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Förderung von Toleranz und Verständnis – Erwachsenenbildung als einzigartige Chance

22/03/2019
by EPALE Österreich
Language: DE
Document available also in: EN BG FR HU LV HR PL ES CS EL

Lesedauer ca. 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Anhand der Pariser Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte untersucht Andrew McCoshan, thematischer Koordinator von EPALE, welche Rolle die Erwachsenenbildung bei der Förderung der grundlegenden Werte von Freiheit, Pluralismus und Antidiskriminierung einnehmen kann.

Enormer Nachholbedarf

Im Jahr 2015 haben die Bildungsminister der EU die Erklärung zur Förderung von politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung verabschiedet. 2016 zeigte ein Eurydice-Bericht , dass von den Mitgliedsstaaten zwar Maßnahmen zur Umsetzung der Richtlinien in den unterschiedlichen Bildungsbereichen ergriffen wurden, die Erwachsenenbildung dabei jedoch vernachlässigt wurde. Sie wurde bis zu diesem Zeitpunkt lediglich in den drei belgischen Regionen sowie in Bulgarien, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, England und Wales berücksichtigt.  Auf diesem Gebiet besteht daher ein deutlicher Nachholbedarf für die Erwachsenenbildung.

„Erklärung zur Förderung von politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung“ – Paris, März 2015

Die Erklärung definiert gemeinsame Ziele für die Mitgliedsstaaten und drängt auf einen Austausch von Ideen und Beispielen guter Praxis, um:

  • zu gewährleisten, dass Kinder und Jugendliche durch Vermittlung von demokratischen Werten und Grundrechten, sozialer Eingliederung, Nichtdiskriminierung und aktiver Beteiligung, soziale, demokratische und interkulturelle Kompetenzen erlangen.
  • kritisches Denken und Medienkompetenz, vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung von Internet und sozialen Netzwerken, zu erweitern, um dadurch Bewusstsein und Haltungen gegen jede Art von Diskriminierung und menschenverachtender ideologischer Beeinflussung zu entwickeln.
  • die Bildungschancen von benachteiligten Jugendlichen und jungen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu fördern, indem darauf geachtet wird, dass unsere formalen und non-formalen Bildungsangebote ihren Bedürfnissen Rechnung tragen.
  • den interkulturellen Dialog in allen Formen des Lehrens und Lernens und in Zusammenarbeit mit allen anderen Politikbereichen und wichtigen Akteuren zu fördern.

Die Erwachsenenbildung kann hier einen einzigartigen Beitrag leisten…

Bisher gibt es zwar keine eindeutigen Belege dafür, welche Maßnahmen in diesem Bereich greifen und warum das so ist. Der Bericht , der vom europäischen Netzwerk aus Expertinnen und Experten, die sich mit der sozialen Dimension allgemeiner und beruflicher Bildung beschäftigen (NESET II), veröffentlicht wurde, bietet dazu allerdings wertvolle Informationen. Gegenstand des Berichts ist zwar vorrangig die schulische Ausbildung. Seine Schlussfolgerungen und Empfehlungen sind jedoch auch für allgemeine Vorschläge dazu relevant, wie die Erwachsenenbildung in die in Paris ausgearbeitete Agenda integriert werden kann:

  • Entwicklung organisationsweiter Strategien: Erwachsenenbildungsorganisationen können einen einzigartigen Raum bieten, in dem Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund zusammenkommen. Hier bietet sich die Chance, eine ganz eigene Atmosphäre für gelebte Diversität zu schaffen, und zwar organisationsübergreifend sowie im individuellen Lernumfeld.
  • Entwicklung authentischer Praktiken durch Zusammenarbeit und Partnerschaften mit gesellschaftlichen Gruppen und dem so genannten „Dritten Sektor“: Ohne Unterstützung der gesellschaftlichen Gruppen vor Ort ist es für die Anbieter von Erwachsenenbildungsmaßnahmen schwer, eine Atmosphäre und Strategien für eine gelebte Diversität zu schaffen. Zudem können Nichtregierungsorganisationen (als Vertreter des Dritten Sektors) wertvolle Expertise bereitstellen, von der Erwachsenenbildner/innen profitieren können.
  • Zugang zu allen gesellschaftlichen Gruppen: Erwachsenenbildner/innen haben die Chance, einen gegenseitigen Zusammenhalt zu fördern, indem sie sicherstellen, dass ihre Programme für Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich sind. Um auch die Gruppen erreichen zu können, die sich üblicherweise nicht an formalen Bildungsangeboten beteiligen, müssen unter Umständen neue Maßnahmen ergriffen werden, die sowohl den direkten persönlichen Kontakt als auch Social-Media-Plattformen umfassen.
  • Sicherstellung von kultureller Sensibilität in der Pädagogik: Neben dem Zugang zu den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sollten Erwachsenenbildungsorganisationen ihre Lehrpläne und pädagogischen Konzepte auf den Prüfstand stellen. Sie sollten in der Lage sein, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen anzusprechen, und berücksichtigen, dass unterschiedliche Gemeinschaften unter Umständen unterschiedliche Lernstrategien verfolgen.  Sinnvoll können dabei aktive, partizipatorische Ansätze, kooperative Weiterbildung und Peer-Learning-Initiativen sein.
  • Mehr Diversität in effektiven Führungsrollen: Laut NESET II-Bericht besteht ein größerer Bedarf an Diversität bei den Führungsrollen im Weiterbildungsbereich in ganz Europa: Zu wenige leitende Positionen sind mit Vertreter/innen von Minderheitengruppen besetzt. Die bestehenden Führungspersonen müssen zudem geeignete Managementschulungen erhalten, um positive Strategien zur Förderung von Diversität entwickeln zu können.
  • Effektive Ausbildung von Lehrenden: Erwachsenenbildner/innen müssen geeignete Schulungen für den Umgang mit Diversität in ihrem Lernumfeld anhand neuer, kultursensibler pädagogischer Konzepte erhalten. Sie müssen auch entsprechend auf die Konfrontation mit Vorurteilen und Intoleranz vorbereitet werden, die ihnen jederzeit bei ihrer Arbeit begegnen können.

…es bleiben allerdings noch wichtige Fragen offen

Zweifellos werfen diese Chancen für die Erwachsenenbildung auch ganz neue Fragen auf:

  • Der Schwerpunkt bei der Erwachsenenbildung liegt in der Vermittlung sprachlicher, mathematischer und digitaler Kompetenzen für Erwachsene, die diese aus unterschiedlichen Gründen nicht bereits im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung erlernt haben. Aber ist es jetzt nicht ebenso wichtig, eine aktive und informationsbasierte Bürger/innenschaft als „Grundkompetenz“ in der Erwachsenenbildung anzuerkennen?
  • Und wenn ja, wie gehen wir damit um?  Es gibt einige gute Beispiele für die Integration von Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Menschenrechte und Toleranz in Bildungsprogrammen für Migrantinnen und Migranten (z. B. die norwegische Menneskerettighets Akademiet  – Menschenrechtsakademie). Wie realistisch ist allerdings die Erwartungshaltung, die Bürger/innenschaft in die Grundkompetenzen für alle Erwachsenenbildungsmaßnahmen integrieren zu können? Welche Hindernisse sind dabei zu erwarten?

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Andrew McCoshan ist seit über 30 Jahren in der Aus- und Weiterbildung tätig. Er erstellt seit mehr als 15 Jahren Studien und Evaluierungen für die EU. Zuvor war er im UK als Berater im Einsatz. Heute ist Andrew McCoshan unabhängiger Forscher und Berater, ECVET-Experte für das Vereinigte Königreich und Senior Research Associate im Educational Disadvantage Centre an der Dublin City University in Irland.

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  • Hayat Faqeer's picture

    I think whithin the field of TEFL, it is yet to pubish text-books that can be happily taught with an approach to tolerance, understanding and diversity. I think it might be quite difficult to accomplish this while having in mind the entire globe and issues within.

     

  • Hayat Faqeer's picture

    I think whithin the field of TEFL, it is yet to pubish text-books that can be happily taught with an approach to tolerance, understanding and diversity. I think it might be quite difficult to accomplish this while having in mind the entire globe and issues within.