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Informelle Lernprojekte für bürgerschaftliches Handeln

31/01/2017
by Tim Scholze
Sprache: DE
Document available also in: EN FR

Autor: Dr. Tim Scholze, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.​

Angesichts des allseits beobachtbaren Erstarkens populistischer und nationalorientierter Kräfte, begleitet von Wutbürgertum und postfaktischem Gefühle, lohnt der Blick auf praktisch sinnstiftende und daher unmittelbar begreifbare Projekte des Lebenslangen Lernens, die an den konkreten Problemen vor Ort ansetzen. Sie könnten jetzt gewünschte Nebenwirkungen entfalten.

In fast allen EU-Mitgliedsstaaten kommt es zurzeit zu einer Erstarkung populistischer und nationalorientierter Kräfte, die Angst vor Andersartigkeit und Fremdenfeindlichkeit verbreiten und mit ihrer Abschottungskultur zu einer Desintegration der europäischen Gesellschaften führen.

Derartige rechtspopulistische Tendenzen stellt man zunehmend dort fest, wo bürgerschaftliches Handeln für gemeinsame Ziele einer amorphen und undifferenzierten „Wutbürgerkultur“ gewichen ist, in der selbst die eigenen Interessen nicht mehr rational reflektiert werden und gemeinsame Werte und gemeinschaftliche Entwicklungen keine Rolle mehr spielen.

Dort wo bürgerschaftliche Kompetenzen wie Zusammenarbeit und Teamfähigkeit, interkulturelle Kommunikation, Konfliktmanagement und vor allem kritisches Denken und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel in den Hintergrund getreten sind, ist der Weg frei in die „postfaktische“ Gesellschaft.

Eine wesentliche Strategie zur Bewältigung der Herausforderungen liegt in begreifbaren Projekten des „Lebenslangen Lernens“ im direkten Umfeld der Menschen, die bedarfsorientiert und sinnstiftend an den konkreten Problemen vor Ort ansetzen.

Diese Bildungsprojekte sind im Wesentlichen „informell“, d.h. sie streben nicht nach Qualifikationen und haben teilweise kein explizites Bildungsziel.

Zu den sehr erfolgreichen Vorhaben dieser Art des Lebenslangen Lernens gehörte zum Beispiel das niederländische Bildungsprojekt „Can Do!“, in dem über Community Coaches („Gemeinschaftsberater“) die Menschen in Großstädten motiviert und begleitet wurden, eigene identitätsstiftende Projekte in ihren Problemvierteln zu organisieren. Hier planten und organisierten alt eingesessene, aber in prekären Verhältnissen lebende Niederländer/innen gemeinsam mit hinzugezogenen Menschen mit Migrationshintergrund eigene Aktionen – sei es um ihr Viertel schöner zu gestalten, gemeinsame Veranstaltungen zu schaffen oder einfach zusammen zu feiern. Mehr zum Projekt finden Sie hier.

Auch auf dem Land gibt es zahlreiche Initiativen des gemeinschaftlichen Lebenslangen Lernens, zum Beispiel den Projekthof Karnitz, der seit Jahren in multimedialen Kommunikationsprojekten Kultur und nachhaltige Entwicklung erlebbar macht, und zwar konsequent gemeinsam mit den Menschen aus der Region der Mecklenburger Seenplatte in Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden und Künstler/innen aus dem In- und Ausland. Mehr zum Projekt finden Sie hier.

Die Genossenschaft „Time for Society“ integriert bürgerschaftliches Handeln und soziales Engagement in informelle betriebliche Fortbildungsgänge großer Unternehmen und wird damit zum größten Anbieter für CSR (Corporate Social Responsibility Aktivitäten) in Belgien. Mehr zum Projekt finden Sie hier.

Der gesamte europäische Freiwilligensektor, organisiert beispielsweise im European Voluntary Service, bietet quasi einen Pool von Praxisprojekten des Lebenslangen Lernens in denen praktische, bedarfsorientierte Projekte mit aktivem bürgerschaftlichen Lernen verbunden werden.

Die Effekte dieser informellen Projekte des Lebenslangen Lernens sind enorm – sie lösen Probleme auf der praktischen Ebene, schaffen Integration, bauen Konflikte ab, bilden und sozialisieren unter anderem sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch Menschen in rechten Problemgebieten und fördern damit genau die bürgerschaftlichen Kompetenzen, die uns vor Populismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus schützen.

Es gibt unzählige Projekte des Lebenslangen Lernens in Europa. Sie sind effizient, sinnstiftend, direkt wirksam und integrierend, wie das BeLL Projekt (Benefits of Lifelong Learning) empirisch überprüft hat. Ihr einziger „Makel“ ist ihre fehlende „Formalität“, der dazu führt, dass dieser Bildungssektor nur eine schwache Lobby hat – und dementsprechend wenig finanzielle und strukturelle Unterstützung erhält.

Das Programm des Lebenslangen Lernens (PLL) war bis 2014 eine der wenigen Quellen europäischer Entwicklungsförderung dieser Projekte. Im Nachfolgeprogramm ERASMUS+ wird diese Möglichkeit fortgeführt – wenn auch nach wie vor auf relativ niedrigem Niveau im Vergleich zu den formalen Bildungssektoren der Schul-, Hochschul- und Berufsbildung. Nationale Förderungen setzen lediglich punktuell an, zumeist dann, wenn Probleme virulent und unübersehbar werden.

Das Lebenslange Lernen ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess von Individuen mit starken integrativen Effekten für bürgerschaftliche Gemeinschaften, das letztendlich dem Zusammenhalt unserer Gesellschaften dient.

Aus diesem Grund kommt den bürgerschaftlichen Projekten und Initiativen eine Bedeutung zu, die sich durchaus – und gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage in Europa und seinen Mitgliedsstaaten – auch in einer strategische Wertschätzung und einer angemessenen programmatischen und finanziellen Förderung niederschlagen sollte.

 

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