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Blog

Ansprache und Sensibilisierung notwendig im Kontext von Literacy

31/08/2017
by Annette Requardt
Sprache: DE

Ein Blogbeitrag von Beate Bowien-Jansen und Monika Tröster

 

Die gezielte, breite Ansprache von potenziellen Teilnehmenden sowie die Sensibilisierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für ihre Rolle als Vermittler- und Vertrauensperson spielen beim Thema Literacy und Grundbildung eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die Gewinnung von Teilnehmenden stellt eine große Herausforderung dar. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen wie die „leo.-Studie“ und das „Alpha-Panel“ verweisen auf eine große Diskrepanz zwischen potenziellen und tatsächlichen Teilnehmenden an Grundbildungsangeboten und Alphabetisierungskursen. Das in der allgemeinen Erwachsenenbildung übliche, bloße Ausschreiben eines Kurses oder die Werbung mit Programmheften über Online-Datenbanken und Printmedien reichen nicht aus, um die Zielgruppe zur Teilnahme zu motivieren. Stattdessen sind mündliche Kommunikationskanäle vorrangig und es wird eine persönliche, direkte Ansprache empfohlen.

Für diese aufsuchenden und motivierenden Formen der Ansprache sind Personen aus dem sozialen und beruflichen Umfeld von potenziellen Teilnehmenden als Vermittler- oder Vertrauenspersonen besonders geeignet. Die Sensibilisierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren kann das Ziel haben, diese auf ihre Rolle als Vermittler- und Vertrauensperson vorzubereiten und auf deren „Brückenfunktion“ für den Zugang zu Bildungsangeboten hinzuweisen. Kurz gesagt: Eine Sensibilisierung kann „Türöffner“ dafür sein, sich mit dem Thema zu befassen und zukünftige Bildungsangebote zu entwickeln.

Ansprache und Sensibilisierung stellen deshalb national und international bedeutende Arbeitsfelder und Aufgabenbereiche dar,  um Literacy, Grundbildung und Alphabetisierung im gesellschaftlichen, betrieblichen und bildungspolitischen Kontext zu stärken. Das fordert auch die in Deutschland ausgerufene Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (www.alphadekade.de). Durch entsprechende Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitskampagnen wird dort der Themenbereich dauerhaft ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch international gilt „Awareness Raising“ als ein erster Schritt im Handlungskanon von Literacy wie beispielsweise im European Literacy Policy Network (ELINET)  

Vor diesem Hintergrund wurde  in den Projekten „Schuldnerberatung als Ausgangspunkt für Grundbildung. Curriculare Vernetzung und Übergänge“ (CurVe) und „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II) ein Sensibilisierungskonzept für Finanzielle Grundbildung entwickelt (www.die-curve.de). So konnten bundesweit insgesamt elf Sensibilisierungsworkshops durchgeführt werden, die sich an Personen richteten, deren beruflicher Alltag Verbindungen zum Themenfeld (Finanzieller) Grundbildung aufweist. Das sind zum Beispiel Mitarbeitende der Sozial- und Schuldnerberatung, Jobcenter und Arbeitsagenturen, Familienzentren und Kitas, Verbraucherbildung, Erwachsenen- bzw. Weiterbildung.

Dem Dreischritt „Bedarf erkennen – Ansprechen – Handeln“ folgend werden in den Workshops zunächst Wissen und Kenntnisse über das Themenfeld der (Finanziellen) Grundbildung vermittelt. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wird erarbeitet, was Hinweise für (Finanziellen) Grundbildungsbedarf sein können, wie ein solcher Bedarf identifiziert und im Beratungskontext angesprochen werden kann. Hierzu werden konkrete Gesprächshilfen zur Gestaltung von Beratungssituationen entwickelt. Weiterhin werden Unterstützungsmöglichkeiten, Lernangebote sowie die Vermittlung zu Weiterbildungseinrichtungen thematisiert. Bisher konnten die CurVe Workshops bundesweit über 220 Fachkräfte sensibilisieren, und erste Evaluationsergebnisse zeigen den erfolgreichen Transfer des Gelernten in den Berufsalltag. Insbesondere der interdisziplinäre Austausch und die Zusammenarbeit der Bereiche „Weiterbildung“ und „Soziale Arbeit“ haben sich als zielführend in der Sensibilisierung erwiesen und bieten neue Perspektiven für  die Ansprache und Unterstützung der potenziellen Teilnehmenden sowie für die Entwicklung innovativer Bildungsangebote.

 

Beate Bowien-Jansen ist Wissenschaftliche Assistentin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE),  im Projekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II), Abteilung „Programme und Beteiligung“.

Monika Tröster ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) und Projektkoordinatorin im Projekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II), Abteilung „Programme und Beteiligung“.

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