Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und BIP

Wechseln zu: Navigation , Suche
Datenauszug vom Juni 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: Dezember 2018. Die englische Version ist aktueller.
Abbildung 1: Reales BIP-Wachstum, 2006-2016
(Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp), OECD und Weltbank
Tabelle 1: Reales BIP-Wachstum, 2006-2016
(Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %; in % pro Jahr)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp), OECD und Weltbank
Abbildung 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2006-2016
(in Mrd. KKS)
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind), OECD und Weltbank
Tabelle 2: BIP in jeweiligen Marktpreisen, 2006 und 2014-2016
Quelle: Eurostat (prc_ppp_ind), (nama_10_pe) und (naida_10_pe), OECD und Weltbank
Abbildung 3: BIP pro Kopf in jeweiligen Marktpreisen, 2006 und 2016
(EU-28 = 100; BIP pro Kopf in KKS)
Quelle: Eurostat (naida_10_gdp), (nama_10_pc) und (naida_10_pe), OECD und Weltbank
Tabelle 3: Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, 2006 und 2016
(%-Anteil an der Bruttowertschöpfung insgesamt)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)
Abbildung 4: Entwicklung der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2006-2016
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)
Abbildung 5: Entwicklung der realen Bruttowertschöpfung, EU-28, 2006-2016
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10)
Abbildung 6: Reale Arbeitsproduktivität, EU-28, 2006, 2011 und 2016
(in 1 000 EUR pro Beschäftigtem)
Quelle: Eurostat (nama_10_a10) und (nama_10_a10e)
Tabelle 4: Reale Arbeitsproduktivität, 2006, 2011 und 2016
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_a10_e)
Abbildung 7: Entwicklung der realen Konsumausgaben, Bruttoinvestitionen, Ausfuhren und Einfuhren, EU-28, 2006-2016
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)
Abbildung 8: Reale jährliche Änderungsrate der Verwendungskomponenten des BIP, EU-28, 2006-2016
(in %)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)
Abbildung 9: Verwendungskomponenten des BIP in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2016
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) oder (tec00009), (tec00010), (tec00011) und (tec00110)
Abbildung 10: Bruttoanlageinvestitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2016
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)
Tabelle 5: Investitionen in jeweiligen Marktpreisen, 2005, 2010 und 2015
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nasa_10_ki)
Abbildung 11: Einkommensverteilung in jeweiligen Marktpreisen, 2016
(%-Anteil am BIP)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)
Abbildung 12: Einkommensverteilung in jeweiligen Marktpreisen, EU-28, 2006-2016
(2005 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp)
Tabelle 6: Konsumausgaben der privaten Haushalte, 2006, 2011, 2015 und 2016
Quelle: Eurostat (nama_10_gdp) und (nama_10_pc)

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) liefern Daten zu einer Vielzahl bekannter Wirtschaftsindikatoren, die in diesem Artikel dargestellt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist das am häufigsten verwendete Maß für die Gesamtgröße einer Volkswirtschaft. Davon abgeleitete Indikatoren wie das BIP pro Kopf, z. B. in Euro oder um Unterschiede in den Preisniveaus bereinigt, werden häufig für einen Vergleich der Lebensstandards oder zur Beobachtung der wirtschaftlichen Konvergenz oder Divergenz in der Europäischen Union (EU) verwendet.

Darüber hinaus können die Entwicklungen bestimmter Komponenten des BIP und damit verbundener Indikatoren, z. B. für die Wirtschaftsleistung, für Einfuhren und Ausfuhren, für den Inlandsverbrauch (der privaten Haushalte und der öffentlichen Hand) und für Investitionen sowie Daten zur Verteilung von Einkommen und Sparen hilfreiche Einblicke in die Hauptantriebskräfte der Wirtschaft vermitteln und so eine Grundlage für die Konzeption, die Überwachung und die Bewertung gezielter politischer Maßnahmen der EU schaffen.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP)

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise führte 2009 in der EU, in Japan und in den Vereinigten Staaten zu einer schweren Rezession (siehe Abbildung 1), auf die 2010 eine Erholung folgte. Die herannahende Krise hatte sich bereits 2008 mit einem erheblichen Rückgang der Steigerungsrate des BIP in der EU-28 angekündigt. 2009 verringerte sich das reale BIP um 4,4 %. Im Zuge der Erholung stieg der verkettete Volumenindex des BIP 2010 in der EU-28 um 2,1 % und 2011 um weitere 1,7 %. 2012 verringerte sich das BIP real um 0,5 %, bevor in den Folgejahren 2013 (0,2 %), 2014 (1,6 %) und 2015 (2,2 %) zunehmend positivere Wachstumsraten zu verzeichnen waren. Im Euroraum (ER-19) verlief die Entwicklung bis 2010 sehr ähnlich; 2011 war dann der Zuwachs etwas schwächer (1,5 %) und 2012 der Rückgang (-0,9 %) stärker als in der EU-28, und dieser Rückgang setzte sich auch 2013 noch fort (-0,3 %). 2014 und 2015 stieg die reale Wachstumsrate des BIP etwas schwächer als in der EU-28 insgesamt.

In der EU fiel das Wachstum des realen BIP sowohl im Zeitverlauf als auch im Ländervergleich sehr unterschiedlich aus (siehe Tabelle 1). Nachdem das Wirtschaftswachstum 2009 in allen Mitgliedstaaten außer in Polen rückläufig gewesen war, setzte 2010 in 23 Mitgliedstaaten eine Erholung ein, die auch 2011 anhielt. 2012 war diese Entwicklung wieder rückläufig; nur noch knapp die Hälfte (13) der Mitgliedstaaten meldete einen wirtschaftlichen Aufschwung. 2013 verzeichnete erneut eine Mehrheit (17) der Mitgliedstaaten ein Wachstum; 2014 erhöhte sich ihre Zahl auf 25 und 2015 auf 27. Nur Griechenland wies 2015 eine negative Wachstumsrate von -0,2 % auf, nachdem die Wirtschaftsleistung um 0,4 % im Jahr 2014 zugenommen hat und von 2008 bis 2013 sechsmal in Folge zurückgegangen ist. 2016 kam es erstmals seit 2007 in keinem Mitgliedstaat zu einem Rückgang des BIP: 27 Mitgliedstaaten verzeichneten Zuwächse, und in Griechenland war keine Veränderung festzustellen.

Die höchsten Zuwachsraten wurden 2016 von Irland (5,2 %) und Malta (5,0 %) verzeichnet. Am niedrigsten (abgesehen von 0,0 % in Griechenland) waren die Zuwachsraten in Italien mit 0,9 % sowie in Frankreich und Belgien mit jeweils 1,2 %.

Polen wies in dem gesamten in Tabelle 1 dargestellten Zeitraum positive Zuwachsraten auf, während Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Litauen, Malta, Österreich, die Slowakei und das Vereinigte Königreich 2016 zum siebten Mal in Folge eine positive jährliche Zuwachsrate meldeten; negativ war ihre jährliche Zuwachsrate zuletzt auf dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2009 gewesen. Das gilt auch für Norwegen und die Vereinigten Staaten sowie für die Schweiz, Albanien, die Türkei, Kosovo (UNSCR 1244) und ebenso für China (jüngste Daten für 2015).

Infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Wirtschaftsleistung der EU-Mitgliedstaaten in den vergangenen zehn Jahren insgesamt verschlechtert. Im Zeitraum 2006 bis 2015 betrugen die durchschnittlichen Wachstumsraten der EU-28 und des Euroraums (ER-19) 0,7 % bzw. 0,5 % pro Jahr (siehe Tabelle 1). Den größten Zuwachs konnte zwischen 2006 und 2016 Malta vorweisen (durchschnittliches Wachstum von 3,7 % pro Jahr), gefolgt von Polen (3,5 %), Irland (3,4 %) und der Slowakei (3,1 %). Insgesamt negativ fiel die Entwicklung des realen BIP im Zeitraum 2006 bis 2016 dagegen in Griechenland, Italien, Kroatien und Portugal aus.

Ländervergleiche sollten anhand von Kaufkraftstandards (KKS) vorgenommen werden, weil damit die Preisunterschiede zwischen den Ländern bereinigt werden. Zu beachten ist, dass die Zahlen in Abbildung 2 und Abbildung 3 sowie in Tabelle 2 in jeweiligen Marktpreisen angegeben sind. Aufgrund der Inflation und der Wechselkursschwankungen sind sie für Vergleiche im Zeitverlauf ungeeignet. 2016 belief sich das BIP in der EU-28 auf 14,8 Billionen KKS (14 800 Milliarden). Damit war das BIP der EU-28 in KKS in jedem in diese Analyse einbezogenen Jahr höher als das BIP der Vereinigten Staaten. In China, wo die Wirtschaftsleistung seit jeher geringer war als in der EU-28 und den Vereinigten Staaten, hat sich die Situation durch den rasanten Wandel und die anhaltende Expansion der chinesischen Wirtschaft mittlerweile verändert. 2014 überstieg das chinesische BIP in KKS erstmals das der Vereinigten Staaten. 2016 erreichte China eine Wirtschaftsleistung von 15,6 Billionen KKS und übertraf damit die EU-28 um 5,3 %.

Auf den Euroraum (ER-19) entfiel 2016 mit 70,6 % des BIP der EU-28 (gemessen in KKS) ein geringerer Anteil als in den Jahren 2006 und 2007, als dieser Wert bei72,3 % lag . 2016 kamen die fünf größten Volkswirtschaften der EU (Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien) zusammen auf 67,1 % des BIP der EU-28; das waren 2,0 Prozentpunkte weniger als zehn Jahre zuvor (2006).

Zur Bewertung des Lebensstandards wird in der Regel das BIP herangezogen, weil dadurch die Größe einer Volkswirtschaft gemessen an ihrer Bevölkerung herausgerechnet wird. 2016 belief sich das durchschnittliche BIP pro Kopf in jeweiligen Preisen in der EU-28 auf 29 000 EUR. Der Vergleich der Volumenwerte im Zeitverlauf (anhand verketteter Volumenwerte mit dem Referenzjahr 2010) ergibt für 2016 ein BIP pro Kopf in der EU-28 von 26 900 EUR. Damit lag es im zweiten Jahr in Folge über dem Höchstwert von 2008 (26 200 EUR), bevor sich die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise bemerkbar machten.

Für die Zwecke des Vergleichs des BIP pro Kopf einzelner EU-Mitgliedstaaten (und Drittstaaten) wurden die Werte in KKS verwendet, weil sie um die Preisunterschiede zwischen den Ländern bereinigt sind. Zur Berechnung in KKS wird für die EU-28 eine KKS mit 1 EUR gleichgesetzt. Die relative Position einzelner Länder lässt sich im Vergleich mit dem EU-28-Durchschnitt darstellen, der mit 100 gleichgesetzt wird (siehe Tabelle 2). Den höchsten Wert der EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2016 verzeichnete Luxemburg; sein BIP pro Kopf in KKS überstieg den EU-28-Durchschnitt etwa um das 2,7fache (was zum Teil auf die große Zahl von Grenzgängern aus Belgien, Frankreich und Deutschland zurückzuführen ist). Im Gegensatz dazu betrug das BIP pro Kopf in KKS in Bulgarien weniger als die Hälfte des Durchschnittswerts für die EU-28.

Auch wenn KKS-Daten im Prinzip nur zu Ländervergleichen für einzelne Jahre statt über längere Zeiträume hinweg herangezogen werden sollten, weist doch die Entwicklung dieser Zahlen im vergangenen Jahrzehnt auf eine allmähliche Angleichung der Lebensstandards hin. In den meisten Mitgliedstaaten, die der EU 2004, 2007 oder 2013 beigetreten sind und die 2006 noch unter dem EU-28-Durchschnitt gelegen hatten, war trotz einiger Rückschritte im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2016 eine Annäherung an den EU-Durchschnitt festzustellen. Ausnahmen waren Slowenien und Zypern. Slowenien sackte noch etwas weiter unter den EU-28-Durchschnitt ab, ebenso wie Griechenland und Portugal in der Gruppe der EU-15 (siehe Abbildung 3). Zypern fiel von einem über dem EU-28-Durchschnitt liegenden Wert auf einen darunter liegenden Wert zurück, ebenso wie Italien und Spanien. Während Luxemburg, Irland, Deutschland, Dänemark und Österreich sich 2016 im Vergleich zu 2006 vom EU-28-Durchschnitt weiter nach oben entfernten, bewegten sich einige andere EU-15-Mitgliedstaaten, nämlich das Vereinigte Königreich, Finnland, die Niederlande, Frankreich und Belgien, von einem Wert über dem EU-28-Durchschnitt im Jahr 2006 auf einen näher am (aber immer noch über dem) EU-28-Durchschnitt liegenden Wert im Jahr 2016 zu. Dänemark und Österreich verzeichneten in diesem Zeitraum so gut wie keine Veränderung ihres BIP pro Kopf in KKS gegenüber dem Durchschnitt der EU-28.

Hauptaggregate des Bruttoinlandsprodukts

In Tabelle 3 wird das BIP von der Entstehungsseite her betrachtet, und die relative Bedeutung von zehn Wirtschaftsbereichen wird anhand ihres Beitrags zur Wertschöpfung in Herstellungspreisen veranschaulicht. Zwischen 2006 und 2016 ging der Beitrag der Industrie zur Wertschöpfung in der EU-28 um 0,9 Prozentpunkte auf 19,3 % zurück, dicht gefolgt von Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie, deren Anteil an der Bruttowertschöpfung 2016 (19,1 %) etwa so hoch war wie 2006 (19,0 %). Dagegen stieg der Anteil der Bereiche öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheit 2016 um 0,8 Prozentpunkte auf 19,0 %. Die nächstgrößeren Wirtschaftszweige waren 2016 Grundstücks- und Wohnungswesen (11,2 %), Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (im Folgenden unternehmensbezogene Dienstleistungen, (11,0 %), Baugewerbe/Bau (5,3 %), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (5,1 %) sowie Information und Kommunikation (5,0 %). Am geringsten war der Anteil der Bereiche Unterhaltung und sonstige Dienstleistungen (3,5 %) sowie Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (1,5 %).

Im Jahr 2016 trugen Dienstleistungen 73,9 % zur gesamten Wertschöpfung in der EU-28 gegenüber 71,8 % im Jahr 2006 bei. Eine verhältnismäßig wichtige Rolle spielte der Dienstleistungsbereich insbesondere in Luxemburg, Zypern, Malta, Griechenland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Dänemark, wo mindestens drei Viertel der gesamten Wertschöpfung auf Dienstleistungen entfielen. Dagegen machten Dienstleistungen in der Tschechischen Republik und in Irland weniger als drei Fünftel aus.

Strukturelle Veränderungen sind zumindest teilweise auf Faktoren wie den technologischen Wandel, die Entwicklung der relativen Preise sowie Auslagerung und Globalisierung zurückzuführen, die häufig zu einer Verlagerung der Produktion und mancher Dienstleistungen (soweit sie aus der Ferne durch Call Center erbracht werden können) in Regionen mit niedrigeren Arbeitskosten sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU führen. Einige Wirtschaftszweige wurden von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und deren Folgen besonders hart getroffen. In der Industrie der EU-28 fiel der Rückgang der Wertschöpfung im Zeitraum 2007 bis 2009 am stärksten aus mit einem Minus von insgesamt 12,7 % (in Volumen). Von 2011 bis 2013 ging die Industrieproduktion in der EU-28 um weitere 2,2 % zurück, bevor sie wieder zu wachsen begann, 2014 und 2015 relativ schnell (um 2,3 % bzw. 3,9 %) und 2016 etwas moderater (1,5 %). Die längste und stärkste Rezession verzeichnete das Baugewerbe. Hier sank die von 2007 bis 2013 durchgehend rückläufige Produktion um insgesamt 18,7 %. 2014 wurde mit einem Plus von 1,2 % der erste jährliche Anstieg nach sieben Jahren verzeichnet, gefolgt von weiteren Zuwächsen um 1,5 % (2015) und 1,1 % (2016). Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie in den Bereichen Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie nahm die Wertschöpfung 2009 ebenfalls stark ab, und zwar um 6,9 % bzw. 6,0 %, doch danach wurden bis 2016 wieder positive jährliche Zuwachsraten verzeichnet. Nach relativer Stabilität im Jahr 2009 (-0,3 %) ging die Produktion im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei 2010 um 2,9 % und 2012 um 5,5 % zurück. Nach einem Anstieg um 3,5 % bzw. 2,8 % in den Jahren 2013 und 2014 war sowohl 2015 als auch 2016 ein erneuter Rückgang um jeweils 1 % zu verzeichnen. Andere Wirtschaftszweige verzeichneten eine relativ geringe Abnahme ihrer Wertschöpfung im Zuge der Krise; das gilt insbesondere für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in den Jahren 2009, 2010, 2012 und 2014 sowie für Kunst, Unterhaltung, Erholung und sonstige Dienstleistungen in den Jahren 2009, 2010, 2012 und 2013 (siehe Abbildung 5). In zwei der in den Abbildungen 4 und 5 dargestellten Wirtschaftsbereiche – Grundstücks- und Wohnungswesen sowie öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen – war während der Krisenjahre kein Rückgang der jährlichen Wertschöpfung festzustellen.

Für 2016 meldeten alle Wirtschaftszweige außer Land- und Forstwirtschaft und Fischerei ein Wachstum gegenüber 2015. Am kräftigsten waren die Zuwächse in den Bereichen Information und Kommunikation (4,1 %), unternehmensbezogene Dienstleistungen (3,1 %) sowie Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie (2,8 %).

Arbeitsproduktivität

Zur Ausschaltung von Inflationseffekten kann die Arbeitsproduktivität pro Kopf anhand preisbereinigter Daten berechnet werden. Eine Analyse der Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem in jeweiligen Preisen (auf der Grundlage verketteter Volumenänderungen) über den Zehnjahreszeitraum von 2006 bis 2016 ergibt ein Wachstum für die meisten Wirtschaftsbereiche. Die größten Produktionszuwächse verzeichneten die Bereiche Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (28,0 %), Information und Kommunikation (22,8 %) und Industrie (14,8 %) (siehe Abbildung 6). Da verkettete Volumen nicht additiv sind, ist ein genauer Vergleich der Arbeitsproduktivität der verschiedenen Wirtschaftsbereiche nur für das Referenzjahr 2010 möglich. Am höchsten war die Arbeitsproduktivität 2010 in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, dicht gefolgt von Information und Kommunikation, während Land- und Forstwirtschaft und Fischerei den niedrigsten Wert aufwiesen.

Weitere Daten zur Entwicklung der realen Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem oder pro geleisteter Arbeitsstunde enthält Tabelle 4. Die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem stieg im Zeitraum 2006 bis 2016 real in fast allen EU-Mitgliedstaaten. Lediglich Griechenland, Italien, Kroatien, Luxemburg und Finnland verzeichneten Rückgänge (für Malta sind keine Daten verfügbar). Im gleichen Zeitraum hat sich die Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitsstunde in allen EU-Mitgliedstaaten außer Griechenland erhöht (für Kroatien und Malta sind keine Daten verfügbar). Lässt man die Mitgliedstaaten mit einem Bruch in der Zeitreihe unberücksichtigt, wurden die höchsten Zuwächse (prozentual) für beide Maße der realen Arbeitsproduktivität in Bulgarien, der Slowakei, Litauen und Lettland verzeichnet.

Konsum und Investitionen

Eine Analyse der Verwendungskomponenten des BIP zeigt, dass die Konsumausgaben zwischen 2006 und 2016 in der gesamten EU-28 trotz leichter Rückgänge 2009 und 2012 volumenmäßig um 8,4 % gestiegen sind (siehe Abbildung 7). Der Anstieg der Konsumausgaben des Staates vollzog sich in diesem Zeitraum etwas schneller; zwischen 2006 und 2016 war ein Plus von 12,2 % zu verzeichnen. Die Entwicklung der Bruttoinvestitionen verlief in diesem Zeitraum relativ unstetig. Nach einem starken Anstieg 2007 gingen sie 2009 rapide zurück, und im Zeitraum 2010 bis 2016 bewegten sie sich innerhalb der Spanne der 2008 und 2009 gemessenen Werte. Die Ausfuhrzuwächse haben die Einfuhrzuwächse außer in den Jahren 2007, 2009, 2014 und 2016 stets übertroffen. Im Zeitraum 2006 bis 2016 nahmen die Ausfuhren um insgesamt 34,2 % und die Einfuhren um 28,4 % zu.

Nach einem Rückgang 2009 erholten sich die Konsumausgaben der Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POOE) 2010 volumenmäßig um 0,8 %. Im Jahr 2011 blieben sie fast unverändert (0,1 %), bevor sie 2012 (-0,5 %) und 2013 (-0,1 %) erneut zurückgingen. 2014, 2015 und 2016 waren mit einem Plus von 1,2 %, 2,1 % bzw. 2,3 % real die größten jährlichen Zuwächse seit 2007 zu verzeichnen.

Im Jahr 2010 verlangsamte sich das volumenmäßige Wachstum der Ausgaben des Staatssektors (auf Englisch) in der EU-28. Diese Entwicklung setzte sich im Zeitraum 2011 bis 2013 (mit Werten zwischen -0,1 % und +0,4 %) relativ gleichmäßig fort, bevor 2014 ein etwas kräftigerer Zuwachs einsetzte (1,0 %), der auch 2015 (1,4 %) und 2016 (1,7 %) anhielt.

Trotz eines Anstiegs im Jahr 2011 (1,9 %) erholten sich die Bruttoanlageinvestitionen in der EU-28 nicht vollständig von ihrem steilen Rückgang im Jahr 2009 (-12,0 %). 2012 und 2013 wiesen sie erneut eine negative Veränderungsrate auf. 2014, 2015 und 2016 erhöhten sich die Bruttoanlageinvestitionen real um 2,7 %, 3,6 % und 2,7 %, was den stärksten Zuwächsen seit 2007 entsprach.

In jeweiligen Preisen trugen die Konsumausgaben der Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck 2016 56,0 % zum BIP der EU-28 bei, während sich der Anteil der Staatsausgaben auf 20,5 % und der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen auf 20,0 % beliefen (siehe Abbildung 9).

Die großen Unterschiede in der Investitionsintensität der einzelnen EU-Mitgliedstaaten sind u. a. auf den unterschiedlichen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und die unterschiedliche Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre zurückzuführen (siehe Abbildung 10). 2016 beliefen sich die Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) in Prozent des BIP auf 19,7 % in der EU-28 und 20,1 % im Euroraum (ER-19). Am höchsten war dieser Anteil in Irland (29,3 %), der Tschechischen Republik (24,6 %), Schweden (24,1 %) und Malta (23,4 %), am niedrigsten in Portugal (14,9 %) und Griechenland (11,4 %).

Wie aus Tabelle 5 hervorgeht, wurde der überwiegende Teil der Investitionen vom privaten Sektor getätigt. 2015 machten die Investitionen von Unternehmen und privaten Haushalten 17,0 % des BIP in der EU-28 aus, während sich die Investitionen des öffentlichen Sektors auf 2,9 % beliefen. Am höchsten war der Anteil der öffentlichen Investitionen in Ungarn und Bulgarien (6,6 % des BIP), während die Investitionen von Unternehmen in Schweden (16,8 %) und Irland (16,7 %) und die Investitionen privater Haushalte in Deutschland (6,2 %) am höchsten waren. Die Investitionen privater Haushalte (in Prozent des BIP) waren 2015 in Irland, Griechenland, Spanien und Zypern deutlich niedriger als 2005, während sie in Rumänien um einiges höher ausfielen. Die einzigen anderen Mitgliedstaaten, in denen sich der Anteil der von privaten Haushalten getätigten Investitionen am BIP erhöht hat, waren Deutschland und Litauen. Ein entsprechender Vergleich für die Investitionen von Unternehmen zeigt, dass dieser Anteil in Slowenien, der Slowakei, Lettland, Bulgarien und Estland relativ stark zurückgegangen ist.

Einkommen

Eine an der Einkommensseite anknüpfende Analyse des BIP in der EU-28 zeigt, dass 2016 bei der Verteilung der Einkommen aus dem Produktionsprozess auf die Produktionsfaktoren die Arbeitnehmerentgelte den größten Anteil hatten; sie machten 47,5 % des BIP in jeweiligen Preisen aus. Der Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen machten 40,7 % des BIP aus, und der Anteil der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen belief sich auf 11,9 % (siehe Abbildung 11). Den niedrigsten Anteil der Arbeitnehmerentgelte am BIP verzeichnete Irland (31,3 %), gefolgt von Griechenland (33,4 %) und Rumänien (34,2 %). In drei EU-Mitgliedstaaten betrug dieser Anteil über 50,0 %; in Dänemark war er mit 52,6 % am höchsten.

Wie aus Abbildung 12 (Angaben in jeweiligen Preisen) hervorgeht, haben sich die Einkommensaggregate 2011 bzw. 2012 von den in der Finanz- und Wirtschaftskrise erlittenen Einbußen erholt. 2009 sank das Arbeitnehmerentgelt in der EU-28 um 2,8 %, übertraf jedoch 2016 um 14,4 % den Wert von 2008.

Der Bruttobetriebsüberschuss und das Selbständigeneinkommen hatten in der EU-28 schon 2008 nur noch geringe Zuwächse zu verzeichnen, und 2009 gingen sie um 8,2 % zurück. 2012 hatte sich dieses Einkommensaggregat wieder dem vor der Krise (2008) erreichten Höchststand angenähert, und 2016 lag es 10,8 % darüber.

Der Rückgang der Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen hatte in der EU-28 bereits 2008 eingesetzt (-3,1 %) und sich 2009 beschleunigt (-9,3 %). Bis 2011 waren die Verluste mehr als ausgeglichen, und 2016 lag dieses Einkommensaggregat 16,2 % über seinem vorherigen Höchststand (2007).

Konsum der privaten Haushalte

In fast drei Viertel (20) der EU-Mitgliedstaaten machten die Konsumausgaben der privaten Haushalte 2016 mindestens die Hälfte des BIP aus. Am höchsten war dieser Anteil in Zypern (68,7 %), Griechenland (67,8 %), Litauen (64,8 %) und Portugal (63,8 %). Am niedrigsten war der Anteil in Luxemburg (27,8 %), obwohl das Land die weitaus höchsten durchschnittlichen Konsumausgaben privater Haushalte pro Kopf verzeichnete (22 200 KKS) (siehe Tabelle 6).

Relativ hoch waren die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte pro Kopf (um Unterschiede in den Preisniveaus bereinigt) 2016 außer in Luxemburg auch im Vereinigten Königreich (19 300 KKS), in Österreich (18 800 KKS) und in Deutschland (18 700 KKS). Kroatien, Ungarn und Bulgarien waren die einzigen EU-Mitgliedstaaten, in denen die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte weniger als 10 000 KKS betrugen.

Eine Analyse der realen Entwicklung der durchschnittlichen Konsumausgaben pro Kopf in Euro (auf der Grundlage eines verketteten Volumenindex) im Zeitraum 2011 bis 2016 zeigt, dass sich der schnellste Zuwachs in den baltischen Mitgliedstaaten und in Rumänien vollzogen hat (man beachte den Bruch in der rumänischen Zeitreihe). Den stärksten Rückgang verzeichnete Griechenland, wo die Konsumausgaben der Haushalte pro Kopf im Berichtszeitraum durchschnittlich um 1,4 % pro Jahr zurückgingen. Kleinere Rückgänge (weniger als 1,0 % pro Jahr) verzeichneten Italien, Österreich, Zypern, Slowenien und die Niederlande.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene (ESVG 2010) (auf Englisch) enthält die Methodik für die Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in der EU. Die aktuelle Fassung des ESVG 2010, die im Mai 2013 angenommen wurde und seit September 2014 angewendet wird, entspricht in allen Punkten den weltweit gültigen Leitlinien für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (System of National Accounts 2008) (auf Englisch).

Das BIP und seine Hauptbestandteile

Die Hauptaggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden von institutionellen Einheiten erhoben, d. h. von nichtfinanziellen und finanziellen Kapitalgesellschaften, vom Staatssektor, von privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck.

Die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen betreffen Komponenten des BIP, Beschäftigung, Konsumaggregate und Sparen. Viele dieser Variablen werden auf jährlicher und vierteljährlicher Basis berechnet.

Das BIP ist das zentrale Maß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, mit dem die wirtschaftliche Lage eines Landes (oder einer Region) zusammenfassend abgebildet wird. Für die Berechnung des BIP stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung: die Entstehungsrechnung, die Verwendungsrechnung und die Verteilungsrechnung.

Bei einer Analyse des BIP pro Kopf entfällt der Einfluss der absoluten Einwohnerzahl, was Ländervergleiche erleichtert. Das BIP pro Kopf ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Indikator für den Lebensstandard. BIP-Daten in den Landeswährungen können anhand von Kaufkraftparitäten (KKP), die die Kaufkraft der einzelnen Währungen widerspiegeln, anstatt von Marktwechselkursen in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet werden. Auf diese Weise werden die Unterschiede im Preisniveau der verschiedenen Länder ausgeschaltet. Der Volumenindex des BIP pro Kopf in KKS wird im Verhältnis zum Durchschnitt für die EU-28 (gleich 100) ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer bzw. kleiner als 100, liegt das BIP pro Kopf dieses Landes über bzw. unter dem Durchschnitt der EU-28. Dieser Index ist nicht für Vergleiche im Zeitverlauf, sondern für Ländervergleiche zu verwenden.

Die Berechnung der jährlichen Wachstumsrate des BIP anhand von verketteten Volumenindizes (reale Veränderungen) ermöglicht einen Vergleich der Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung sowohl im Zeitverlauf als auch zwischen Volkswirtschaften unterschiedlicher Größe unabhängig vom Preisniveau.

Ergänzende Daten

Die Wirtschaftsleistung kann auch nach Wirtschaftszweigen analysiert werden. Auf der höchsten Gliederungsebene werden zehn Abschnitte der NACE Rev. 2 berücksichtigt: Land- und Forstwirtschaft, Fischerei; Industrie; Baugewerbe/Bau; Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie; Information und Kommunikation; Finanz- und Versicherungsdienstleistungen; Grundstücks- und Wohnungswesen; Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen; öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen; Kunst, Unterhaltung und Erholung, Erbringung von sonstigen Dienstleistungen, private Haushalte mit Hauspersonal sowie extraterritoriale Organisationen und Körperschaften.

Eine Analyse der nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselten Wirtschaftsleistung im Zeitverlauf (reale Veränderungen) kann durch die Verwendung eines Volumenmaßes erleichtert werden, d. h. durch die Deflationierung des Produktionswertes, um den Einfluss von Preisänderungen auszuschalten. Jeder Wirtschaftszweig wird einzeln deflationiert, um die Preisänderungen der betreffenden Produkte zu berücksichtigen.

Ein anderer Datensatz der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen wird für Analysen der Wettbewerbsfähigkeit verwendet. Dabei handelt es sich um Indikatoren für die Produktivität der Arbeitskräfte, z. B. Maße der Arbeitsproduktivität. Maße der Produktivität in KKS eignen sich besonders für Ländervergleiche. Das BIP pro Beschäftigtem soll einen allgemeinen Eindruck von der Produktivität einer Volkswirtschaft vermitteln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieses Maß von der Struktur der Gesamtbeschäftigung beeinflusst wird und z. B. niedriger ausfallen kann, wenn es weniger Vollzeitbeschäftigte als Teilzeitbeschäftigte gibt. Das BIP je geleisteter Arbeitsstunde vermittelt ein genaueres Bild der Produktivität, da Teilzeitarbeit je nach Land und Wirtschaftszweig einen ganz unterschiedlichen Stellenwert hat.

Unter Verwendung eines makroökonomischen Ansatzes liefern die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen jährliche Daten über die Ausgaben der Haushalte. Als alternative Quelle für die Analyse der Ausgaben der Haushalte kann die Erhebung über die Wirtschaftsrechnungen der privaten Haushalte (HBS) herangezogen werden. Im Rahmen dieser Erhebung führen private Haushalte ein Haushaltsbuch über ihre Einkäufe. Das ermöglicht eine sehr viel detailliertere Erfassung von Gütern und Dienstleistungen, sodass auch viel detailliertere sozioökonomische Analysen bereitgestellt werden können. Die HBS wird nur alle fünf Jahre durchgeführt und veröffentlicht; 2010 ist das jüngste verfügbare Bezugsjahr.

Kontext

EU-Institutionen, Regierungen, Zentralbanken und andere wirtschaftliche und soziale Einrichtungen des öffentlichen und des privaten Sektors benötigen vergleichbare und zuverlässige Statistiken, auf die sie ihre Entscheidungen stützen können. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen können für unterschiedliche Analysen und Bewertungen herangezogen werden. Die Verwendung international anerkannter Konzepte und Definitionen ermöglicht es, verschiedene Volkswirtschaften, beispielsweise die wechselseitige Abhängigkeit der Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten, zu analysieren oder Vergleiche zwischen EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten anzustellen.

Konjunkturanalysen und makroökonomische Analysen

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) werden vor allem benötigt, um zur Unterstützung wirtschaftspolitischer Entscheidungen auf europäischer Ebene und zur Verwirklichung der Ziele der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) Konjunkturstatistiken von hoher Qualität bereitzustellen, anhand derer die makroökonomischen Entwicklungen überwacht und Empfehlungen für die Makroökonomie ausgesprochen werden können. Zu den wichtigsten Verwendungszwecken der VGR gehört seit Langem die Quantifizierung der Wachstumsrate einer Volkswirtschaft, einfacher ausgedrückt, das Wachstum des BIP. Die Kerndaten der VGR dienen insbesondere der Ausarbeitung und Überwachung makroökonomischer Strategien, während detailliertere VGR-Daten auch zur Entwicklung sektorbezogener oder industriepolitischer Konzepte verwendet werden können, insbesondere durch die Analyse von Input-Output-Tabellen.

Seit Beginn der WWU im Jahr 1999 gehört die Europäische Zentralbank (EZB) zu den Hauptnutzern der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Die EZB stützt sich bei ihrer Bewertung der Risiken für die Preisstabilität auf eine „Zwei-Säulen-Strategie“, d. h. auf eine wirtschaftliche und eine monetäre Analyse. Eine Vielzahl monetärer und finanzieller Indikatoren wird dabei in Bezug auf andere relevante Daten ausgewertet, die die Kombination von monetären, finanziellen und wirtschaftlichen Analysen ermöglichen, z. B. Kernaggregate der VGR. Auf diese Weise lassen sich monetäre und finanzielle Indikatoren im Kontext der übrigen Volkswirtschaft analysieren.

Die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen überwacht die wirtschaftliche Entwicklung. Die EU hat einen jährlichen Zyklus für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik festgelegt, das sogenannte Europäische Semester. Jedes Jahr nimmt die Europäische Kommission eine detaillierte Analyse der von den EU-Mitgliedstaaten geplanten haushaltspolitischen, makroökonomischen und strukturellen Reformen vor, und sie gibt länderspezifische Empfehlungen für die folgenden 12 bis 18 Monate ab.

Auch die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellt – abgestimmt auf den jährlichen Zyklus des Europäischen Semesters – dreimal jährlich (im Winter, Frühjahr und Herbst) die makroökonomischen Prognosen (auf Englisch) der Europäischen Kommission. Diese Prognosen erstrecken sich auf alle EU-Mitgliedstaaten, um Vorausschätzungen für den Euroraum und die EU ableiten zu können. Sie beinhalten aber auch Entwicklungsperspektiven für Kandidatenländer und für einige Drittstaaten.

Die Analyse der öffentlichen Finanzen ist ein weiterer wichtiger Verwendungszweck der VGR. Innerhalb der EU wurde eine spezielle Anwendung zu den Konvergenzkriterien für die WWU entwickelt, von denen sich zwei direkt auf den Bereich der öffentlichen Finanzen beziehen. Diese Kriterien, das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP, wurden anhand von VGR-Daten definiert. Nähere Informationen dazu enthält der Artikel über die Statistiken der öffentlichen Finanzen.

Regionale, strukturelle und sektorbezogene Politikfelder

Außer in der Konjunkturanalyse und der makroökonomischen Analyse finden die Daten des Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene auch in anderen Bereichen, insbesondere im Zusammenhang mit regionalen, strukturellen und sektorbezogenen Themen Verwendung.

Die Mittelzuweisung im Rahmen der Strukturfonds erfolgt zum Teil auf der Grundlage regionaler Gesamtrechnungen. Regionalstatistiken werden zudem für die Ex-post-Bewertung der Ergebnisse der Regional- und Kohäsionspolitik verwendet.

Die Förderung von Wachstum und Beschäftigung ist eine strategische Priorität der EU und der Mitgliedstaaten und Teil der Strategie Europa 2020. Zur Unterstützung dieser strategischen Prioritäten werden gemeinsame Maßnahmen in allen Bereichen der EU-Wirtschaft umgesetzt, während die Mitgliedstaaten eigene Strukturreformen (auf Englisch) durchführen.

Die Europäische Kommission führt wirtschaftliche Analysen durch, die der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) dienen. Dabei prüft sie die Effizienz ihrer Stützungsmechanismen, und sie entwickelt eine langfristige Perspektive. Das schließt Forschung, Analyse und Folgenabschätzungen zu Themen aus den Bereichen Landwirtschaft und Wirtschaft im ländlichen Raum in den EU-Mitgliedstaaten und in Drittstaaten ein, wobei auch auf die Landwirtschaftlichen Gesamtrechnungen zurückgegriffen wird.

Zielsetzung, Benchmarking und Beiträge

Für die einzelnen Politikfelder der EU werden zunehmend mittel- oder langfristige Ziele verbindlich oder unverbindlich vorgegeben. In einigen Fällen dient die Höhe des BIP als Referenzwert, wenn beispielsweise ein Investitionsvolumen für Forschung und Entwicklung von 3 Prozent des BIP vorgesehen ist (ein Ziel der Strategie Europa 2020).

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bilden auch die Grundlage für die Festlegung der EU-Eigenmittel, die in einem Beschluss des Rates geregelt ist. Der Finanzierungsbedarf des EU-Haushalts errechnet sich aus den Ausgaben abzüglich sonstiger Einnahmen. Die Eigenmittelobergrenze ist an das Bruttonationaleinkommen der EU gekoppelt.

Die VGR-Daten werden nicht nur für die Ermittlung der Beiträge zum Gemeinschaftshaushalt in der EU, sondern auch zur Festlegung der Beiträge für andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) verwendet. Die Beiträge zum Haushalt der UN werden auf der Grundlage des Bruttonationaleinkommens unter Anwendung verschiedener Anpassungen und Grenzwerte errechnet.

Analysten und Prognostiker

Auch Analysten und Forscher stützen sich bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und der wirtschaftlichen Entwicklungen vielfach auf Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Sozialpartner wie Arbeitgebervertreter (z. B. Wirtschaftsverbände) oder Arbeitnehmervertreter (z. B. Gewerkschaften) sind ebenfalls an VGR-Daten interessiert, um Entwicklungen analysieren zu können, die sich auf die Arbeitsbeziehungen auswirken. Forscher und Analysten nutzen die VGR u. a. für Konjunkturanalysen und zur Analyse langfristiger Konjunkturzyklen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, politischen oder technologischen Entwicklung.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Haupttabellen

Datenbank

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

ESMS metadata files

Handbücher zur Methodik

Weitere Informationen zur Methodik

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks