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Finanzielle Grundbildung – viel mehr als nur Rechnen (DE, EN, FR, NL, HU)

02/05/2016
by Angelika Gundermann
Sprache: DE
Document available also in: EN FR HU NL

This content is available in EnglishFrench, Dutch and Hungarian.

von Monika Tröster und Beate Bowien-Jansen

Der kompetente Umgang mit Geld gehört in unserer Gesellschaft zum notwendigen Alltagshandeln. Neben einem Mindestmaß an Lese- und Schreibkompetenzen (Literacy) beinhaltet die Definition von Grundbildung „Kompetenzen in den Grunddimensionen kultureller und gesellschaftlicher Teilhabe“. Dazu zählen Rechenfähigkeit (Numeracy), Kompetenzen im IT Bereich (Computer Literacy), Gesundheitsbildung (Health Literacy), Soziale Grundkompetenzen (Social Literacy) und Finanzielle Grundbildung (Financial Literacy), die explizit als ein Teilbereich von Grundbildung aufgeführt wird. In den letzten Jahren hat der Bereich Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland bildungspolitisch und gesellschaftlich an Relevanz gewonnen, was sich insbesondere in der Ausrufung der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung im September 2015 zeigt. Dabei stellt die Definition von Grundbildung den lebensweltlichen Anwendungsbezug von Schriftsprachlichkeit heraus und umfasst die zuvor genannten verschiedenen Grundbildungsbereiche (Bundesministerium für Bildung und Forschung (2012). Vereinbarung über eine gemeinsame nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland 2012-2016).

 

Was verstehen wir unter Finanzieller Grundbildung?

 

National und international gibt es eine Vielzahl an Begriffen, die je nach disziplinärer Herkunft und/oder weltanschaulicher Sichtweise und Einordnung unterschiedlich sind und teilweise synonym, teilweise leicht variierend angewendet werden. Zumeist wird „Finanzielle (Grund-)Bildung“ als Teilbereich der Ökonomischen (Grund-)Bildung verstanden und in sie eingebettet (Mania, E. & Tröster, M. (2015). Kompetenzmodell Finanzielle Grundbildung. Umgang mit Geld als Thema der Basisbildung). In dem Projekt „Schuldnerberatung als Ausgangspunkt für Grundbildung – Curriculare Vernetzung und Übergänge“ (CurVe) und dem Folgeprojekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II) werden unter dem Begriff Finanzielle Grundbildung die „existenziell basalen und unmittelbar lebenspraktischen Anforderungen alltäglichen Handelns und der Lebensführung in geldlichen Angelegenheiten“ verstanden (Mania, E. & Tröster, M. (2014). Finanzielle Grundbildung - Ein Kompetenzmodell entsteht. Hessische Blätter für Volksbildung, 64(2), 136-145).

 

Welche Grundbildungskompetenzen im Umgang mit Geld sind erforderlich, um Menschen zu befähigen, kompetent mit Geld und ihren Finanzen umgehen zu können?

 

Diese Fragestellung war im Projekt CurVe von zentraler Bedeutung. Entstanden ist das theoretisch fundierte und empirisch basierte Kompetenzmodell „Finanzielle Grundbildung“. Das Modell beschreibt und strukturiert die Anforderungen im täglichen Umgang mit Geld. Dabei orientiert es sich am Geldfluss und beinhaltet die sechs Domänen Einnahmen, Geld und Zahlungsverkehr, Ausgaben und Kaufen, Haushalten, Geld leihen und Schulden, Vorsorge und Versicherungen (Mania, E. & Tröster, M. (2015). Finanzielle Grundbildung: Programme und Angebote planen). Die kognitiven Handlungsanforderungen werden in Form von Kann-Beschreibungen den vier Dimensionen Wissen (deklaratives und prozedurales), Lesen, Schreiben und Rechnen zugeordnet. In der Kategorie Wissen geht es um Kenntnisse und Sachverhalte (deklarativ), aber auch um Anwendungs- und Prozesswissen (prozedural) in diesem Bereich, bspw. Grundlagen der Kontoführung, Leistungsansprüche und deren Beantragung oder auch Rechte und Pflichten als Verbraucher. Unter Lese-Anforderungen wird das sinnentnehmende Lesen von Texten und Dokumenten, wie Kontoauszügen, Produktbeschreibungen, Verträge und Rechnungen verstanden. Die Dimension Schreiben umfasst das Erstellen unterschiedlicher Texte, aber auch das Ausfüllen von Anträgen und Formularen.  In dem Bereich Rechnen werden Rechenoperationen betrachtet, die im alltäglichen Umgang mit Geld anfallen. Dabei reicht oft eine grobe Abschätzung bzw. Überschlagsrechnung aus, um Angebote vergleichen oder eine Einkaufssumme überschlagen zu können (vgl. ebd., S. 17ff).

Das Modell liegt in Form einer Kreuztabelle vor und steht hier zum Download bereit.

Wozu kann das Kompetenzmodell „Finanzielle Grundbildung“ genutzt werden?

In der Programm- und Angebotsplanung kann das Modell als Analyseinstrument, Fortbildungsinhalt, didaktische Grundlage oder Reflexionsinstrument genutzt werden.

In der Beratung bietet das Modell den Fachkräften Möglichkeiten der Unterstützung im Bereich Diagnostik. Es kann ihren Blick schärfen, um die komplexen Anforderungen im alltäglichen Umgang mit Geld zu erkennen. Das Modell verdeutlicht, dass Finanzielle Grundbildung nicht nur Rechenkompetenzen fokussiert, sondern sich vielmehr aus unterschiedlichsten Handlungskompetenzen in den Bereichen „Wissen“, „Lesen“, „Schreiben“ und „Rechnen“ zusammensetzt (Schwarz, S., Christiani, H., & Tröster, M. (2015). Finanzielle Grundbildung: Bedarfe erkennen und handeln. Ein Workshop-Konzept zur Sensibilisierung von Fachkräften in Bildung, Beratung und Betreuung).

Finanzielle Grundbildung ist also mehr als Rechnen und mehr als Lesen und Schreiben - Finanzielle Grundbildung umfasst Alltagskompetenzen, die sowohl für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung als auch für die Partizipation in der Gesellschaft und der Arbeitswelt erforderlich und notwendig sind.

Monika Tröster ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) und Projektkoordinatorin bei CurVe II. Dieses Projekt unter dem Titel "Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung" startete im Januar 2016 als Folgeprojekt  zu CurVe "Schuldnerberatung als Ausgangpunkt für Grundbildung. Curriculare Vernetzung und Übergänge".

Beate Bowien-Jansen ist Projektfachassistenin bei CurVe II am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE).

 

Interessant hierzu auch die EPALE-Ressource Financial Literacy in Ireland, England and Scotland.

 

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