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Raus in die (virtuelle) Natur! Können digitale Angebote den Lernort Natur ersetzen?

01/04/2019
by Julia Lyß
Sprache: DE

Die Lesedauer beträgt etwa 4 Minuten.

Dass Lernen heute kaum noch so abläuft wie vor 10 oder 15 Jahren, lässt sich nicht mehr leugnen. Die traditionellen, also analogen Lernumgebungen werden zunehmend durch digitale Angebote erweitert, die das Lernen erleichtern sollen. Selbst in „klassischen“ analogen Lernräumen wie der Natur hält die Digitalisierung Einzug. Was bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft von Bildung am Lernort Natur, die für sich einen Überschuss an Sinneseindrücken in Anspruch nimmt und damit ganzheitliches Lernen befördern will? Wie weit kann Technik ein Lernen mit allen Sinnen ermöglichen?

Digitale Technik ist aus unseren Lernumgebungen und -prozessen nicht mehr wegzudenken. Die Bandbreite reicht dabei von einfachen Lern-Apps, die teilweise als Ergänzung zum Unterricht genutzt werden, bis hin zu komplexen, virtuellen Lernräumen, in denen Lernen stattfinden kann. Das betrifft auch den Lernort Natur: Neben Apps zur Tier- und Pflanzenbestimmung gibt es auch solche, die besonders schöne Naturschutzgebiet oder Wanderwege aufzeigen. Auf landwirtschaftlicher Ebene ist der Naturraum in Teilen sogar schon komplett digitalisiert: Im Virtuellen Wald, einer Modellierung des gesamten realen nordrhein-westfälischen Waldbestands im virtuellen Raum, können Entwicklungen im Wald simuliert und forstwirtschaftliche Arbeiten für die Realität geplant werden. Das Modell erfasst neben dem Baumbestand auch die Topografie, Wege und den Boden des Gebietes. Auf dieser Grundlage soll eine nachhaltige Forstwirtschaft geschaffen werden, die unter anderem auch die Bedürfnisse von Erholung-Suchenden berücksichtigt.

Die Natur hat viel zu bieten

Wer sich in die Natur begibt und diese als Lernort für sich nutzt, möchte jedoch in der Regel nicht ausschließlich Wissen über die jeweilige Flora und Fauna erlangen (sei es mit oder ohne App) oder Gesteinsformationen benennen können. Auch ein „Aufenthalt“ im virtuellen Wald weist für Menschen ohne forstwirtschaftlichen Bezug vermutlich keine allzu hohe Verweilqualität auf.

Was also ist das Besondere am Lernort Natur? Der Mehrwert des Lernorts Natur liegt vielmehr in der Vielschichtigkeit der Erfahrungsmöglichkeiten, die dort zur Verfügung stehen. Verglichen mit dem urbanen, „zivilisatorischen“ Raum können sich Menschen hier ganz anders bewegen und die eigene Körperlichkeit besonders deutlich erfahren. Wer in der Natur unterwegs ist, nimmt etwa Entfernungen und Bodenbeschaffenheiten anders war und spürt sich dadurch selbst. Wer in der Natur unterwegs ist, kommt mitunter auch an seine körperlichen Grenzen.

Daneben kommt es immer wieder vor, dass man in der Natur auf Unvorhergesehenes stößt. Auf Widrigkeiten, die es zu meistern, zu umgehen gilt. Dadurch kann man die eigenen Fähigkeiten erkennen und die eigene Wirksamkeit erfahren.

Nicht zuletzt kann man bei einem Aufenthalt in der Natur die Umgebung mit allen Sinnen erfahren. Den Geruch des erdigen Waldbodens riechen, die Feldlerche hören, reife Brombeeren schmecken, die Textur eines verwitterten Steins erfühlen und schauen, soweit das Auge reicht.

Dieses Paket an unterschiedlichen Erfahrungen, die gleichzeitig so viele verschiedene Sinne stimulieren, macht den Lernort Natur zu etwas Besonderem.

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Frau mit VR-Brille vor Wolken

Willkommen auf dem Holodeck?

Und gerade für diese Art der Erfahrungen gibt es in der digitalen Welt (zumindest noch) keine Entsprechung. Wobei die Technik bei der Entwicklung von Möglichkeiten der digitalen Wahrnehmung unaufhaltsam Fortschritte macht. So gibt es schon heute Überlegungen, wie der Geruch- und Geschmacksinn digital angeregt werden kann. Ein Beispiel dafür ist das Geruchsfernsehen, bei dem aus Geruchsmodulen analog zu einem Film o.ä. passende Gerüche verströmen. Richtig ausgefeilt ist diese Technik allerdings noch nicht.

Besonders kompliziert ist es noch beim digitalen Fühlen, doch auch hier wird bereits an Möglichkeiten gearbeitet. Forscher haben ein theoretisches Modell entwickelt, nach dem Displayoberflächen einen besonderen Tasteindruck vermitteln sollen.

Auch zur Bewegung im virtuellen Raum wird derzeit eifrig geforscht. Ein Ergebnis ist beispielsweise ein elektronischer Sensor, der aufgrund seiner magnetischen Eigenschaften mit dem Erdmagnetfeld interagieren und dadurch die Bewegung eines Körpers im Raum steuern kann. Diese Technik könnte sich auch die virtuelle Realität zunutze machen.

Doch ganz so weit ist es noch nicht. Bisher gibt es komplett virtuelle (Natur-)Räume, die vom Menschen tatsächlich „betreten“ und mit allen Sinnen erlebt werden können, nur in Science-Fiction-Entwürfen. Wer vom Holodeck aus Star Treck träumt und hofft, (fast) originale Naturerfahrungen nur noch in geschlossenen Räumen zu machen, muss sich noch eine Weile gedulden (zudem bleibt hier die Frage offen, ob es nicht besser ist, den virtuellen Raum nach gänzlich eigenen Gesetzmäßigkeiten zu gestalten und nicht nach dem Vorbild der analogen Welt).

Die Natur bleibt also vorerst mit ihren verschiedenen Erfahrungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten ein wichtiger Lernort, den es sich lohnt, so häufig wie möglich aufzusuchen.

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