Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsalterung

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Datenauszug vom Juni 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: Oktober 2018. Die englische Version ist aktueller.
Tabelle 1: Altersstruktur der Bevölkerung nach Hauptaltersgruppen, 2006 und 2016
(in % der Gesamtbevölkerung)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind)
Abbildung 1: Veränderung des Bevölkerungsanteils im Alter von 65 Jahren und darüber zwischen 2006 und 2016
(in Prozentpunkten)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind)
Abbildung 2: Medianalter der Bevölkerung, 2006-2016
(in Jahren)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind)
Abbildung 3: Medianalter der Bevölkerung, EU-28, 2001-2016
(in Jahren)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind)
Tabelle 2: Indikatoren für die Altersstruktur der Bevölkerung, 1. Januar 2016
(in %)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind)
Abbildung 4: Bevölkerungspyramiden, EU-28, 2001 und 2016
(in % der Gesamtbevölkerung)
Quelle: Eurostat (demo_pjangroup)
Abbildung 5: Bevölkerungspyramiden, EU-28, 2016 und 2080
(in % der Gesamtbevölkerung)
Quelle: Eurostat (demo_pjangroup) und (proj_13npms)
Abbildung 6: Bevölkerungsstruktur nach Hauptaltersgruppen, EU-28, 2016-2080
(in % der Gesamtbevölkerung)
Quelle: Eurostat (demo_pjangroup) und (proj_15npms)
Abbildung 7: Projizierter Altenquotient, EU-28, 2016-2080
(in %)
Quelle: Eurostat (demo_pjanind) und (proj_15ndbims)

Der vorliegende Artikel befasst sich mit den Auswirkungen der Alterung der Bevölkerung der Europäischen Union (EU), die in den kommenden Jahrzehnten von erheblicher Bedeutung sein dürfte. Durch anhaltend niedrige Geburtenraten und eine höhere Lebenserwartung wandelt sich die Form der Alterspyramide der EU-28. Am stärksten wird sich die Bevölkerungsstruktur vermutlich durch die deutliche Alterung verändern. Diese Entwicklung zeichnet sich bereits in mehreren Mitgliedstaaten ab.

In der EU-28 schrumpft der Anteil der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter, während gleichzeitig die Zahl der Personen im Rentenalter steigt. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird in den nächsten Jahrzehnten beträchtlich zunehmen, da die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsjahre ins Rentenalter kommen. Dadurch erhöht sich wiederum die Belastung der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter, die für die Sozialausgaben für verschiedene Leistungen zur Unterstützung der Älteren aufkommen muss.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Bevölkerungsstruktur

Die Bevölkerung der EU-28 wurde am 1. Januar 2016 auf 510,3 Millionen geschätzt. Der Anteil junger Menschen (0 bis 14 Jahre) an der Bevölkerung der EU-28 belief sich auf 15,6 % (siehe Tabelle 1), der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) auf 65,3 %. Ältere Menschen (65 Jahre und älter) machten 19,2 % aus (und damit 0,3 % mehr als im Vorjahr und 2,4 % mehr als zehn Jahre zuvor).

Von den EU-Mitgliedstaaten hatte Irland 2016 den höchsten (21,9 %) und Deutschland den niedrigsten Anteil (13,2 %) junger Menschen an der Gesamtbevölkerung. Am höchsten war der Anteil älterer Menschen ab 65 Jahren in Italien (22,0 %), Griechenland (21,3 %) und Deutschland (21,1 %) und am niedrigsten in Irland (13,2 %).

Die Bevölkerungsstruktur der EFTA-Staaten und der Kandidatenländer sah ähnlich aus wie in der EU. Die größten Ausnahmen bildeten die Türkei und Island (mit einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur wie Irland). In diesen beiden Ländern war der Anteil der jüngsten Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung hoch (24,0 % bzw. 20,0 %) und der Anteil der Personen von 65 Jahren und älter relativ niedrig (8,2 % bzw. 13,9 %). In Albanien und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien war der Anteil der Menschen ab 65 Jahren ebenfalls relativ niedrig (12,9 % bzw. 13,0 %). Aber auch in diesen Ländern ist die Alterung der Bevölkerung erkennbar.

Das Medianalter der Bevölkerung der EU-28 betrug am 1. Januar 2016 42,6 Jahre (siehe Abbildung 2). Das bedeutet, dass die Hälfte der Bevölkerung der EU-28 älter und die Hälfte jünger als 42,6 Jahre war. Das Medianalter der Bevölkerung der einzelnen Mitgliedstaaten betrug zwischen 36,6 Jahren in Irland und 45,8 Jahren in Deutschland. Diese Zahlen bestätigen die relativ junge bzw. relativ alte Bevölkerung in den beiden Mitgliedstaaten. 2016 war das Medianalter in der Türkei (31,1 Jahre) und Island (36,1 Jahre) niedriger als in allen EU-Mitgliedstaaten. Auch Albanien verzeichnete ein niedriges Medianalter (36,7 Jahre), dabei aber zugleich den höchsten Anstieg des Medianalters in den vergangenen zehn Jahren; es erhöhte sich um 27,9 % (bzw. 8 Jahre von 28,7 Jahren 2006 auf 36,7 Jahre 2016).

In der EU-28 stieg das Medianalter zwischen 2001 und 2016 um 4,3 Jahre (im Durchschnitt um 0,3 Jahre pro Jahr) von 38,3 Jahren auf 42,6 Jahre (siehe Abbildung 3). Zwischen 2006 und 2016 erhöhte sich das Medianalter in allen EU-Mitgliedstaaten; in Portugal, Griechenland, Litauen, Rumänien und Spanien stieg es um 4,0 oder mehr Jahre (siehe Abbildung 2).

Anhand von Belastungsquotienten kann untersucht werden, in welchem Maße jüngere und/oder ältere Menschen von der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter finanziert werden. Mit diesen Quotienten wird der Anteil der jüngeren und/oder älteren Bevölkerung im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ausgedrückt. Der Altenquotient für die EU-28 betrug am 1. Januar 2016 29,3 % (siehe Tabelle 2); das bedeutet, dass auf jede Person im Alter von 65 Jahren und älter knapp vier Personen im erwerbsfähigen Alter kamen. Die niedrigsten Altenquotienten der EU-Mitgliedstaaten verzeichneten Irland mit 20,4 %, Luxemburg mit 20,5 % und die Slowakei mit 20,6 %. Die höchsten Altenquotienten verzeichneten Italien mit 34,3 %, Griechenland mit 33,1 %, Finnland mit 32,4 % und Deutschland mit 32,0 %, sodass hier auf jede Person im Alter von 65 Jahren und älter etwa drei Personen im erwerbsfähigen Alter kamen.

Der Jugendquotient und der Altenquotient ergeben zusammen den Gesamtbelastungsquotienten (die Anzahl jüngerer und älterer Menschen im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, d. h. der Personen zwischen 15 und 64 Jahren); er betrug 2016 in der EU-28 53,2 %. Somit wurde jede Person, die noch nicht oder nicht mehr im erwerbsfähigen Alter war, von etwa zwei Personen im erwerbsfähigen Alter finanziert. Den niedrigsten Gesamtbelastungsquotienten der EU-Mitgliedstaaten verzeichnete 2016 die Slowakei (42,4 %), und am höchsten war der Quotient in Frankreich (59,4 %).

Sowohl der Alten- als auch der Gesamtbelastungsquotient weisen in der EU-28 eine allgemein ansteigende Tendenz auf. So erhöhte sich der Altenquotient in den letzten zehn Jahren um 4,3 Prozentpunkte (bzw. 17,2 %) von 25 % im Jahr 2006 auf 29,3 % im Jahr 2016.

An den Bevölkerungspyramiden (siehe Abbildungen 4 und 5) lässt sich die Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht und nach jeweils fünf Jahre umfassenden Altersgruppen ablesen. Jeder Balken entspricht dem Anteil des betreffenden Geschlechts und der Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung (Männer und Frauen zusammengenommen). Die Bevölkerungspyramide für die EU-28 zum Stichtag 1. Januar 2016 ist am unteren Ende schmal und wird dann aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge infolge hoher Fruchtbarkeitsziffern in mehreren europäischen Ländern Mitte der 1960er Jahre („Babyboom“) eher rautenförmig. Diese geburtenstarken Jahrgänge machen immer noch einen großen Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter aus. Die ersten dieser großen Kohorten, die in einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren geboren wurden, erreichen jetzt das Rentenalter, wie der Vergleich mit der Bevölkerungspyramide von 2001 veranschaulicht. Die „Babyboom-Ausbuchtung“ wandert in der Bevölkerungspyramide nach oben, wodurch der untere Teil (Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter) und die Basis schmaler werden (siehe Abbildung 4).

Frühere und künftige Alterungstrends in der EU

Die Bevölkerungsalterung ist ein langfristiger Trend, der in Europa bereits vor einigen Jahrzehnten eingesetzt hat. Dieser Trend lässt sich an den Veränderungen der Altersstruktur der Bevölkerung ablesen. Er zeigt sich am zunehmenden Anteil älterer Menschen und dem damit verbundenen Rückgang des Anteils der Personen im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung.

Der Anteil der Personen ab 65 Jahren steigt in allen EU-Mitgliedstaaten, EFTA-Staaten und Kandidatenländern. In den letzten zehn Jahren erhöhte sich dieser Anteil zwischen 5,2 Prozentpunkten in Malta bzw. 4,5 Prozentpunkten in Finnland und 1,0 Prozentpunkten oder weniger in Belgien und Luxemburg. Für die EU-28 insgesamt wurde in diesem Zeitraum (2006 bis 2016) ein Anstieg von 2,4 Prozentpunkten registriert (siehe Abbildung 1). Dagegen ist der Anteil der unter 15-Jährigen in der EU-28 um 0,4 Prozentpunkte gesunken.

Ein Grund für den Anstieg des Anteils älterer Menschen ist das höhere Lebensalter, das inzwischen erreicht wird. Schon seit einigen Jahrzehnten steigt die Lebenserwartung (siehe Mortality and life expectancy statistics (auf Englisch)). Diese Entwicklung wird auch als „Altern von der Spitze der Bevölkerungspyramide her“ bezeichnet.

Aber auch die anhaltend niedrigen Fruchtbarkeitsziffern tragen seit vielen Jahren zur Bevölkerungsalterung bei, denn infolge niedriger Geburtenzahlen sinkt der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung (siehe Fertility_statistics). Dieser Prozess wird als „Altern von der Basis der Bevölkerungspyramide her“ bezeichnet. Er zeigt sich an der schmaler werdenden Basis der Bevölkerungspyramiden der EU-28 im Zeitraum 2001 bis 2016.

Mit seiner jüngsten Bevölkerungsvorausschätzung (EUROPOP2015) hat Eurostat eine Prognose der künftigen Trends der Bevölkerungsalterung für den Zeitraum 2015 bis 2080 gewagt. EUROPOP2015 zufolge wird die Bevölkerung der EU-28 bis etwa 2050 einen Höchststand von 528,6 Millionen erreichen und dann bis 2080 nach und nach auf 518,8 Millionen zurückgehen.

Ein Vergleich der Alterspyramiden für 2015 und 2080 (siehe Abbildung 5) zeigt, dass die Bevölkerung der EU-28 voraussichtlich weiter altern wird. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge wird die Zahl älterer Menschen in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. Bis 2080 wird die Pyramide jedoch eher blockförmig und in der Mitte (Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen) deutlich schmaler werden.

Ein anderer Aspekt der Bevölkerungsalterung ist die zunehmende Alterung der älteren Bevölkerung selbst, denn der Anteil hochbetagter Personen wächst schneller als jedes andere Alterssegment der EU-Bevölkerung. Der Anteil der Menschen von 80 Jahren und älter an der Bevölkerung der EU-28 wird im Zeitraum 2016 bis 2080 voraussichtlich von 5,4 % auf 12,7 % steigen (siehe Abbildung 6).

Im Zeitraum 2016 bis 2080 wird der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich bis 2050 schrumpfen, ehe er sich etwas stabilisiert, während der Anteil älterer Menschen zunimmt. Im Jahr 2080 wird der Anteil der Personen ab 65 Jahren an der Bevölkerung der EU-28 bei 29,1 % liegen gegenüber 19,2 % im Jahr 2016. Aufgrund der Verschiebungen zwischen den Altersgruppen wird sich der Altenquotient in der EU-28 nach den Vorausschätzungen von 29,3 % im Jahr 2016 auf 52,3 % im Jahr 2080 fast verdoppeln (siehe Abbildung 7). Der Gesamtbelastungsquotient wird von 53,2 % im Jahr 2016 voraussichtlich auf 79,7 % im Jahr 2080 steigen.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Eurostat erfasst jeweils zum 1. Januar eines Jahres Bevölkerungsdaten aus den EU-Mitgliedstaaten und aus anderen Ländern, die an der Erhebung zur Demografie teilnehmen. Die empfohlene Definition der Bevölkerung ist die „ständige Wohnbevölkerung“, die der Zahl der Einwohner eines bestimmten Gebiets zum 1. Januar des betreffenden Jahres (in einigen Fällen auch zum 31. Dezember des Vorjahres) entspricht. Gemäß den internationalen Empfehlungen der Vereinten Nationen basiert die Definition des üblichen Aufenthaltsorts auf einem zwölfmonatigen Bezugszeitraum. Damit werden Personen erfasst, die vor dem Stichtag mindestens 12 Monate ohne Unterbrechung an ihrem üblichen Aufenthaltsort gelebt haben oder die während der letzten 12 Monate vor dem Stichtag an ihrem üblichen Aufenthaltsort mit der Absicht eintrafen, sich dort mindestens ein Jahr aufzuhalten. Die Länder können aber auch Bevölkerungszahlen an Eurostat übermitteln, die auf den Daten der letzten Volkszählung, bereinigt um die Komponenten des Bevölkerungswachstums seit der letzten Volkszählung, oder auf Bevölkerungsregistern beruhen.

2011 wurde in allen EU-Mitgliedstaaten, in den EFTA-Ländern und den Kandidatenländern eine Volks- und Wohnungszählung durchgeführt. Üblicherweise überarbeiten die Länder ihre jährliche Bevölkerungsschätzung, sobald die Ergebnisse der Volks- und Wohnungszählung vorliegen. Die auf dem Zensus basierenden Bevölkerungsschätzungen können Brüche in den Zeitreihen in Bezug auf die Größe und die Struktur der Bevölkerung aufweisen.

Eurostat hält Informationen zu einem breiten Spektrum an demografischen Daten bereit. Die Bevölkerungsdaten sind nach verschiedenen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Bildungsgrad aufgeschlüsselt.

Alle drei Jahre erstellt Eurostat Bevölkerungsvorausschätzungen auf nationaler Ebene. Dabei handelt es sich um „Was-wäre-wenn“-Szenarien, die Aufschluss über die zu erwartende künftige Größe und Altersstruktur der Bevölkerung geben sollen. Sie basieren auf Annahmen über künftige Entwicklungen hinsichtlich Fruchtbarkeit, Lebenserwartung und Migration. Die jüngste Bevölkerungsvorausschätzung ist die EUROPOP2015.

Kontext

Die von Eurostat erstellten Bevölkerungsvorausschätzungen werden von der Europäischen Kommission für die Analyse der voraussichtlichen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die öffentlichen Ausgaben verwendet. Durch die aufgrund der Bevölkerungsalterung steigenden Sozialausgaben für Renten, Gesundheitsversorgung und institutionelle oder private (medizinische) Pflege und Betreuung wird die Belastung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter aller Voraussicht nach zunehmen.

Demografische Daten werden in einer Reihe wichtiger Politikfelder, insbesondere im Bereich der Sozial- und Wirtschaftspolitik, für die Planung von Maßnahmen und die begleitende Beobachtung und Bewertung von Programmen herangezogen. Beispiele hierfür sind die Bevölkerungsalterung und ihre zu erwartenden Auswirkungen auf die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und der Sozialleistungen oder die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des demografischen Wandels.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Datenbank

EUROPOP2015 – Bevölkerungsvorausschätzungen auf nationaler Ebene (proj_15n)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen