Lebens- und Arbeitsbedingungen

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Griechenland


Lebensbedingungen

Einkommen und Steuern

 

In Griechenland wird das Einkommen natürlicher und juristischer Personen aus Arbeit, Rente, landwirtschaftlicher oder unternehmerischer Tätigkeit, Immobilien, Dividenden, Zinsen, Rechten und Kapitalveräußerungsgewinnen versteuert. Zwingende Voraussetzung ist die Ausstellung einer Steuernummer (AFM).

 

Für Einkünfte aus Arbeit, Rente, landwirtschaftlicher oder unternehmerischer Tätigkeit, die vom 01.01.2021 bis 31.12.2021 erzielt wurden, gelten einheitliche Steuerklassen. Die Steuersätze betragen 9 % bis 44 % wie folgt: a) 9 % für Einkünfte bis 10 000 EUR, b) 22 % für Einkünfte von 10 001 EUR bis 20 000 EUR, c) 28 % für Einkünfte von 20 001 EUR bis 30 000 EUR und d) 36 % für Einkünfte von 30 001 EUR bis 40 000 EUR und e) 44 % für Einkünfte ab 40 001 EUR. Landwirtschaftliche Tätigkeit und Einkünfte aus Immobilien werden eigenständig versteuert, während in allen übrigen Fällen die Einkünfte zusammengerechnet und in einer einheitlichen Steuerklasse versteuert werden. Für Einkünfte aus Immobilien gelten Steuersätze von 15 % bis 45 %. Personen, die eine unternehmerische Tätigkeit ausüben, zahlen zudem eine Gewerbesteuer, die 400 bis 1 000 EUR beträgt. Außerdem wird bei natürlichen Personen ein besonderer Solidaritätsbeitrag auf Einkommen von über 12 000 EUR erhoben, für den ein progressiver Satz von 2,2 % bis 10 % gilt. Dem Steuerpflichtigen kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein über das tatsächliche Einkommen hinausgehendes steuerpflichtiges Einkommen auf der Grundlage des persönlichen Lebensstandards und erworbener Vermögenswerte unterstellt werden (τεκμαρτό εισόδημα). Für natürliche und juristische Personen gilt ein einheitlicher Steuersatz von 24 % mit 100%er Steuervorauszahlung, zu der auch Personen, die eine landwirtschaftliche oder unternehmerische Tätigkeit ausüben, verpflichtet sind. Als Steuervorauszahlung wird der Betrag festgestellt, der 100 % der Steuer beträgt, sich nur durch die Ausübung der unternehmerischen und landwirtschaftlichen Tätigkeit ergibt, zuzüglich eventueller Belegdifferenzen, nachdem eventuell einbehaltene und vorausgezahlte Steuern abgezogen werden. Insbesondere für Personen, die zum ersten Mal Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit melden, beträgt die Vorauszahlung in den ersten fünf Jahren 50 %.

 

Unselbständige Arbeitnehmer, Rentner und Berufslandwirte haben Anspruch auf Einkommensteuerermäßigung von 33 bis 360 EUR abhängig von der Zahl der unterhaltsberechtigten Kinder. Steuerpflichtige der oben genannten Kategorien haben darüber hinaus einen Anspruch auf Steuerermäßigung, wenn sie während des Jahres 2019 Zahlungen für Warenkäufe oder Dienstleistungen, die einen bestimmten prozentualen Anteil ihres Jahreseinkommens – d. h. 30 % – ausmachen, mit elektronischen Mitteln (Kredit- oder Debitkarten, sowie E-Banking) durchführen. Kann der Steuerpflichtige den notwendigen Betrag nicht vollständig decken, wird die Differenz mit 22 % versteuert. Für steuerpflichtige unselbständige Arbeitnehmer, Rentner und Landwirte, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, Personen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 80 % und Personen, die unter rechtlicher Betreuung stehen, sowie EU-Bürger, die zur Abgabe einer Steuererklärung in Griechenland verpflichtet sind und nach den für unselbständige Arbeitnehmer und Rentner geltenden Tarifen besteuert werden, ist die Steuerermäßigung nicht an der Zahlung von Warenkäufen und Dienstleistungen mit elektronischen Mitteln gekoppelt. Für diese Steuerpflichtigen reicht es für die Steuerermäßigung aus, wenn sie Ausgaben entsprechend dem festgelegten Anteil bar beglichen haben und dem Finanzamt die einschlägigen Quittungen zur Verfügung stellen. Schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen und besondere Kategorien von Steuerpflichtigen sind von der o. g. Verpflichtung gänzlich ausgenommen. Es ist zu beachten, dass Arzt-, Krankenhaus und Arzneimittelkosten ab 2018 nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden können, was zu einer erhöhten Steuerbelastung dieser Kategorien von Steuerpflichtigen führen dürfte. Demnach liegt der Steuerfreibetrag für Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Renten bei 8 633 EUR ohne unterhaltsberechtigte Kinder, 9 000 EUR mit einem unterhaltsberechtigten Kind, 10 000 EUR mit zwei unterhaltsberechtigten Kindern und 11 000 EUR mit drei oder mehr unterhaltsberechtigten Kindern.

 

Allgemein sind Steuerermäßigungen in Höhe von 200,00 EUR für Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 67 % vorgesehen, außerdem für bestimmte Personenkategorien wie Opfer terroristischer Anschläge, Kriegsopfer, Rentnerinnen und Rentner, die im nationalen Widerstand und dem Bürgerkrieg gekämpft haben. Ferner gelten Spenden als Ausgaben, die zu einer Senkung der Einkommensteuer von bis zu 10 % führen, sofern diese Spenden 100 EUR pro Steuerjahr überschreiten und der gesamte Spendenbetrag nicht mehr als 5 % des zu versteuernden Einkommens ausmacht.

 

Steuerpflichtige Personen, die ihren steuerlichen Wohnsitz nicht in Griechenland haben, haben keinen Anspruch auf Steuerbefreiung, außer wenn sich ihr steuerlicher Wohnsitz in einem anderen EU- oder EWR-Mitgliedstaat befindet und a) sie mindestens 90 % ihres Einkommens in Griechenland erwirtschaften und b) nachweisen können, dass ihr zu versteuerndes Einkommen so niedrig ist, dass sie auf eine Steuerbefreiung nach den steuerlichen Regelungen ihres Wohnlandes Anspruch haben.

 

Im Gegensatz dazu haben Personen, die ihren steuerlichen Wohnsitz nach Griechenland verlegen und eine neue Beschäftigung aufnehmen oder eine selbständige Tätigkeit beginnen, nach den Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes für einen Zeitraum von sieben Jahren Anspruch auf eine Befreiung von der Einkommensteuer und vom besonderen Solidaritätsbeitrag in Höhe von 50 % des Einkommens, das sie in Griechenland verdienen. Laut Beschluss der Unabhängigen Finanzbehörde müssen die betreffenden Personen einen entsprechenden Antrag bis zum 30. September 2021 stellen.

 

Demnach erhalten diejenigen, die aus steuerrechtlicher Sicht nach Griechenland „umziehen“, einen 50-prozentigen Abschlag von der Besteuerung ihres Einkommens und sind von der Regelung über vermutetes Einkommen wegen des Besitzes und der Nutzung von Privatfahrzeugen ausgenommen.

 

Eine Person kann diese Regelung unter folgenden Voraussetzungen für sich beantragen:

  • Sie war in fünf der letzten sechs Jahre vor der Verlegung des Steuerwohnsitzes nach Griechenland nicht in Griechenland steuerlich ansässig.
  • Sie verlegt den Steuerwohnsitz aus einem EU- oder EWR-Mitgliedsstaat oder aus einem Staat, mit dem ein Abkommen zur Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden im Bereich der Besteuerung mit Griechenland in Kraft ist.
  • Sie arbeitet in Griechenland im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses entweder mit einer inländischen juristischen Person oder einer Betriebsstätte eines ausländischen Unternehmens in Griechenland. Dieselben Privilegien gelten für natürliche Personen, die ihren steuerlichen Wohnsitz nach Griechenland verlegen, um einer individuellen unternehmerischen Tätigkeit im Land nachzugehen, und werden entsprechend angewandt.
  • Sie erklärt, für mindestens zwei Jahre in Griechenland zu bleiben.

 

Natürliche Personen, die ihren steuerlichen Wohnsitz bereits nach Griechenland verlegt haben und innerhalb des Steuerjahres 2020 einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben oder ein Unternehmen gegründet haben, können die besondere Besteuerung von Einkünften aus i unselbstständiger Arbeit und unternehmerischer Tätigkeit, die in Griechenland anfallen, beantragen, sofern sie in den Jahren 2015 bis 2019 nicht in Griechenland steuerlich ansässig waren.

 

Neben den Steuern, die sie aufgrund ihrer jährlichen Steuererklärungen abführen, zahlen Bürger auch andere direkte und indirekte Steuern, die allgemein oder auf lokaler Basis erhoben werden. So fällt für Bürger, die Immobilien besitzen, eine jährliche einheitliche Immobilienbesitzsteuer (ENFIA) (Ενιαίος Φόρος Ιδιοκτητών Ακινήτων (ΕΝΦΙΑ)) an. Ferner wird auf den Preis für Waren und Dienstleistungen eine Mehrwertsteuer (FPA) (Φόρος Προστιθέμενης Αξίας (ΦΠΑ)) von 24 % berechnet, die auf die Mehrheit der Waren und Dienstleistungen Anwendung findet. Für bestimmte Güter und Dienstleistungen, wie Arzneimittel und Hotelaufenthalte, gelten jedoch reduzierte Sätze von 13 % bzw. 6 %. Alle Bürger zahlen Verbrauchsteuern auf Heizöl, und Kfz-Halter zahlen eine Kfz-Steuer, die von Alter und Hubraum des betreffenden Fahrzeugs abhängt. Steuerpflichtige Personen zahlen lokale Steuern in Form von Gebühren, die von den Gemeinden für allgemeine Leistungen wie Stadtreinigung, Beleuchtung, Müllabfuhr und Müllentsorgung erhoben werden.

 

Die Jahresbezüge der Beschäftigten im Privatsektor, die sich aus 12 Monatsgehältern, einer Zulage in Form von Weihnachtsgeld, einer Zulage zu Ostern sowie Urlaubsgeld zusammensetzen, unterliegen abgesehen von der Einkommensteuer, das heißt, für Krankenversicherung, Rentenversicherung und gegen das Arbeitslosigkeitsrisiko.

 

Seit Februar 2019 gelten gesetzliche Mindestlöhne und Mindesttagelöhne für Vollzeitbeschäftigte, Angestellte, Arbeiterinnen und Arbeiter im ganzen Land ohne Altersunterscheidung.

 

Beispiele für Nettobezüge in einigen verbreiteten Berufen:

  • Fachkräfte 1128,15 EUR
  • Technikerinnen/Techniker und Angehörige ähnlicher Berufe 706,74 EUR
  • Büroangestellte 646,37 EUR
  • Beschäftigte im Dienstleistungssektor und Verkäufer 696,29 EUR
  • Angestellte im Hotelgewerbe 699 EUR
  • Reinigungskräfte 667,59 EUR
  • ungelernte Arbeiterinnen und Arbeiter 558,22 EUR

 

Bei Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmern, die in zwei oder mehreren Ländern tätig sind, besteht gemäß den in der EU geltenden Bestimmungen die Möglichkeit der Anrechnung der Beiträge, die in dem jeweiligen Staat gezahlt wurden, zwecks Begründung des Anspruchs auf nationale Rente. Möchten Sie nähere Informationen erhalten, so wenden Sie sich an das Sozialministerium und den Sozialversicherungsträger Ihres Wohnlandes und des Landes der letzten Beschäftigung.

 

Text zuletzt geändert am: 07/2021