chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Ein kurzer imaginärer Dialog über das Thema Ausbildung am Arbeitsplatz

19/04/2019
by Camille POIRAUD
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

 

/epale/de/file/shutterstock253495489jpgshutterstock_253495489.jpg

Et si les formations en situation de travail (FEST) nous conduisaient à repenser la formation ?

[Übersetzung Französich - Deutsch : EPALE France

Autorin : Anne-Lise Ulmann]

 

 

L: ...Weißt du, Ausbildungen am Arbeitsplatz hat es schon immer gegeben, aber wie M. Jourdain, der Prosa machte, ohne sich dessen bewusst zu sein, hat niemand wirklich darauf geachtet. Wenn man jedoch hinhört, wie Menschen lernen, dann stellt man fest, dass sie im Wesentlichen bei der Arbeit und durch die Arbeit gelernt haben.

E: Ja, und?

L: Sollte nicht ergründet werden, wie die lehrende Wirkung der Arbeit funktioniert und welche Folgen dieses Lernen hat, um die Ausbildung zu überdenken? Das frz. Gesetz über die berufliche Weiterbildung eröffnet neue Perspektiven zur besseren Förderung der Ausbildung am Arbeitsplatz.

E: Warum?

L: Weil die Grundlage dieses Gesetzes eine Logik der Ergebnisse und nicht mehr eine Logik der Mittel ist.

E: Aber was bedeutet das für die Ausbildung?

L: Das bedeutet, dass auch wenn ein Teil der gesetzlichen Ausbildungspflicht[1] wegfällt, die berufliche Entwicklung der Mitarbeiter nach wie vor ein Anliegen ist. Unternehmen müssen daher durch das Mitarbeitergespräch nachweisen, dass ihre Mitarbeitenden entweder in Bezug auf ihre Fähigkeiten oder ihrer Karriere weiterentwickelt haben... Sie müssen zeigen, dass die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden auch ohne steuerliche Verpflichtung nicht vergessen wird.

E: Eigentlich haben wir also nicht mehr Freiheit als vorher!

L: JA und NEIN! JA, es bietet mehr Freiheit: Die Unternehmen müssen nicht mehr in Ausbildungen investieren, wenn sie keinen Nutzen bringen. Also keine Kurse mehr, nur um das Ausbildungsguthaben aufzubrauchen! Alle haben sich über diese unsinnigen Ausgaben beschwert und jetzt ist es soweit, die Unternehmen sind nicht mehr dazu verpflichtet! Sie mögen bei den Ausgaben für Weiterbildung auch jetzt noch keine freie Hand haben, dafür zählt nun aber die Relevanz.

NEIN, die Aufhebung der steuerlichen Verpflichtung kann keine völlige Freiheit bedeuten! Die Leistung eines Unternehmens hängt stark davon ab, wie die Mitarbeitenden sich einbringen und ihre Arbeit verrichten, ihre Entwicklung ist also nicht zweitranging. Die Befreiung von der steuerlichen Verpflichtung bedeutet nicht nur Freiheit! Sie schafft eine neue Einschränkung: Das Unternehmen muss nachweisen können, dass es die berufliche Entwicklung der Mitarbeitenden weiter im Auge behält, indem es ihnen insbesondere die Möglichkeit einräumt, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und neue Befähigungen zu erwerben.

E: Wie machen wir es dann?

L: Hier wird das Gesetz bewirken, dass man sich genauer ansieht, wie wir durch die Arbeit und bei der Arbeit lernen.

E: Aber das ist völlig neu...

L: Ja, und nein... Bist du noch nie Mitarbeitern begegnet, die über eine Validierung des Erfahrungswissens nachgewiesen haben, dass sie während der Arbeit neue Fähigkeiten erworben haben?

E: Doch, natürlich.

L: Verstehen zu wollen, wie Arbeit uns etwas lehrt und wie man am Arbeitsplatz ausgebildet werden kann, ist kein ganz neuer Ansatz. Wir werden nicht umhinkommen, uns intensiver mit dem zu befassen, was bei der Arbeit konkret abläuft und wie man lernt, was man zu tun hat.

E: Eines steht fest — das Arbeiten lernen wir nicht in einem Kurs... Wenn ich zum Beispiel nicht diesen einen Kollegen gehabt hätte, der...

L: Im Grunde denkst du also wie ich? Vielleicht wird man endlich aufhören, an der Vorstellung festzuhalten, dass Lernen und Weiterbildung nur durch Kurse möglich sind.

E: Hoffen wir es!

L: Da sind wir uns einig! Was wäre, wenn die Ausbildung am Arbeitsplatz uns dazu bringt, die Berufsausbildung zu überdenken? 

Anne-Lise ULMANN ist Dozentin am CNAM und EPALE Themenexpertin. 


[1] In Frankreich entspricht die gesetzliche Verpflichtung einem Prozentsatz der Lohnkosten, die alle Unternehmen für die Ausbildung ihrer Mitarbeiter aufwenden müssen. Wenn die Unternehmen beschlossen, diesen Betrag nicht für die Ausbildung auszugeben, ging er an den Staat zurück.

Schlagwörter:
Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+ Share on LinkedIn
Refresh comments Enable auto refresh

1 - 6 von 6 anzeigen
  • Bild des Benutzers Jean Vanderspelden

    Merci pour ce partage ; Le sigle FEST, porté par la DGEFP, est peut être un rappel pour que le lieu de travail, le lieu de production, le lieu ou les espaces des interactions porfesionnele soient aussi intégrés dans les nouvelles modalités de mise en oeuvre la formation TLV ; les formations multimodales ou FOAD, telles que le prévoit la réforme de la formation professionnelle de 2014, et en particulier le décret sur la FOAD.

  • Bild des Benutzers Thierry Ardouin

    Merci pour ce dialogue sans doute pas si imaginaire. Effectivement la Formation en Situation de Travail (FEST) invite à la réflexion et questionne la formation, tant au niveau individuel de notre rapport  à la formation, tant au niveau des dispositifs d'apprentissage, et surtout son intégration dans la logique plus large de le Formation Tout au long de la Vie (FTLV). Cela interroge aussi les lieux et les temporalités de la FTLV. Dans ce contexte et ses évolutions,avec les risque de confusion, il est de plus en plus important de dire la formation, c'est à dire de chercher à utiliser les termes les plus justes au regard de la diversité des situations. Alors : "Formation, dis moi qui tu es?"

     

  • Bild des Benutzers Simon BROEK

    DearAnne-Lise, I would be more than happy to comment on your article. Is there any way to receive it (hopefully in English)? Thanks!

    Simon

  • Bild des Benutzers Hélène Paumier

    Dear Simon, 

    The new article about Workplace Learning written by AnneLise is available here : https://ec.europa.eu/epale/node/24235

  • Bild des Benutzers Anne-lise Ulmann

    Cher Simon Broek,

    Thank you for your comments on my blog. Making a student working environment is actually a very sensitive issue. I have just published an article about this because it is important to differentiate between learning in work through the exercise of the activity and learn the job of developing a reflexive analysis on its own activities.

    I would enjoy having your comments on this.

  • Bild des Benutzers Simon BROEK

    Dear Anne-Lise,

    Thanks for your interesting blog. I especially liked the idea that it firmly states that the working environment is at the same time a learning environment. It is therefore very interesting to think about what are the conditions to make the working environment a stimulating learning environment. These conditions concern a variety of aspects such as the diversity of work tasks people conduct; possibilities for informal exchanges with colleagues; incentives and motivations for learning (career progression); recognition of acquired skills and competences, etc.