Rolle als Koordinator

Die Rolle von Eurostat als Koordinator statistischer Tätigkeiten

Gemäß Verordnung (EG) Nr. 223/2009 über europäische Statistiken (so genanntes Statistikgesetz) ist Eurostat die statistische Stelle der Union. Wie die nationalen statistischen Ämter auf einzelstaatlicher Ebene koordiniert Eurostat die statistischen Maßnahmen auf Ebene der Europäischen Union und insbesondere innerhalb der Kommission.

Auf EU-Ebene sorgt Eurostat für die Erstellung europäischer Statistiken nach festgelegten Regeln und statistischen Grundsätzen und nach Maßgabe der Bestimmungen des Verhaltenskodex für europäische Statistiken. Eurostat koordiniert die statistischen Tätigkeiten der Organe und Einrichtungen der Union, um Kohärenz und Qualität der Daten zu gewährleisten und den Berichterstattungsaufwand möglichst gering zu halten.

Auf Kommissionsebene hat Eurostat die ausdrückliche Aufgabe, die statistischen Tätigkeiten in der Kommission zu koordinieren. Gemäß Beschluss der Kommission über Eurostat vom 17. September 2012 hat Eurostat vor allem den Auftrag, eine wirksame Zusammenarbeit und einen regelmäßigen konstruktiven Dialog mit anderen Kommissionsdienststellen zu gewährleisten und die statistischen Tätigkeiten in der Kommission zu koordinieren.

Die spezifische Aufgabe der Koordinierung statistischer Tätigkeiten von Eurostat ist nicht zu verwechseln mit der allgemeineren Verpflichtung aller Kommissionsdienststellen zur gegenseitigen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit zwischen den Dienststellen der Kommission spiegelt den Grundsatz der Kollegialität wider, der der Tätigkeit der Kommission in ihrer Eigenschaft als Kollegium zugrunde liegt. Dieser allgemeine Grundsatz der Zusammenarbeit gilt auch für nicht-statistische Tätigkeiten, beispielsweise die Ausarbeitung von politischen Initiativen oder Legislativvorschlägen zur Annahme durch die Kommission und Vorlage an andere Organe der Union, beispielsweise das Europäischen Parlament und den Rat.

Vereinbarungen mit Dienststellen der Kommission

Nach Artikel 5 Absatz 3 des Kommissionsbeschlusses über Eurostat können für die Planung und Programmierung von Tätigkeiten mit Bezug zu europäischen Statistiken wie auch für Statistiken, die direkt von den anderen Kommissionsdienststellen außerhalb des Europäischen Statistischen Programms erstellt werden (so genannte andere Statistiken) dienststellenübergreifende Vereinbarungen getroffen werden.

Die Vereinbarung hat den Zweck, den allgemeinen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Eurostat und jenen Dienststellen der Kommission festzulegen, die die europäischen Statistiken benutzen (die politischen Generaldirektionen) oder ihre eigenen Statistiken erstellen. In der Vereinbarung werden ihre jeweiligen Aufgaben und Zuständigkeiten in Bezug auf die Erstellung von „Europäischen Statistiken“ oder „anderen Statistiken“, die erforderliche Unterstützung, die mittelfristig erwarteten Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die statistische Planung konkret dargelegt.

Vereinbarungen sind daher wichtige Verwaltungsinstrumente, die die Dienststellen beim Umgang mit gegenseitigen Erwartungen unterstützen, Prioritäten für ihre Bedürfnisse und ihr Leistungsniveau setzen und gleichzeitig die Kohärenz der statistischen Tätigkeiten in der Kommission und die Erfüllung der Koordinierungsrolle von Eurostat gewährleisten. Ferner verbessern sie die Transparenz insofern als sie die Verpflichtungen und Rechenschaftspflicht beider Seiten genau abstecken. Die Vereinbarungen können auch spezifische Bestimmungen über den Vorabzugang zu Daten unter strengen Bedingungen und gemäß dem Protokoll über den unparteiischen Zugang der Nutzer zu Eurostat-Daten enthalten.

Die strategischen Aussprachen auf Direktorenebene anlässlich der jährlichen Anhörungen sind eine Gelegenheit, das Niveau der Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten und führen führen schließlich zu einer Anpassung der Vereinbarung.

Geschlossene Vereinbarungen

 Absichtserklärung zwischen Eurostat und der EZB zu Statistiken über Verfahren bei makroökonomischen Ungleichgewichten

In Folge eines Briefwechsels zwischen der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB), haben Eurostat und die Generaldirektion für Statistiken der EZB eine Absichtserklärung zur Qualitätssicherung von Statistiken über Verfahren bei makroökonomischen Ungleichgewichten unterzeichnet.

Dies ist ein sehr wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen, die eine solide praktische Grundlage für die Qualitätssicherung der relevanten Statistiken, die von den nationalen Zentralbanken erhoben und von Eurostat veröffentlicht werden, bietet.

Kopien der Briefwechsel:

Eurostat-EZB Absichtserklärung zu Statistiken über VMU:

Netzwerk der Statistikkorrespondenten und Koordinierung der dienststellenübergreifenden Gruppe „Koordinierung der Statistik“

Die einzelnen Generaldirektionen haben Statistikkorrespondenten benannt, um Anfragen aus ihren eigenen Referaten zu zentralisieren und den Fluss von Informationen mit Eurostat im Wege der Koordinierung statistischer Angaben zu steuern. Sie treffen sich zweimal jährlich im Rahmen ihres Netzwerks zu einer Informationsdebatte, die die Zusammenarbeit mit Eurostat erleichtern soll. Zu den Themen, mit denen sich das Netzwerk befasst, gehören die jährlichen Arbeitsprogramme von Eurostat, das statistische Inventar und der statistische Masterplan auf Ebene der Kommission, die Präsentation der Eurostat-Dienste sowie Informationen über sonstige Tätigkeiten von Eurostat oder zukünftige Entwicklungen.

Die Arbeit der Statistikkorrespondenten wird auf strategischer Ebene durch die Tätigkeit der dienststellenübergreifenden Gruppe „Koordinierung der Statistik“ ergänzt, was Beratungen über statistische Fragen auf Direktorenebene ermöglicht.

Statistisches Inventar und Masterplan

Das statistische Inventar (jeweils für das laufende Jahr) und der Masterplan (für die darauffolgenden Jahre) ist dazu gedacht, einen Überblick über die verschiedenen auf Ebene der Kommission erstellten Statistiken zu verschaffen. Es erleichtert überdies die Nutzung von Statistiken in der gesamten Kommission und die Ermittlung von potenziellen Synergien und Rationalisierungsbereichen.

Es umfasst folgende Kategorien:

- direkt von der GD erstellte Statistiken

- im Auftrag der GD von einer Agentur erstellte Statistiken

- im Auftrag einer GD und von einem externen Auftragnehmer für die GD erstellte Statistiken

- von der GD erstellte und verbreitete statistische Indikatoren (einschließlich Indikatorengruppen)

- von der GD bei kommerziellen Dienstleistern(z. B. Bloomberg, Reuters usw.) erworbene Datenbanken

- Statistiken aus einer Datenbank, die von einer nichtgewerblichen Organisation (OECD, IWF, nationales statistisches Amt oder nationale Zentralbank) im Abonnement bezogen werden.

Das Inventar wird demnächst um statistische, von den GD aufgestellte und verbreitete Indikatoren (einschließlich Indikatorengruppen) erweitert.

Sitzungen mit Interessenträgern

Sitzungen mit Interessenträgern sind Zusammenkünfte auf hoher Ebene, bei denen Vertreter von Eurostat und von nationalen statistischen Ämtern mit den Generaldirektionen der Kommission in ihrer Eigenschaft als Hauptnutzer europäischer Statistiken und als politische Entscheider einen Meinungsaustausch über statistische Prioritäten für den jeweiligen Politikbereich führen.

Die Generaldirektoren/-innen der Generaldirektionen der Kommission werden ebenfalls in regelmäßigen Abständen zu einem Meinungsaustausch mit dem Ausschuss für das Europäische Statistische System zu Themen von gemeinsamem Interesse eingeladen.