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"Volunteers4Europe": Freiwilliges Engagement und aktives Bürgertum in Europa

04/12/2018
by Ruth SCHMELZER
Sprache: DE
Document available also in: FR IT

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Erasmus+-Projekt Volunteers4Europe

Lesedauer: circa 4 Minuten

Freiwilliges Engagement in Europa

Freiwilliges Engagement und aktives Bürgertum sind zentraler Bestandteil einer pluralistischen  Zivilgesellschaft und einer starken Demokratie [1]. Nach dem Motto "Democracies need Volunteers!" bemühen sich vornehmlich demokratisch orientierte Länder um eine Zunahme des aktiven Bürgertums in der Bevölkerung, während sich anderorts immer noch viele Menschen mit einer Unterdrückung desselben in ihrer Heimat konfrontiert sehen. Im Oktober 2018 wurde dieser Umstand auf der IAVE Welt-Freiwilligenkonferenz in Augsburg mehrfach betont.   

Die Vorteile der Freiwilligentätigkeit wurden längst für die Bildung einer starken Europäischen Zivilgesellschaft erkannt. Die Kultur des freiwilligen Engagements ist bei weitem nicht in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft gleichermaßen ausgeprägt. Ein Hinweis vielleicht auf das unterschiedliche gesellschaftliche Zusammenleben, auf unterschiedliche Politik und Historie in unserer Gemeinschaft: die Praxis der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in Vereinen, in Kommunen und Verbänden, überhaupt die freiwillige, unentgeltliche Betätigung von Bürgerinnen und Bürgern im öffentlichen Raum ist unterschiedlich verankert. Während manche Länder eine lange Tradition organisierter, formaler Freiwilligentätigkeit besitzen, ist dies in anderen Ländern Europas eher ein neueres Phänomen. Entsprechend sind die geschätzten 92 bis 94 Mio. Erwachsenen in der EU (2011) [2], die im freiwilligen Sektor aktiv sind, recht unterschiedlich verteilt.

Initiativen zur Stärkung der Freiwilligentätigkeit

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Kochen für obdachlose Menschen
Seit dem Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 zeigt sich in der Organisation von Freiwilligentätigkeit mehr Kohärenz. Es wurden zahlreiche Initiativen und Programme gestartet, um den Anteil der freiwillig Engagierten unter der europäischen Bevölkerung zu erhöhen. Nicht nur die gesellschaftlichen Bereiche, in welchen freiwilliges, selbst oder institutionell organisiertes Engagement traditionell verankert ist, werben mit attraktiven Möglichkeiten um neue Helferinnen und Helfer (bottom-up), sondern auch neue Programme, Strukturen und Einrichtungen auf unterschiedlichen Ebenen schaffen bessere Voraussetzungen für Menschen, die sich freiwillig betätigen möchten (top-down).

Betrachtet man die Motive für Freiwilligentätigkeit, so stehen in Deutschland zum einen das persönliche Ansehen und der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen im Vordergrund, zum anderen die aktive Mitgestaltung der Gesellschaft, soziale Einbettung und persönliches Wohlergehen [3]. Um persönliches Engagement zu fördern zielen zahlreiche Programme und Initiativen auf die Verbesserung der Organisation und gezielte Anpassung an die Bedürfnisse und Interessen von Freiwilligen ab. Wer in Deutschland im In- und Ausland mithelfen möchte, kann sich über Angebote im Internet oder beispielsweise über kommunale Freiwilligenagenturen informieren und sich entsprechend anschließen. Doch freiwilliges Engagement ist keineswegs selbstverständlich. Die aktive Verbreitung von Informationen über die Möglichkeiten, gesellschaftlichen und persönlichen Vorteile und den Facettenreichtum des aktiven Bürgertums bilden ein wichtiges Instrument um die Menschen in Europa zu ermutigen und motivieren. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung stehen dabei junge und ältere Menschen im Fokus. Die Vermittlung von Freiwilligentätigkeit über formales Lernen, das üblicherweise in einer Bildungseinrichtung stattfindet, greift nur wenig. Da beim freiwilligen Engagement Faktoren wie Interesse an den Inhalten der Arbeit, Sinnhaftigkeit, Selbstentfaltung, Integration und Mitgestaltung eine wichtige Rolle spielen [4], werden Freiwillige oft über informelle Wege akquiriert, zum Beispiel über  Mund-zu-Mund Propaganda, direkte Ansprache über Vereine, Organisationen, Familienmitglieder und Freude. Auch intentionale oder inzidente Informationen im direkten Umfeld einer Person, z. B. über lokale Medien und Veranstaltungen führen zur Aufnahme einer freiwilligen Tätigkeit.

Und wie sieht es mit der Professionalisierung von Freiwilligenarbeit aus?

Immer mehr Organisationen, Verbände, Vereine, kirchliche und öffentliche Einrichtungen, die Ehrenämter organisieren, bieten auch Weiterbildungen für Ehrenamtliche an. Damit erhöhen sie die Qualität des ehrenamtlichen Beitrags und ermöglichen den Ehrenamtlichen eine zusätzliche Qualifikation. So bietet beispielsweise eine Akademie der Caritas Seminare zum Thema Demenz, Interkulturalität, Erste Hife oder Kommunikationsgestaltung mit traumatisierten Menschen an. Qualifikationen, die Freiwillige in sozialen Bereichen dringend benötigen. 

Auch manche Stiftungen organisieren Freiwilligentätigkeit und bieten dazu Weiterbildungsmöglichkeiten: so organisiert die BürgerStiftung München Freiwillige, die sich in Paten- und Mentoringprojekten für Schüler und Flüchtlinge engagieren können. Ein kostenloses Vorbereitungsseminar führt die Freiwilligen an das Thema heran.

Bei vielen Ehrenamtsbörsen, Freiwilligenagenturen und Kontaktstellen von Kommunen gehören Weiterbildungsangebote, Fortbildungen sowie Seminare für ehrenamtlich engagierte Menschen zum Service.

Für bestimmte freiwillige Tätigkeiten sind Fachkenntnisse unumgänglich. Die Weiterbildung im Hospizwesen gehört ebenso dazu wie die Weiterbildung von Rettungshundeführern des Deutschen Roten Kreuzes. Die ehrenamtlichen Rettungshundeführer müssen eine Sanitätsausbildung, Kenntnisse in Erster Hilfe für den Hund, Kompass- und Kartenkunde sowie einen Funklehrgang absolvieren.

Um Freiwilligentätigkeit noch mehr in das Bewußtsein einer breiten Bevölkerungsschicht zu tragen, sind weitere Maßnahmen der Verbreitung notwendig.

Das Erasmus+-Projekt Volunteers4Europe

So bietet auch das EU-Programm Erasmus+ Möglichkeiten, das Freiwillige Engagement im Rahmen von Strategischen Partnerschaften in der Erwachsenenbildung aufzugreifen. Das Projekt "Volunteers4Europe" (2018-1-DE02-KA204_005012), das im September 2014 startete, sei an dieser Stelle beispielhaft genannt.

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Logo Volunteers4Europe
Projektpartner aus Deutschland, Estland, Frankreich, Italien und Schweden dokumentieren mit Fotoreportagen interessante Beispiele von Freiwilligentätigkeit in ihrem Land. Über die Sprache der Bilder versuchen die Projektpartner Menschen aller Altersgruppen zu erreichen: sie nutzen Ausstellungen, um interessante Freiwilligentätigkeiten aus den beteiligten Ländern an ein breites Publikum heranzutragen, sie zu interessieren und zu motivieren. Über Gespräche und Präsentationen können darüberhinaus die gesellschaftlichen und persönlichen Vorteile des aktiven Bürgertums und freiwilligen Engagements thematisiert werden. Mit einem internationalen Webinar, das die Ergebnisse des Projektes resümiert, möchten die Projektteams die Menschen online erreichen.

Um die Nachhaltigkeit des Projektes zu stärken, werden die Informationen in einem kostenlosen E-Book (OER) zusammengefaßt. Eine Projekt-Homepage informiert über die Inhalte, Aktivitäten und Events während der zweijährigen Projektlaufzeit. Bereits in der Anfangsphase des Projektes zeichnet sich ab, wie offen und begeistert freiwillig engagierte Menschen über ihre Tätigkeiten berichten, was auf eine der wichtigsten Eigenschaften freiwilligen Engagements schließen lässt: die Motivation.

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Die Strategische Partnerschaft "Volunteers4Europe" wird unter der Ägide der Europäischen Fotoakademie ArtWebDesign aus Rastatt durchgeführt. Das Projektmanagement sowie die Öffentlichkeitsarbeit für nationale und europäische Projekte liegt dabei hauptsächlich in den Händen von Dr. Ruth Schmelzer.


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Quellenangaben

[1] Roß, Paul-Stefan 2012: Demokratie weiter denken. Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, S. 591

[2] GHK Study 2010, S. 7.

[3] Wehner, Theo 2017: Einblicke in das Ehrenamt: eine gesellschaftsrelevante Betrachtungsebene, aus:  Infas, Lagemaß 05 | 06.2017, S. 7.

[4] Roß, Paul-Stefan 2012: Demokratie weiter denken. Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, S. 34 ff.

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