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Wie Freiwillige im Sprachunterricht für Migrant/innen eingesetzt werden können

20/12/2018
by EPALE Österreich
Sprache: DE
Document available also in: EN SL CS EL

/epale/de/file/migrant-learnersMigrant learners

Migrant learners

Lesedauer: ca. 5 Minuten

David Mallows erörtert die Rolle von Ehrenamtlichen bei der Vermittlung von Sprachkenntnissen für Migrantinnen und Migranten und untersucht das VIME-Projekt als Beispiel guter Praxis.

In der globalisierten Welt von heute ist die Migration unbestreitbare Tatsache in unserer Gesellschaft. Migrantinnen und Migranten sind entscheidend für die Zukunft vieler europäischer Länder. Ohne sie ließen sich die Lücken auf dem Arbeitsmarkt nicht schließen oder könnte kein Ausgleich im Abwärtstrend der Geburtenraten geschaffen werden. Um ihre vollständige Integration zu fördern und soziale Ausgrenzung zu vermeiden, sollten Migrantinnen und Migranten dabei unterstützt werden, am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben partizipieren zu können. Die Sprache des Gastlandes zu erlernen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine solche Partizipation. Sprachunterricht spielt daher eine zentrale Rolle. Ohne ausreichende Kenntnisse in der Sprache des Gastlandes stehen Migrantinnen und Migranten bei der Integration vor größeren Hindernissen. Darüber hinaus sind ihre ökonomischen Chancen geringer und sie verursachen höhere gemeinwirtschaftliche Kosten, etwa im Gesundheitswesen oder in den Sozialsystemen ebenso wie in den Bereichen Bildung, strafbare Delikte und kommunale Verwaltung.

Um den Bedarf an Sprachunterricht für Migrantinnen und Migranten zu decken, sind mehr ausgebildete Sprachtrainer erforderlich. Angesichts dieses enorm hohen Bedarfs und beschränkter nationaler Budgets im Bildungswesen sind allerdings eventuell neue Denkansätze bei der Vermittlung von Sprachkenntnissen für erwachsende Migrantinnen und Migranten gefordert, die über die klassischen Unterrichtsformen hinaus gehen. Ehrenamtliche können eine wichtige Rolle als unterstützendes oder ergänzendes Element im formalen Sprachunterricht für erwachsene Migrantinnen und Migranten einnehmen.

Über Maßnahmen auf systemischer Ebene und die aktive Einbindung von Mitgliedern der Gesellschaft vor Ort können wir einen positiven Kreislauf schaffen: Migrantinnen und Migranten werden durch den Einsatz der Sprache besser in ihr neues soziales Umfeld integriert, während die Interaktion mit der Gesellschaft des Gastlandes ihre Kompetenzen in der Gastsprache fördert.

Wie können Ehrenamtliche dazu beitragen, diesem zunehmenden Bedarf gerecht zu werden, und wie können wir die Qualität und Effizienz ihrer Arbeit sicherstellen?

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden immer wichtiger, um den Bedarf an Lehrkräften im Sprachunterricht für erwachsene Migrantinnen und Migranten decken zu können. Sie können eine kosteneffektive Lösung darstellen, mit der die Qualität und Effektivität bei der Vermittlung von Sprachkenntnissen verbessert werden kann. Erwartet man allerdings von Ehrenamtlichen, Maßnahmen zur Vermittlung von Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen für diese äußerst komplexe Gruppe von Lernenden eigenständig zu erbringen, wird dies kaum zu einem erfolgreichen Lernergebnis führen. Stattdessen sollten Ehrenamtliche darin trainiert werden, eine Reihe unterschiedlicher Rollen im Sprachvermittlungsprozess zu übernehmen, wo mit ihrem Beitrag ein enorm hoher Mehrwert geschaffen werden kann.

Entscheidend ist eine wirklich funktionierende Zusammenarbeit zwischen den professionellen Lehrenden und Ehrenamtlichen aus den jeweils zuständigen Organisationen. Die Beziehung zwischen den beiden Gruppen ist jedoch häufig nicht einfach. Oft sind die Rollen nicht klar definiert, was zu einem gegenseitigen Misstrauen auf beiden Seiten führt und eine gute Zusammenarbeit behindert. Werden die Aktivitäten von Ehrenamtlichen angemessen koordiniert und auf die Arbeit professioneller Lehrender abgestimmt, kann ein konsistenter, stimulierender und effektiver Lernpfad zur Vermittlung von Sprachkenntnissen für erwachsene Migrantinnen und Migranten geschaffen werden.

Eine der Maßnahmen angesichts der bestehenden Situation besteht im verstärkten Einsatz von Ehrenamtlichen, um erwachsene Migrantinnen und Migranten dabei zu unterstützen, die Sprache der Gastgesellschaft zu erlernen und einzusetzen. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer können einen wertvollen Beitrag beim Erwerb von Sprachkompetenzen sowie bei der sozialen Integration erwachsener Migrantinnen und Migranten leisten, indem sie diesen die Gelegenheit zur praktischen Anwendung ihrer Sprachkenntnisse bieten. Dafür müssen die Rollen, die Kompetenzen sowie die Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen den professionellen Lehrenden und den Ehrenamtlichen innerhalb der Bildungsorganisationen klar definiert sein. Fehlen einheitliche Richtlinien, wird sich die zunehmende Zahl an ehrenamtlichen Kräften wahrscheinlich negativ auf die Qualität bei der Vermittlung von Sprach-, Lese- und Schreibkenntnissen auswirken.

Welche Maßnahmen unterstützen bestmöglich das Erlernen von Sprache bei Migrantinnen und Migranten?

Im Rahmen des Erasmus+ VIME-Projekts wurden drei Bereiche identifiziert, in denen das Erlernen von Sprache im Umfeld von Migrantinnen und Migranten erleichtert werden kann.

  • Engagement im sozialen Rahmen, wie gemeinsame Aktivitäten in Kochclubs, bei der Gartenarbeit, im Chor oder beim Sport, können wichtige Unterstützung beim Erwerb von Sprachkenntnissen für erwachsene Migrantinnen und Migranten bieten. Diese Aktivitäten verfolgen nicht explizit das Ziel eines Sprachunterrichts, bieten aber die Gelegenheit zur praktischen Anwendung der Sprachkenntnisse und fördern ein soziales Miteinander sowie kulturelle Integration.
  • Engagement im Rahmen informeller Schulungen kann zwar im Unterrichtsraum erfolgen, ist aber nicht Teil des formellen Systems und Qualifikationsrahmens. Hier bietet sich mehr Raum für eine flexible Vermittlung von Sprache. Solche Aktivitäten gehen häufig von kleineren Gemeinschaftsorganisationen aus.
  • Beim Engagement im Rahmen formaler Schulungen leitet eine qualifizierte Lehrkraft das Lernen in der Gruppe an, was in eine anerkannte Qualifikation als Teil eines formalen Bildungswegs mündet. In allen drei Bereichen leistet ein solches Engagement einen wertvollen Beitrag beim Erlernen von Sprachkenntnissen bei Lernenden mit Migrationshistorie. Die im Rahmen des VIME-Projekts von Erasmus + gesammelten Daten zeigen allerdings, dass diese drei Bereiche nur unzureichend miteinander verknüpft sind. Viele Lernenden sind nur in einem der Bereiche aktiv, und zwar nur deshalb, weil es sich zufällig so ergeben hat, dass sie von einer bestimmten Organisation innerhalb dieses Bereichs „rekrutiert“ wurden, und nicht, weil ebendiese Art von Aktivität in diesem Bereich am besten zu ihren Lernanforderungen passt. Einige Lernenden sind in mehr als einem Bereich aktiv, aber es besteht kaum eine Verbindung zwischen dem, was sie in dem einen oder dem anderen Bereich tun.

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass die für Bildungsfragen verantwortlichen Personen die Lernwege so miteinander verknüpfen, dass Aktivitäten aus mehr als einem dieser Bereiche eingebunden werden. So wird das Lernpotenzial maximiert und erwachsene Migrantinnen und Migranten erhalten bestmögliche Unterstützung bei der Erlangung von Sprachkompetenzen aus dem Gastland.

Welche Rollen können Ehrenamtliche beim Erlernen von Sprache bei Migrantinnen und Migranten einnehmen?

Das VIME-Projekt beschreibt vier unterschiedliche Rollen.

  • Sprachassistentinnen und -assistenten sind im Schulungsraum tätig und bieten Einzelnen oder kleinen Gruppen zusätzliche Unterstützung. Ihre Arbeit mit den Lernenden wird von den Trainerinnen und Trainern im Unterrichtsraum koordiniert. Sie sollen die im Unterricht vermittelten Sprachkenntnisse verfestigen und den Einsatz in der Praxis trainieren oder bestimmte Aspekte der zu erlernenden Sprache in den Mittelpunkt rücken, die von den Lehrenden als Bereiche mit Verbesserungsbedarf identifiziert wurden.
  • Sprachcoaches sind im Gegensatz zu den Sprachassistentinnen und -assistenten nicht direkt an den Unterrichtsraum gebunden. Sie sind stattdessen beim Lernenden Zuhause, im öffentlichen Raum oder einem Gemeinschaftsort tätig, um Einzelpersonen oder kleine Gruppen zu unterstützen.
  • Der Schwerpunkt von Sprachbuddies bzw. Sprachhelferinnen und -helfern liegt in der sozialen Unterstützung. Sie bieten eine Anlaufstelle für relevante Fragen, indem sie beispielsweise beim Verständnis offizieller Schriftstücke oder Ausfüllen von Formularen Hilfestellung leisten. Sie können den lernenden Migrantinnen und Migranten auch im Rahmen der täglichen Alltagsroutine zur Seite stehen.
  • Sprachchampions befassen sich nicht unmittelbar mit der Verbesserung von Sprachkenntnissen von Migrantinnen und Migranten. Stattdessen sind sie aktiv daran beteiligt, diese in Erwachsenenbildungsmaßnahmen für den Erwerb von Sprachkompetenzen einzubinden. Dazu können Öffentlichkeitsarbeit und Informationsinitiativen gehören, aber auch Kampagnen- und Lobbytätigkeiten, um angemessene Angebote entwickeln oder bessere Hilfsmittel und personelle Unterstützung zur Verfügung stellen zu können. Sprachchampions können auch auf kommunaler Ebene mit dem Gastland zusammenarbeiten, um als Teil eines gegenseitigen Integrationsprozesses Hilfestellung zu leisten.

Im Rahmen des VIME-Projekts wurde eine Reihe von Trainingsmodulen für jede Rolle entwickelt, die Ehrenamtliche übernehmen können. Diese lassen sich an die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen anpassen. Weitere Ressourcen umfassen einen praktischen Leitfaden und ein Rahmenwerk mit einer detaillierten Modellbeschreibung. Um mehr über das VIME-Projekt zu erfahren und die Ressourcen herunterzuladen, besuchen Sie die Website des Projekts.


David Mallows besitzt 30 Jahre Erfahrung als Lehrer, Ausbilder, Manager und Forscher der Erwachsenenbildung. Er war früher Direktor der Forschungsabteilung am nationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum für Erwachsenenbildung am UCL-Bildungsinstitut London und vertritt zurzeit als thematischer Koordinator für Lebenskompetenzen das European Basic Skills Network auf der EPALE-Plattform.

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  • Bild des Benutzers halil ibrahim kılınç
    Türkiye'de hızla artan mülteci sayısı devletin yapacağı hizmetlerin hızını düşürüyor. Devletin her mülteciye ulaşması zaman alıyor. Ama mahalle muhtarları ve sivil toplum kuruluşları halkı yönlendirerek, mültecilere birer yaşam koçu görevi yapacak insanlar bulabilir. Bu yaşam koçları mültecilere yapacakları işleri, yardım alabileceği kurumlara nasıl ulaşabileceklerini öğretebilirler. Dil eğitimi konusunda yetişkinlere eğitim veren kurumlara yönlendirebilirler. Dil eğitimi sırasında mültecilerle konuşarak onların yeni dil öğrenmesini hızlandırabilirler. 
     Biz de Sığarız! projemiz kapsamında mahallelerimizdeki kursların öğretmen ve öğrencileri ile birlikte o çevrede yaşayan mültecileri muhtarlar yardımıyla tespit edip, onlara gönüllülük esasına göre rehberlik hizmeti vermeye çalışıyoruz. 
      Biz de Sığarız! Erasmus+ projemiz ile mülteciler ile yerel halkın entegrasyonunu sağlamaya çalışıyoruz. Mültecilerin dil öğrenimini kolaylaştırmaya çalışıyoruz. Böylece mültecilerin uyum sorununun çözümü kolaylaşacak ve mülteciler topluma entegre olup, mutlu bireyler olarak yaşamlarına devam edecekler.