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Blog

Europäische Werte in der Erwachsenenbildung: Das Projekt „European Values through European Intelligence“ (EVEQ)

18/06/2019
by EPALE Österreich
Sprache: DE
Document available also in: EN

Lesedauer ca. 4 Minuten - lesen, liken, kommentieren!

Tino Boubaris

Die Förderung der europäischen Werte gemäß Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) ist eines der übergeordneten Ziele des EU-Programms Erasmus+. Europa braucht Gesellschaften mit stärkerem Zusammenhalt und ohne Ausgrenzung, die es den Bürger/innen erlauben, eine aktive Rolle im demokratischen Leben zu spielen. Für die Erwachsenenbildung ergibt sich daraus u.a. die Verpflichtung, werteorientierte Angebote zu entwickeln. Die Verantwortung von Erwachsenenbildung liegt jedoch nicht allein darin, Erwachsenen zu sagen, wie sie sich verhalten sollen, sondern auch, wie sie mit unterschiedlichen Erwartungen von Befürworter/innen bestimmter Werte umgehen können. Das Projekt EVEQ hat sich dieser Aufgabe gestellt und dabei gleichermaßen Lehrende und Lernende ins Auge gefasst. Beteiligt an dem Projekt waren neben der koordinierenden Einrichtung aus Deutschland (VNB) Partner aus Österreich (uniT), Nordmazedonien (Eco Logic), Dänemark (mhtconsult) und dem Vereinigten Königreich (Inteval).

Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Minderheitenrechte: Die Achtung dieser in Artikel 2 EUV genannten Werte sind für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union maßgeblich. In den vergangenen Jahren wurden allerdings tiefgreifende, sich teils widersprechende Veränderungsprozesse in verschiedenen europäischen Ländern und Regionen sichtbar, die aus nationalen (und manchmal nationalistischen) Ideologien heraus politische Gegensätze erzeugen. Dabei berufen sich alle Beteiligten auf die Wahrung ihrer jeweiligen Werteordnung. Wie geht das mit den europäischen Interessen zusammen?

Ist die Europäische Union eine Wertegemeinschaft?
Ein Satz, den man häufig in politischen Diskussionen über die Europäische Union hört, lautet: "Die EU ist eine Gemeinschaft, die auf gemeinsamen Werten basiert." Meist wird dieser Hinweis dann gegeben, wenn Vorurteilen begegnet werden soll, die Europäische Union sei nur aus wirtschaftlichen Gründen entstanden, sie nutzt nur den Großunternehmen oder regelt nur überflüssiges. Tatsächlich dienten die Römischen Verträge, die ab 1957 die Beziehungen zwischen europäischen Staaten nach dem zweiten Weltkrieg regelten, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit; sie sollten dadurch aber in erster Linie helfen, den Frieden im westlichen Europa zu sichern.

Im Vertrag von Maastricht, mit dem die Europäische Union 1992 dann offiziell gegründet wurde, heißt es in Artikel 6: "Die Union beruht auf den Grundsätzen der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit; diese Grundsätze sind allen Mitgliedstaaten gemein." Europa ist also - zumindest in seinen Regelwerken – eine Wertegemeinschaft. Es kommt aber auch darauf an, was man daraus macht.

Wenn Europa eine Wertegemeinschaft ist – was sind diese Werte?
Um welche Werte handelt es sich, und welche Bedeutung haben sie nicht nur für den Zusammenhalt der Europäischen Union, sondern für die Bürger/innen? Spätestens bei dieser Frage, stellt man sie einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe von Menschen in Europa, wird es zu erheblichen Kontroversen kommen. Für die einen stehen Grundwerte wie Demokratie, Menschenrechte und Freiheit an oberster Stelle. Andere wiederum sind der Meinung, dass der soziale Zusammenhalt, der Erhalt der natürlichen Ressourcen, die Religion oder die Sicherheit an erster Stelle stehen sollten.

In einer Eurobarometer-Umfrage im Frühjahr 2012 wurde Demokratie nur von 28% der Befragten als eine der drei persönlich wichtigsten Werten genannt*. An dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig gerade in Zeiten, wo Europa scheinbar ins Wanken gerät und sogar Grundwerte an vielen Orten in Frage gestellt werden, die Vermittlung fundamentaler Werte ist und bleibt.

Wie können europäische Werte zeitgemäß vermittelt und diskutiert werden?
Vor der Vermittlung von europäischen Werten bedarf es zunächst einmal einer Begriffsklärung. Was sind universale Werte, wie grenzen sie sich von individuellen Wertvorstellungen und Normen ab? Was einem Individuum als unabänderlicher Wert gelten mag, ist vielleicht nur der Glaube eines Einzelnen oder einer Gruppe und kann für eine Gemeinschaft nicht als gemeinsamer Wert definiert werden. Gleichzeitig gilt es jedoch, den Glauben und die Meinung jeder und jedes Einzelnen zu tolerieren und ihnen mit Respekt zu begegnen - womit wir wieder bei den Grundwerten angelangt sind und feststellen werden, dass diese Werte oftmals in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen. Viel wichtiger als die Frage, welche Werte an welcher Stelle stehen, ist daher die Art und Weise, wie wir mit diesen Werten umgehen und wie wir sie miteinander diskutieren. Viele Lernende haben ihre persönlichen Erfahrungen mit europäischen Werten, ihren Möglichkeiten und Grenzen gemacht und werden diese Erfahrungen in Wertediskussionen einbringen.

Was trägt das Projekt EVEQ zu den Diskussionen über europäische Werte bei?
Ziel des Projektes war es, Lehrenden und Lernenden die notwendigen Grundlagen für eine offene, fruchtbare und wissensbasierte Diskussion europäischer Werte zu vermitteln. Dafür haben wir eine Strategie für die Vermittlung europäischer Werte entwickelt, die auf dem Modell der Kulturellen Intelligenz (Cultural Intelligence, CQ) basiert. CQ wird definiert als die Fähigkeit eines Menschen, sich in kulturell divers aufgestellten Situationen und Umfeldern agil, effektiv und damit intelligent zu verhalten.

Auf der Basis dieser Strategie ist im Projekt der Leitfaden „Val-EU - Values of Europe“ entstanden, der Lehrende in der Erwachsenenbildung, aber auch aus anderen Bildungsbereichen anregen soll, sich in ihren Kursen und Angeboten mit der Vermittlung von europäischen Werten zu befassen und entsprechende Lehr- und Lernaktivitäten erfolgreich zu planen und umzusetzen. Angelehnt an den Ansatz der Kulturellen Intelligenz beschreibt der Leitfaden vier Handlungsschritte, die für die Entwicklung von Kurs– oder Unterrichtsangeboten zur Vermittlung von Europäischen Werten hilfreich sein können: Motivation & Antrieb, Wissen & Ressourcen, Reflexion & Bewusstsein sowie Planung & Praxis. Im Leitfaden werden diese vier Schritte näher erläutert und durch viele Beispiele zur praktischen Umsetzung, die im Projekt mit unterschiedlichen Gruppen von Lernenden erprobt wurden, ergänzt.

Die Ergebnisse des Projektes können in verschiedenen Sprachen von der Projektwebseite www.val-eu.eu kostenlos und zur freien Verwendung heruntergeladen werden.


Tino Boubaris ist seit nahezu 20 Jahren als Projektkoordinator im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB, www.vnb.de) in zahlreichen europäischen Projekten und Netzwerken im Erwachsenen- und Berufsbildungsbereich tätig. Darüber hinaus berät er Vereine und Initiativen u.a. in Organisations- und Finanzierungsfragen. Er engagiert sich ehrenamtlich im Flüchtlingsrat Niedersachsen sowie als Vorsitzender des Vereins Bildungslabor e.V., der innovative Projekte an der Schnittstelle Kunst/Kultur/Bildung entwickelt und implementiert. Seit Sommer 2017 ist er als deutscher Botschafter für die e-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) aktiv.


*European Commission: Standard Eurobarometer 77, Spring 2012: The Values of Europeans, Quelle: http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm


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