Statistiken über Hochschulbildung (tertiäre Bildung)

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Datenauszug vom Juni 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: September 2018.
Tabelle 1: Studierende im Tertiärbereich, nach Bildungsbereich und Geschlecht, 2015
(in Tsd.)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_enrt01)
Abbildung 1: Verteilung der Studierenden im Tertiärbereich nach Fachrichtung und Geschlecht, EU-28, 2015
(in %)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_enrt03)
Tabelle 2: Anzahl der Studienabsolventen im Tertiärbereich nach Fachrichtung, 2015
(in Tsd.)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_grad02)
Tabelle 3: Verteilung der Studienabsolventen im Tertiärbereich nach Fachrichtung, 2015
(in %)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_grad02)
Abbildung 2: Verteilung der Studienabsolventen im Tertiärbereich nach Fachrichtung und Geschlecht, EU-28, 2015
(in %)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_grad02)
Abbildung 3: Anzahl der Studienabsolventen im Tertiärbereich in Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik, Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen, 2015
(Anzahl pro 1 000 Einwohner zwischen 20 und 29 Jahren)
Quelle: Eurostat (educ_grad04)
Tabelle 4: Lehrkräfte im Tertiärbereich nach Bildungsbereich und Geschlecht, 2015
(in Tsd.)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_perp01)
Tabelle 5: Verhältnis von Studierenden zu akademischem Personal im Tertiärbereich, 2015
(Anzahl der Studierenden pro Lehrkraft)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_perp04)
Abbildung 4: Öffentliche Ausgaben im Tertiärbereich bezogen auf das BIP, 2014
(in %)
Quelle: Eurostat (educ_uoe_fine06)

In diesem Artikel werden Statistiken über die tertiäre Bildung (ISCED-Stufen 5-8) in der Europäischen Union (EU) vorgestellt. Der Artikel ist Teil einer Online-Veröffentlichung über die allgemeine und die berufliche Bildung in der EU. Der Bereich der tertiären Bildung an Universitäten und anderen Hochschuleinrichtungen folgt auf den Sekundarbereich der schulischen Bildung. Er spielt für die Gesellschaft eine wichtige Rolle durch die Förderung von Innovation, die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wirtschaftswachstums und ganz allgemein durch eine Verbesserung des Wohlstands der Bürger. Einige europäische Hochschulen zählen zu den renommiertesten der Welt.

Nach Ansicht vieler Kommentatoren wird die Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften in den kommenden Jahren steigen. Schon jetzt besteht in einigen EU-Mitgliedstaaten Fachkräftemangel. Durch die digitale Technologie werden die Arbeitsanforderungen flexibler und komplexer. Das hat dazu geführt, dass immer mehr Arbeitgeber Mitarbeiter suchen, die über die erforderlichen Qualifikationen verfügen und in der Lage sind, komplexe Informationen zu verwalten, eigenständig zu denken, kreativ zu sein, Ressourcen intelligent und effizient zu nutzen und darüber hinaus wirksam zu kommunizieren. Europas künftiger Wohlstand hängt zumindest teilweise davon ab, dass mehr dynamische Leistungsträger gefördert werden, die innovative Produkte und Prozesse entwickeln können.

Im Gegensatz zu Schülern sind relativ viele Studierende im Tertiärbereich mobil und studieren im Ausland. Auf dieses Phänomen wird in einem eignen Artikeleingegangen.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Beteiligung

Tabelle 1 zeigt die Anzahl der Studierenden in jeder der vier Stufen der tertiären Bildung. Während Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengänge in allen EU-Mitgliedstaaten angeboten werden, gibt es in Bulgarien, Estland, Griechenland, Litauen, Rumänien und Finnland sowie in Liechtenstein, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Serbien keine kurzen tertiären Bildungsgänge, in denen Studierende meist praxisnah und berufsbezogen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Auch in anderen Ländern wie der Tschechischen Republik, Deutschland, Kroatien, Polen oder Portugal sind sie wenig verbreitet.

Beteiligung nach Bildungsbereich

2015 gab es in der EU-28 19,5 Mio. Studierende im Tertiärbereich (siehe Tabelle 1), von denen 7,2 % kurze tertiäre Bildungsprogramme, 61,4 % Bachelorstudiengänge, 27,8 % Masterstudiengänge und 3,7 % Promotionsstudiengänge besuchten.

2015 verzeichnete Deutschland als bevölkerungsreichster EU-Mitgliedstaat 3,0 Mio. Studierende im Tertiärbereich; das war die höchste Anzahl in der EU und entsprach 15,2 % der Gesamtzahl der Studierenden in der EU-28. Es folgten Frankreich (12,4 % aller Studierenden im tertiären Bereich), das Vereinigte Königreich (11,9 %), Spanien (10,1 %), Italien (9,4 %) und Polen (8,5 %) sowie die Niederlande mit 4,3 % aller Studierenden der EU-28 im Tertiärbereich.

Kurze tertiäre Bildungsprogramme waren am häufigsten in Frankreich zu finden, wo etwas mehr als ein Fünftel (20,4 %) aller Studierenden des Tertiärbereichs solche Kurse belegten. Relativ häufig waren kurze tertiäre Bildungsprogramme auch in Malta, Spanien, Lettland und Österreich zu finden, wo sie 18 % bzw. 20 % ausmachten. In der Türkei waren kurze tertiäre Bildungsprogramme weiter verbreitet; dort nahm ein Drittel (33,2 %) aller Studierenden des Tertiärbereichs an solchen Kursen teil.

2015 gab es in allen EU-Mitgliedstaaten mehr Studierende in Bachelorstudiengängen als in allen anderen Bereichen der tertiären Bildung. Frankreich, Österreich und Luxemburg waren die einzigen Mitgliedstaaten, in denen weniger als 50 % aller Studierenden im Tertiärbereich in Bachelorstudiengängen eingeschrieben waren. Dagegen belegten in Irland (75,2 %), den Niederlanden (76,8 %) und Litauen (76,9 %) mehr als drei Viertel der Studierenden im Tertiärbereich Bachelorstudiengänge, in Griechenland fast neun Zehntel (88,4 %), und auch in Serbien (80,8 %) und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (93,4 %) wurde hohe Werte erreicht.

In Lettland, Belgien, den Niederlanden, Spanien, dem Vereinigten Königreich und Irland (sowie in Serbien) entfiel 2015 weniger als ein Fünftel der Studierenden im Tertiärbereich auf Masterstudiengänge, in Griechenland (sowie in der Türkei und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien) sogar weniger als ein Zehntel. Dagegen war in der Tschechischen Republik, in Portugal, Zypern, Kroatien, Frankreich, Luxemburg, der Slowakei und Italien mehr als ein Drittel der Studierenden im Tertiärbereich in Masterstudiengängen eingeschrieben.

2015 wies Luxemburg mit 8,3 % den höchsten Anteil an Studierenden in Promotionsstudiengängen in den EU-Mitgliedstaaten auf. Höher war der Anteil in Liechtenstein mit 15,2 % (siehe Tabelle 1). Nach diesen relativ kleinen Ländern wurden die nächsthöheren Anteile in den EU-Mitgliedstaaten in Deutschland und Finnland festgestellt (jeweils 6,6 %). Von den in Tabelle 1 aufgeführten Nichtmitgliedstaaten erreichte die Schweiz einen Anteil von 8,0 %. EU-weit am niedrigsten war der Anteil der Studierenden im Tertiärbereich, die in Promotionsstudiengängen eingeschrieben waren, in Malta (0,9 %), wo Hochschuleinrichtungen erst vor kurzem entstanden sind und sich noch im Aufbau befinden. Noch niedriger war der Anteil in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (0,5 %).

Beteiligung nach Geschlecht

2015 waren 54,1 % aller Studierenden im Tertiärbereich in der EU-28 Frauen. In den Masterstudiengängen war der Anteil der weiblichen Studierenden etwas höher (57,1 %) und in den Bachelorstudiengängen etwas niedriger (53,2 %), gefolgt von den kurzen tertiären Bildungsprogrammen (52,1 %). Nur in den Promotionsstudiengängen studierten mehr Männer (52,2 %) als Frauen.

2015 waren in der Slowakei, den baltischen Mitgliedstaaten, Schweden, Polen und Slowenien knapp drei Fünftel aller Studierenden im Tertiärbereich Frauen. In fast allen anderen EU-Mitgliedstaaten studierten ebenfalls mehr Frauen als Männer im Tertiärbereich. Die Ausnahmen bildeten Griechenland (mit einem Frauenanteil von 48,7 %) und Deutschland (47,9 %). In der Schweiz, der Türkei und Liechtenstein waren weibliche Studierende ebenfalls in der Minderheit.

Auch bei den Bachelorstudiengängen waren Griechenland (47,9 %) und Deutschland (45,2 %) die einzigen EU-Mitgliedstaaten, in denen 2015 mehr Männer als Frauen studierten. Das Gleiche gilt auch hier für die Schweiz, die Türkei und Liechtenstein. Am höchsten war der Anteil weiblicher Studierender an den Bachelorstudierenden in Schweden (63,0 %). In den Masterstudiengängen waren Frauen in allen EU-Mitgliedstaaten in der Mehrheit, in der Türkei und in Liechtenstein dagegen in der Minderheit. Am höchsten war der Frauenanteil in den baltischen Mitgliedstaaten, in Polen, Zypern, Slowenien, der Slowakei und Kroatien, wo Frauen mehr als 60 % aller Masterstudierenden ausmachten.

In den beiden tertiären Bildungsbereichen, in denen weniger Studierende zu verzeichnen waren, stellte sich die Situation unterschiedlich dar. In den kurzen tertiären Bildungsprogrammen studierten in sieben der 22 EU-Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, mehr Männer als Frauen, während in der Hälfte (14 von 28) der EU-Mitgliedstaaten mehr Männer in Promotionsstudiengängen eingeschrieben waren als Frauen.

Fachrichtungen

2015 war in der gesamten EU-28 fast ein Drittel (32,2 %) aller Studierenden im Tertiärbereich in Sozialwissenschaften, Journalistik, Informationswissenschaft, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften eingeschrieben (auch hier stammen die Daten für Irland, Griechenland und Italien von 2014). In den genannten Fächern waren mehr Frauen eingeschrieben (57,6 % aller Studierenden in diesem Bildungsbereich; siehe Abbildung 1). Auf die am zweithäufigsten gewählte Fachrichtung in diesem Bildungsbereich, Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen, entfielen 15,8 % aller Studierenden des Tertiärbereichs. Hier waren fast drei Viertel (74,0 %) der Studierenden Männer. Die am dritthäufigsten gewählte Fachrichtung waren Gesundheit und soziale Dienste mit 13,1 % der Studierenden. Hier waren nahezu drei Viertel (71.9 %) der Studierenden Frauen. Den höchsten Frauenanteil unter den übrigen in Abbildung 1 aufgeführten Fachbereichen verzeichneten die Erziehungswissenschaften (mit einem Frauenanteil von 77,8 %), und von den Studierenden in Kunst und Geisteswissenschaften waren fast zwei Drittel (64,6 %) Frauen. Dagegen lag in Naturwissenschaften, Mathematik, Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik der Anteil der männlichen Studierenden bei 61,3 %.

Absolventen

Etwa 4,7 Millionen Studierende schlossen 2015 in der EU-28 ihr Hochschulstudium ab. Bei dieser Zahl handelt es sich um eine Schätzung auf der Grundlage der jüngsten verfügbaren Daten für die einzelnen EU-Mitgliedstaaten, darunter Daten von 2014 für Griechenland und Italien und zur Gesamtzahl der Absolventen in den Niederlanden (eine Aufschlüsselung der Zahl der Absolventen nach Fächern in den Niederlanden ist nicht verfügbar). Frankreich (752 000) hatte 2015 die höchste Zahl an Absolventen des tertiären Bereichs, gefolgt vom Vereinigten Königreich (740 000); etwas weniger waren es in Deutschland (545 000) und in Polen (517 000). Dabei ist zu beachten, dass die relativ hohe Zahl an Absolventen im Vereinigten Königreich und in Frankreich auch an der im Durchschnitt kürzeren Kursdauer liegen könnte. Frankreich hatte beispielsweise von allen EU-Mitgliedstaaten den höchsten Anteil an Studierenden des Tertiärbereichs, die kurze tertiäre Bildungsprogramme besuchten.

Eine Aufschlüsselung der Absolventen von 2015 in der EU-28 nach Fachrichtung (Daten für Griechenland und Italien von 2014; ohne die Niederlande) zeigt, dass ein gutes Drittel (33,8 %) der Studierenden im Tertiärbereich einen Abschluss in Sozialwissenschaften, Journalistik, Informationswissenschaft, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften hatte. Dieser Anteil war höher als der Anteil (32,2 %) der Studierenden im Tertiärbereich, die 2015 noch in diesen Fächern eingeschrieben waren, was darauf hindeuten könnte, dass in den vergangenen Jahren weniger Studierende diese Fachrichtung gewählt haben oder dass in anderen Fachrichtungen die Abbrecherquote höher oder die durchschnittliche Studiendauer länger war. Ähnlich sah es im Bereich Gesundheit und soziale Dienste aus mit 13,7 % Absolventen gegenüber 13,1 % Studierenden sowie in der kleineren Fachrichtung Erziehungswissenschaften mit 9,3 % Absolventen gegenüber 7,5 % Studierenden. In einigen anderen Fachrichtungen war das Gegenteil zu beobachten, vor allem im Bereich Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen (13,9 % Absolventen gegenüber 15,8 % Studierenden), in Naturwissenschaften, Mathematik, Statistik, Informations- und Kommunikationstechnik (10,3 % Absolventen gegenüber 12,0 % Studierenden) sowie in Kunst und Geisteswissenschaften (11,0 % Absolventen gegenüber 12,3 % Studierenden). Kein Unterschied zwischen dem Anteil der Absolventen und dem Anteil der Studierenden bestand in den Fächern Agrarwissenschaft, Forstwissenschaft und Fischereiwirtschaft sowie Veterinärwissenschaft.

In einigen Fachrichtungen machten 2015 in den EU-Mitgliedstaaten im Vergleich zum EU-Durchschnitt besonders viele oder besonders wenige Studierende des Tertiärbereichs ihren Abschluss. Der Anteil der Absolventen in Sozialwissenschaften, Journalistik, Informations-, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften war in Finnland und Spanien relativ niedrig mit etwas mehr als einem Viertel aller Studierenden im Jahr 2015, während er in Luxemburg (45,8 % der Absolventen) und Bulgarien (49,8 %) sehr viel höher war. Im Bereich Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen war der Anteil der Absolventen in Luxemburg, Malta, dem Vereinigten Königreich und Irland relativ niedrig, in Österreich (19,7 %), Portugal (20,5 %) und vor allem in Deutschland (22,3 %) relativ hoch. Der Anteil der Absolventen in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik war in Italien (Daten für 2014), Belgien, Litauen und Zypern relativ niedrig, besonders hoch dagegen in Deutschland (14,4 %), Irland (14,7 %), Malta (17,2 %) und dem Vereinigten Königreich (17,0 %). Der Anteil der Absolventen im Fachbereich Gesundheit und soziale Dienste war in Bulgarien, Österreich und Deutschland relativ niedrig und relativ hoch in Dänemark (21,6 %), Schweden (21,8 %) und insbesondere Belgien (26,6 %). Relativ niedrig war der Anteil der Absolventen in den Erziehungswissenschaften in Frankreich, Rumänien und Kroatien, besonders hoch dagegen in Luxemburg (16,1 %), Ungarn, Spanien (jeweils 16,2 %) und Zypern (17,6 %).

In der EU-28 (Daten für Griechenland und Italien von 2014) waren fast drei Fünftel (57,6 %) der Absolventen im Jahr 2015 Frauen. Eine Analyse nach Fachrichtungen in der EU-28 (mit Daten von 2014 für Griechenland und Italien, aber ohne die Niederlande, für die nur eine unvollständige Aufschlüsselung nach Geschlechtern verfügbar ist) ergibt einen etwas höheren Frauenanteil (61,0 %) in Sozialwissenschaften, Journalistik und Informationswissenschaft, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften; mehr als zwei Drittel (67,4 %) sind es in Geisteswissenschaften und Kunst und fast drei Viertel (74,4 %) im Bereich Gesundheit und soziale Dienste. Am höchsten war der Frauenanteil mit mehr als vier Fünfteln (80,5 %) in den Erziehungswissenschaften (siehe Abbildung 2). Fast drei Fünftel aller Absolventen in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik und knapp drei Viertel aller Absolventen in Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen waren Männer. In den beiden kleineren Fachrichtungen Agrarwissenschaft, Forstwissenschaft, Fischereiwirtschaft und Veterinärwissenschaft sowie Dienstleistungen war die Anzahl der männlichen und weiblichen Absolventen nahezu gleich.

Gemessen an der Bevölkerungsgruppe der 20- bis 29-Jährigen ist die Anzahl der Hochschulabsolventen in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik in den letzten Jahren gestiegen. Abbildung 3 zeigt die Differenz zwischen der Zahl der männlichen und weiblichen Absolventen in diesen Fächern im Jahr 2015: In der EU-28 waren es fast doppelt so viele männliche wie weibliche Absolventen. Besonders ausgeprägt war der geschlechtsspezifische Unterschied in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik (bezogen auf die Bevölkerungszahl) in den Niederlanden (Daten für 2014) und in Österreich, wo fast dreimal so viele männliche wie weibliche Absolventen gezählt wurden. Relativ groß war die Differenz auch in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Irland und Finnland. In Rumänien, Polen und Estland war die Zahl der männlichen Absolventen in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik (bezogen auf die Bevölkerungszahl) dagegen nur etwa ein Viertel höher als die Zahl der weiblichen Absolventen.

Lehrpersonal und das Verhältnis Studierende/Lehrkräfte

2015 unterrichteten in der EU-28 1,4 Millionen Lehrkräfte im Tertiärbereich (siehe Tabelle 4), darunter 93 700 in kurzen tertiären Bildungsprogrammen (2014). Mehr als ein Viertel (27,4 %) der Lehrkräfte im Tertiärbereich in der EU-28 entfiel auf Deutschland und jeweils etwas mehr als ein Zehntel auf Spanien (10,8 %) und das Vereinigte Königreich (10,3 %).

Im Gegensatz zu den Lehrkräften im Primar- und Sekundarbereich, in denen der Frauenanteil höher ist, waren die Lehrkräfte im Tertiärbereich mehrheitlich Männer. 2015 waren in der EU-28 fast drei Fünftel (58,3 %) der Lehrkräfte im Tertiärbereich Männer; gut zwei Drittel (67,3 %, Daten von 2014) waren es in Griechenland und mehr als 60 % in Malta, Italien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland. Mehrheitlich weibliche Lehrkräfte im Tertiärbereich verzeichneten dagegen Finnland (51,1 %), Lettland (55,7 %) und Litauen (56,1 %).

2015 betrug in der EU-28 das Verhältnis von Studierenden zu Lehrkräften im Tertiärbereich durchschnittlich 15,6. Die höchsten Werte unter den EU-Mitgliedstaaten verzeichneten Kroatien (74,5) und Griechenland (44,5; Daten für 2014). Ein Verhältnis von mehr als 20 Studierenden pro Lehrkraft verzeichneten außerdem die Tschechische Republik, Belgien und Italien. Im einstelligen Bereich lag dieser Wert dagegen in Malta (9,8 Studierende pro Lehrkraft), und relativ niedrig war er auch in Schweden und Dänemark.

Finanzierung

Für 26 EU-Mitgliedstaaten liegen Daten zu den öffentlichen Bildungsausgaben im Tertiärbereich, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP), vor (siehe Abbildung 4). 2014 reichte dieser Anteil von 0,5 % in Luxemburg und 0,7 % in Bulgarien und Rumänien bis 2,0 % in Finnland und zu einem Spitzenwert von 2,3 % in Dänemark (Daten für 2013). Im Durchschnitt der EU-28 lag der Anteil bei 1,3 %.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Quellen

Die Normen für die internationale Bildungsstatistik werden von drei internationalen Organisationen festgelegt:

Die wichtigste Datenquelle für diesen Artikel ist eine gemeinsame Datenerhebung von UNESCO, OECD und Eurostat (UOE) zur Bildungsstatistik, die den wesentlichen Komponenten der Eurostat-Datenbank für die Bildungsstatistik zugrunde liegt. In Verbindung mit der gemeinsamen Datenerhebung werden von Eurostat auch Daten über die regionale Bildungsbeteiligung und das Erlernen von Fremdsprachen erhoben.

Die Verordnung (EG) Nr. 452/2008 vom 23. April 2008 bildet die Rechtsgrundlage für die Erstellung und die Entwicklung von EU-Statistiken über Bildung und lebenslanges Lernen. Zur Durchführung der Datenerhebung über die allgemeine und die berufliche Bildung hat die Kommission zwei Verordnungen verabschiedet: Die Verordnung (EU) Nr. 88/2011 vom 2. Februar 2011 betraf Daten der Schuljahre 2010/2011 und 2011/2012, und die Verordnung (EU) Nr. 912/2013 vom 23. September 2013 gilt für Daten ab dem Schuljahr 2012/2013.

Weitere Informationen über die gemeinsame Datenerhebung enthält ein Artikel über die UOE-Methodik.

Klassifikation

Die Internationale Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED), die die verschiedenen Bildungsbereiche definiert, bildet die Grundlage für die internationale Bildungsstatistik. Sie wurde 1976 von der UNESCO entwickelt und 1997 und erneut 2011 überarbeitet. Die ISCED 2011 (auf Englisch) unterscheidet neun Bildungsstufen: den Elementarbereich (Stufe 0), den Primarbereich (Stufe 1), den Sekundarbereich I (Stufe 2), den Sekundarbereich II (Stufe 3), den postsekundaren, nicht tertiären Bereich (Stufe 4), das kurze tertiäre Bildungsprogramm (Stufe 5), das Bachelor- oder ein gleichwertiges Bildungsprogramm (Stufe 6), das Master- oder ein gleichwertiges Bildungsprogramm (Stufe 7), die Promotion oder ein gleichwertiges Bildungsprogramm (Stufe 8). Die ersten Ergebnisse auf der Grundlage der ISCED 2011 wurden 2015, zunächst mit Daten zu Studierenden und Lehrkräften für den Referenzzeitraum 2013 sowie mit Daten zu den Ausgaben für den Referenzzeitraum 2012, veröffentlicht. Diese Klassifikation bildet die Grundlage aller statistischen Daten, die in diesem Artikel vorgestellt werden.

Der tertiäre Bildungsbereich baut auf dem Sekundarbereich auf. Er bietet Lernaktivitäten in bestimmten Fächern an. Der tertiäre Bereich umfasst nicht nur die allgemein als „akademisch“ bezeichnete Bildung, sondern auch weiterführende berufsbildende Programme. Im tertiären Bereich sind die Programme inhaltlich komplexer und anspruchsvoller als auf den niedrigeren ISCED-Stufen. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an einem tertiären Bildungsprogramm ist der erfolgreiche Abschluss der ISCED-Stufe 3, die direkten Zugang zu einführenden Programmen des tertiären Bildungsbereichs gewährt (auch über die ISCED-Stufe 4 ist der Zugang möglich). Außer der erforderlichen Qualifikation kann der Zugang zu Bildungsprogrammen auf diesen Stufen vom gewählten Fach und/oder den erzielten Abschlüssen abhängen. Möglicherweise muss auch eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden.

In der Regel besteht eine klare Hierarchie der von den tertiären Bildungsprogrammen vermittelten Qualifikationen. Die Programme des tertiären Bereichs sind jedoch nicht immer klar voneinander getrennt. Teilweise besteht die Möglichkeit, Programme zu kombinieren und Leistungspunkte (Credits) zu übertragen. In manchen Fällen können Leistungspunkte aus bereits abgeschlossenen Bildungsprogrammen auf einen Abschluss auf einer höheren ISCED-Stufe angerechnet werden. Normalerweise ist der erfolgreiche Abschluss der ISCED-Stufe 7 die Voraussetzung für den Zugang zur ISCED-Stufe 8.

In der ISCED 1997 und der ISCED 2011 wurden allgemeine und berufsbildende Fachrichtungen definiert, die später durch die ISCED-F 2013 Klassifikation der ISCED 2013 (auf Englisch) ersetzt wurden. Die Eurostat-Daten nach Fachrichtungen sind bis 2015 nach der ISCED 1997 klassifiziert (die Fachrichtungen entsprechen der ISCED 2011). Vom Jahr 2016 an werden die Daten nach der ISCED-F 2013 klassifiziert. Die großen Fachgruppen nach der ISCED 1997 sind: Allgemeine Bildungsprogramme; Erziehungswissenschaft; Geisteswissenschaften und Kunst; Sozialwissenschaften, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Naturwissenschaften; Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen; Agrar- und Veterinärwissenschaft; Gesundheit und soziale Dienste; Dienstleistungen.

Wichtigste Konzepte

Um das Verhältnis Studierende/Lehrkräfte im Tertiärbereich zu ermitteln, wird die Anzahl der Studierenden in Vollzeitäquivalenten durch die Anzahl der Lehrkräfte in Vollzeitäquivalenten dividiert. Diese Quote ist nicht identisch mit der durchschnittlichen Klassengröße, die sich auf die Anzahl der Studierenden in einem Kurs oder einer bestimmten Klasse bezieht.

In den Tabellen dieses Artikels wird folgende Notation verwendet:
Kursiv gedruckter Wert     prognostizierter, vorläufiger oder geschätzter Wert, der sich wahrscheinlich noch ändern wird;
: nicht verfügbarer, vertraulicher oder unzuverlässiger Wert;
nicht zutreffend.

Kontext

Bologna-Prozess

Mit Einführung des Bologna-Prozesses (siehe Artikel „Bildung und Weiterbildung – Einführung“) hat ein deutlicher Ausbau der Hochschulsysteme eingesetzt, der mit umfassenden Reformen der Abschlüsse und Qualitätssicherungssysteme einherging. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich im Hochschulsektor auf unterschiedliche Weise bemerkbar gemacht. Während manche Mitgliedstaaten mehr in die Hochschulbildung investieren, haben andere ihre Ausgaben für den Tertiärbereich radikal gekürzt. 2015 veröffentlichte die Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur eine Bewertung der Umsetzung des Bologna-Prozesses mit dem Titel „Europäischer Hochschulraum im Jahr 2015: Bericht über die Umsetzung des Bologna-Prozesses“ (auf Englisch).

Der Bologna-Prozess hat eine Reihe von Reformen in Gang gesetzt hat, deren Ziel es ist, den europäischen Hochschulsektor kompatibler, besser vergleichbar, wettbewerbsfähiger und für die Studierenden attraktiver zu machen, doch er ist nur ein Teil umfassenderer Maßnahmen im Hochschulbereich. Um Synergien zwischen dem Bologna-Prozess und dem Kopenhagen-Prozess (zur Intensivierung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung) zu schaffen, haben die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten den Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) (auf Englisch) erstellt.

Europa 2020 und Benchmarks des ET 2020

Die Hochschulen sind wichtige Partner bei der Durchführung der Wachstumsstrategie der EU. Die Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum sieht u. a. vor, dass der Anteil der EU-Bevölkerung im Alter zwischen 30 und 34 Jahren mit abgeschlossenem Hochschulstudium im Jahr 2020 mindestens 40 % betragen soll. Auch die integrierten Leitlinien für beschäftigungspolitische Maßnahmen, die als Teil der Strategie Europa 2020 überarbeitet worden sind, sehen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der allgemeinen und beruflichen Bildungssysteme auf allen Ebenen und eine Verbesserung des Zugangs zur Hochschulbildung vor.

Der aktualisierte strategische Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020) wurde im Mai 2009 vom Rat verabschiedet. Er sieht vier strategische Ziele für die allgemeine und die berufliche Bildung in der EU vor:

  • Verwirklichung von lebenslangem Lernen und Mobilität;
  • Verbesserung der Qualität und Effizienz von Aus- und Weiterbildung;
  • Förderung von Gerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt und aktivem Bürgersinn;
  • Förderung von Kreativität und Innovation (einschließlich unternehmerischen Denkens) auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Mit dieser Strategie wurden mehrere Benchmarks gesetzt, die bis 2020 erfüllt werden sollen, darunter das oben genannte Ziel, den Anteil der Bevölkerung im Alter zwischen 30 und 34 Jahren mit einem Hochschulabschluss auf mindestens 40 % zu erhöhen. Im November 2011 verabschiedete der Rat zwei weitere Benchmarks zur Lernmobilität. Zum einen sollen in der EU-28 bis 2020 im Durchschnitt mindestens 20 % der Hochschulabsolventen einen Teil ihres Studiums oder ihrer hochschulbezogenen Ausbildung (einschließlich Praktika), der mindestens 15 European credit transfer and accumulation system (ECTS)-Leistungspunkten (Credits) nach dem europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) entspricht oder mindestens drei Monate dauert, im Ausland absolvieren. Im Mai 2012 kam eine weitere Benchmark zur Beschäftigungsfähigkeit hinzu. Danach soll bis 2020 der Anteil der beschäftigten Hochschulabsolventen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, die ihre Ausbildung nicht länger als drei Jahre vor dem Referenzjahr abgeschlossen haben, auf mindestens 82 % steigen.

Erasmus+

Das Erasmus-Programm zählt zu den bekanntesten europäischen Programmen. Es lief etwas mehr als ein Vierteljahrhundert, bevor es 2014 vom Programm der Union für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, das sogenannte Erasmus+, abgelöst wurde. Studierenden und Lehrkräften im Hochschulbereich bietet Erasmus+ die Möglichkeit, ihre Kompetenzen auszubauen und ihre Beschäftigungschancen zu verbessern. Studierende können (in jeder Stufe des tertiären Bereichs) bis zu 12 Monate im Ausland studieren. Es wird damit gerechnet, dass rund zwei Millionen Studierende des Tertiärbereichs im Zeitraum 2014 bis 2020 an Erasmus+ teilnehmen werden, darunter 25 000 Studierende, die an Programmen für den Gemeinsamen Masterabschlussteilnehmen.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Datenbank

Beteiligung an Bildung und Weiterbildung (educ_part)
Personal im Bildungswesen (educ_uoe_per)
Bildungsfinanzierung (educ_uoe_fin)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Metadaten

Handbücher und andere methodologische Informationen

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen

  • UOE: Verordnung (EG) Nr. 452/2008 vom 23. April 2008 über die Erstellung und Entwicklung von Statistiken über Bildung und lebenslanges Lernen
  • Ab dem Schuljahr 2012/2013: Verordnung (EU) Nr. 912/2013 vom 23. September 2013 im Hinblick auf Statistiken über die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung
  • Schuljahre 2010/2011 und 2011/2012: Verordnung (EU) Nr. 88/2011 vom 2. Februar 2011 im Hinblick auf Statistiken über die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung

Weblinks