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„aSsessing Competences fOr fUTure“ – Erste Ergebnisse aus dem EU-Projekt SCOUT

15/06/2018
by Goran Jordanoski
Sprache: DE
Document available also in: EN FR ES EL SV SL

Originalsprache: Deutsch

Zum Autor: Goran Jordanoski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE). Er ist für die wissenschaftliche Bearbeitung und Koordination des SCOUT-Projekts zuständig.

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Integration von Zuwanderern - Herausforderung und Chance für die EU-Länder

Weltweit sind in den letzten Jahren so viele Menschen auf der Flucht wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Seit 2015 sehen sich die Länder der Europäischen Union mit einer steigenden Zahl Asylsuchender und Migranten konfrontiert. Die Integration dieser Menschen in die Gesellschaft ist zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda in Europa geworden. Vor allem wird hier die Integration in den Arbeitsmarkt eine große, wenn auch nicht entscheidende Bedeutung zugesprochen. Aus der Politik und den Medien kommt immer wieder die Erläuterung: Die Integration von Zuwanderern in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt sei eine Herausforderung, aber auch eine große Chance für Deutschland und die anderen EU-Länder.

Kompetenzerfassung als entscheidende Herausforderung

Die Neuzugewanderten bringen vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen mit, die mit den Kompetenzprofilen der Berufsbilder in den EU-Ländern in der Regel nicht vergleichbar sind. Auch können nur die wenigsten formale Qualifikationen, Zeugnisse oder ähnliche Dokumente vorweisen. Die Erfassung von bereits erworbenen Kompetenzen und Arbeitserfahrungen, aber auch die Anerkennung von im Heimatland erworbenen Qualifikationen stellen somit eine entscheidende Herausforderung dar. Für eine gelingende Integration in den Arbeitsmarkt werden daher zielgruppenspezifische Beratungsangebote benötigt, die auf Neuzugewanderte zugeschnitten sind und eine zielgruppengerechte Kompetenzerfassung ermöglichen.

„aSsessing Competences fOr fUTure“ – Kompetenzerfassung für Neuzugewanderte verbessern

Das Erasmus+-geförderte Projekt SCOUT („aSsessing Competences fOr fUTure“) richtet sich in erster Linie an Beratungspersonal aus den europäischen Partnerländern, das mit Neuzugewanderten arbeitet und deren Potenziale und Kompetenzentwicklungsinteressen ans Licht hebt. SCOUT hat daher zum Ziel, die Arbeit des Beratungspersonals und hier insbesondere die Kompetenzerfassung von Neuzugewanderten zu verbessern. Dazu werden zwei Produkte erstellt:

Erstens werden bereits verfügbare Instrumente zur Kompetenzerfassung aus den einzelnen Partnerländern in einem Toolkit (Methodenkoffer) für Beratende zusammengestellt und einem Raster zugeordnet. Diese Zusammenstellung soll die Arbeit der Beratenden in Bezug auf die Kompetenzerfassung bereichern. Als Kernstück des SCOUT-Toolkits wird zweitens eine für die Zielgruppe angepasste Version des ProfilPASS in Einfacher Sprache erarbeitet. Der ProfilPASS ist ein Instrument zur Kompetenzerfassung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen, das es seit 2006 in Deutschland und seit 2014 auch in anderen europäischen Ländern gibt. In einem Vorgängerprojekt wurde deutlich, dass der ProfilPASS großes Potenzial birgt, um bei Neuzugewanderten verborgene Kompetenzen sichtbar zu machen, es aber Anpassungsbedarf gab. Durch eine Analyse ihrer vorhandenen Kompetenzen mit dem ProfilPASS und eine anschließende fundierte (Bildungs-) Beratung finden Neuzugewanderte nicht nur passende (Weiter-) Bildungsangebote, sondern auch der Zugang zum Arbeitsmarkt wird erleichtert – so die Annahme.

Integration und Kompetenzerfassung – Was ist der Status Quo?

Einer der ersten Schritte der SCOUT-Projektarbeit war eine fundierte Bestandsaufnahme im Bereich der Kompetenzerfassung aus den verschiedenen Partnerländern, basierend auf Recherchen und Experteninterviews sowie Fokusgruppen. Es gibt demnach bereits zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Initiativen und Aktivitäten, die Beratung, integrative Maßnahmen oder auch berufliche Orientierungs- oder Bildungsmaßnahmen für Neuzugewanderte umsetzen. Bezüglich der Erfassung und Anerkennung von Kompetenzen bestehen ebenso einige Ansätze. Für Deutschland wurden unter anderem das Anerkennungsportal der Bundesregierung und das Projekt ValiKom als ‚Good Practice‘-Beispiele ausgewiesen. Eine länderübergreifende Herausforderung besteht jedoch darin, den Neuzugewanderten leicht verständliche und einfach zugängliche Informationen und Unterstützung bezüglich der Erfassung und Validierung von bereits erworbenen Kompetenzen zur Verfügung zu stellen. Die Sprachbarriere stellt einen wichtigen Problembereich dar.

Das SCOUT-Toolkit – erste Ideen und Herausforderungen bei der Entwicklung

Die Ergebnisse der Recherchen und Befragungen belegen die grundlegenden Inhalte und Herausforderungen, um die sich die Entwicklung des SCOUT-Toolkits drehen wird. Um dem Problem der Sprachbarriere während der Kompetenzerfassung entgegenzuwirken, empfiehlt sich die Verwendung von Einfacher Sprache. Der ProfilPASS als Kern des Toolkits wird hierfür angepasst und in Einfache Sprache übersetzt. Auch der Zugang zum derzeit überwiegend aus Text bestehenden ProfilPASS wird durch ein passendes Layout mit graphischen Elementen, Zeichnungen und Visualisierungen erleichtert. Diese Anpassungen des ProfilPASS werden eine wirksame Unterstützung bei der Kompetenzermittlung für Neuzugewanderte sein. Neben dem angepassten ProfilPASS wird das Toolkit insgesamt 20 unterschiedliche Tools aus den Projektländern umfassen, die in unterschiedlichen Beratungsphasen eingesetzt werden können. Einige Instrumente sind in mehreren Sprachen verfügbar, beispielsweise das EU Skills Profile Tools for Third Country Nationals der Europäischen Kommission. Gleichzeitig sollen die sprachlichen Kompetenzen der Neuzugewanderten im Fokus stehen. Das Beherrschen mehrerer Sprachen ist ein großer Vorteil auf dem Arbeitsmarkt und dies soll nutzbar gemacht werden. Zudem sollen im Optimalfall Kompetenzerfassung und andere arbeitsmarktbezogene Aktivitäten (z.B. Weiterbildungsmaßnahmen, Karrierecoaching etc.) miteinander verknüpft werden. Das Open Access-Toolkit bietet dabei Beratenden die Möglichkeit eines niedrigschwelligen und schnellen Zugangs zu Kompetenzerfassungsinstrumenten. Auch die Ratsuchenden können teilweise selbstständig mit einigen Instrumenten arbeiten und eine erste Bestandsaufnahme der eigenen Kompetenzen machen. Hier besteht jedoch das Risiko einer Überschätzung oder Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Beratung ist hierfür ein wichtiges Element, um eine möglichst realistische Selbsteinschätzung zu gewährleisten.

Perspektiven – wohin führt der Weg?

Nachdem der Ist-Stand in den einzelnen Partnerländern erhoben und die Instrumente zur Kompetenzerfassung für das Toolkit fundiert ausgewählt wurden, findet nun die konkrete Weiterentwicklungsarbeit am ProfilPASS in Einfacher Sprache statt. Zudem existieren auch erste Ideen dazu, in welcher Form das SCOUT-Toolkit zur Verfügung gestellt werden soll und wie es benutzerfreundlich gestaltet werden kann. Neben dem Toolkit aus verschiedenen Beratungsinstrumenten werden in den nächsten Monaten ein Curriculum und ein Manual für Beratende erstellt.

Rahmenbedingungen des Projekts

Am 1. Oktober 2017 startete das zweijährige EU-Projekt „aSsessing Competences fOr fUTure (SCOUT)“ im Programm Erasmus+ (Projektnummer: 2017-1-DE02-KA204-004194). SCOUT wird vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) als Koordinator zusammen mit Partnerorganisationen aus Griechenland, Österreich, Schweden, Slowenien und Spanien bearbeitet.


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