Bologna-Prozess und Europäischer Hochschulraum
Der Bologna-Prozess ist ein Mechanismus zur Förderung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit von 48 europäischen Ländern im Bereich der Hochschulbildung.

Was ist der Bologna-Prozess?

Mit dem Bologna-Prozess soll die Kohärenz der Hochschulsysteme in ganz Europa verbessert werden. 

Durch ihn wurde der Europäische Hochschulraum geschaffen, um die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal zu erleichtern, die Hochschulbildung integrativer und zugänglicher zu gestalten und um die europäische Hochschulbildung weltweit attraktiver und wettbewerbsfähiger zu machen.  

Im Rahmen des Europäischen Hochschulraums vereinbarten alle teilnehmenden Länder Folgendes:

Warum ist der Bologna-Prozess wichtig?

Im Rahmen des Bologna-Prozesses beteiligen sich die europäischen Regierungen an Diskussionen über Reformen der Hochschulbildung und setzen sich für den Abbau von Hindernissen ein, die der Schaffung eines europäischen Hochschulraums entgegenstehen. 

Die Bologna-Reform ist von entscheidender Bedeutung für die Vertrauensbildung hinsichtlich der Lernmobilität, der grenzübergreifenden akademischen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und Lernzeiten. Auch die Verbesserung der Qualität und Relevanz des Lernens und der Lehre ist eine zentrale Aufgabe des Bologna-Prozesses. Die Umsetzung dieser Reformen ist jedoch in den 48 teilnehmenden Ländern uneinheitlich. 

Der Bologna-Prozess ist außerdem ein Forum für den Dialog mit den Nachbarländern zum Thema Reform der Hochschulbildung und zu Fragen im Zusammenhang mit gemeinsamen akademischen Grundsätzen, zum Beispiel der Unabhängigkeit der Universitäten und der Beteiligung von Studierenden an Aktivitäten der Zivilgesellschaft. Überdies hat sich der Bologna-Prozess zu einem wichtigen Aspekt der sanften EU-Diplomatie mit den Nachbarländern im westlichen Balkan (mit Ausnahme des Kosovo), den Ländern der Östlichen Partnerschaft, der Türkei, Russland und anderen Ländern entwickelt.

Was unternimmt die EU, um die Reform der Hochschulbildung zu unterstützen?

Seit dem Start des Erasmus-Programms vor etwa 30 Jahren setzt sich die Kommission gemeinsam mit nationalen Behörden, Hochschuleinrichtungen, Studierenden und anderen Interessenträgern für eine intensivere und strukturiertere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Hochschulen ein. 

Als die Nachfrage nach Mobilität von Studierenden rasch anstieg, wurde deutlich, wie schwierig es für einzelne Hochschuleinrichtungen war, Studienzeiten in verschiedenen nationalen Hochschulsystemen mit unterschiedlichen Studienabschlüssen und akademischen Traditionen zu vergleichen und anzuerkennen.

Die nationalen Regierungen reagierten auf die Herausforderungen, die sich aus der Mobilität europäischer Studierender und Hochschulabsolventen ergaben. Erste Schritte waren die Sorbonne-Erklärung und die Bologna-Erklärung.

Die Kommission ist Vollmitglied der Bologna-Follow-up-Gruppe und ihres Vorstands, die die Umsetzung der Beschlüsse der Bologna-Ministerkonferenzen begleiten.

Aus regelmäßigen Umsetzungsberichten ergibt sich, dass bereits große Fortschritte bei der Reform der Bildungssysteme in den EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus erzielt wurden.

Im Pariser Kommuniqué vereinbarten die Bildungsminister darüber hinaus Schwerpunktbereiche für Reformmaßnahmen in den kommenden Jahren. Die Minister aus 48 europäischen Ländern sprachen sich unter anderem für einen ehrgeizigeren Europäischen Hochschulraum bis 2020 aus.

Sie forderten: 

  • einen inklusiven und innovativen Ansatz für das Lernen und die Lehre,
  • eine integrierte transnationale Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation,
  • die Gewährleistung einer nachhaltigen Zukunft mithilfe der Hochschulbildung.

Das Kommuniqué nennt weiterhin die Notwendigkeit der besseren Unterstützung schutzbedürftiger und unterrepräsentierter Gruppen dabei, Zugang zur Hochschulbildung zu erhalten und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Diese ehrgeizigen Ziele entsprechen demjenigen der EU, bis 2025 einen europäischen Bildungsraum zu schaffen, um die Mobilität und die akademische Anerkennung von Qualifikationen für alle EU-Bürgerinnen und -Bürger zu fördern. 

Die nächste Ministerkonferenz des Bologna-Prozesses findet im Juni 2020 in Rom statt. 

In der Broschüre The EU in support of the Bologna Process (nur EN) finden Sie nähere Informationen über die Rolle der EU bei der Gestaltung des Bologna-Prozesses und über Fortschritte beim Aufbau eines Europäischen Hochschulraums.