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News | 01 Mai 2011

Neue Biodiversitätsstrategie 2020

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Die Welt hat sich in Nagoya auf ein ehrgeiziges globales Programm verständigt: die Eindämmung des Verlusts der Artenvielfalt. Nur wenige Monate danach steht die Europäische Union vor der Fertigstellung ihrer eigenen detaillierten Strategie für das kommende Jahrzehnt. Diese Strategie stützt sich auf die bisher gemachten Fortschritte und die Erfahrungen aus dem vorhergehenden EU-Biodiversitätsaktionsplan. Sie ist eine der sieben spezifischen Initiativen, die das aktuelle Engagement für ein ressourcen effizientes Europa untermauern.

Die neue Strategie sieht vor, das übergeordnete Ziel der Union zu erreichen, den Verlust der Artenvielfalt und die Verschlechterung des Zustands der Ökosysteme in der EU bis 2020 aufzuhalten, die Ökosysteme so weit wie möglich wieder herzustellen und Europas Beitrag zur Verhinderung des globalen Verlusts der Biodiversität zu erhöhen.

Der bisherige, im Jahr 2006 gestartete Aktionsplan, war breit gefächert und enthielt rund 160 Einzelmaβnahmen. Der nachfolgende Plan, die Strategie 2020, verfolgt einen anderen Ansatz und konzentriert sich auf eine Handvoll von Schlüsselprioritäten, die für die künftige Gesundheit unserer Artenvielfalt entscheidend sind. Diese neue Strategie nimmt verstärkt Ökosystemleistungen in den Fokus und berücksichtigt deren Bedeutung für die Wirtschaft sowie für das individuelle und das allgemeine Wohlergehen.

Vorrangige Maβnahmen

Die Strategie basiert auf sechs Zielen. Jedes Ziel geht mit spezifischen Aktionen und Maβnahmen einher.

Naturschutz: Sicherstellen, dass die entsprechende EU-Gesetzgebung voll umgesetzt wird. Das schlieβt ein, die Errichtung von Natura-2000-Gebieten zu vervollständigen, einen Prozess auf biogeographischer regionaler Ebene zu entwickeln, um Prioritäten für die Erhaltung und Wiederherstellung von Schutzgebieten aufzustellen, und Schulungsprogramme zu Natura 2000 für Richter und Staatsanwälte zu entwickeln.

Ökosysteme und ihre Dienstleistungen: Die Systeme und die von ihnen bereitgestellten Leistungen erhalten und wiederherstellen. Ökosystemleistungen in der EU werden derzeit kartiert. Ihr wirtschaftlicher Wert wird 2012 bewertet, und die Kommission würde diese Ergebnisse gern in die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen integrieren. Bis 2013 werden Prioritäten für die Wiederherstellung von Ökosystemen auf lokaler, nationaler und EU- Ebene aufgestellt. Der Schutz der biologischen Vielfalt wird ebenfalls in die entsprechenden EU-Politiken und Maβnahmen integriert. Im Laufe dieses Jahres wird die Kommission eine spezifisch grüne Infrastrukturstrategie ausarbeiten.

Land- und Forstwirtschaft: Sicherstellen, dass diese Sektoren zum Erhalt und zur Steigerung der Biodiversität durch mehr Umweltschutz in der Gemeinsamen Agrarpolitik entsprechend der jüngsten Reform beitragen. Waldbesitzer sollten ebenfalls Anreize erhalten, um Methoden des nachhaltigen Forstmanagements anzuwenden.

Fischerei: Die Überfischung der Fischressourcen beenden und deren nachhaltige Nutzung sicherstellen. Die Gemeinsame Fischereipolitik wird zurzeit reformiert. Die Bewirtschaftung der Fischbestände soll verbessert und die Bestände sollen wieder auf ein Niveau gebracht werden, das die Erzeugung des höchstmöglichen Dauerertrags ermöglicht. Dabei ist sicherzustellen, dass die Fischereitätigkeiten die Meeresumwelt nicht beeinträchtigen.

Invasive Gebietsfremde Arten: Das Eindringen und die Verbreitung dieser Arten bekämpfen, einschlieβlich Maβnahmen zur Kontrolle der Einwanderungswege. Invasive Arten aus fremden Gebieten sind in der Union auf dem Vormarsch und verursachen erhebliche Schäden an einheimischen Arten. Gegenwärtig werden jährlich bis zu 12,5 Milliarden Euro zur Bekämpfung dieses Problems aufgewendet. Die Kommission will 2012 eine spezifische Strategie gegen diese Bedrohung verabschieden.

Globales Handeln: Zum Erhalt der Biodiversität in der ganzen Welt beitragen. Die Europäische Union wird fortfahren, ihren eigenen ökologischen Fuβabdruck zu reduzieren und internationale Anstrengungen zur Mobilisierung von mehr Ressourcen für den Erhalt der Artenvielfalt zu unterstützen. Weiter wird die EU alle ihre in Nagoya abgegebenen Verpflichtungen einhalten.

Erfolgsbedingungen

Auch wenn die EU ihr Ziel, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen, verfehlte, erbrachte der vorhergehende Biodiversitätsaktionsplan einige Erfolge und schärfte das allgemeine Bewusstsein über die Bedeutung von Biodiversität.

Die neue Strategie wird von einer Reihe von Faktoren profitieren, die die Erfolgschancen erhöhen werden. Zum Einen zeigt der Bericht „EU 2010 Biodiversity Baseline“, den Zustand der Artenvielfalt auf, was als Benchmark für die Fortschrittsbewertung hinsichtlich des Leitziels 2020 dienen wird.

Zum Anderen wird die Strategie zu einem Zeitpunkt fertig gestellt, da an Reformen für andere Politikbereiche, die direkten Einfluss auf die Biodiversität haben – Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr sowie Regional- und Sozialprogramme – und den Mehrjahresplänen für die Gesamtausgaben der Union nach 2013 gearbeitet wird. Das stellt sicher, dass Artenvielfalt gleich zu Beginn der neuen Politikzyklen umfassend berücksichtigt wird.

Die Kommission wird mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die Überwachung der Biodiversität, das Berichtswesen und die Prüfanforderungen auf nationaler, EU- und globaler Ebene gemäβ eines gemeinsamen Rahmenwerks zur Verminderung von Verwaltungslasten für die betroffenen Behörden besser zu straffen, ohne die Genauigkeit des dann entstehenden Bildes zu beeinträchtigen.

Halbzeitbewertung

Die Strategie wird 2014 einer Halbzeitbewertung unterzogen. Dies wird eine Möglichkeit sein, alle Verursacher des Verlusts der Artenvielfalt zu untersuchen, einschlieβlich des Klimawandels und der Luftverschmutzung, die ausdrücklich nicht in den sechs Unterzielen enthalten sind. Politische Maβnahmen sind bereits für diese beiden Faktoren getroffen worden. Sobald sie vollständig umgesetzt sind, sollten sie zusätzlichen Nutzen für die Biodiversität erbringen.

Die Bewertung wird eine Gelegenheit sein, die Fortschritte gegenüber der Biodiversitäts- Baseline zu messen. Sie wird regelmäβig aktualisiert, um neueste Daten, die sich auf eine breite Vielfalt an Quellen stützen, zu berücksichtigen.

 

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