle 1: Preisindizes der landwirtschaftlichen Erzeugung (nominal), 2015
(2010 = 100)
Quelle: Eurostat (apri_pi10_outa)
Abbildung 7: Index des Einkommens aus landwirtschaftlicher Tätigkeit (Indikator A), EU-28, 2005–2015
(2010 = 100)
Quelle: Eurostat (aact_eaa06)
Abbildung 8: Index des Einkommens aus landwirtschaftlicher Tätigkeit (Indikator A), 2005–2010 und 2010–2015
(durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, in %)
Quelle: Eurostat (aact_eaa06)

Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über die jüngsten Veränderungen der landwirtschaftlichen Erzeugung, der Bruttowertschöpfung und der Preise in der Europäischen Union (EU) sowie über ihre Auswirkungen auf das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit. Die dargestellten Informationen stammen aus der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR).

Eines der Hauptziele der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) besteht darin, Landwirten eine angemessene Lebenshaltung zu ermöglichen (während zugleich eine wettbewerbsfähigere und nachhaltige Landwirtschaft und lebensfähige ländliche Gebiete gefördert werden). In der GAP ist hierfür zwar keine explizite Definition vorgegeben, doch können anhand einer Reihe von Indikatoren, zu denen auch die Entwicklung der Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit zählt, die Fortschritte bei der Verwirklichung dieses Ziels ermittelt werden.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Landwirtschaftliche Erzeugung und Subventionen

Die in Abbildung 1 enthaltenen Informationen basieren auf jeweiligen laufenden Preisen und auf Herstellungspreisen. Sie zeigt, dass es in der EU-28 im Jahr 2009 (d. h. auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise) zu einem eindeutigen Rückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung kam, gefolgt von einem Anstieg in den Jahren 2012 bzw. 2013 und einem allgemeinen Rückgang bis 2015.

Der Bruttowert der pflanzlichen Erzeugung der EU-28 ging 2009 auf einen relativen Tiefstand von 177,2 Mrd. EUR zurück. Im Anschluss daran waren eine Erholung und eine vierjährige ununterbrochene Zunahme bis 2013 auf einen Höchstwert von 220,1 Mrd. EUR zu verzeichnen. Den jüngsten verfügbaren Informationen zufolge fiel der Wert der pflanzlichen Erzeugung 2014 in der EU-28 jedoch um 4,1 % auf 211,0 Mrd. EUR, bevor er 2015 erneut anstieg (+1,5 %) und einen Wert von 214,1 Mrd. EUR erreichte.

Der Bruttowert der Erzeugerpreise der tierischen Erzeugung der EU-28 ging 2009 ebenfalls auf einen relativen Tiefstand (138,0 Mrd. EUR) zurück; anschließend nahm er aber bis 2014 fünf Jahre lang stetig zu. Gegen Ende dieses Zeitraums verlangsamte sich die Veränderungsrate und 2014 blieb der Wert der tierischen Erzeugung in der EU-28 mit einer Zunahme um 0,7 % bei einem Wert von 172,4 Mrd. EUR praktisch unverändert. 2015 wies die tierische Erzeugung der EU-28 einen beträchtlichen Rückgang von 4,6 % im Vergleich zum Vorjahr auf und erreichte einen Wert von 164,4 Mrd. EUR.

Die Zunahmen bei der Bruttoerzeugung der EU-28 aus dem Zeitraum 2009-2013 wurden bis zu einem gewissen Grad durch einen Anstieg des Wertes der Vorleistungen von Waren und Dienstleistungen zu Herstellungspreisen ausgeglichen. Auch hier folgten auf einen Zeitraum relativ raschen Wachstums zwischen 2009 und 2012 eine bescheidenere Wachstumsrate im Jahr 2013 und 2014 und 2015 Abnahmen um 0,8 % bzw. 1,5 %.

Infolge dessen nahm die Bruttowertschöpfung der landwirtschaftlichen Erzeugung der EU-28 zu Erzeugerpreisen von einem relativen Tiefstand von 135,9 Mrd. EUR im Jahr 2009 vier Jahre hintereinander bis auf einen relativen Höchststand von 171,6 Mrd. EUR im Jahr 2013 zu, bevor sie 2014 um 2,9 % auf 166,5 Mrd. EUR und 2015 um weitere 0,5 % auf 165,7 Mrd. EUR fiel.

Die Bruttowertschöpfung zu Erzeugerpreisen, die in Abbildung 1 dargestellt wird, umfasst den Wert von Subventionen (abzüglich Gütersteuern), während die Wertschöpfung zu Erzeugerpreisen der Wert vor Hinzufügung von Subventionen (abzüglich Gütersteuern) ist. Zum Vergleich: 2015 verzeichnete die Landwirtschaft in der EU-28 eine Wertschöpfung zu Erzeugerpreisen von 63,1 Mrd. EUR, d. h. 2,7 % mehr als die Bewertung zu Herstellungspreisen. Im Zeitraum von 2005 bis 2015 betrug die durchschnittliche Wachstumsrate der pflanzlichen Erzeugung zu Erzeugerpreisen 2,9 % pro Jahr und fiel damit geringfügig höher aus als die bei der tierischen Erzeugung verzeichnete Änderung (2,2 % pro Jahr).

Die meisten der EU-Mitgliedstaaten (21 von 28) meldeten im gegenständlichen Zeitraum eine höhere Wachstumsrate bei der pflanzlichen Erzeugung als bei der tierischen Erzeugung (siehe Abbildung 2, die auf Herstellungspreisen basiert). Die höchsten Veränderungsraten bei der pflanzlichen Erzeugung wurden in den baltischen Mitgliedstaaten verzeichnet, während die höchsten Wachstumsraten bei der tierischen Erzeugung in Lettland, Polen und im Vereinigten Königreich erzielt wurden. Rumänien, Malta, Bulgarien, Griechenland und Kroatien waren die einzigen Mitgliedstaaten, die 2015 einen niedrigeren Wert bei der tierischen Erzeugung als 2005 aufwiesen, während bei der pflanzlichen Erzeugung in Finnland überhaupt keine und in Zypern und Griechenland nur relativ geringfügige Rückgänge verzeichnet wurden.

Aus der Abbildung 3 gehen die Veränderungen der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen in der Landwirtschaft der EU-28 jeweils für die Zeiträume 2005-2010 und 2010-2015 hervor (ausgedrückt als Durchschnittsraten pro Jahr). Beim Vergleich dieser beiden Fünfjahreszeiträume wurden zwischen 2005 und 2010 fast keine Änderungen der Wertschöpfungsentwicklungen im landwirtschaftlichen Sektor der EU-28 verzeichnet (-0,3 % pro Jahr), während das Wachstum im zweiten Fünfjahreszeitraum (2010-2015) durchschnittlich 1,9 % pro Jahr betrug. Dabei waren zwischen den EU-Mitgliedstaaten beträchtliche Unterschiede zu verzeichnen, wobei 17 der 28 Mitgliedstaaten zwischen 2010 und 2015 eine höhere durchschnittliche Veränderungsrate meldeten als zwischen 2005 und 2010; 15 Mitgliedstaaten meldeten eine negative jährliche durchschnittliche Veränderungsrate im ersten dieser beiden Fünfjahreszeitraumräume und acht im zweiten, wobei Finnland, Zypern und Griechenland die einzigen Mitgliedstaaten waren, die in beiden Zeiträumen eine negative Rate verzeichneten.

Wie oben beschrieben, zeigen diese unterschiedlichen Bewertungen die relative Bedeutung der Subventionen sowie – in geringerem Maße – der Steuern. Es sei darauf hingewiesen, dass die Informationen über Subventionen und Steuern auch zu jeweiligen Preisen dargestellt sind. 2014 betrugen die Gütersubventionen für die Landwirtschaft (nach Steuerabzug) insgesamt 4,4 Mrd. EUR, die Produktionssubventionen (abzüglich Steuern) waren hingegen mehr als zehn Mal so hoch (45,1 Mrd. EUR). Zwischen 2005 und 2015 haben sich die verschiedenen landwirtschaftlichen Subventionen im Laufe der aufeinanderfolgenden GAP-Reformen stark verändert: Die Umstellung von Gütersubventionen auf Produktionssubventionen wurde im Wesentlichen 2005 und 2006 umgesetzt. Die 2015 in der EU-28 im Landwirtschaftssektor gewährten Gütersubventionen (abzüglich Steuern) waren um 77,5 % geringer als zehn Jahre zuvor, während der Wert der Gütersubventionen (abzüglich Steuern) zwischen 2005 und 2015 fast zweimal so hoch war (um 82,8 % höher). Es sei darauf hingewiesen, dass es in einigen EU-Mitgliedstaaten 2005 keinerlei Gütersubventionen (abzüglich Steuern) gab und dass eine Gesamtveränderungsrate als solche deshalb nicht berechnet werden konnte (Bulgarien und Zypern); in anderen Mitgliedstaaten sind Gütersubventionen (abzüglich Steuern) während des zur Rede stehenden Zeitraums völlig weggefallen (Tschechische Republik, Rumänien und Slowenien). In Irland, den Niederlanden und Österreich führen Gütersubventionen abzüglich Steuern dazu, dass sich ein positiver in einen negativen Wert umkehrt (was erklärt, warum ihre negative Veränderungsrate größer als 100 %) war. In Deutschland und Luxemburg waren die Gütersubventionen (abzüglich Steuern) sowohl 2005 als auch 2015 negativ, wobei sich ihr Niveau im Verlauf der zur Rede stehenden Jahre erhöhte.

Allgemein wurde im Zeitraum von 2005 bis 2015 ein Anstieg der Gütersubventionen verzeichnet. Im Vereinigten Königreich, in Österreich und Irland wurde dagegen ein Rückgang des Niveaus der Gütersubventionen (abzüglich Steuern) gemeldet, während es in Dänemark zu keiner wesentlichen Veränderung kam. Im Gegensatz dazu wurden die höchsten Veränderungsraten bei den Gütersubventionen (abzüglich Steuern) im Zeitraum von 2005 bis 2015 in den Niederlanden, Frankreich und Bulgarien verzeichnet. In der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten haben sich die Gütersubventionen (abzüglich Steuern) während des zur Rede stehenden Zeitraums fast verdoppelt.

Waren 2015 die Gütersubventionen (abzüglich Steuern) 10,2-mal so hoch wie die Produktionssubventionen (abzüglich Steuern), so waren sie 2015 nur 1,3-mal so hoch gewesen wie 2005. Durch die Nettowirkung dieser beiden Subventionsarten abzüglich Steuern ergab sich 2015 eine zusätzliche Wertschöpfung zu Herstellungspreisen von 29,9 %. Zum Vergleich: 2005 betrug die zusätzliche Wertschöpfung durch diese beiden Arten von Subventionen (abzüglich Steuern) 28,9 %.

Preisindizes

Veränderungen des Werts der landwirtschaftlichen Erzeugung beinhalten eine Volumen- und eine Preiskomponente. Ein wichtiges Element der aktuellen Agrarpolitik ist die Abkehr von der Preisstützung, die vorgenommen wurde, damit die Preise die Marktkräfte und die Angebots- und Nachfrageveränderungen genauer widerspiegeln. Von 2010 bis 2015 (siehe Abbildung 6) gab es zwischen den EU-Mitgliedstaaten große Unterschiede bei der Entwicklung der deflationierten Preise der landwirtschaftlichen Erzeugung. Deflationierte Preise zeigen, inwieweit sich die landwirtschaftlichen Preise im Vergleich zu den Verbraucherpreisen verändert haben. Zwischen 2010 und 2015 stiegen die deflationierten Preise in 14 der 26 Mitgliedstaaten, für welche Daten verfügbar waren (für Estland und Spanien liegen keine Erzeugerpreisdaten vor). Die größten Zunahmen wurden in Bulgarien (mit einem durchschnittlichen Anstieg von 2,6 % pro Jahr), Zypern (2,3 % pro Jahr), Irland (2,2 % pro Jahr) und in der Tschechischen Republik (2,0 % pro Jahr) verzeichnet; dies waren die einzigen Mitgliedstaaten, in denen die Zunahmen bei bzw. über 2,0 % pro Jahr lagen. In zwölf EU-Mitgliedstaaten wurden dagegen Rückgänge festgestellt, die am deutlichsten in Belgien (-2,5 % pro Jahr) und Lettland (-1,7 % pro Jahr) ausfielen.

Die Entwicklung der deflationierten Preise der landwirtschaftlichen Produktionsmittel nahm im Zeitraum 2010-2015 einen etwas anderen Verlauf, da die Preise in allen EU-Mitgliedstaaten bis auf vier der 26 EU-Mitgliedstaaten, für welche Daten vorliegen (für Estland und Spanien liegen keine Daten über die Preise der Produktionsmittel vor), stiegen. Die einzigen Ausnahmen wurden in Belgien, Kroatien, dem Vereinigten Königreich und der Slowakei verzeichnet, wo die Preise der Produktionsmittel (im Vergleich zu den Verbraucherpreisen) um nicht mehr als 0,9 % pro Jahr zurückgingen. Diese vier Mitgliedstaaten verzeichneten auch einen Rückgang ihrer deflationierten Erzeugerpreisindexe. Am anderen Ende der Skala stiegen die deflationierten Preise der Produktionsmittel durchschnittlich um 1,0 - 2,0 % pro Jahr in Deutschland, Ungarn, Portugal, Schweden, Irland, Dänemark und Zypern, während die höchste Zunahme der deflationierten Preise der Produktionsmittel in Litauen mit durchschnittlich 2,3 % pro Jahr festgestellt wurde.

In 13 der 26 EU-Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, war die durchschnittliche jährliche Veränderungsrate der deflationierten Preise der Produktionsmittel größer als die Veränderung der deflationierten Erzeugerpreise. Die größten Unterschiede (2,2-3,6 Prozentpunkte) wurden für Portugal, Belgien, Lettland und Litauen verzeichnet, wobei in all diesen Ländern die deflationierten Erzeugerpreise zurückgingen. In 13 EU-Mitgliedstaaten war die Veränderung der deflationierten Erzeugerpreise größer als die Veränderung der Preise der deflationierten Produktionsmittel. Die größten Unterschiede (mindestens 1,0 Prozentpunkte) wiesen Italien, die Tschechische Republik und Bulgarien auf.

In Tabelle 1 werden die vorläufigen Preisindizes der landwirtschaftlichen Erzeugung (nominal, nicht deflationiert) für eine Reihe landwirtschaftlicher Waren für 2015 dargestellt; das Bezugsjahr des Indexes ist 2010 (= 100). Es sei darauf hingewiesen, dass für Estland keine Daten vorliegen. Bei der Analyse der wichtigsten Komponenten — pflanzliche Erzeugung und tierische Erzeugung —war bei der Entwicklung der Preise in den EU-Mitgliedstaaten im Zeitraum 2010-2015 eine große Bandbreite festzustellen. Während die Preise der pflanzlichen Erzeugung in diesen fünf Jahren insgesamt um 22,3 % in Ungarn, um 25,5 % in Zypern und um 26,3 % in der Tschechischen Republik stiegen, sanken sie in Portugal um 1,9 % und in Belgien um 8,6 %. Dies waren die einzigen EU-Mitgliedstaaten, in denen die Preise der pflanzlichen Erzeugung zwischen 2010 und 2015 rückläufig waren.

Bei einem ähnlichen Vergleich der Preise der tierischen Erzeugung entfallen die höchsten Preissteigerungen auf Ungarn (Gesamtanstieg von 19,8 %), gefolgt von Rumänien (17,5 %) und Irland (17,0 %). Die Preise der tierischen Erzeugung fielen zwischen 2010 und 2015 in drei EU-Mitgliedstaaten, am stärksten (Gesamtrückgang von mindestens 5,0 %) in Lettland und Litauen, während die Preise in Belgien weniger stark zurückgingen (Gesamtrückgang von 1,2 %). Der Anstieg der Preise der tierischen Erzeugung zwischen 2010 und 2015 war weitgehend auf steigende Preise für Eier und Rinder zurückzuführen. Zu hohen Preisanstiegen bei der pflanzlichen Erzeugung kam es insbesondere für Olivenöl und Wein.

Einkommen: Indikator A

Die reale Nettowertschöpfung der Landwirtschaft zu Faktorkosten je Arbeitseinheit (gemessen in Jahresarbeitseinheiten (JAE)), die auch als Indikator A des landwirtschaftlichen Einkommens bezeichnet wird, ging in der EU-28 von 2008 bis 2009 zurück, stieg jedoch im Folgejahr an und verzeichnete auch 2011 ein starkes Wachstum. Im Zeitraum 2011 bis 2015 blieb das landwirtschaftliche Einkommen in der EU-28 relativ unverändert mit einem Wachstum von 5,7 % im Jahr 2013, das durch Rückgänge in Höhe von 1,9 %, 1,7 % und 2,3 % in den Jahren 2012, 2014 und 2015 ausgeglichen wurde. Das landwirtschaftliche Einkommen (gemessen auf der Grundlage des Indikators A) war 2015 um 33,6 % höher als 2005 (siehe Abbildung 7). Eine Analyse im Zeitverlauf zeigt, dass das landwirtschaftliche Einkommen in der EU-28 zwischen 2005 und 2010 um 4,0 % pro Jahr anstieg, während sich die Veränderungsrate des landwirtschaftlichen Einkommens danach abschwächte und zwischen 2010 und 2015 durchschnittlich um 1,9 % pro Jahr anstieg.

Dabei waren beträchtliche Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten bei der Entwicklung dieses Indikators festzustellen (siehe Abbildung 8). In elf Mitgliedstaaten stieg der Index des Einkommens aus landwirtschaftlicher Tätigkeit zwischen 2010 und 2015 schneller als zwischen 2005 und 2010. Es handelt sich dabei vorwiegend um östliche und südliche Mitgliedstaaten, aber auch Litauen, Luxemburg und Irland zählen zu dieser Gruppe. Die höchsten durchschnittlichen Wachstumsraten wurden zwischen 2010 und 2015 in Litauen (7,7 % pro Jahr), Ungarn (8,9 % pro Jahr) und Bulgarien (9,7 % pro Jahr) verzeichnet. Im Gegensatz dazu ging in neun Mitgliedstaaten das landwirtschaftliche Einkommen im Zeitraum 2010-2015 zurück. Zu den stärksten Einkommenseinbußen kam es in Deutschland (-4,7 % pro Jahr), in Dänemark (-5,2 % pro Jahr) und Finnland (-9,9 % pro Jahr).

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) liefert Erkenntnisse über:

  • die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Landwirtschaft
  • den Beitrag der Landwirtschaft zum Wohlstand eines jeden EU-Mitgliedstaats
  • die Struktur und Zusammensetzung der landwirtschaftlichen Erzeugung und der Vorleistungen
  • die Vergütung der Produktionsfaktoren
  • das Verhältnis zwischen Preisen und Mengen sowohl bei den Vorleistungen als auch bei der Erzeugung.

Die LGR umfasst ein Produktionskonto, ein Einkommensentstehungskonto, ein Unternehmensgewinnkonto und einige Elemente eines Vermögensbildungskontos. Für die Positionen der Produktion melden die EU-Mitgliedstaaten Eurostat Werte zu Herstellungspreisen sowie deren Komponenten (Werte zu Erzeugerpreisen, Gütersubventionen und Gütersteuern). Die Daten für das Produktionskonto und für Bruttoanlageinvestitionen werden sowohl zu jeweiligen Preisen als auch zu Vorjahrespreisen übermittelt.

Die Erzeugung aus landwirtschaftlicher Tätigkeit umfasst die verkaufte Erzeugung (einschließlich Handel mit landwirtschaftlichen Waren und Dienstleistungen zwischen landwirtschaftlichen Einheiten), Vorratsveränderungen, die Erzeugung für die Eigenverwendung (Eigenverbrauch und eigene Bruttoanlageinvestitionen), die Erzeugung für die Weiterverarbeitung durch landwirtschaftliche Erzeuger sowie den innerbetrieblichen Futtermittelverbrauch. Die Erzeugung der Landwirtschaft ist die Summe der Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten und der im Rahmen der nichttrennbaren nicht landwirtschaftlichen Nebentätigkeiten erzeugten Waren und Dienstleistungen. Die Hauptproduktkategorien der landwirtschaftlichen Erzeugung bilden die pflanzliche und die tierische Erzeugung.

Die Bruttowertschöpfung ist der Wert der Erzeugung abzüglich des Werts der Vorleistungen. Die Vorleistungen stellen den Wert aller im Produktionsprozess eingesetzten Waren und Dienstleistungen dar, ohne Anlagevermögen, dessen Nutzung anhand der Abschreibungen gemessen wird. Die EU-Mitgliedstaaten übermitteln Eurostat Angaben zu den Vorleistungen als Werte zu Anschaffungspreisen (Herstellungspreisen).

Eurostat erhebt ferner jährliche Agrarpreise (grundsätzlich ohne MwSt), um die Höhe der Agrarpreise zwischen den Mitgliedstaaten zu vergleichen und die Vertriebskanäle zu untersuchen. Vierteljährliche und jährliche Preisindizes für landwirtschaftliche Erzeugnisse und landwirtschaftliche Betriebsmittel werden hingegen hauptsächlich dazu verwendet, Preisentwicklungen und ihre Auswirkungen auf das landwirtschaftliche Einkommen zu untersuchen. Die Agrarpreisindizes werden durch eine basis- gewichtete Laspeyres-Berechnung (2010 = 100) ermittelt und sowohl in nominalen Werten angegeben als auch anhand eines impliziten HVPI-Verbrauchpreis- Deflators deflationiert.

Die Indikatoren des landwirtschaftlichen Einkommens werden wie folgt dargestellt:

  • als Index des realen Faktoreinkommens aus landwirtschaftlicher Tätigkeit je Jahresarbeitseinheit (Indikator A);
  • als Index des realen landwirtschaftlichen Nettounternehmensgewinns je nicht entlohnte Jahresarbeitseinheit (Indikator B) sowie
  • als landwirtschaftlicher Nettounternehmensgewinn (Indikator C).

Die in diesem Artikel zu Indikator A veröffentlichten Angaben (wie in Abbildung 7 und Abbildung 8) beziehen sich auf konstante Preise 2005 (2010 = 100).

Kontext

In den zurückliegenden Jahren, insbesondere 2003, 2008 und 2013, wurden im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wichtige Reformen durchgeführt, um die Landwirtschaft stärker auf den Markt hin auszurichten. Die Reform von 2003 brachte eine neue Regelung für Direktzahlungen, die sogenannte Betriebsprämienregelung, bei der die Beihilfen nicht mehr an die Menge der Erzeugung gebunden waren (Entkopplung). Die Betriebsprämienregelung zielte darauf ab, den Landwirten stabilere Einkommen zu sichern. Die Landwirte konnten entscheiden, was sie erzeugen, in dem Wissen, dass die Beihilfe in unveränderter Höhe gezahlt wird. Dies bot ihnen die Möglichkeit, die Produktion an der Nachfrage auszurichten. Im Jahr 2008 wurden aufbauend auf dem Reformpaket von 2003 weitere Änderungen der GAP vorgenommen.

Die Strategie Europa 2020 eröffnet eine neue Perspektive für die Bewältigung wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer, klimabezogener und technologischer Herausforderungen, sodass bei künftigen Agrarreformen die Ziele im Mittelpunkt stehen dürften, intelligentes, nachhaltiges und inklusives Wachstum zu fördern sowie die Vielfalt und den Reichtum der Landwirtschaft in den EU-Mitgliedstaaten zu erhalten. Im Rahmen dieses Prozesses hat die Europäische Kommission im Jahr 2010 eine öffentliche Debatte über die Zukunft der GAP angestoßen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Debatte und ausgehend von Beiträgen des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments sah sich die Kommission veranlasst, im November 2010 eine Mitteilung mit dem Titel „Die GAP bis 2020: Nahrungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Gebiete – die künftigen Herausforderungen“ (KOM(2010) 672 endg) vorzulegen.

Im Dezember 2013 wurde diese jüngste Reform der GAP vom Europäischen Parlament und dem Rat förmlich angenommen. Zu den wichtigsten Elementen der GAP für die Zeit nach 2013 gehören eine gerechtere Verteilung von Direktzahlungen (durch gezielte Unterstützung und Konvergenzziele), Änderungen der öffentlichen Interventionen und Beihilfen für die private Lagerhaltung sowie die anhaltende Unterstützung für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (t_aact)
Pflanzliche Erzeugung – Herstellungs- und Erzeugerpreise (tag00054)
Tierische Erzeugung – Herstellungs- und Erzeugerpreise (tag00055)
Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs – Herstellungs- und Erzeugerpreise (tag00102)
Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft – Herstellungs- und Erzeugerpreise (tag00056)
Indikator A für das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit (tag00057)
Agrarpreise und Agrarpreisindizes (t_apri)

Datenbank

Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (aact)
Statistik des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (aact_eaa)
Statistik des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (aact_ali)
Agrarpreise und Agrarpreisindizes (apri)
Verkaufspreise landwirtschaftlicher Produkte (absolute Preise), Landpreise und Pachten (apri_ap)
Preisindex landwirtschaftlicher Produkte (apri_pi)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks