Umwelt

Neue Leitlinien zur Verringerung der Bodenversiegelung

01/09/2012

Jedes Jahr werden in der EU weitere 1 000 km2 an Boden – das entspricht einer Fläche in der Größenordnung Berlins – für die menschliche Nutzung beansprucht. Ungefähr die Hälfte dieses Lands wird dann mit einem undurchlässigen Material wie z. B. Beton bedeckt, mit schädlichen Auswirkungen für die Umwelt. Neue Leitlinien der Kommission zeigen auf, wie die „Bodenversiegelung“ begrenzt, abgemildert oder kompensiert werden kann.

Die Bodenversiegelung ist eine der Hauptursachen für die Verschlechterung der Bodenqualität in Europa. Wird fruchtbares Land einer anderen (in erster Linie industriellen oder städtischen) Nutzung zugeführt, erhöht dies das Risiko von Überflutungen, schädigt die Artenvielfalt und natürliche Lebensräume, trägt zur globalen Erwärmung bei und verringert die für die Lebensmittelerzeugung zur Verfügung stehende Fläche. Setzen sich aktuelle Trends fort, so wird Europa im Laufe eines Jahrhunderts eine zusätzliche Fläche von der Größe Ungarns bedeckt haben.

Um das Bewusstsein für die damit verbundenen Gefahren zu schärfen und um nachhaltigere Alternativen aufzuzeigen, stellen die neuen Leitlinien eine Reihe bewährter Verfahren aus dem gesamten Kontinent vor.

Darin wird auf den Einfluss hingewiesen, den die regionalen und örtlichen Behörden aufgrund ihrer vielfältigen Verantwortlichkeiten bei der Raumplanung und -bewirtschaftung ausüben können, indem sie vollständig integrierte Maßnahmen zum Einsatz bringen, die von der Planungs- bis zur Bauphase reichen. In den Leitlinien wird zur Entwicklung spezieller regionaler Ansätze zur Begrenzung der Zersiedelung geraten. Österreich, Deutschland und Luxemburg beispielsweise legen quantitative – wenn auch nicht bindende – Begrenzungen für die jährliche Landnahme fest.

Die Leitlinien empfehlen weiter, die Nutzung bereits vorhandener, jedoch verlassener lokaler Ressourcen, wie leer stehende Gebäude und industrielle Brachflächen, der Nutzung von bereits landwirtschaftlich oder für Freizeitzwecke genutzten Gebieten vorzuziehen. Die Entwicklung des Erdberger Mais in Wien ist ein Beispiel, bei dem fünf ehemalige innerstädtische Brachflächen heute Wohnraum für 6 000 Menschen und 20 000 Arbeitsplätze bieten.

Eine Abmilderung der Auswirkungen der Bodenversiegelung kann durch die Verwendung durchlässiger Materialien erreicht werden, die den Wasserabfluss verringern und ermöglichen, dass mehr Regenwasser in darunter liegende Bodenschichten eindringen kann. So kann ein Beitrag zur Senkung der Wasseraufbereitungskosten und zur Minderung des Risikos von Überflutungen und Wassererosion geleistet werden.

Denkbar sind auch Kompensationsmaßnahmen, indem bei den Vorbereitungen zum Bau von Gebäuden oder Straßen abgetragener Oberboden an anderer Stelle, beispielsweise für Freizeitzwecke wie z. B. Golfplätze, verwendet wird, oder indem bedeckter Boden wieder entsiegelt wird.

Die Öffentlichkeit informieren

Die Leitlinien wurden zum ersten Mal auf einer großen Konferenz der Öffentlichkeit vorgestellt, die im Mai in Brüssel stattfand. Sie werden in alle amtlichen Sprachen der EU übersetzt und mit Hilfe von Institutionen wie dem Ausschuss der Regionen den regionalen und städtischen Behörden in Europa zugänglich gemacht.

Sie werden das längerfristige Ziel der Kommission unterstützen, das sie in ihrem im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa festgelegt hat: keine Nettolandnahme bis 2050.

 

Bodennutzung und Boden