chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Lebenslanges Lernen – Menschen 50+ unterrichten Die Situation in Großbritannien, Polen und Deutschland im Vergleich

05/04/2019
by Malgorzata Szwaj
Sprache: DE
Document available also in: EN PL

Übersetzung aus dem Englischen: Carola Dierich

Es ist nichts Neues, dass die europäische Bevölkerung älter wird und die Gesellschaft daher bereits jetzt und in den kommenden Jahren vor verschiedenen Herausforderungen steht. Zu diesen Herausforderungen gehören die körperliche und geistige Gesundheit älterer Menschen sowie ihre aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und an der Gesellschaft im Allgemeinen. Ein Schlüssel zur aktiven Teilhabe ist die Weiterbildung auch im Erwachsenenalter im Sinne des lebenslangen Lernens. Das Ziel der ET 2020 ist es, dass sich mindestens 15 % aller Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren an allgemeiner und beruflicher Bildung beteiligen. Mit durchschnittlich 10,8% in der Europäischen Union im Jahr 2016 (DE: 8,5%; PL: 3,7%; GB: 14,4%) sind wir von diesem Ziel noch weit entfernt. (Quelle: Bildungsmonitor 2017, S. 72)

Teilnahme an Weiterbildung

Betrachtet man die Zielgruppe des TAO-Projektes (50+) in den Partnerländern, so wird deutlich, dass die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung mit zunehmendem Alter abnimmt. Zudem ist die Situation in den verschiedenen Partnerländern sehr unterschiedlich. Während die Teilnahme an allgemeiner und beruflicher Bildung in der Altersgruppe 55-74 Jahre im Vereinigten Königreich fast doppelt so hoch ist (7,6% im Jahr 2016) wie im Durchschnitt der EU (4,8% im Jahr 2016), liegen Deutschland (2,4% im Jahr 2016) und Polen (0,8% im Jahr 2016) deutlich unter dem EU-Durchschnitt. In den letzten Jahren ist die Teilnahme an formaler und nicht-formaler Bildung in dieser Altersgruppe in Deutschland leicht gestiegen, während sie im Vereinigten Königreich und in Polen in den letzten 10 Jahren in etwa gleich geblieben ist. Es ist auch erwähnenswert, dass Frauen in dieser Altersgruppe häufiger lernen als Männer (2016 - EU: 5,6% Frauen/ 4,0% Männer; DE: 2,5% Frauen/ 2,3% Männer; PL: 1,0% Frauen/ 0,6% Männer; GB: 8,7% Frauen/ 6,3% Männer).

/epale/de/file/wykresde1pngwykres_de_1.png

Quelle: Eurostat (Online-Datencode: trng_lfs_09)

Heutzutage wird Lernen oft mit neuen Technologien in Verbindung gebracht - mit Computern, Notebooks und Smartphones, die mit dem Internet verbunden sind. Das Internet bietet eine Vielzahl von Lernmöglichkeiten, die kostenpflichtig oder sogar kostenfrei sein können. Neue Technologien werden zunehmend auch in konventionellen Präsenzkursen eingesetzt. Darüber hinaus findet die aktive Teilhabe an der Gesellschaft immer häufiger über das Internet statt. Dadurch wird das Wissen rund um den Umgang mit Computern und Internet immer wichtiger und spiegelt sich auch im steigenden Anteil von Menschen wider, die mit diesen Technologien umgehen können. Dies gilt auch für die Zielgruppe der Menschen 50+. Zum einen hatten bereits 2005 in Deutschland und Großbritannien mehr als die Hälfte der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren und in Polen fast ein Drittel dieser Altersgruppe mit einer Maus Programme wie einen Internetbrowser oder eine Textverarbeitung gestartet (DE: 68%; PL: 27%; GB: 54%). In der Altersgruppe der Personen zwischen 65 und 74 Jahren sind diese Zahlen deutlich geringer (DE: 35%; PL: 8%; GB: 33%). Für Personen über 75 Jahre sind meist keine Daten verfügbar. (Quelle: Eurostat - Online-Datencode: isoc_sk_cskl_i) Dem gegenüber war die Zahl der Personen über 50, die noch nie einen Computer benutzt hatten, im Jahr 2014 noch immer recht hoch.

/epale/de/file/wykresde2jpgwykres_de_2.jpg

(Quelle: Eurostat - Online-Datencode: isoc_sk_cskl_i)

Die Zahl der Personen in dieser Altersgruppe, die das Internet noch nie genutzt haben, ist in den letzten zehn Jahren drastisch zurückgegangen (siehe: Eurostat - Online-Datencode: isoc_ci_ifp_iu) und auch ältere Menschen nutzen das Internet heute häufiger.

     

/epale/de/file/wykresde3jpgwykres_de_3.jpg

(Quelle: Eurostat - Online-Datencode: isoc_ci_ifp_fu)

Es ist offensichtlich, dass in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen die Nutzung von Computern und Internet viel häufiger ist als in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen. Ein Grund dafür ist, dass Menschen zwischen 55 und 64 Jahren im Allgemeinen noch erwerbstätig sind und für ihre Arbeit Computer- und Internetkenntnisse benötigen. Wenn diese Generation also älter wird, besitzen sie bereits das Wissen und die Fähigkeiten, diese Technologien zu nutzen und werden sie wahrscheinlich auch zum Lernen verwenden.

Laut Umfragen in den Jahren 2015 und 2016 waren die wichtigsten Internetaktivitäten in der Altersgruppe 55-74 Jahre[1]: Senden/Empfangen von E-Mails (47% im Jahr 2015); Finden von Informationen über Waren und Dienstleistungen (43% im Jahr 2015); Spielen/Downloaden von Spielen, Musik hören oder Videos ansehen (37% im Jahr 2016); Lesen von Online-Nachrichtenseiten/Zeitungen/Nachrichtenmagazinen (37% im Jahr 2015) und Suchen von Gesundheitsinformationen (33% im Jahr 2015). Indem sich die Zielgruppe über das Geschehen in der Welt informiert und im Internet nach Gesundheitsinformationen sucht, ist sie in eine Form des Lernens eingebunden. Aber auch Aktivitäten wie Internet-Banking (30% im Jahr 2015), Reise- und Unterkunftsangebote (29% im Jahr 2015), Konsultieren von Wikis (um Informationen zu einem beliebigen Thema zu erhalten) (26% im Jahr 2015) und Teilnahme an sozialen oder beruflichen Netzwerken (22% im Jahr 2015) werden häufig durchgeführt. Internetaktivitäten, die wir in erster Linie mit den Begriffen Bildung und Ausbildung verknüpfen, wie die Suche nach Informationen über Bildung, Ausbildung oder Kursangebote (13% im Jahr 2015); Online-Lernmaterial (4% im Jahr 2015); die Teilnahme an einem Online-Kurs (zu einem beliebigen Thema) (2% im Jahr 2015); die Kommunikation mit Lehrenden oder Lernenden über Bildungsseiten/Portale (2% im Jahr 2015) spielen eine untergeordnete Rolle. (Siehe: Eurostat - Online-Datencode: isoc_ci_ac_i)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch ältere Menschen sich zunehmend daran gewöhnen, das Internet zu nutzen, um nach verschiedenen Arten von Informationen zu suchen oder mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Lehrende, die in traditionellen Präsenzkursen Menschen 50+ unterrichten, können diesen Prozess unterstützen, indem sie während des Unterrichts das Internet nutzen oder ihren Schülern Recherche-Aufgaben geben, um nur die einfachsten Möglichkeiten zu nennen.

Bildungsangebote

Welche Möglichkeiten haben ältere Menschen in den Partnerländern, sich weiterzubilden? In Großbritannien ist die University of the Third Age (U3A - dt.: Universität des dritten Lebensalters) die beliebteste Form der Bildung für ältere Menschen. Es ist eine in ganz Großbritannien verbreitete Bewegung für Menschen, die nicht mehr Vollzeit arbeiten und ihre Interessen verfolgen oder etwas Neues lernen möchten. Die Bewegung begann vor über 30 Jahren und heute gibt es über 1.000 U3As im ganzen Land mit mehr als 400.000 Mitgliedern. Die Mitglieder vermitteln und lernen voneinander in allen Bereichen, die sie interessieren - von Kunst bis zu Computern. (Siehe: https://www.u3a.org.uk/) Auch in Polen begann die U3A-Bewegung bereits 1975 und heute gibt es über 600 U3As, und die Zahlen steigen (www.federacjautw.pl). In den letzten Jahren ist in Polen ein starkes Wachstum der U3A-Gruppen in kleinen Städten zu verzeichnen. In Deutschland ist das Konzept der U3A nicht sehr verbreitet. Es gibt verschiedene Vereine und Gruppen von Senioren und für Senioren, aber ohne Dachverband. Darüber hinaus gibt es in Deutschland ein sehr gut etabliertes Netz von Volkshochschulen, die auch viele Kurse speziell für ältere Menschen anbieten. Darüber hinaus öffnen die meisten Hochschulen in Deutschland ihre Studiengänge für Senioren. Derzeit haben Personen über 65 Jahre einen Anteil von 42% an der Zahl der Gaststudierenden (Siehe: Statistisches Bundesamt, Ältere Menschen in Deutschland und der EU, 2016; S. 75).

Ein großer Teil der Bildungsangebote für ältere Menschen konzentriert sich auf die Nutzung von Computer/Notebook/Tablett und Internet. In allen Partnerländern gibt es ein breites Angebot an altersgerechten Computerkursen. Für Polen ist das Projekt "Leuchtturmwärter des digitalen Polen 2020" hervorzuheben. Im Rahmen dieser Initiative können sich Freiwillige auf der Plattform als Leuchtturmwärter registrieren und Computerkurse anbieten. Bisher fanden 38.519 Kurse mit Personen 50+ statt. (Siehe: https://latarnicy.pl/)

Lehrende im Bereich der Erwachsenenbildung

Wie kann man Lehrender im Bereich der Erwachsenenbildung werden oder noch spezieller für Menschen 50+? Auch dies ist in den einzelnen Partnerländern sehr unterschiedlich.

Großbritannien

In Großbritannien gibt es keine speziellen Kurse für Lehrende, die sich auf den Unterricht für ältere Erwachsene spezialisieren wollen. Weiterbildungsanbieter beschäftigen in der Regel Trainer, die sich selbstständig spezialisieren, und erstellen ihre eigenen Lehrmethoden, die von einem Weiterbildungsanbieter zum anderen variieren können. Die Bildung älterer Erwachsener unterscheidet sich nicht von anderen Weiterbildungskursen.

Die formalen Qualifikationsanforderungen für Lehrkräfte in der Weiterbildung wurden im September 2013 aufgehoben. Der Sektor erkennt jedoch nach wie vor die Notwendigkeit guter Lehrqualifikationen an - Weiterbildungsanbieter sind unabhängige Organisationen, die direkt für ihre Kurse rekrutieren, so dass sie weiterhin bestimmte Anforderungen oder Zulassungskriterien festlegen können.

Es gibt drei Wege um Lehrender in der Weiterbildung zu werden, die für Personen mit und ohne Lehrerqualifikation geeignet sind:

  • Erwerb einer Lehrbefähigung bei einer Universität, Fachhochschule oder einem anderen Bildungsanbieter, wobei die Zugangsvoraussetzungen von der jeweiligen Einrichtung festgelegt werden.
  • berufsbegleitend - in der Regel als Lehrender in der Weiterbildung tätig, während eine Teilzeitausbildung an einer Hochschule für Weiterbildung stattfindet
  • Umstieg auf Weiterbildung - wenn Sie bereits über eine Lehrbefähigung verfügen, können Sie mit ein paar zusätzlichen Schritten und möglichen Zusatzqualifikationen, die alle berufsbegleitend durchgeführt werden können, auf Weiterbildung umsteigen.

Polen

Das englische Wort 'Educator' - wurde vor fast dreißig Jahren in Polen eingeführt, um das Konzept der beiden anderen Wörter - Lehrer und Trainer - zu erweitern, wobei das erste mit der formalen Schulbildung und das zweite hauptsächlich mit der formalen Ausbildung von Lehrern verbunden ist. Die rasante Entwicklung der nicht-formalen Bildung in Polen nach 1990 und die Entstehung einer Vielzahl von privaten und öffentlichen Bildungseinrichtungen, die neue Lernmodelle anbieten, hat zum Konzept der 'Educator' geführt, die mit der Vielfalt der Lernformen und -ziele umgehen können. 'Educator' sollten die Trainer der Zukunft sein, besser über das Wie, Was und Warum der Bildung in vielen Bereichen informiert sein und Standards für berufliche Weiterentwicklung setzen. Nach den ersten Bemühungen, einen formalen Rahmen für die Ausbildung von 'Educatoren' in den neunziger Jahren zu schaffen, zeigte sich, dass der offene Bildungsmarkt, obwohl die Qualifikation formal anerkannt wurde, über eigene interne Regelungen verfügte, die andere verwandte Qualifikationen akzeptierten. Mit anderen Worten, es hat sich ein zweigleisiges und paralleles Modell entwickelt, bei dem die Kompetenzen der 'Educatoren' sowohl durch ihre Berufserfahrung als auch durch formale Kurse bestätigt werden.

In Polen sind Lehrende in der Erwachsenenbildung hauptsächlich Absolventen verschiedener Fachrichtungen (Pädagogik, Psychologie, Schulmanagement etc.). Alle, die diese Qualifikation erwerben wollen, können entweder ein Aufbaustudium (z.B. in Andragogik) oder einen Vorbereitungskurs absolvieren.

Lehrende von Lernenden 50+ gibt es hauptsächlich bei den U3As. Abgesehen von einigen Online-Handbüchern für Lehrende, die online verfügbar sind, ist wenig über die fachliche Ausbildung, die sie erhalten, bekannt.

Deutschland

Auch in Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, Lehrender in der Erwachsenenbildung zu werden. Viele Lehrende in diesem Bereich haben einen nicht-pädagogischen Hintergrund und haben keine formale Qualifikation in Erwachsenenbildung oder Didaktik. Sie sind in der Regel Experten auf dem Gebiet oder Fachgebiet, das sie unterrichten, und haben sich selbst weitergebildet oder aus Erfahrung gelernt. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Aus- und Weiterbildung sowie in berufsbegleitenden Kursen oder Studiengängen. Eine breite Palette von Universitäten bietet auch Bachelor- und Masterabschlüsse in Erwachsenenbildung / Andragogik an. Eine Übersicht dieser Angebote finden Sie in der Datenbank des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE): https://www.die-bonn.de/weiterbildung/studienfuehrer/default.aspx. Die Schwerpunkte der Studiengänge sind sehr vielfältig und reichen von Didaktik/Methodik, kulturelle/politische Bildung, interkulturelle Bildung, berufliche Bildung bis hin zu neuen Technologien, etc. In der Regel wird nicht zwischen der Ausbildung von Lehrenden für Erwachsene im Allgemeinen und älteren Erwachsenen unterschieden. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe bietet jedoch seit einigen Jahren einen speziellen Master für Bildung im fortgeschrittenen Alter/Geragogik an.

Das Erasmus+ Projekt - Training Adults Online (TAO - www.tao.eu.com.pl) konzentriert sich auf die praktische Rolle von Lehrenden, die Menschen 50+ im Rahmen von Online-Kursen unterrichten. Vier Bildungseinrichtungen aus Polen (English Unlimited - Projektkoordinator), Großbritannien (edEUcation) und Deutschland (Wisamar Bildungsgesellschaft gGmbH und WBS) haben es sich zur Aufgabe gemacht, Instrumente für Lehrende zu entwickeln, mit denen sie die digitalen Fähigkeiten von Menschen über 50 im Rahmen des lebenslangen Lernens erweitern und entwickeln können.

Autor: Carola Dierich

Leiterin Projektmanagement EU-Projekte bei der Wisamar Bildungsgesellschaft gemeinnützige GmbH in Leipzig, die in der beruflichen, kulturellen und Erwachsenenbildung tätig (www.wisamar.de) und Projektpartner bei TAO (www.tao.eu.com.pl) ist.


[1] Die Prozentangabe in Klammern bezieht sich auf die durchschnittliche Prozentzahl von Individuen zwischen 55 und 74 Jahren in den EU28.

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn