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Blog

Asylplus: Flüchtlinge brauchen die Möglichkeit zum Selbstlernen

23/03/2016
by Barbara HILLER
Sprache: DE
Document available also in: EN

Weitere Informationen

Asylplus
Webseite des Vereins mit Online-Akademie.

 

PDF iconComputerzentren: Anleitung zum Ausstatten von Arbeitsplätzen.pdf Informationen von Asylplus zum Einrichten von Arbeitsplätzen am PC.

 

"Mehr WLAN Hotpsots im öffentlichen Raum"
Webseite der Bundesregierung zur geplanten Änderung des Telemediengesetzes.

 

Zugang zum Netz – Freifunk stattet Flüchtlingsunterkünfte aus
 EPALE-Beitrag;
language: German

 

 

Autorin: Barbara Hiller

 

Das Tölzer Modell

Ein Computerzentrum in Bad Tölz bietet Geflüchteten die Möglichkeit selbst am Computer zu lernen. Die Idee hat Erfolg und andere Hilforganisationen und Kommunen greifen das Konzept auf. Waltraud Haase, pensionierte Mathematikerin und Computerlinguistin rief das Projekt im Frühjahr 2014 ins Leben. Zunächst stellte sie eine Blibliothek aus kostenlosen Lernprogrammen zusammen. Sie ist über die Akademie des Vereins Asylplus verfügbar. Die besten Hinweise stammen von den Flüchtlingen selbst, sagt sie.

Präsenz- und Selbstlernen kombinieren

Das Konzept des Tölzer Modells ist die Kombination von Online- und Präsenzlernen.

 

 

 

 

Waltraud Haase, Initiatorin und 2.Vorsitzende des Vereins Asylplus über das Tölzer Modell.


Ob ein Online-Ptogramm geeignet ist, stellt sich bei der täglichen Arbeit rasch heraus. Am beliebtesten sind Deutsch interaktiv, das Lernprogramm der  Deutschen Welle („einfach zu bedienen und man erhält sofort eine Rückmeldung“), book 2 vom Goethe-Verlag, Lingolia und Leo. Mit Leo kann man nicht nur Begriffe nachschlagen, sondern die Konjugationen von Verbformen lernen. Unabdingbar sind gute Übersetzungsprogramme für Arabisch, Urdu und Farsi; ebenso Erläuterungen zur deutschen Grammatik in diesen Sprachen.Deutschkurs und Selbstlernen nebeneinander im Computerzentrum in Bad Tölz

 Präsenzunterricht und Arbeitsplätze zum Selbstlernen in räumlicher Nähe im Computerzentrum in Bad Tölz. Bild: EPALE, NKS Deutschland.    

Inge Mair ist ehemalige Lehrerin und Kursleiterin für Geflüchtete in Bad Tölz. Sie legt  Wert darauf, den Deutschunterricht mit einem Kollegen zusammen zu erteilen. Auf diese Weite können auch Werte und Kultur, wie z.B. Gleichberechtigung der Geschlechter besser vermittelt werden. Inzwischen hat sie immer Spielzeug im Gepäck, damit sich die Kinder beschäftigen können, solange ihre Eltern Wortschatz üben und Sprechen und Schreiben trainiern. Das ist das Gerüst ihres Deutschunterrichts. „Zwei Stunden in der Woche Deutschunterricht sind natürlich zu wenig. Die Lernvoraussetzungen unserer Kursteilnehmer sind extrem unterschiedlich und die Gruppe setzt sich fast jede Woche anders zusammen. Wir versuchen zu differenzieren, das ist aber nur möglich, wenn wir zu zweit sind oder das computergestützte Lernen mit anbieten können“.

Es sind die Erfolgsgeschichten Einzelner, die davon überzeugen, dass Selbstlernen gerade für Flüchtlinge wichtig ist: Ein 17-jähriger Junge aus Afghanistan, der nie eine Schule besucht hat, bestand nach 4 Monten die Aufnahmeprüfung für die BU-Klasse (Vorbereitung für die Berufschule in Bayern). Eine 22 Jahre junge Mutter zweier Kinder, ebenfalls aus Afghanistan schaffte die externe Quali (Prüfung nach der 9. Hauptschulklasse) mit nur 3 Monaten Vorbereitung und befindet sich jetzt in einer Ausbildung zur Arzthelferin. Sie wurden von Lernbegleitern aus dem Kreis von Asylplus únterstützt. Ein 25 Jahre alter Somalier lernte täglich 3-4 Stunden Deutsch am PC und konnte dadurch nach 3 Monaten eine Stelle antreten. Sein Chef ist zufrieden mit seinen Deutschkenntnissen.

Das "How to"

Waltraud Haase ist überzeugte Autodidaktin und schwört auf das „how to“, auf das Finden von Lösungswegen."How to": Waltraud Haase, Initiatorin des Computerzentrums erklärt, wie Geflüchtete mit den Online-Programme arbeiten. 
Video: EPALE, NKS Deutschland (2,5 min)

Waltraud Haases Begeisterung ist ansteckend, und wer ihre Biographie kennt, versteht das noch besser. Die heute 66 Jährige besuchte sieben Jahre lang die Volksschule, die Mittelschule brach sie ab und absolviert dann eine Berufsausbildung als Industriekaufmann. Tatsächlich steht das genauso auf ihrem Gesellenbrief: Industriekaufmann. Nach einer Zusatzqualifikation in Bilanzbuchhaltung entschließt sie sich, das Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen, obwohl sie die notwendigen Voraussetzungen dafür eigentlich gar nicht vorweisen kann.

Später beginnt sie als diplomierte Mathematikerin bei einer, wie sie sagt, innovativen Behörde zu arbeiten und setzt durch, dass Großrechner ab- und kleine, persönliche Computer angeschafft werden - PCs eben. Noch heute kann sie sich darüber wundern, dass sie als Berufsanfängerin die Auseinandersetzung mit den Leitern von Großrechenzentren überstanden hat. An der Universität bildet sie sich weiter und belegt den Studiengang Info-Broking.

"Man kann alles in kurzer Zeit lernen, wenn man will“, sagt sie. Das ist ihr Credo, ihr Motto, und das traut sie auch anderen zu. Womöglich ist diese Haltung entscheidend für den Erfolg des Modells.

Computerzentren

Asylplus erhält viele Anfragen und unterstützt Gemeinden bei der Einrichtung von Computerzentren. Trotzdem gibt es zu wenige davon. Ein Grund dafür ist die im Gesetz verankerte Betreiberhaftung (auch:Störerhaftung). Begeht ein Nutzer über diesen Zugang einen Bruch des Urheberrechts, kann der Inhaber des Anschlusses herangezogen werden. Das das Gesetz die Verbreitung von öffentlichen WLANs verhindert, ist eine Änderung geplant. Siehe: "Mehr WLAN Hotpsots im öffentlichen Raum" (Webseite der Bundesregierung)

Zum anderen gibt es gerade in Flüchtlingsunterkünften keinen Zugang zum Internet. Zumal wenn sich diese weit entfernt vom nächsten Sendemast befinden. An öffentlichen Hotspots können Programme und Dokumente zwar aus dem Netz heruntergeladen werden, mit Online-Programmen in der Unterkunft zu arbeiten ist aber nur offlline möglich. Inzwischen hat sich das Netzwerk der Freifunker der Aufgabe angenommen und stattet Flüchtlingsunterkünfte mit WLAN aus. Dazu EPALE-Blog: Zugang zum Netz – Freifunk stattet Flüchtlingsunterkünfte aus.

Was bei Spenden von Computern zu beachten ist und wie man sie für ein offenes Zentrum konfiguriert, darüber gibt Asylplus gerne Auskunft. Einige Infos sind außerdem in folgendem EPALE-Beitrag zusammengefasst: Wie man ein Computerzentrum ausstattet.

Online Lernprogramme

Asylplus begrüßt es, wenn Online-Lernprogramme für Flüchtlinge weiterentwickelt werden, nicht nur für das Sprachenlernen, sondern auch für Schule, Berufsschule und Hochschule. Zum Beispiel wird die Deutsche Welle auf Anregung des Vereins eine mobile Variante ihres Lernprogramms "Deutsch interaktiv" herausbringen. Mit Online-Lernprogrammen alleine ist es aber nicht getan: auf die Verzahnung mit dem Präsenzunterricht kommt es an. Dazu sind Programme nötig, die zum Kurs passen und die Kursleiter sollten sie kennen. 

Damit die Verbreitung des Modells, also der Aufbau von Computerzentren und damit die Verbindung von Präsenz- und Online-Lernen bessere Chancen haben, würden es die Mitstreiter von Asylplus begrüßen, wenn das Projekt von einer Bildungseinrichtung oder einem Ministerium übernommen und professionell fortgeführt würde.

 

Barbara Hiller hat Agrarwissenschaften studiert und später an der britischen Fernuniversität einen Master in Education abgeschlossen. Ihr Interesse gilt besonders dem naturwissenschaftlichen Lernen. Sie ist Mitarbeiterin des Teams EPALE Deutschland und arbeitet in der Nationalen Agentur beim BIBB außerdem für das Förderprogramm Erasmus+.

 

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  • Bild des Benutzers Elena Galifianaki

    This is an extremely interesting post thank you for sharing it here.

    Remember next week EPALE is hosting Migrant Education Week 25-29 April (https://ec.europa.eu/epale/node/20789).

    There will be 3 LIVE discussions taking place on Tue 26th, Wed 27th and Thu 28th April (Experiences, Challenges and Solutions). Join in the discussions and share on social media with the hashtag #epale2016.

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    See you online next week!

    Eleni

  • Bild des Benutzers Marissa VAN DER VALK

    I very much like the examples from Germany given here. Maybe it's also interesting to take a look at how the Dutch use their Taalkit Dutch. There's an article on EPALE about it in Dutch and English. Here's the link to the English version:

     

    https://ec.europa.eu/epale/en/resource-centre/content/dutch-language-lea...;