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Blog

Validierung von Kompetenzen aus der Freiwilligenarbeit - europäisches Teambuilding inklusive!

01/06/2018
by Karin Drda-Kühn
Sprache: DE
Document available also in: EN SL IT

Originalsprache: Deutsch

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Erfahrungsbericht zum Projekt ValCoVol

Die Idee für die Umsetzung eines Validierungsprojekts für Kompetenzen aus der Freiwilligenarbeit entsprang unter dem Eindruck der engagierten Freiwilligenarbeit für tausende Flüchtlinge, die Europa 2015 und 2016 erreichten. Die Projektergebnisse stehen nun der Fachöffentlichkeit zur Verfügung – mindestens ebenso wertvoll sind die kooperativen und menschlichen Erfahrungen, die das europäische Projektteam machen konnte.

Ich erinnere mich sehr genau an den Julitag 2016, als wir die Förderzusage für ein ERASMUS+ K2-Vorhaben zum „Austausch guter Praxis“ erhielten. „Wir“, das waren damals 12 Bildungsexpert/innen aus sechs europäischen Einrichtungen in Deutschland, Österreich, Slowenien, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Italien. Teils kannten wir uns, teils hatten wir uns über Internet-Recherchen gefunden. Uns einte die Freude über die großartige Möglichkeit, uns 18 Monate einem Thema zu widmen, das wir unter dem Eindruck der Freiwilligenarbeit für den Flüchtlingsstrom, der Europa 2015 und 2016 erreichte, als immens wichtig ansahen. Hinter dem Projektnamen ValCoVol - Validation of Competences Acquired in Volunteering verbarg sich unser fester Wille, für all diejenigen, die sich in der Freiwilligenarbeit engagieren, einen Mehrwert aus informellem und non-formalem Lernen zu schaffen.

Heute, rund 22 Monate später, sind wir stolz auf unsere Arbeitsergebnisse (deren Erstellung uns manche Freiwilligenarbeit abgerungen hat), und die persönlichen Beziehungen, die entstanden sind, gehen weit über das hinaus, was sich sonst „Zusammenarbeit“ nennt.

Was also ist in 18 Monaten passiert, was kann unser Projekt nun auch anderen Einrichtungen anbieten?

Auf der ValCoVol-Plattform gibt es nun erstmalig einen Überblick über Projekte, Initiativen und Methoden zur Validierung von nicht-formalem und informellem Lernen in der Freiwilligenarbeit. Diese wurden in 39 „Guten Beispielen“ identifiziert und zeigen ganz unterschiedliche Instrumente, Modelle und Systeme.

Ein Online-Forum dient der Vernetzung, zum Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren. Es schafft Zugang zu verschiedenen interaktiven Online-Foren, darunter auch EPALE als mehrsprachiges Austauschforum der europäischen Erwachsenenbildung, das einen eigenen Bereich zum nicht-formalen und informellen Lernen bietet. Zusätzlich empfiehlt das ValCoVol-Team den Einsatz weiterer elektronischer Tools: Auf der rechten Seite der Plattform findet sich Zugang zu zwei Kommunikationstools - Google Translate und Skype Translator - einschließlich eines Videos mit einer Anleitung zur Nutzung von Skype Translator. 

Eine leicht anpassbare Vorlage ("Key Competences Template") identifiziert in sechs europäischen Sprachen Kompetenzen von Freiwilligen, anstatt sie zu beschreiben. Diese Vorlage kann von Freiwilligenorganisationen und Freiwilligen gemeinsam ausgefüllt werden. Die Vorlage gibt Arbeitgeber/innen aussagekräftige Informationen über die Kompetenzen von Bewerber/innen, die in der Freiwilligenarbeit erworben wurden.

Dort findet sich auch eine vom ValCoVol-Team für gut befundene weitere Vorlage des österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (nur in deutscher Sprache).

Ein so genanntes „Weißbuch“ ("White Book for recognition of competences acquired through volunteering") gibt einen Überblick über die aktuelle Situation in den Partnerländern und präsentiert die Initiativen, Projekte und Materialien mit Erläuterungen in den sechs Sprachen der Partnerschaft.

Was hat uns besonders beeindruckt?

Der slowenische Partner INTEGRA und der slowakische Partner QUALED konnten aus dem nationalen Kontext sehr viele gute Beispiele beisteuern, die alle anderen Partner inspirierten – und auch staunen ließen, was es in der Validierung informeller und non-formaler Kenntnisse bereits gibt und wie es funktioniert. Besonders beeindruckend war, dass im slowenischen Bildungssystem bereits ab der Grundschule Schüler/innen über ihre freiwilligen Aktivitäten Buch führen und dass diese Dokumentation lebenslang mit Bezug zum Arbeitsleben fortgeführt wird. Dies hat alle Mütter und Väter unter uns begeistert!

Die deutsche Einrichtung Kultur und Arbeit und die österreichische Einrichtung ECC konnten aus ihren Ländern zwar viele Beispiele beitragen, doch der Durchbruch zur formellen Validierung zeichnet sich noch nicht ab.  

Lernende Partner waren in diesem Zusammenhang vor allem die tschechische Einrichtung KTP und die italienische Einrichtung LiberEtà del Fvg.

Wie bewerten wir selbst unsere Projektergebnisse?

Wir verstehen unser ValCoVol-Projekt als Signal an die Fachöffentlichkeit, dass inhaltlich am Thema gearbeitet wird und die Zertifizierungsbemühungen für informelles und non-formales Lernen weiter gehen müssen. Damit treten wir für flexible und durchlässige Lern- und Lebenswege und für die Förderung der Vielfalt in der nicht-formalen Bildung ein. Unser Projekt zeigte nicht zuletzt, dass wir unvermindert an der Verbesserung des Zugangs, der Beteiligung und der Leistung benachteiligter Lernender zur Arbeitswelt arbeiten müssen. In allen unseren „Guten Beispielen“ ging es letztlich um eine Verbesserung von Basis- und Querschnittskompetenzen, da Freiwilligenarbeit eine typische Form der nicht-formalen Bildung unabhängig von Alter, sozialem Status und Bildungsniveau ist.

Wir als Partnerschaft und als Menschen haben von ValCoVol immens profitiert…

Durch die zahlreichen (neuen) Kontakte auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene konnten sich unsere Einrichtungen weiter bekannt machen und damit als künftige Projektpartner anbieten. Wir haben unsere Expertise erweitert, kommuniziert und dokumentiert. In der Partnerschaft haben wir uns kennen und schätzen gelernt, es sind Freundschaften entstanden. Unsere Partnerschaft hatte nach Projektende das Gefühl, dass wir erst am Anfang der eigentlichen Möglichkeiten aus dem Projekt stehen:

  • Die guten Beispiele aus Slowenien und der Slowakei verdienen eine weitere Verbreitung, nicht zuletzt auch um zu zeigen, wie mit den Kompetenzen aus informellem und non-formalem Lernen umgegangen werden kann im Sinne der laufenden Diskussionen um die Abnahme der Freiwilligenarbeit.
  • Gerne würden wir die Schlüsselkompetenzen-Vorlage noch mehr mit Unternehmer/innen diskutieren und deren Einschätzung dazu erfahren. Zwar haben erste solcher Gespräche stattgefunden, aber wir wünschen uns hier einen systematischen Einsatz im Sinne einer Verbreitungsstrategie über die Industrie- und Handelskammern der Partnerländer, über Unternehmervereinigungen, über die zahlreichen Unternehmerinnen-Initiativen.
  • Wir würden uns mit den erarbeiteten Materialien gerne in die öffentliche Diskussion in Deutschland um Fachkräftemangel einbinden: Wenn informell und non-formal erworbene Kompetenzen mehr (und in Österreich und Deutschland vor allem auch über ein anerkanntes Zertifizierungsverfahren) Berücksichtigung finden würden, sehen wir darin auch ein Instrument, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Einziger Wermutstropfen: Unser Projektende mit all den notwendigen administrativen und inhaltlichen Abwicklungen fiel genau mit dem Antragstermin für die Runde 2018 im ERASMUS+-Programm zusammen. Die Kapazitäten der Partnerschaft reichten nicht aus, parallel zum Projektende auch einen Antrag für eine Strategische Partnerschaft für ein Innovationsprojekt zu stellen. Das holen wir nach, denn: never change a winning team!

Zur Autorin: Karin Drda-Kühn ist Geschäftsführerin von Kultur und Arbeit e.V. (Bad Mergentheim) und Koordinatorin des ERASMUS+-Projekts „ValCoVol – Validation of Competences Acquired in Volunteering“. Als eine der „European Ambassadors for Female Entrepreneurship“ findet sie es ganz besonders wichtig, dass Qualifikationen aus der Freiwilligenarbeit auch auf dem Arbeitsmarkt Berücksichtigung und Anerkennung finden.


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