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Roma und die Validierung von Kompetenzen

27/05/2019
by Ronald SCHÖNKNECHT
Sprache: DE
Document available also in: EN RO

Lesedauer circa 4 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


ROMINKO I – der bottom-up Ansatz

Ein großes Hindernis für den Zugang zu Bildung und Beschäftigung erwachsener Roma ist der fehlende Nachweis ihrer informell und nicht-formal erworbenen Kompetenzen. Deshalb stand die Feststellung, Bewertung und Anerkennung ihrer Kompetenzen im Mittelpunkt unseres Projektes „ROMINKO“. Es zielte konkret auf die Modifizierung des französischen Modells der Kompetenzbilanz für die Zielgruppe ab. Dies ermöglicht es Roma erstmals, durch Selbstevaluierung ein klareres Bild ihrer eigenen Person zu erhalten, darauf aufbauend eine realistische Zukunft zu planen sowie Motivationen aufzubauen, um sich aufgrund vorhandener, informell und nicht-formal erworbener Kompetenzen neuen beruflichen Anforderungen zu stellen.

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Erasmus+-Projekt RominkoII
Erfahrungen aus diesem Projekt zeigen, dass das französische Modell der Kompetenzbilanz von der Zielgruppe der Roma sehr gut angenommen wird, wenn ihre Einbeziehung in die Modifizierung der Methoden und Verfahren - beispielsweise durch Umfragen und Interviews -, aber auch ihre Beteiligung als Kompetenzberater, sichergestellt ist. Dass beispielsweise 40 von 88 Roma, die die Kompetenzbilanz während der Testphase in den Partnerländern durchlaufen haben, in eine Beschäftigung bzw. berufliche Aus- oder Weiterbildung vermittelt werden konnten, ist sicherlich nicht repräsentativ, aber ein Beleg dafür, dass Kompetenzbilanz für Roma im Hinblick auf die Steigerung ihrer Beschäftigungsfähigkeit erfolgreich ist.

Eine möglichst breite Anwendung der Kompetenzbilanz für Roma in den Partnerländern und darüber hinaus ist natürlich auch davon abhängig, dass politische Entscheidungsträger deren Implementierung in die Bildungspraxis absichern helfen. Wichtige Voraussetzungen hierfür wurden mit den im Rahmen des Projektes etablierten lokalen/regionalen Netzwerken Kompetenzbilanz, in denen nicht nur Roma-Vertreter, sondern auch Unternehmer, Vertreter von Arbeitsverwaltungen, Bildungsakteure, Mitarbeiter lokaler Verwaltungen und Politiker aktiv mitwirken, geschaffen.

Um jedoch eine flächendeckende Anwendung der Kompetenzbilanz für Roma zu ermöglichen, muss das Instrument auf nationaler Ebene verankert werden.

The national anchoring of ROMINKO – der top-down Ansatz

Die eigentliche Herausforderung von ROMINKO II besteht darin – auch, wenn es paradox klingt -, relevante Entscheidungsträger auf nationaler Ebene von der Wirksamkeit eines in der Praxis bereits erfolgreich getesteten Instruments zur Validierung der Kompetenzen von Roma zu überzeugen. Um dies zu erreichen, haben sich die Projektpartner dazu entschlossen, zwei Wege zu beschreiten.

Zum einen sollen Nationale Strategien erarbeitet werden, die die rechtlich-organisatorischen Grundlagen für die flächendeckende Implementierung der Kompetenzbilanz nach dem französischen Modell in den Partnerländern schaffen.

Zum zweiten sollen relevante Stakeholder möglichst frühzeitig nicht nur in die Erarbeitung der genannten geistigen Leistungen, sondern auch in deren Erprobung und langfristigen Anwendung einbezogen werden. Aufgrund der jeweiligen Situation in den Partnerländern erfolgt das differenziert. Während mit Rumänien und der Nationalen Roma Agentur ein wichtiger nationaler Stakeholder Mitglied im Projektkonsortium ist, müssen in Griechenland und Ungarn adäquate Unterstützer gewonnen werden. Deshalb werden die Projektpartner den Entwurf der Nationalen Strategie für Griechenland bei einer Konferenz im Juni erstmals Vertretern von Ministerien, Industrie- und Handelskammern, von Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Wohlfahrtsorganisationen sowie dem Spezialsekretariat für Roma-Angelegenheiten vorstellen. Die Teilnehmer sollen nicht nur zum Austausch über die Strategie, sondern auch für die Initiierung entsprechender gesetzgebender Verfahren gewonnen werden.

Gleiches erfolgt mit der Nationalen Strategie für Ungarn, zunächst im Rahmen von Gesprächen mit Vertretern großer Arbeitgeberverbände.

In die praktische Implementierung der Kompetenzbilanz respektive die entsprechende Etablierung von Kompetenzbilanzzentren werden der Nationale Verband der Roma-Mediatoren Griechenlands sowie die Nationale Roma-Selbstverwaltung Ungarns eingebunden. Sie werden nicht nur Teilnehmer zu den Multiplikatorenschulungen entsenden, sondern gemeinsam mit den Projektpartnern Kompetenzbilanzen für Roma in der Praxis durchführen.

Ein eigens entwickeltes Handbuch dient Kompetenzberatern als begleitendes Nachschlagewerk. Es zeigt einerseits die wichtigsten Zusammenhänge und Informationen zur Kompetenzbilanz für Roma nach dem französischen Modell auf, die diese kennen sollten und enthält andererseits alle wichtigen Aspekte der Durchführung von Kompetenzbilanzen, insbesondere ausgewählte Methoden und Verfahren.

Ein Leitfaden zur Motivation von Roma beinhaltet in der Praxis bewährte sowie neu entwickelte Motivationsstrategien und -instrumente unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Roma und den Anforderungen von Erwachsenenbildungsmaßnahmen.

Bei der Entwicklung der geistigen Leistungen sind die eigens etablierten transnationalen thematischen Arbeitsgruppen auf einem guten Weg.

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