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Blog

Wie, Du machst Erwachsenenbildung? EPALE Botschafter Martin Barthel

21/03/2019
by Martin BARTHEL
Language: EN

Wie, Du machst Erwachsenenbildung?

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„Was hast Du mit Erwachsenenbildung zu tun?“ Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich höre, wenn ich über meinen Beruf rede. Das klassische Bild eines Privatdozenten, der in der Volkshochschule verstaubte Bildungsideale hochhält, ist noch in zu vielen Köpfen in meinem Bekanntenkreis verankert.

Der zweite Satz, der mir oft verwundert entgegengebracht wird ist: Wie, DAS ist Erwachsenenbildung?

Wie so viele bin ich ein Quereinsteiger, der eigentlich nicht als kleiner Junge davon geträumt hat, in dem Bereich zu arbeiten. Während meines Studiums der Geographie fing meine Liebe zum Lehren an. Ich arbeitete in informellen Workshops mit Studenten als Teil der „European Geography Association (EGEA)“ an Themen, die wir selbst spannend fanden, und die nicht im Lehrplan enthalten waren. Um mein Studium zu finanzieren, arbeitete ich als Kommunikationstrainer in Berlin. Die Arbeit gab mir viele Einblicke, wie Menschen „ticken“, was sie motiviert und wie sie lernen wollen. Gleichzeitig sah ich wie „die Wirtschaft“ funktioniert und welche Anforderungen an Weiterbildungen in großen Firmen gestellt wurden. Mir wurde schnell klar, dass Lehrpläne und Lernrealitäten oft nicht viel gemeinsam haben und wie unterschiedlich der Lernalltag an Universitäten, in Firmen und in der informellen Erwachsenenbildung ist.

Ein besonderes Thema ist für mich die interkulturelle Kommunikation, in der ich immer noch aktiv lehre. Die Frage wie Menschen über Grenzen hinweg interagieren spiegelt sich in meiner Forschung an der University of Eastern Finland wider. Ich schreibe und publiziere zu „linguistic landscapes“ und zu den lokalen grenzüberschreitenden Kooperationen zwischen Deutschland, Polen und der Ukraine.

Erste Schritte in der europäischen Erwachsenenbildung

Die ersten Erfahrungen mit der europäischen Erwachsenenbildung machte ich 2010, als ich beim Comparative Research Network in Berlin anfing. Noch im Grundtvig Programm organisierten wir „in-service training“, in denen wir mehr als 200 Lehrkräften aus der Erwachsenen- und Schulbildung interkulturelle Kommunikation durch „digital storytelling“ beibrachten.

Bevor Digitalisierung im Unterricht ein Thema wurde, erkannte ich den Hunger nach digitalen Methoden und die Unsicherheiten bei der Anwendung. Als Antwort darauf, beantragte ich 2014 die Erasmus+ Lernpartnerschaft „We are all digital natives“, dessen Ergebnisse ihr hier im Resource Center nachlesen könnt. Im Rahmen der Partnerschaft gingen wir der Frage nach, wie man digitale Methoden nutzen kann, um Gemeinschaften zu aktivieren und ihnen Teilhabe ermöglichen.

Das Projekt Eurbanities fand eine kleine Antwort darauf. In dem Projekt entwickelten wir ein Online Spiel zur Partizipation (link hier), dass sowohl individuell, als auch verbunden mit einem Trainingsplan, als Gruppe genutzt werden kann. Die Methoden setzen wir zurzeit in Berlin- Wedding mit dem Quartiersmanagement ein, um lokale Aktionspläne zu entwickeln.

Andere Themen, die meine Arbeit bestimmen sind unter anderem die Fragen nach der Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft (im ScieCitizens Projekt), Medienkompetenzen, Methoden der Teilhabe (Educitizens), Critical Design Thinking (Co-Engage Projekt) oder Circular Economy (CircleVET Projekt) – also tatsächlich ein großer Blumenstrauß an Themen, die jeden der mit mir redet verwirrt zurücklässt.

Lernen - eine Neugier die nicht nachlässt

Das Gute ist, dass diese Vielfalt an Themen auch eine Vielfalt an Erfahrungen mit sich bringt. Ich höre niemals auf zu lernen und identifiziere mich mit dem lebenslangen Lernen, da meine Neugier bisher nie nachlässt.

Die Neugier bezieht sich auch auf die europäische Zusammenarbeit. Seit 2014 habe ich mit CRN jedes Jahr ein Erasmus Projekt gewonnen. Es hört sich nach Angeberei an, aber jedes Projekt heißt neue Partner, neue Länder, neue Themen. Der Austausch und die Zusammenarbeit, auch wenn sie manchmal ein Paar Herausforderungen bereithält, hat mich motiviert EPALE beizutreten, erst um passiv mitzulesen und dann Schritt für Schritt aktiver zu werden.

Warum bin ich EPALE Botschafter?

Es verwirrt immer noch viele, dass sie mich mit meiner Arbeit in der Erwachsenenbildung nicht in eine bestimmte Kiste stecken könne. Das ist aber genau einer der Gründe warum ich mich selber als EPALE Botschafter sehe.

Als Erstes glaube ich, es ist an der Zeit die informelle Erwachsenenbildung in Deutschland sichtbarer zu machen. Wenn ich beim nächsten Treffen die Fragen höre, wünsche ich mir ein besseres Verständnis für die spannende Arbeit, die viele auch hier auf EPALE machen.

Als Zweites verstehe ich mich selbst als Europäer und ich glaube daran, dass wir europäisch (und darüber hinaus) zusammenarbeiten müssen, um voneinander zu lernen, miteinander bessere Methoden zu entwickeln und die Erwachsenenbildung insgesamt voranzubringen.

Ich bin gespannt auf meine Zeit als EPALE Botschafter und wünsche mir viele Gespräche, Diskussionen und Inspirationen – denn wie gesagt, meine Neugier ist noch sehr groß und es gibt noch viel zu lernen.


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