Ein europäischer Ansatz für Microcredentials

Ein europäischer Ansatz für Microcredentials wird dazu beitragen, Lernmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger zu erschließen und die Rolle der Hochschul- und Berufsbildungseinrichtungen im Zusammenhang mit dem lebenslangen Lernen zu stärken.

Flexible, inklusive Lernangebote

Microcredentials sind eine Qualifikation, mit der Lernergebnisse nachgewiesen werden, die in einem kurzen, transparent bewerteten Kurs oder Modul erworben wurden. Dabei kann es sich um Präsenz- oder Distanzlernangebote sowie um Mischformate handeln. 

Der flexible Charakter dieser Qualifikationen eröffnet mehr Menschen Lernmöglichkeiten, da ihr Erwerb selbst bei Vollzeitbeschäftigung möglich ist.

So sind Microcredentials eine äußerst flexible und integrative Form des Lernens, die einen gezielten Erwerb von Fähigkeiten und Kompetenzen erlaubt.

Microcredentials werden sowohl von Einrichtungen der höheren und beruflichen Aus- und Weiterbildung als auch von privaten Einrichtungen angeboten.

Besonders nützlich können sie für Menschen sein, die

  • auf ihren Kenntnissen aufbauen, aber kein vollständiges Studium absolvieren möchten
  • an einer Weiterbildung oder Umschulung interessiert sind, um mit den Erfordernissen des Arbeitsmarktes Schritt zu halten oder sich nach der Arbeitsaufnahme beruflich weiterzuentwickeln

Öffentliche Konsultation

Am 20. April 2021 hat die Europäische Kommission eine zwölfwöchige öffentliche Konsultation über einen europäischen Ansatz für Microcredentials für lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit eingeleitet.

Im Rahmen der öffentlichen Konsultation sollen Ideen für die Entwicklung einer gemeinsamen Definition für Microcredentials, europaweite Standards für ihre Qualität und Transparenz und die nächsten Schritte auf institutioneller, nationaler und EU-Ebene gesammelt werden.

Die öffentliche Konsultation läuft bis zum 13. Juli 2021 um 23.59 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).

Nehmen Sie an der öffentlichen Konsultation teil und teilen Sie jetzt Ihre Meinung! 

Warum ein europäischer Ansatz erforderlich ist

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger in Europa müssen ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre Qualifikationen auf den neuesten Stand bringen, um Lücken zu schließen, die sich zwischen ihrer formalen Bildung und dem Bedarf einer Gesellschaft und eines Arbeitsmarkts im raschen Wandel immer wieder auftun. 

Die Erholung von der Corona-Krise und die Notwendigkeit, den ökologischen und digitalen Wandel voranzutreiben, erfordern gleichfalls Weiterbildung und Umschulung des Einzelnen.

Zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft, Gewährleistung der kontinuierlichen persönlichen, sozialen und beruflichen Entwicklung und zur Förderung von Beschäftigungsfähigkeit und sozioökonomischer Innovation müssen Kompetenzen bewahrt und neue Kompetenzen erworben werden. 

Ohne gemeinsame Standards, die für Qualität, Transparenz, grenzüberschreitende Vergleichbarkeit, Anerkennung und Übertragbarkeit sorgen, lässt sich das Potenzial von Microcredentials jedoch nicht voll entfalten.

Die Kommission bemüht sich daher darum, eine gemeinsame Definition und europäische Standards für Microcredentials zu entwickeln, die so weit wie möglich auf bestehenden Instrumenten aufbauen und sicherstellen, dass der Wert von Microcredentials unabhängig von der ausstellenden Stelle ist. 

Die Absicht, einen europäischen Ansatz für Microcredentials zu entwickeln, wurde angekündigt in:

Beratungsgruppe für Microcredentials: Empfehlungen

Im Frühjahr 2020 hat die Kommission eine Ad-hoc-Beratungsgruppe aus Experten für die Hochschulbildung zusammengesetzt, darunter Vertreter aus der Praxis, Mitglieder von Qualitätssicherungsagenturen und Gastteilnehmer aus ganz Europa.

Zwischen dem 26. Mai und dem 17. September 2020 hielt die Gruppe drei virtuelle Sitzungen ab und schlug dabei eine gemeinsame europäische Definition, gemeinsame Merkmale und einen Fahrplan mit Maßnahmen vor.

Der Fahrplan umfasst Vorschläge für Maßnahmen, die auf europäischer und einzelstaatlicher Ebene nötig sind, um einen europäischen Ansatz zu entwickeln und umzusetzen, sowie einen Zeitplan.

Die Schwerpunkte dieses Fahrplans liegen auf folgenden Maßnahmen:

  • Entwicklung gemeinsamer europäischer Standards für Qualität und Transparenz in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Interessenträgern – Bildungs- und Berufsbildungsgemeinschaften, Arbeitsmarktakteuren, Sozialpartnern, Jugendorganisationen, der Zivilgesellschaft, Handelskammern und Arbeitgebern – und unter Einbeziehung aller Mitgliedstaaten und Länder des Europäischen Hochschulraums
  • Prüfung der Aufnahme von Microcredentials in nationale Qualifikationsrahmen unter möglicher Bezugnahme auf den Europäischen Qualifikationsrahmen
  • Erstellung einer Liste vertrauenswürdiger Anbieter und Förderung von Qualitätssicherungverfahren
  • Untersuchung, inwieweit das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) im Zusammenhang mit den Microcredentials in anderen Bildungssektoren als der Hochschulbildung angewendet werden kann
  • Erarbeitung von Leitlinien für ein zügigeres Anerkennungsverfahren, indem bestehende Validierungs- und Anerkennungsinstrumente angepasst oder neue Instrumente entwickelt werden
  • Erleichterung der Speicherung von Microcredentials und ihres Nachweises durch Europass und dessen Infrastruktur für digitale Zertifikate sowie die Initiative „Europäischer Studierendenausweis“
  • Nutzung von Microcredentials zur Verbesserung des Zugangs zum lebenslangen Lernen, indem eine verbesserte Durchlässigkeit zwischen den Bereichen der allgemeinen und beruflichen Bildung gewährleistet und den Lernenden mittels der Ausweitung von Beratungsdiensten, die durch Arbeitsmarktdaten in Echtzeit unterstützt werden, eine fundierte Auswahl ermöglicht wird
  • EU-Unterstützung durch das Programm Erasmus+ und die Strukturfonds zugunsten von Hochschulen und Berufsbildungseinrichtungen sowie anderen allgemeinen und beruflichen Bildungseinrichtungen und Bildungsanbietern, um die Verbreitung von Microcredentials zu fördern

Die vorgeschlagenen Maßnahmen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Hochschulbildung, betreffen aber auch andere Ebenen und Sektoren der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Nächste Schritte

Diese Ergebnisse werden in umfassende Beratungen mit einfließen, die alle Bereiche der allgemeinen und beruflichen Bildung abdecken und zur Ausarbeitung einer Empfehlung des Rates zu Microcredentials für lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit bis Ende 2021 beitragen.


Abbildung: © Europäische Union, 2020.