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Blog

Bruchstellen im beruflichen Werdegang vorbeugen: Ein Feldversuch in der Region Grand Est

20/06/2019
by André Chauvet
Sprache: DE
Document available also in: FR EN HR

[Übersetzung (Französich - Deutsch) : EPALE Frankreich]

Die Tatsache, dass Rechte nicht wahrgenommen und Ausbildungen abgebrochen werden, beschäftigt alle Akteure des Beratungs- und Ausbildungswesens (Kostenträger, Sozialarbeiter, Ausbilder, Berater).

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Eine einfache Feststellung, deren Hintergrund mit einer komplexen Analyse verbunden ist. Dass die Menschen Rechte haben, bedeutet nicht, dass sie diese auch wahrnehmen. Gleiches gilt auch für Bildungsprogramme: Eine scheinbare oder angenommene Relevanz reicht nicht aus. In diesem Sinne ist eine integrative öffentliche Politik nicht möglich, wenn die verschiedenen Parameter, die die Mobilisierung der Menschen, ihr Durchhaltevermögen und die Art der benötigten Unterstützung nicht berücksichtigt werden. Die Vermeidung von Unterbrechungen des Werdegangs ist daher ein zentrales Thema – sowohl aufgrund der für den Einzelnen entstehenden Schwierigkeiten als auch wegen der Auswirkungen auf die gesamte Angebotskette. Dazu kommen die Kosten, die entstehen, wenn Bildungsprogramme nicht vollständig genutzt wurden und somit ihr Ziel verfehlt haben. Alle sind sich einig, dass Handlungsbedarf besteht und Präventionsmaßnahmen entwickelt werden müssen, aber auch darüber, dass in diesem Bereich Schwierigkeiten zu erwarten sind, da einige Elemente noch unklar sind.

Aus welchen Gründen werden die angebotenen Leistungen nicht genutzt? Welche Faktoren tragen dazu bei, dass Ausbildungen abgebrochen werden? Welche Art von Angebot könnte einen solchen Abbruch am ehesten verhindern und die Menschen in einer Kontinuität begleiten? Obgleich es zu diesen Themen einige Studien und mehrere Programme gibt, fehlt oft ein Schlüsselelement: Wie sehen es die betroffenen Menschen? Handelt es sich lediglich um spezifische Einzelsituationen? Oder gibt es Schlüsselelemente und Gründe, die öfters vorkommen?

Start einer vertieften Feldstudie

Die Region Grand Est wollte im Rahmen des CPRDFOP „Performance Grand Est“ eine gemeinsam von der Region und Fongecif Grand Est geführte Aktion einleiten, um die Voraussetzungen für die Nutzung des Ausbildungsangebots durch die Berechtigten zu schaffen und Unterbrechungen der Ausbildung zu verhindern. In diesem Zusammenhang und um die Erreichung dieses Ziels zu erleichtern, hat Fongecif Grand Est Anfang 2019 eine eingehende Feldstudie durchgeführt, um den Standpunkt von Personen zu erfassen, die an einer Maßnahme der beruflichen Weiterentwicklung teilnehmen. Was ging dieser Entscheidung voraus? Lionel Lemaire, Projektleiter bei Fongecif Grand Est, erläutert die Beobachtungen, die zu dieser Entscheidung geführt haben.

„Bislang haben wir oft Programme zur Unterstützung von Ausbildungen aufgebaut, die auf einer sowohl formal als auch inhaltlich apriorischen Darstellung der Bedürfnisse der Menschen basieren. Um das angestrebte Ziel zu erreichen und gleichzeitig eine partizipativere Ausbildungsplanung aufzubauen, erschien es uns unerlässlich, auch die Sicht der Betroffenen zu kennen. Darum haben wir beschlossen, uns in nichtdirektiven Einzelgesprächen eine Übersicht über Erfahrungswerte der Menschen, ihre Schwierigkeiten, die von ihnen mobilisierten Ressourcen und Elemente zu verschaffen, die ihnen geholfen haben. Im Rahmen dieser Maßnahmen befolgen wir zwei wesentliche Grundsätze: den Nutzer in den Mittelpunkt des Prozesses zu stellen und die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Dies ist auch der Grund für die Arbeit mit mehreren Akteuren im gewählten Gebiet. Auf den Punkt gebracht geht es darum, die Faktoren zu erkennen, die in einem bestimmten geografischen Raum zur Unterbrechung von Ausbildungen oder im Gegenteil zu deren Absicherung führen, um die Bedingungen für die Mobilisierung und das Engagement des jeweiligen Publikums zu schaffen (Nutzung der Ressourcen, Weiterentwicklung des Angebots, Herstellung von die Zusammenarbeit ermöglichenden Rahmenbedingungen etc.)."

Perspektiven

Die Studie läuft noch. Etwa vierzig Gespräche mit freiwillig Teilnehmenden haben bereits stattgefunden und viele Daten werden derzeit analysiert. Die Verarbeitung der Daten erfolgt natürlich anonym und die Gespräche werden möglichst in der Umgebung der Lebensbereiche der Menschen geführt. Um Elemente dieser Analyse zu teilen und sich über Lösungsansätze auszutauschen, soll demnächst eine Nutzergruppe gebildet werden. Die gesammelten Erkenntnisse und erarbeiteten Lösungsansätze werden den beteiligten Akteuren nach Abschluss dieser Arbeiten vorgestellt. Lionel Lemaire bestätigt die Relevanz solcher Ansätze und ihre Bedeutung für die Anpassung der angebotenen Dienstleistungen an die Anliegen der Menschen.

„In der Allen gemeinsamen Zeit des Zweifels besteht die Gefahr, dass die Ausbildungseinrichtungen in weiter Ferne scheinen und den Eindruck erwecken, mit Zwängen verbunden und realitätsfremd zu sein. Die Herausforderung besteht für uns darin, eine enge Verbindung zu Berechtigten entstehen zu lassen, die möglicherweise in Schwierigkeiten sind, aber nicht wissen, was sie tun sollen. Wie in anderen Bereichen (Gesundheit, Soziales) können den Menschen keine Dienstleistungen mehr aufgezwungen werden, sie müssen zumindest in den Aufbau einbezogen werden.“ 

Wie wir meinen, ist dies die Voraussetzung für eine wirksame Bekämpfung von Ausbildungsabbrüchen und der Nichtnutzung von Angeboten. Vertrauen herstellen, wo möglichweise eine Abwehrhaltung besteht und auf Nähe setzen, wo ein reales Risiko von Realitätsferne und Loslösung besteht. Menschen das Wort geben, die eine Erfahrung haben, die öffentlichen Maßnahmen als Grundlage dienen muss. Die soziale Gerechtigkeit steht auf dem Spiel.

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    André CHAUVET ist der thematische Koordinator von EPALE Frankreich für das Thema "berufliche Übergänge".

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