Strukturelle Unternehmensstatistik auf regionaler Ebene

Wechseln zu: Navigation , Suche


Datenauszug vom März 2018.

Aktualisierung des Artikels geplant: November 2019.

Im Fokus

Auf nichtfinanzielle Dienstleistungen entfielen 95,5 % der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in Inner London - West.

Fast ein Drittel (32,4 %) der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in Nord - Pas-de-Calais (Frankreich) war im Einzelhandel beschäftigt.

Quelle: Eurostat

Aufgegliedert nach der europäischen Wirtschaftszweigsystematik NACE basiert die erste Hälfte dieses Artikels auf einer Reihe von strukturellen Unternehmensstatistiken (SUS) zur Beschreibung von Struktur und Spezialisierung der gewerblichen Wirtschaft in den Regionen der Europäischen Union (EU). Zwei besondere Schwerpunkte werden mit detaillierten Informationen auf dem Gebiet des Einzelhandels und der Herstellung von Kraftwagen dargestellt. Die zweite Hälfte des Artikels enthält Informationen in Bezug auf die Statistiken zur regionalen Unternehmensdemografie, in denen die Unternehmensgründungen und -schließungen sowie Informationen zu den wachstumsstarken Unternehmen detailliert aufgeführt werden.

Vollständiger Artikel

Gegenstand der SUS sind Industrie (NACE-Abschnitte B bis E), Baugewerbe (NACE-Abschnitt F) und nichtfinanzielle Dienstleistungen (NACE-Abschnitte G bis J und L bis N sowie Abteilung 95), die gemeinsam den nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft bilden, hierunter definiert als NACE-Abschnitte B bis J und L bis N sowie NACE-Abteilung 95. Dieser Datensatz lässt sich auf sehr detaillierter sektoraler Ebene (mehrere Hundert Wirtschaftstätigkeiten) nach Unternehmensgrößenklassen und, wie es hier der Fall ist, nach Regionen analysiert werden. Die regionalen SUS liefern harmonisierte Daten für die Zahl der örtlichen Einheiten und der Beschäftigten, den monetären Wert der Löhne und Gehälter sowie die getätigten Investitionen.

Schätzungen auf der Grundlage von SUS-Zahlen zufolge waren im Jahr 2015 23,5 Millionen Unternehmen im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft der EU-28 tätig. Gemeinsam erwirtschafteten diese Unternehmen 7 033 Milliarden EUR Bruttowertschöpfung und beschäftigten etwa 137,4 Millionen Menschen. Auf Analyseebene der NACE-Abschnitte war das verarbeitende Gewerbe in der EU-28 der größte Wirtschaftszweig auf der Grundlage der Wertschöpfung (1 900 Mrd. EUR oder 27,0 % der gesamten nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft), während unter Betrachtung der Beschäftigungszahlen der Handel den größten Wirtschaftszweig ausmachte (33,0 Mio. Personen oder 24,0 % der gesamten nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft).

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gelten als entscheidend für den Erfolg der Wirtschaft der EU-28, da auf sie fast alle Unternehmen und rund zwei Drittel aller Arbeitsplätze in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft entfallen. Eines der elf thematischen Ziele der EU-Kohäsionspolitik im Zeitraum von 2014 bis 2020 besteht darin, die Wettbewerbsfähigkeit der KMU zu verbessern und gleichzeitig weitere Investitionen im Rahmen der thematischen Ziele für KMU bereitzustellen. Die Investitionen im Rahmen der Kohäsionspolitik sollen den KMU Folgendes erleichtern: Zugang zu Finanzmitteln, gezielte Unternehmensförderung, Verbesserung ihres Zugangs zu globalen Märkten und internationalen Wertschöpfungsketten; Erschließung neuer Wachstumsquellen wie der grünen Wirtschaft, des nachhaltigen Tourismus, der „Seniorenwirtschaft“ (auf Englisch) oder der Kultur- und Kreativwirtschaft; Investitionen in Humankapital; Herstellung von Verbindungen zu Forschungszentren und Universitäten zur Förderung der Innovation.

Muster der Geschäftsspezialisierung und -konzentration

Nichtfinanzielle Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor stellt mit einem Anteil von knapp 74 % an der gesamten Bruttowertschöpfung im Jahr 2015 (laut Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen) die größte Komponente der Wirtschaft der EU-28 dar. Darüber hinaus ist die Leistungsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes in der EU zunehmend an die Wettbewerbsfähigkeit der Dienstleistungen geknüpft, da Fertigerzeugnisse zunehmend ein breites Spektrum von Dienstleistungen enthalten, von Forschung und Entwicklung oder Design über Computerdienstleistungen bis hin zum Marketing. Im Januar 2017 legte die Europäische Kommission Vorschläge für ein neues Maßnahmenpaket (auf Englisch) vor, das es Unternehmen und Geschäftsleuten in der EU erleichtern soll, Dienstleistungen für potenzielle Kunden im Binnenmarkt anzubieten. Diese Impulse sollen das Wachstum im Dienstleistungssektor zum Nutzen von Verbrauchern, Arbeitsuchenden und Unternehmen ankurbeln.

Auf nichtfinanzielle Dienstleistungen entfielen im Jahr 2015 67,5 % aller Beschäftigten der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft der EU-28; zu beachten ist, dass Finanzdienstleistungen (NACE-Abschnitt K) aufgrund ihrer Besonderheit und der begrenzten Anwendbarkeit der meisten Arten von Unternehmensstatistiken in diesem Bereich von diesem Standardsatz der strukturellen Unternehmensstatistik ausgenommen sind.

Mehr als 19 von 20 Personen der Erwerbsbevölkerung von Inner London - West waren im Bereich der nichtfinanziellen Dienstleistungen beschäftigt

Der relative Anteil der nichtfinanziellen Dienstleistungen an der Gesamtzahl der Beschäftigten in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft reichte von einem Tiefstand von 39,0 % in Border, Midland and Western (Irland) bis zu 95,5 % in der Hauptstadtregion Inner London - West (Vereinigtes Königreich). In den meisten anderen multiregionalen EU-Mitgliedstaaten erreichte der Beschäftigungsanteil der nichtfinanziellen Dienstleistungen ebenfalls einen Höchststand in den Hauptstadtregionen (wie in Abbildung 1 dargestellt), ausgenommen Griechenland (wo der höchste Anteil in Ionia Nisia lag), Spanien (Canarias), Portugal (Algarve) und Finnland (Åland) – die ersten drei dieser Regionen sind beliebte Reiseziele, während die Wirtschaft auf dem finnischen Archipel von Åland von Verkehrsdienstleistungen dominiert wird. Dabei ist zu beachten, dass die Dienstleistungsorientierung einiger Hauptstadtregionen noch höher wäre, wenn man die Finanzdienstleistungen mit einbeziehen würde, da London und Paris zu den weltweit führenden Finanzzentren gehören.
Abbildung 1: Beschäftigung im nichtfinanziellen Dienstleistungssektor nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der Beschäftigung im nichtfinanziellen Sektor der gewerblichen Wirtschaft in Prozent)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2)

Die Analyse wird in Abbildung 2 erweitert, um für jede NACE-Abteilung im nichtfinanziellen Dienstleistungssektor die NUTS-2-Region darzustellen, die am stärksten auf diese Tätigkeit spezialisiert war; die Informationen basieren auf regionalen Anteilen für jede Tätigkeit im nichtfinanziellen Sektor der gewerblichen Wirtschaft. Zwischen den Regionen bestehen erhebliche Unterschiede, die sich unter anderem auf den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften (z. B. für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung), die angemessene Bereitstellung von Infrastruktur (z. B. Verkehr oder Telekommunikation), die klimatischen und geografischen Bedingungen (insbesondere in Bezug auf touristische Aktivitäten), die Nähe oder den Zugang zu Märkten und die rechtlichen Beschränkungen beziehen. All diese Faktoren können die beträchtlichen Unterschiede hervorrufen, die zwischen den EU-Regionen hinsichtlich der Bedeutung einzelner Wirtschaftszweige innerhalb des jeweiligen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft bestehen.

Einige Tätigkeiten treten in allen Regionen der EU auf: Dies gilt beispielsweise für den Einzelhandel und den Großhandel. Im Jahr 2015 entfiel auf diese beiden größten Dienstleistungssektoren der Wirtschaft der EU-28 zusammen mehr als ein Fünftel (21,2 %) der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft. Die nordfranzösische Region Nord - Pas-de-Calais wies den höchsten Beschäftigungsanteil im Einzelhandel auf (32,4 %), was zumindest in gewissem Maße auf die Lage zurückzuführen ist, die den grenzüberschreitenden Käufern aus Belgien oder dem Vereinigten Königreich einen problemlosen Zugang ermöglicht. Der höchste Beschäftigungsanteil im Großhandel wurde in der süd-östlichen spanischen Región de Murcia (15,7 %) verzeichnet, was den Umstand widerspiegeln könnte, dass diese Region ein wichtiges Zentrum für die landwirtschaftliche Produktion (insbesondere Obst und Gemüse) ist, deren Erzeugnisse anschließend nach Verarbeitung und Sortierung zu Supermärkten in der gesamten EU transportiert werden.

Die Hauptstadtregionen waren oft vergleichsweise spezialisiert auf Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie unternehmensorientierte Dienstleistungen

Die Hauptstadtregionen waren die am stärksten spezialisierten Regionen für Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie für unternehmensorientierte Dienstleistungen, was zumindest teilweise mit der hohen Zahl potenzieller Kunden für derartige Dienstleistungen verbunden sein könnte. Im Jahr 2015 war Inner London - West die am stärksten spezialisierte Region der EU in den Bereichen Rechts- und Buchhaltungstätigkeiten, Tätigkeiten der Hauptverwaltung und Unternehmensberatung, Werbung und Marktforschung oder Verlagstätigkeiten. Die andere Hauptstadtregion im Vereinigten Königreich, Inner London - East, verzeichnete den größten Beschäftigungsanteil bei Informationsdienstleistungen sowie bei Film-, Video-, Fernseh-, Ton- und Musikverlagsdienstleistungen, während die tschechische Hauptstadtregion Praha die am stärksten spezialisierte Region in der EU für andere berufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten war und die portugiesische Hauptstadtregion Área Metropolitana de Lisboa die am stärksten spezialisierte Region für administrative Unterstützung und andere Unternehmensdienstleistungen.

In den Bereichen Verkehr und Fremdenverkehr ist eine relativ kleine Zahl von Regionen tendenziell hoch spezialisiert, was zu einer besonders großen Bandbreite der Beschäftigungsanteile zwischen den Regionen mit dem höchsten und dem niedrigsten Anteil führt. Die Bedeutung der Schifffahrt als Arbeitgeber war in den meisten Küstenregionen und auf den Inseln naturgemäß relativ hoch, während der Luftverkehr in mehreren Regionen in der Nähe von Großstädten oder in Inselregionen (vor allem im Bereich des Tourismus) einen hohen Beschäftigungsanteil aufwies. Die Inselregion Åland (Finnland) ist ein Zentrum für Fährverbindungen zwischen Schweden und Finnland und sowie für andere Ostseeverbindungen und verzeichnete den höchsten Beschäftigungsanteil im Bereich der Schifffahrt, wohingegen Outer London - West and North West die am stärksten spezialisierte Region für Luftverkehrsdienste bildete; der Flughafen London Heathrow befindet sich in dieser Region.

In Regionen, die traditionell mit dem Tourismus in Verbindung gebracht werden, war es üblich, dass ein relativ hoher Anteil der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft im Hotelgewerbe oder im Gastgewerbe beschäftigt war. Die griechische Region Notio Aigaio (zu der unter anderem die Inseln Kos, Mykonos und Rhodos gehören) verzeichnete den höchsten Anteil der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft, während eine andere griechische Region, Ionia Nisia (zu der die Inseln Korfu und Zante gehören), den höchsten Beschäftigungsanteil im Bereich der Lebensmittel- und Getränkedienstleistungen aufwies.
Abbildung 2: Regionale Spezialisierung innerhalb des nichtfinanziellen Dienstleistungssektors nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in Prozent)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)

Fokus auf den Einzelhandel

Wie bereits erwähnt, stellte der Einzelhandel im Jahr 2015 den größten Arbeitgeber im nichtfinanziellen Dienstleistungssektor der EU-28 dar. Der Einzelhandel hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Veränderungen erfahren: eine Veränderung der Einkaufspräferenzen weg vom Fachhandel hin zum generalistischen Einzelhandel, das Wachstum von Supermarktketten und außerstädtischen Einkaufsstandorten oder die jüngere Einführung von Discountern und Online-Handel. Dennoch bleiben Einzelhändler in der EU in der großen Mehrheit der Fälle kleine, oft familiengeführte Unternehmen: Viele von ihnen erfüllen eine wichtige soziale Funktion, indem sie die lokalen Gemeinschaften stärken und Nachbarschaftsdienste anbieten.

Karte 1 zeigt die jährliche Veränderung der Gesamtzahl der Beschäftigten in den NUTS-2-Regionen im Einzelhandel. Im Jahr 2015 ist die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel in der EU-28 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 % gestiegen. Einige der höchsten Beschäftigungszuwachsraten wurden in Deutschland, Spanien und den südlichen Regionen Irlands und des Vereinigten Königreichs verzeichnet, während die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel in den meisten Regionen Griechenlands und Frankreichs verhältnismäßig schnell zurückging. Diese Veränderungen können mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängen, da die Verbraucher mehr ausgeben dürften, wenn ihre regionale Wirtschaft expandiert, sie die künftige wirtschaftliche Entwicklung relativ zuversichtlich einschätzen und dadurch die Nachfrage erhöhen. Auch Gesetzesänderungen können sich auf die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel auswirken: So wirken sich Änderungen in Bezug auf den Sonntagshandel oder die Öffnungszeiten auf den Arbeitsmarkt aus; dabei ist zu beachten, dass diese Stellen mit atypischen Arbeitszeiten besonders für junge Menschen interessant sein können, die ihr Einkommen während ihrer (Voll- oder Teilzeit-)Ausbildung ergänzen möchten.

In 62 NUTS-2-Regionen stieg die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel im Jahr 2015 um mindestens 4,0 %. Mehr als die Hälfte dieser Regionen (35 verschiedene Regionen) lag in Deutschland, wobei die vier größten Wachstumsraten unter den deutschen Regionen in der Hauptstadtregion Berlin (9,0 %), der Metropolregion Köln (8,2 %), der westlichen Region Rheinhessen-Pfalz, die an Frankreich grenzt, und der nördlichen Region Weser-Ems, die an die Niederlande grenzt (jeweils 7,9 %), zu verzeichnen waren. Innerhalb Irlands und des Vereinigten Königreichs wurden die höchsten regionalen Wachstumsraten für die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel in den Hauptstadtregionen Southern and Eastern und Inner London - East verzeichnet, während in Spanien, ausgenommen der Sonderfall Ciudad Autónoma de Melilla, die höchste Wachstumsrate für die Canarias verzeichnet wurde.
Karte 1: Jährliche Wachstumsrate der Beschäftigung im Einzelhandel
(ohne Kraftfahrzeuge), nach NUTS-2-Regionen, 2015
(%)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)

Industrielle Tätigkeiten

Die Industrie liefert Waren für den Binnenkonsum und für den Export; sie gilt traditionell als Grundpfeiler des wirtschaftlichen Wohlstands in der EU. Allerdings hat die Industriewirtschaft in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen erlebt, die unter anderem durch Outsourcing, Globalisierung, Änderungen der Unternehmensparadigmen, die wachsende Bedeutung digitaler Technologien oder Anliegen im Zusammenhang mit nachhaltiger Produktion und dem Umweltschutz ausgelöst wurden. Industrielle Tätigkeiten erwirtschafteten fast ein Fünftel der Wertschöpfung der Wirtschaft der EU-28 (19,4 % im Jahr 2015).

Im September 2017 stellte die Europäische Kommission eine umfassende Erneuerung ihrer Strategie für die Industriepolitik vor, die bestehende und neue bereichsübergreifende sowie sektorspezifische Initiativen mit dem Ziel zusammenführt, die europäische Industrie in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Dekarbonisierung weltweit in Führung zu machen. Die Mitteilung Investitionen in eine intelligente, innovative und nachhaltige Industrie – Eine neue Strategie für die Industriepolitik der EU (COM(2017) 479 final) umfasst unter anderem: ein Paket zur Stärkung der industriellen Cybersicherheit; einen Vorschlag für neue Vorschriften über den freien Verkehr von nicht personenbezogenen Unternehmensdaten, die zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Datenraums beitragen; Initiativen zur Modernisierung des politischen Rahmenwerks der EU für Rechte des geistigen Eigentums; eine Initiative zur Verbesserung der Arbeitsweise des öffentlichen Auftragswesens in der EU; eine Strategie zur Unterstützung direkter Privatkapitalströme für nachhaltigere Investitionen; und ein neues Rahmenkonzept für die Prüfung ausländischer Direktinvestitionen.

Border, Midland and Western (in Irland) war die einzige Region in der EU, in der mehr als die Hälfte der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in der Industrie beschäftigt waren

Abbildung 3 zeigt eine ähnliche Analyse wie Abbildung 1, wobei der Schwerpunkt auf dem Verhältnis des Anteils der industriellen Tätigkeiten zur Erwerbsbevölkerung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft liegt. Im Jahr 2015 reichte diese Quote in der EU-28 von einem Tiefstwert von nur 1,8 % in der Hauptstadtregion Inner London - West (Vereinigtes Königreich) bis zu einem Höchstwert von 58,1 % in Border, Midland and Western (Irland). Das hohe Beschäftigungsniveau in der Industriewirtschaft dieser irischen Region ist zumindest zum Teil auf eine vergleichsweise große Lebensmittelproduktionstätigkeit zurückzuführen, die neben einer starken Präsenz multinationaler Unternehmen besteht, die eine Reihe von hochtechnologischen Produktionstätigkeiten durch ausländische Investoren, wie zum Beispiel die Medizinprodukteindustrie in der Umgebung von Galway, aufgebaut haben. Abgesehen von dieser irischen Region ist hervorzuheben, dass die Regionen mit den höchsten Beschäftigungsanteilen in der Industrie – alle im Bereich von 40 bis 50 % – hauptsächlich in den östlichen EU-Mitgliedstaaten angesiedelt waren, wobei die regionalen Anteile in Severovýchod (Tschechische Republik), Vest (Rumänien), Vzhodna Slovenija (Slowenien), Severen tsentralen (Bulgarien), Közép-Dunántúl (Ungarn), Podkarpackie (Polen) und Západné Slovensko (Slowakei) ihren Höchststand erreichten. Dies spiegelt eine Verschiebung der europäischen Industrietätigkeit nach Osten wider, die zumindest teilweise auf relativ niedrige Personalkosten, FDI-Zuflüsse und (in einigen Fällen) natürliche Ressourcen wie Kohle oder Holz zurückzuführen ist. Neben Irland war Deutschland der einzige westliche EU-Mitgliedstaat, der eine Region mit mehr als 40 % seiner Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in der Industriewirtschaft meldete – Tübingen im Südwesten Deutschlands.
Abbildung 3: Beschäftigung in der Industriewirtschaft nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in Prozent)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2)

Die in Abbildung 4 dargestellte Analyse zeigt Muster der regionalen Spezialisierung innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sowie die Spanne zwischen dem höchsten und dem niedrigsten regionalen Beschäftigungsanteil (bezogen auf die Gesamtbeschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft); außerdem wird der Name der Region mit dem höchsten Anteil angegeben. Darüber hinaus zeigt Abbildung 4 den durchschnittlichen Beschäftigungsanteil in der EU-28 für jeden der 24 Teilsektoren des verarbeitenden Gewerbes, dargestellt durch die vertikale Linie innerhalb der einzelnen Balken. Im Jahr 2015 gehörten zu den fünf Teilsektoren des verarbeitenden Gewerbes mit den höchsten Beschäftigungszahlen in der EU-28: die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (NACE-Abteilung 10; 3,0 % der Beschäftigten in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft), die Herstellung von Metallerzeugnissen (NACE-Abteilung 25; 2,7 %), der Maschinen- und Gerätebau (NACE-Abteilung 28; 2,1 %), die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (NACE-Abteilung 29; 1,8 %) und die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (NACE-Abteilung 22; 1,2 %); keiner der übrigen Teilsektoren des verarbeitenden Gewerbes machte mehr als 1,0 % der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft aus.

Eine Vielzahl von Faktoren erklärt die verhältnismäßige Konzentration bestimmter Teilsektoren der Herstellung und die relative Spezialisierung einzelner Regionen. Dazu gehören unter anderem Größenvorteile, die relativen Kosten und Qualifikationen der Arbeitskräfte oder andere Faktorausstattungen (z. B. natürliche Ressourcen). Zu den am stärksten konzentrierten Teilsektoren des verarbeitenden Gewerbes in der EU gehören die Tabakverarbeitung (NACE-Abteilung 12), Kokerei und Mineralölverarbeitung (NACE-Abteilung 19) oder sonstiger Fahrzeugbau (NACE-Abteilung 30; dazu gehört unter anderem der Bau von Flugzeugen, Zügen oder Schiffen).

Auf die Herstellung von Kraftfahrzeugen entfiel etwa einer von sieben Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft der rumänischen Region Vest

Bei genauerer Betrachtung konzentrierten sich die Produktionstätigkeiten, die die primären Verarbeitungsstufen von land-, fisch- oder forstwirtschaftlichen Erzeugnissen betreffen, in der Regel auf Gebiete in der Nähe der Rohstoffquelle. Im Jahr 2015 wiesen die Regionen Border, Midland and Western (Irland) und Bretagne (Frankreich), die beide ein hohes Produktionsniveau für Milchprodukte verzeichneten, die stärkste Spezialisierung für die Nahrungsmittelherstellung auf, während der höchste Beschäftigungsanteil für die Getränkeherstellung (NACE-Abteilung 11) in Champagne-Ardenne (Frankreich) lag. Regionen, die auf die Herstellung von Textilien spezialisiert sind (NACE-Abteilung 13), befinden sich häufig in der Nähe einer ausreichenden Wasserversorgung, wobei der höchste Beschäftigungsanteil in Norte (Portugal) zu verzeichnen ist. Die stark bewaldeten baltischen und nordischen Regionen gehörten zu den am stärksten auf die Herstellung von Holz und Holzerzeugnissen spezialisierten Regionen (NACE-Abteilung 16), wobei Estland (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) den höchsten Beschäftigungsanteil aufwies, während der höchste Anteil bei der Herstellung von Papier und Papierwaren (NACE-Abteilung 17) in Norra Mellansverige (Mittelschweden) lag.

Dagegen waren im Jahr 2015 mehrere deutsche und belgische Regionen vergleichsweise spezialisiert auf die Herstellung von Chemikalien und Arzneimitteln, nämlich Rheinhessen-Pfalz als die Region mit der höchsten Spezialisierung für die Herstellung chemischer Erzeugnisse (NACE-Abteilung 20) und die Prov. Brabant Wallon für die Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen und Zubereitungen (NACE-Abteilung 21). Die höchste regionale Spezialisierung für die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (NACE-Abteilung 22) war in der Auvergne (Frankreich) mit Schwerpunkt Clermont-Ferrand, während eine andere französische Region, Franche-Comté, den höchsten Beschäftigungsanteil für die Herstellung von Metallerzeugnissen (NACE-Abteilung 25) verzeichnete. Mehrere süddeutsche Regionen standen an der Spitze der Rangliste der am stärksten spezialisierten Regionen im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau, mit dem höchsten Beschäftigungsanteil im Bereich der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (NACE-Abteilung 27) in der Oberpfalz und dem höchsten Beschäftigungsanteil im Maschinenbau in Tübingen.

Der Fahrzeugbau ist gekennzeichnet durch die Konzentration der Wirtschaftstätigkeit und hochintegrierte Produktionsketten. Im Jahr 2015 wies die westlichste rumänische Region Vest den höchsten Spezialisierungsgrad für die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen auf, während die Region Midi-Pyrénées (Südwestfrankreich), mit einer hohen Konzentration von Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, am stärksten auf den sonstigen Fahrzeugbau spezialisiert war (NACE-Abteilung 30).

Interessanterweise waren in Vest im Jahr 2015 rund 14,3 % der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen beschäftigt; dies war der höchste Anteil aller in Abbildung 4 dargestellten Regionen und Wirtschaftszweige. In lediglich vier anderen Teilsektoren des verarbeitenden Gewerbes lag der höchste regionale Beschäftigungsanteil (bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft) im zweistelligen Bereich. Dies betraf die Nahrungsmittelherstellung in Border, Midland and Western (13,5 %), die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren in der Auvergne (12,7 %), den Maschinen- und Anlagenbau in Tübingen (11,2 %) und die Herstellung von Bekleidung (NACE-Abteilung 14) in der bulgarischen Region Severozapaden (10,7 %).
Abbildung 4: Regionale Spezialisierung innerhalb der verarbeitenden Wirtschaft nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in Prozent)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)

Fokus auf die Herstellung von Kraftfahrzeugen

Der Kraftfahrzeugbau wird häufig als entscheidend für den Wohlstand der EUangeführt, da er eine große Zahl von Arbeitsplätzen (2,4 Millionen direkt Beschäftigte im Jahr 2015) und hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) generiert. Darüber hinaus besitzt dieser Teilsektor einen erheblichen „Multiplikatoreffekt“, da er sich sowohl auf vorgelagerte (z. B. Stahl und Textilien) als auch auf nachgelagerte Tätigkeiten (z. B. Kraftfahrzeughandel und -reparatur) auswirkt. Die Europäische Kommission ist bestrebt, die Führungsrolle der EU bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen durch die Aufstockung der für FuE zur Verfügung stehenden Mittel zu erhalten, unter anderem durch Initiativen zur Förderung der Sicherheit, umweltfreundlicher Fahrzeuge und der Dekarbonisierung von Motoren oder der Informationstechnologie-Infrastruktur.

Im Jahr 2015 betrug der Anteil der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen an der Gesamtzahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe der EU-28 8,1 %. Karte 2 zeigt, dass es in der EU 24 NUTS-2-Regionen gab, in denen im Jahr 2015 mindestens 16,0 % der im verarbeitenden Gewerbe Beschäftigten in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen tätig waren. Die höchsten Anteile wurden in Bratislavský kraj (Hauptstadtregion der Slowakei), Basilicata (in Süditalien) und Vest (Rumänien) verzeichnet, wo mehr als ein Drittel der gesamten Belegschaft des verarbeitenden Gewerbes in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen tätig war. Die nächst höheren Beschäftigungsanteile wurden in Nyugat-Dunántúl (West-Ungarn) und Strední Cechy (die tschechische Hauptstadt umgebend) verzeichnet, gefolgt von drei südlichen Regionen in Deutschland – Stuttgart, Oberbayern und Niederbayern – sowie der westschwedischen Region Västsverige; auf die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen entfielen jeweils 25-30 % der gesamten Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe in diesen Regionen.
Karte 2: Beschäftigung in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe in Prozent)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)

Unternehmensdemografie

Statistiken zur Unternehmensdemografie beschreiben die Merkmale von Unternehmen innerhalb des Unternehmensbestands. Gegenstand sind unter anderem die Unternehmensgründungen, das Wachstum und der Fortbestand bereits bestehender Unternehmen (wobei den Auswirkungen auf die Beschäftigung besonderes Interesse galt) sowie die Unternehmensschließungen. Diese Indikatoren können wichtige Einblicke in die Wirtschaftsdynamik vermitteln, da neue Unternehmen bzw. schnell wachsende Unternehmen häufig Wegbereiter für Innovationen sind, die Effizienzgewinne erzielen und die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft verbessern.

Gründungen und Schließungen

Die Unternehmensgründungsrate gibt die Anzahl der neu gegründeten Unternehmen im Verhältnis zum Gesamtbestand aktiver Unternehmen an. Die Gründungsrate in der gewerblichen Wirtschaft der EU-28 (gemäß der Definition der NACE-Abschnitte B bis N, ohne Gruppe 64.2) wurde auf 9,6 % im Jahr 2015 geschätzt, während die Schließungsrate auf 8,3 % geschätzt wurde, was auf ein Wachstum der Gesamtzahl der Unternehmen in der EU hinweist.

Abbildung 5 enthält Informationen für die zehn NUTS-2-Regionen mit den höchsten und niedrigsten Gründungs- und Schließungsraten; für die meisten EU-Mitgliedstaaten liegen Informationen für die NACE-Abschnitte B bis S (ohne Gruppe 64.2) vor. Im Jahr 2015 erreichte die Unternehmensgründungsrate ihren Höhepunkt in Lettland (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region; 20,1 %) und war auch in Litauen relativ hoch (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region; 19,5 %); gleichzeitig gab es sechs portugiesische Regionen, die ebenfalls zu den zehn Regionen mit den höchsten Unternehmensgründungsraten gehörten, angeführt von der Algarve (20,0 %) und der Hauptstadtregion Área Metropolitana de Lisboa (17,5 %).

Die höchsten Schließungsraten wurden ebenfalls in mehreren Regionen Portugals verzeichnet (Daten für 2014), was eine relativ hohe Fluktuationsrate der Unternehmen bestätigt: eine große Zahl von Unternehmen, die in die Population der aktiven Unternehmen eintreten und diese verlassen. Abbildung 5 bestätigt, dass es relativ häufig vorkommt, dass Regionen mit verhältnismäßig hohen Unternehmensgründungsraten auch durch relativ hohe Schließungsraten gekennzeichnet sind. Dies ist nicht unbedingt verwunderlich, da in den Markt eintretende dynamische und innovative Unternehmen durchaus in der Lage sein können, die etablierten Unternehmen aus dem Markt zu verdrängen.

Die Zahl der aktiven Unternehmen in Lettland und Litauen stieg im Jahr 2015 rapide an

Eine Analyse auf der Grundlage der Differenz zwischen Unternehmensgründungen und -schließungen zeigt, dass in den meisten Regionen, für die die Daten in Abbildung 5 dargestellt sind, ein Nettoanstieg der Unternehmenszahlen zu verzeichnen war. Das Nettowachstum war in Lettland und Litauen besonders stark, da diese beiden baltischen Mitgliedstaaten im Jahr 2015 relativ niedrige Schließungsraten (unter dem EU-28-Durchschnitt) zu verzeichnen hatten, im Gegensatz zu einigen der höchsten Gründungsraten in der EU, was zu einem raschen Nettoanstieg der Zahl der aktiven Unternehmen führte; dies war auch in geringerem Maße auf Malta (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) der Fall. In den Regionen, in denen die Schließungsrate höher war als die Gründungsrate, war die Differenz weniger ausgeprägt: Die größten Unterschiede wurden für das Valle d'Aosta/Vallée d'Aoste (Nordwest-Italien; Daten für die Schließungsrate aus 2014), Hovedstaden (dänische Hauptstadtregion; Daten aus 2013) und Stredné Slovensko (zentrale Slowakei; Daten für die Schließungsrate aus 2014) festgestellt, wo die Gesamtzahl der aktiven Unternehmen zurückging.
Abbildung 5: Gründungs- und Schließungsraten in der gewerblichen Wirtschaft nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der aktiven Unternehmen in Prozent)
Quelle: Eurostat (bd_size_r3) und (bd_9bd_sz_cl_r2)
Eine genauere Analyse zeigt, dass die Gründungsraten in den Hauptstadtregionen tendenziell über dem Durchschnitt liegen, was eine Reihe von Faktoren widerspiegeln kann: Hauptstadtregionen bieten im Allgemeinen den größten potenziellen Markt (aber auch die höchste Anzahl von Wettbewerbern), sind häufig durch mehr hochqualifizierte Arbeitskräfte gekennzeichnet und Studien zeigen, dass Hochschulabsolventen mit größerer Wahrscheinlichkeit ein neues Unternehmen gründen; darüber hinaus haben in Hauptstadtregionen im Allgemeinen zahlreiche Dienstleistungsunternehmen ihren Sitz (da dort die Eintrittsbarrieren oft recht niedrig sind). Abbildung 6 zeigt, dass die höchsten Gründungsraten in der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Frankreich, der Tschechischen Republik, Kroatien und Finnland für ihre jeweiligen Hauptstadtregionen gemeldet wurden. Die einzigen Ausnahmen von diesem Muster unter den multiregionalen EU-Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, waren Portugal, Spanien, Österreich und Italien. In drei dieser Länder lagen die Unternehmensgründungsraten jedoch weiterhin über dem nationalen Durchschnitt, wohingegen die Region Comunidad de Madrid (Spanien) die einzige Hauptstadtregion war, die eine Unternehmensgründungsrate verzeichnete, die unter dem nationalen Durchschnitt lag.
Abbildung 6: Gründungsraten in der gewerblichen Wirtschaft nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil der aktiven Unternehmen in Prozent)
Quelle: Eurostat (bd_size_r3) und (bd_9bd_sz_cl_r2)

Wachstumsstarke Unternehmen

Als wachstumsstarke Unternehmen gelten Unternehmen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt mindestens zehn Beschäftigte haben und in einem Zeitraum von drei Jahren ein durchschnittliches jährliches Wachstum ihrer Beschäftigtenzahl von mehr als 10,0 % aufweisen. Wachstumsstarke Unternehmen sind für die Politik wegen ihrer wirtschaftlichen Relevanz, insbesondere bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, von Interesse. Die Verwendung einer Schwelle von zehn Beschäftigten soll verhindern, dass sehr kleine Unternehmen einbezogen werden, deren Beschäftigungszuwachs relativ gesehen sehr hoch sein könnte, aber in absoluten Zahlen nur geringe wirtschaftliche Auswirkungen hat, beispielsweise der Anstieg von einem auf zwei Beschäftigte. Der auf Karte 3 dargestellte Anteil der wachstumsstarken Unternehmen wird im Verhältnis zur Gesamtzahl der Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten im Jahr 2015 berechnet.

Schätzungen zufolge machten die wachstumsstarken Unternehmen im Jahr 2015 9,9 % der Unternehmen (mit mindestens zehn Beschäftigten) in der EU-28 aus. Bei Betrachtung der auf Karte 3 dargestellten regionalen Analyse machten wachstumsstarke Unternehmen im Jahr 2015 in 12 der 143 Regionen der EU, für die Daten vorliegen, 12 % oder mehr des Unternehmensbestands (der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten) aus; diese Regionen sind in der Karte im dunkelsten Blauton dargestellt. Sie umfassten alle ungarischen Regionen (mit Ausnahme von Észak-Magyarország), zwei Regionen aus der Slowakei (Bratislavský kraj und Stredné Slovensko) sowie Lettland und Malta (jeweils eine Region auf dieser Ebene), Irland und Schweden (nur nationale Daten verfügbar). Am anderen Ende der Skala machten wachstumsstarke Unternehmen in der französischen Überseeregion Mayotte, Zypern (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) und allen acht Regionen in Rumänien höchstens 3,0 % des Unternehmensbenstands (von Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten) aus.
Karte 3: Wachstumsstarke Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft nach NUTS-2-Regionen, 2015
(Anteil an der Gesamtzahl der Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft in Prozent)
Quelle: Eurostat (bd_hgnace2_r3) und (bd_9pm_r2)

Quelldaten für Abbildungen und Karten

Datenquellen

Strukturelle Unternehmensstatistiken

Eine Neufassung der SUS-Verordnung (EG) Nr. 295/2008 und deren Durchführungsbestimmungen bilden die Rechtsgrundlage für die jährliche Erhebung von SUS. Die regionalen SUS werden anhand der Anzahl der örtlichen Einheiten, Löhne und Gehälter und der Anzahl der Beschäftigten berechnet. Die in diesem Artikel dargestellten Informationen beziehen sich ausschließlich auf den nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abschnitte B bis J sowie NACE-Abteilung 95) und schließen daher Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei sowie die öffentliche Verwaltung und sonstige nicht marktbestimmte Dienstleistungen (wie Verteidigung, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheits- und Sozialwesen), die nicht von der SUS erfasst werden, sowie die Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NACE-Abschnitt K) aus. Für Norwegen sind auch regionale SUS verfügbar, während die Schweiz auf den Karten 1 und 2 zwar mit nationalen Daten vertreten, aber von den anderen regionalen Erhebungen ausgeschlossen ist.

Die für die regionale SUS verwendete statistische Einheit ist in der Regel die lokale Einheit, die aus einem Unternehmen oder dem Teil eines Unternehmens (z. B. Werkstatt, Fabrik, Lager, Büro oder Depot) besteht, das sich an einem räumlich bestimmten Ort befindet. Die Art der regionalen SUS – die eine detaillierte Klassifikation der Tätigkeiten mit der regionalen Klassifikation kombiniert – ist so beschaffen, dass einige der Datenfelder aus Gründen der statistischen Vertraulichkeit nicht offengelegt werden.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf einem Indikator, der durch die Zählung der Beschäftigten den Arbeitseinsatz misst. Er ist definiert als die Gesamtzahl der in der jeweiligen Einheit tätigen Personen (einschließlich mitarbeitender Inhaber, regelmäßig in der Einheit mitarbeitender Teilhaber und unbezahlt mithelfender Familienangehöriger) sowie der Personen, die außerhalb der Einheit tätig sind und von ihr entlohnt werden (beispielsweise Handelsvertreter, Lieferpersonal, Reparatur- und Wartungsteams).

Unternehmensdemografie

Im Jahr 2012 wurde mit Unterstützung der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission eine Pilotdatenerhebung für eine Regionalstatistik zur Unternehmensdemografie in die Wege geleitet. Diese freiwillige Maßnahme sah eine Reihe von Zuschüssen für die nationalen statistischen Ämter vor. Weitere Erhebungen wurden ab 2015 durchgeführt: Die regionalen Statistiken zur Unternehmensdemografie werden weiterhin auf freiwilliger Basis erstellt, sofern kein neuer Rechtsrahmen verabschiedet und umgesetzt wird.

Im Rahmen der Statistik der Unternehmensdemografie bedeutet eine Unternehmensgründung die Schaffung einer Kombination von Produktionsfaktoren mit der Einschränkung, dass keine anderen Unternehmen an dem Ereignis beteiligt sind. Gründungen umfassen keine Eintritte in die Population aufgrund von Fusionen, Auflösungen, Abspaltungen oder Umstrukturierungen bestehender Unternehmen und auch keine Eintritte in eine Teilpopulation, die nur aus einer Änderung der Tätigkeit resultieren. Eine Unternehmensgründung erfolgt vielmehr, wenn ein Unternehmen bei Null anfängt und tatsächlich seine Tätigkeit aufnimmt, wenn neue Produktionsfaktoren, insbesondere neue Arbeitsplätze, geschaffen werden. Wird eine ruhende Einheit innerhalb von zwei Jahren reaktiviert, gilt dieses Ereignis nicht als Gründung.

Eine Unternehmensschließung bedeutet die Auflösung einer Kombination von Produktionsfaktoren mit der Einschränkung, dass keine anderen Unternehmen an dem Ereignis beteiligt sind. Zu den Unternehmensschließungen zählen nicht das Ausscheiden aus der Population aufgrund von Fusionen, Übernahmen, Auflösungen oder Umstrukturierungen bestehender Unternehmen. Ebenfalls nicht enthalten sind Austritte aus einer Teilpopulation, die nur aus einer Änderung der Aktivität resultieren. Ein Unternehmen wird nur dann in die Anzahl der Unternehmensschließungen einbezogen, wenn es nicht innerhalb von zwei Jahren wieder aktiv wird.

Weitere Informationen:

Kontext

Binnenmarktstrategie

Um dem Binnenmarkt Auftrieb zu verschaffen, stellte die Europäische Kommission im Oktober 2015 eine Binnenmarktstrategie (auf Englisch) vor. Ziel ist es, einen tiefgreifenderen und gerechteren Binnenmarkt zu schaffen, der unter anderem darauf abzielt, die Mobilität der Dienstleistungsanbieter zu verbessern, sicherzustellen, dass innovative Geschäftsmodelle gedeihen können, den Einzelhändlern die grenzübergreifende Geschäftstätigkeit zu erleichtern und den Zugang zu Waren und Dienstleistungen in der gesamten EU zu verbessern. Im Januar 2017 legte die Europäische Kommission Vorschläge für ein neues Maßnahmenpaket (auf Englisch) vor, das Dienstleistungsanbietern helfen soll, Verwaltungsformalitäten zu erledigen und übermäßig belastende oder überholte Anforderungen zu beseitigen, so dass es für Unternehmen und Fachleute in der EU einfacher wird, Dienstleistungen für Kunden im gesamten Binnenmarkt zu erbringen.

Industriepolitik

Die Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der Europäischen Kommission ist unter anderem für folgende Politikbereiche zuständig: Stärkung des Binnenmarkts für Waren und Dienstleistungen; Beitrag zur Entwicklung der EU zu einem „intelligenten, nachhaltigen und inklusiven Wirtschaftsraum“ durch Umsetzung der Industrie- und Sektorpolitik der Strategie Europa 2020; Förderung von Unternehmertum und Wachstum durch Verringerung des Verwaltungsaufwands für kleine Unternehmen; Erleichterung des Zugangs zu Finanzmitteln für KMU; Unterstützung des Zugangs zu den globalen Märkten für Unternehmen in der EU; Schaffung einer Politik zum Schutz und zur Durchsetzung der Rechte des gewerblichen Eigentums; Koordinierung der Position und der Verhandlungen der EU; Durchführung der Raumfahrtpolitik der EU; Forschungsmaßnahmen zur Förderung von technologischer Innovation und Wirtschaftswachstum.

In ihrer Mitteilung (COM(2014) 14 final) Für ein Wiedererstarken der europäischen Industrie, hat die Europäische Kommission das Ziel verankert, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP bis 2020 wieder auf 20 % zu steigern. Um dies zu erreichen, werden die EU- und nationalen Entscheidungsträger dazu aufgerufen, die zentrale Bedeutung der Modernisierung der industriellen Basis anzuerkennen. Dem folgte im April 2016 die ergänzende Mitteilung Digitalisierung der europäischen Industrie — Die Chancen des digitalen Binnenmarkts in vollem Umfang nutzen (COM(2016) 180 final) mit Schwerpunkt auf der digitalen Transformation der EU-Wirtschaft und der Start-up- und Scale-up-Initiative (auf Englisch), die im November 2016 verabschiedet wurde, um günstige Bedingungen für die zahlreichen innovativen Unternehmer in der EU zur Gründung weltweit marktführender Unternehmen zu schaffen, wobei ein besonderes Augenmerk auf Risikokapital, Insolvenzrecht und Besteuerung gelegt wurde.

Im September 2017 stellte die Europäische Kommission eine umfassende Erneuerung ihrer industriepolitischen Strategie vor, die bestehende und neue bereichsübergreifende sowie sektorspezifische Initiativen mit dem Ziel zusammenführt, die europäische Industrie in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Dekarbonisierung weltweit führend zu machen: Investitionen in eine intelligente, innovative und nachhaltige Industrie – Eine neue Strategie für die Industriepolitik der EU (COM(2017) 479 final).

Unternehmertum 2020

Die Europäische Kommission nahm Anfang 2013 den Aktionsplan Unternehmertum 2020 (COM(2012) 795 final) an. Er soll den Unternehmergeist in der EU fördern und neu entfachen sowie Hindernisse beseitigen, damit mehr Unternehmer zur Gründung eines Unternehmens ermutigt werden. Der Plan basiert auf folgenden drei Aktionsschwerpunkten: unternehmerische Bildung zur Förderung des Wachstums und der Gründung von Unternehmen; Schaffung eines Umfelds, in dem neu gegründete Unternehmen wachsen und gedeihen können, indem bestehende bürokratische Hürden beseitigt und die Unternehmer in den wichtigsten Phasen des Unternehmenslebenszyklus unterstützt werden sowie die Neuentfachung des Unternehmergeists in der EU und die Förderung einer neuen Generation von Unternehmern durch die Entwicklung von Rollenvorbildern und die Erreichung einzelner Zielgruppen, deren unternehmerisches Potenzial nicht in vollem Umfang ausgeschöpft wird (z. B. einige ethnische Minderheiten). Des Weiteren soll der Aktionsplan das unternehmerische Scheitern entstigmatisieren und Fördermaßnahmen für Unternehmer zur Gewinnung von Investoren auf den Weg bringen.

Kleine und mittlere Unternehmen

In dem im Juni 2008 angenommenen Small Business Act für Europa (COM(2008) 394 final) erkennt die Europäische Kommission die zentrale Rolle der KMU für die Wirtschaft der EU an. Er schafft einen politischen Rahmen für KMU, mit dem der Unternehmergeist gefördert und der Grundsatz „Vorfahrt für KMU“ in der Politik verankert werden soll. Darüber hinaus sollen KMU bei der Lösung von Problemen unterstützt werden, die ihre Entwicklung behindern.

Weitere Informationen:

Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (auf Englisch)

Direkter Zugang zu
Weitere Artikel
Tabellen
Datenbank
Themenbereich
Veröffentlichungen
Methodologie
Gesetzgebung
Visualisierungen
Weblinks






Regionale strukturelle Unternehmensstatistiken (reg_sbs)
SUS-Daten nach NUTS-2-Regionen und NACE Rev. 2 (ab 2008) (sbs_r_nuts06_r2)
Mehrjährliche Statistiken für den Handelssektor (NACE Rev. 2, G) nach NUTS-2-Regionen (sbs_r_3k_my_r2)
Regionale Unternehmensdemografie (reg_bd)
Unternehmensdemografie und schnell wachsende Unternehmen nach NACE Rev. 2 und NUTS-3-Regionen (bd_hgnace2_r3)
Unternehmensdemografie nach Größenklasse und NUTS-3-Regionen (bd_size_r3)
Unternehmensdemografie mit abhängig Beschäftigten nach NACE Rev. 2 und NUTS-3-Regionen (bd_enace2_r3)
Unternehmensdemografie mit abhängig Beschäftigten nach Größenklasse und NUTS-3-Regionen (bd_esize_r3)
SUS – Regionaldaten – alle Aktivitäten (sbs_r)

Mittels des Statistischen Atlasses von Eurostat können Sie alle Karten interaktiv verwenden (siehe user manual) (auf Englisch).

Dieser Artikel ist Bestandteil der wichtigsten jährlichen Veröffentlichung von Eurostat, des Eurostat Jahrbuchs der Regionen.