Umwelt

Förderung von umweltfreundlicheren Produkten: ökologischer Fußabdruck von Produkten

02/01/2019

Beim ökologischen Fußabdruck eines Produktes (PEF) der Europäischen Union handelt es sich um eine Methodik zur Berechnung der Gesamtumweltauswirkungen von Produkten. Ziel ist es, verlässliche und vergleichbare Informationen zu Produkten zu liefern und so den EU-Binnenmarkt für umweltfreundliche Waren voranzutreiben. Die Arbeit an der Norm geht auf das Jahr 2011 zurück, als die damals bestehenden Methoden geprüft wurden. 2013 wurde die PEF-Methodik veröffentlicht und eine neue Arbeitsrunde eingeleitet, um die Methoden in der Praxis zu testen. Die mittlerweile abgeschlossenen PEF-Pilotversuche umfassen eine breite Palette von Waren: Bier, Batterien, Farben, Stromversorgung... Imola Bedo vom Team Ökologischer Fußabdruck der Europäischen Kommission äußert sich zu den gelernten Lektionen und zur Fortführung des PEF.

Der PEF-Pilotversuch wurde Anfang dieses Jahres abgeschlossen. Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse? 

Imola Bedo: Der PEF funktioniert. Er liefert Umweltinformationen, die besser reproduzierbar, vergleichbar und überprüfbar sind als alle anderen Methoden zum Lebenszyklus eines Produkts - von der Rohstoffgewinnung bis zum Ende der Lebensdauer von Produkten.

Freiwillige und Kollegen haben in intensiver Arbeit Eigenschaften entwickelt, die den Benutzern Vorteile bringen.

Der Wesentlichkeitgrundsatz z.B. gewährleistet relevante Produkteinformationen, Vereinfachung und Kostenreduzierung. Dieser Grundsatz fördert die Ausrichtung auf die in ökologischer Hinsicht relevantesten Prozesse, Folgen und Lebenszyklusphasen (einschließlich Herstellung und Verwendung).  Die Bemühungen um qualitative Informationen konzentrieren sich auf diese Schlüsselaspekte. Nach unseren Beobachtungen sind sogar bei komplexen Produkten, die tausende von Prozessen involvieren, etwa 10-20 der Prozesse für rund 80% der Folgen verantwortlich. 

Als weiterer Erfolg ist die Erarbeitung einer Benchmark für Endprodukte zu sehen, die für die Performance des durchschnittlichen Produkts auf dem Markt steht. So wird verständlich, warum ein Produkt besser oder schlechter abschneidet als der Durchschnitt. 

Während der Pilotphase haben wir zudem gemeinsame Ansätze für zahlreiche Querschnittsthemen vereinbart, z.B. Verpackung, Elektrizität, Verkehr und weitere Prozesse. 

Für welche Produkte funktioniert der PEF am besten und weshalb?

Imola Bedo: Der PEF funktioniert für alle Produkte, für die er getestet wurde. Natürlich sind einige Produkte schwieriger als andere. In der Elektronik werden z.B. oft Komponenten wie Leiterplatten verwendet, deren genaue Zusammensetzung nicht bekannt ist. Die Analyse wird dadurch schwieriger, aber nicht unmöglich. In einigen Bereichen, in denen die Lebenszyklusbewertung wenig gebraucht wurde, besteht Verbesserungsbedarf – z.B. in der Landwirtschaft, wo wir uns in den nächsten Jahren auf die Definition eines ausgefeilteren Modells konzentrieren werden.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Wann wird der PEF auf breiter Basis eingesetzt?

Imola Bedo: Die Kommission prüft heute verschiedene Optionen zur Anwendung des PEF in bestehenden oder neuen Politiken, z.B. beim EU-Umweltzeichen, dem umweltorientierten Beschaffungswesen oder bei der Unterstützung von Umweltschutzklagen. Ende 2018 wurde eine Reihe von Anhörungen zu den potenziellen Optionendurchgeführt. Zielgruppen waren Unternehmen und ihre Verbände, Investoren und Finanzinstitutionen, öffentliche Verwaltungen, NRO sowie die Urheber der Methoden bzw. Initiativen.

Der PEF erweist sich als nützliches Instrument für neue Politiken. In der nachhaltigen Finanzierung wird ausgelotet, ob der PEF als Grundlage zur Definition der Aktivitäten, die als umweltverträglich gelten können (Taxonomie), sowie zur Definition des Kohlenstoffindexes verwendet werden können. Auch im Strategischen Aktionsplan für Batterien wird der PEF als Instrument genannt, das zur Verringerung des ökologischen Fußabdruckes der Batterieherstellung in der EU beiträgt. 

Gleichzeitig zur Diskussionen künftiger Politiken fördern wir die Entwicklung von neuen produktspezifischen Berechnungsregeln. Anfang 2019 soll ein Aufruf zur Ermittlung von Freiwilligen veröffentlicht werden.

Welche Rolle ist für den PEF beim Aufbau der Kreislaufwirtschaft geplant?

Imola Bedo: Der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft bezeichnet den PEF als potenzielles Instrument zur Information der Verbraucher. Der PEF kann den Verbrauchern helfen, Kaufentscheidungen nach ökologischen Erwägungen zu treffen. Wir haben mit Pilot-Teilnehmenden ein breites Spektrum an Möglichkeiten geprüft, um die Verbraucher über PEF-Profile zu informieren. Es besteht eindeutig eine Nachfrage nach diesen Informationen. Damit die Messages ankommen, müssen sie klar, einfach, verlässlich und nicht in einem Wirrwarr von Umweltdeklarationen versteckt sein. 

Der PEF besitzt ein noch weiteres Potenzial zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Es handelt sich um eine gemeinsame Sprache zur Umweltperformance, die eine Zusammenarbeit entlang der Werteketten auslösen kann, und ein Instrument, das zur Optimierung des Produktdesigns aus ökologischer Perspektive beiträgt. 

Implementieren die EU-Länder auch ihre PEF-Initiativen? Welche sind besonders interessant und nachahmenswert bzw. einer breiten Verbreitung würdig?

Imola Bedo: Frankreich ist Spitzenreiter, was die Kommunikation mit den Verbrauchern über die Umweltleistung im Laufe des Lebenszyklus angeht. Die französische Initiative (Affichage environnemental des produits et des services) ist älter als die PEF-Initiative. Wir lernen viel voneinander. 

Ein Ziel bei der Entwicklung des PEF war, zu vermeiden, dass es 28 unterschiedliche Systeme zur Messung der Umweltleistung im Laufe des Lebenszyklus gibt. Italien hat als erster Mitgliedstaat eine freiwillige Initiative eingeführt, die auf dem PEF beruht; sie heißt “"Made Green in Vitaly". Die Initiative wurde dieses Jahr realisiert. Wir verfolgen die Entwicklung mit Interesse.

In den nächsten Jahren werden wir die Akzeptanz der Produktekategorieregeln für den ökologischen Fußabdruck (Product Environmental Footprint Category Rules – PEFCRs) durch die Wirtschaft beobachten.

Weitere Informationenhttp://ec.europa.eu/environment/eussd/smgp/ef_pilots.htm