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E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Maßgeschneiderte Erwachsenenbildung dank künstlicher Intelligenz

25/02/2019
by Markus Palmén
Sprache: DE
Document available also in: EN HU CS

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Originalsprache Englisch

Personalisierte Lehrpläne für erwachsene Lerner*innen mit unterschiedlichen Lernhintergründen: Dies verspricht die durch künstliche Intelligenz (KI) unterstützte Bildung. Dr. Topi Litmanen vom Bildungs-Start-up Claned gewährt Einblicke in die Zukunftspläne für Erwachsenenbildner*innen aus Sicht der KI-Start-ups.

Bildungs-Start-ups scheinen oft maßgeblicher Antrieb für die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen im Bildungswesen verantwortlich zu sein. Im KI-Bildungssektor wimmelt es von neuen Start-ups, die auf den Markt gehen. Viele von ihnen legen ihren Produktionsschwerpunkt auf die Grundschul- und weiterführende Schulbildung.

Doch welche Bedeutung könnte KI für die Erwachsenenbildung haben? Und wie sollten Erwachsenenbildner*innen an KI-Instrumente herangehen?

Mit diesen Fragen in petto traf sich EPALE mit Dr. Topi Litmanen vom Bildungs-Start-up Claned.

Claned, mit Sitz in New York, Singapur, Mumbai und Helsinki, wurde aufgrund ihres Schwerpunktes lebenslanges Lernen—zusätzlich zur Schul- und Hochschulbildung—für das Interview gewählt. Topi Litmanen hat einen Hintergrund in der Bildungsforschung und ist der leitende Bildungswissenschaftler des Unternehmens und.

EPALE: Treiben Start-ups wie Claned die Entwicklung von KI aktiv voran?

/epale/de/file/topi-litmanen-0Topi Litmanen

Topi Litmanen
Topi Litmanen: Der Großteil der reinen KI-Forschung vollzieht sich in großen Firmen und in Institutionen des Hochschulbildungswesens. Start-ups beschäftigen sich vorrangig mit neuen praktischen Einsatzmöglichkeiten der KI in neuen Bereichen.

So ist zum Beispiel das Hauptprodukt von Claned eine Onlineplattform, die gemeinschaftliches Lernen durch Kurse und Wissenstransfer ermöglicht. Während Lerner*innen mit der Plattform interagieren, sammelt diese Lernanalysedaten für den Betreiber, um so die Stärken, Schwächen und Interessen der Lerner*innen präzise zu erfassen. Claned bietet also, wie andere KI-Anbieter ja auch, sowohl Vermittlungs- als auch Analyseinstrumente. Die Fähigkeit von KI zu analysieren, wie wir genau lernen, ist ein entscheidender Teil ihres Potenzials im Bildungsbereich.

E: Erwachsene Lerner*innen verfügen über eine Menge Vorkenntnisse und implizites Wissen. Welche Vorteile hat KI für die Erwachsenenbildung angesichts dieser Tatsache?

TL: Sie haben Recht! Erwachsenenlernen ist „chaotischer“, weil die Lerner*innen völlig unterschiedliche Fähigkeiten und Lernhintergründe mitbringen. Die Wissensvermittlung ist in der Erwachsenenbildung auch weniger einseitig als beispielsweise in der Grundschule. Es reicht nicht, einen standardisierten, einheitlichen „Lerntrichter“ anzubieten. Man muss das Wissen personalisiert vermitteln, und genau das kann KI durch Metaanalysen der Lernerfahrung leisten. Deshalb ist es so wichtig, den Schwerpunkt auf Empfehlungsalgorithmen zu setzen—sie ermöglichen eine personalisierte Vermittlung.

E: Was müssen Erwachsenenbildner*innen beachten, wenn sie KI-Lösungen einsetzen wollen?

TL: Erwachsenenbildner*innen fragen uns häufig: „Müssen wir die Lernanalysedaten nutzen?“ Es ist manchmal schwierig, sich mit neuen Lehrinstrumenten auseinanderzusetzen, aber ich möchte unbedingt klarstellen,

dass Lernanalysedaten keineswegs die Aufgabe der Lehrkraft ersetzen sollen. Sie beleuchten einige Dinge näher und helfen Lehrkräften, fundierte Lehrinterventionen durchzuführen.

Wenn man also die Möglichkeit bekommt, eine KI-basierte Lösung einzusetzen, sollte man offen an sie herangehen—sie ist da, um einem zu helfen!

E: Wie wahrscheinlich ist es, dass Erwachsenenbildner*innen diese Instrumente zur Verfügung stehen werden? Werden KI-Lösungen nur den Wohlhabenden vorbehalten sein oder können Sie sich eine allgemeine Zugänglichkeit vorstellen?

TL: Die Preise verschiedener KI-betriebener Lösungen werden mit der Weiterentwicklung der Technologie zwangsläufig sinken. Ziemlich bald werden Bildungsorganisationen preiswerter an ausgeklügeltere Technologie herankommen. Gleichzeitig wird es immer schwerer werden, eigene KI-Lösungen weiter zu betreiben, denn komplexe Algorithmen benötigen massive Datenmengen für eine gute Performance. Bildungsanbieter werden diese Dienste also zunehmend auslagern müssen. Cloud-Dienstanbieter wie Google und Amazon werden dank ihres gesteigerten Zugangs zu riesigen Datenmengen davon nutznießen. Diese Unternehmen werden dann vorgefertigte KI-Instrumente entwickeln, die Unternehmen, wie unseres, in unsere Produkte integrieren können.

E: Was ist das Spannendste, was gerade im KI-Bildungssektor passiert?

TL: Die Entwicklung der Empfehlungsalgorithmen, über die wir vorhin gesprochen haben! Auch unser Unternehmen beschäftigt sich derzeit damit. Diese Algorithmen können Lerner*innen die richtigen Lerninhalte zur richtigen Zeit online anbieten. Gerade entstehen viele 5- bis 15-minütige Online-Lernmodule—quasi Lernhäppchen. Beispielsweise kann ein gut gepflegtes Empfehlungssystem zum optimalen Zeitpunkt eine kurze, maßgeschneiderte Lernpause vorschlagen.  

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz, oder KI, bezieht sich allgemein auf Maschinen und Computer, die sich menschliche kognitive Lernfunktionen aneignen, um dann—auf der Grundlage des Gelernten—Probleme selbstständig zu lösen. Die Einsatzbereiche für KI sind mannigfaltig und erstrecken sich vom Betreiben von Internetsuchmaschinen und Online-Werbealgorithmen bis hin zu autonomem Fahren, militärischen Drohnen—und eben auch Bildung.

Maschinelles Lernen

Maschinelles Lernen ist eine Unterkategorie von künstlicher Intelligenz, die auch Vieles mit der Statistik gemeinsam hat. Bei maschinellem Lernen geht es darum, Computerprogrammen „beizubringen“, wie sie lernen und aus Datensätzen Schlüsse ziehen können, ohne vorher explizite Befehle erhalten zu müssen. Mögliche Einsatzbereiche sind unter anderem Robotik, Archivieren, Börsenanalysen und Computerspiele.

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Markus Palmen ist Journalist, Autor, Produzent audiovisueller Medien und Freiberufler. Seit August 2017 ist er EPALE-Themenkoordinator für Politik. Er war acht Jahre lang Chef vom Dienst und Chefredakteur des European Lifelong Learning Magazine.

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