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Niederländische Arbeitsuchende werden in Workshops auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet

Es gibt eine Reihe von kulturellen Unterschieden, die den Arbeitsuchenden die Arbeitsplatzsuche in einem anderen Land erschweren. EURES Niederlande bietet Arbeitsuchenden seit mehr als einem Jahr Workshops an, in denen die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden erläutert werden.

„Ich wusste nicht, dass man bei einem Bewerbungsgespräch nicht von selbst die Hand reichen soll“, erklärt Jeffrey Martijn, Grafikdesigner aus den Niederlanden, in einem Interview mit der Zeitung Spits. In Deutschland ist es üblich abzuwarten, bis der Arbeitgeber als Erster die Hand reicht. „Es sind diese kleinen Tipps, die einem dabei helfen, einen guten Eindruck zu vermitteln und einen deutschen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass man gut in sein Unternehmen passt“, erläutert Tjerk Mulder, EURES-Berater in den Niederlanden und Organisator der Workshops.

Bislang wurden drei Workshops veranstaltet und es sind drei weitere für das Jahr 2014 geplant. Die Workshops zeigen kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden auf und legen dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bewerbungsverfahren und Arbeitsbedingungen. Sie umfassen drei Teile: kulturelle Unterschiede – wie verhält man sich in einem Bewerbungsgespräch und am Arbeitsplatz, wie bewirbt man sich, einschließlich Lebenslauf und Anschreiben, und schließlich, wie sucht man in Deutschland nach einer Arbeitsstelle.

„Viele Bewerber hatten Schwierigkeiten bei den Bewerbungsgesprächen und erhielten die Stelle nicht. Darum haben wir beschlossen, uns auf die Unterschiede zwischen den beiden Ländern zu konzentrieren“, erklärt Tjerk.

Während die Arbeitslosigkeit in Drente und Groningen in den Niederlanden auf beinahe 13 % angestiegen ist, liegt diese Quote nur ein paar Kilometer jenseits der deutschen Grenze in Meppen lediglich bei 3 %. Bestimmte Berufsgruppen wie Handwerker und Lkw-Fahrer sind in einigen Regionen Deutschlands kaum zu finden. Es gibt daher viele Chancen für Menschen, die bereit sind, grenzüberschreitend zur Arbeit zu pendeln.
Tjerk fährt fort: „Wir gehen davon aus, dass wir etwa 120 niederländische Arbeitsuchende aus meiner Region in ein Arbeitsverhältnis in Deutschland vermitteln können.“

Ein weiterer kultureller Unterschied, der in den Workshops beleuchtet wird, zeigt sich in dem Ratschlag, bei einer Bewerbung in Deutschland neben dem Lebenslauf und dem Anschreiben sämtliche „Nachweise“ wie Zeugnisse, Studiennachweise, Bestätigungen usw. mitzusenden. Der Lebenslauf muss zudem ein professionelles Bewerbungsfoto enthalten. Bei einem Bewerbungsgespräch in Deutschland sollte man warten, bis man gefragt wird, und nur auf die Frage antworten.

„Ich habe unter anderem gelernt, dass die deutschen Arbeitgeber förmlicher sind als die Niederländer. Am Arbeitsplatz wird die Höflichkeitsform „Sie“ viel häufiger verwendet als hier und die Deutschen warten länger, bis sie das weniger förmliche „Du“ anbieten. Wir haben auch erfahren, dass die deutschen Arbeitgeber ehrenamtliche Tätigkeiten und die Mitgliedschaft in Sportvereinen schätzen“, bemerkt Jeffrey.

Seit Beginn der Workshops haben einige Teilnehmer Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten und es besteht die Hoffnung, dass künftige Arbeitsuchende mehr Erfolg haben, weil ihnen die kulturellen Unterschiede in Deutschland besser bekannt sind. „Nach Aussagen der Arbeitsuchenden, die an dem Workshop teilnahmen und eine Anstellung fanden, war es dieses zusätzliche Wissen, dass ihnen zur Arbeitsstelle verholfen hat“, so Tjerk.

Auf die Frage, ob er diesen Workshop anderen Arbeitsuchenden in seiner Lage empfehlen würde, antwortet Jeffrey: „Ja, absolut, wenn du daran teilnimmst, sind die Erfolgsaussichten besser.“


Weitere Informationen:

Bei Fragen zu den Workshops wenden Sie sich bitte an EURES in den Niederlanden.

Da es wichtig ist, kulturelle Unterschiede zu kennen und zu berücksichtigen, empfehlen wir als ersten Schritt die neue EU-Publikation „
Lust auf Veränderung?“ zu lesen, in der die kulturellen Unterschiede bei der Stellenbewerbung in der EU erläutert werden.

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Text zuletzt geändert am: 04/2014


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