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EU und FAO schieben der illegalen Fischerei einen Riegel vor

EU und FAO schieben der illegalen Fischerei einen Riegel vor

Seit die EU im Januar 2010 eine „Nulltoleranz“-Politik gegenüber der illegalen Fischerei angekündigt hat, hat sich eine Menge getan. Der Welt ist die Bedeutung einer verantwortungsvollen Fischerei stärker bewusst geworden und viele Länder haben ihre Fischereibewirtschaftungssysteme verbessert. Große Marktmächte wie die USA, Japan und Kanada haben sich der wegweisenden Gesetzgebung der EU zur Bekämpfung der IUU-Fischerei angeschlossen.

Die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei („IUU“) ist ein ernst zunehmendes Problem, dessen Folgen rund um den Globus zunehmende Besorgnis hervorrufen. Die IUU-Fischerei unterläuft die Bemühungen zur Erhaltung und Bewirtschaftung der Fischbestände. Sie verhindert, dass betroffene Länder das Ziel einer langfristigen Nachhaltigkeit erreichen. Sie sabotiert die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Lebensfähigkeit ehrlicher Fischer, die verantwortungsbewusst und innerhalb der rechtlichen Grenzen handeln. Besonders hart trifft es Entwicklungsländer, die gewöhnlich nicht die Mittel haben, ihre eigenen Gewässer zu kontrollieren und rechtswidrige Fischereibetreiber zu stoppen. Viele ihrer Küstengemeinden sind sehr stark von der Fischerei abhängig und die illegale Fischerei dezimiert ihre einzige Lebensgrundlage.

 

© Jose Lledo

Um IUU-Fangtätigkeiten zu bekämpfen, haben internationale Organisationen ein wirkungsvolles Instrumentarium entwickelt, das sich auf die Verantwortung eines jeden Landes sowohl für Fischereifahrzeuge, die unter ihrer Flagge fahren, (flaggenstaatliche Verantwortung) als auch für die ausländischen Fischereifahrzeuge, die ihre Häfen benutzen, (hafenstaatliche Verantwortung) stützt. Klare Verpflichtungen bestehen des Weiteren für die Küstenstaaten, in deren Gewässern die Fangtätigkeiten stattfinden. Was jedoch noch gestärkt werden muss, ist die Rolle des Landes, in dem der Fisch endet (Verantwortung des Vermarktungsstaates). Die Abschottung der Märkte gegen illegale Erzeugnisse ist in der Tat ein ganz wesentlicher Schritt im Kampf gegen die IUU-Fischerei: Wenn illegale Betreiber keinen Markt finden, auf dem sie ihre Erzeugnisse platzieren können, entfällt automatisch der Anreiz, illegalen Fischfang zu betreiben. Um dies zu erreichen muss die gesamte Lieferkette – vom Fischer bis zum Einzelhändler – miteinbezogen werden und nach verantwortungsvollen unternehmerischen Verhaltenskodizes handeln.

Als weltweit wichtigster Importeur von Fisch und Meeresfrüchten kann die EU einen gewichtigen Einfluss auf den Markt ausüben. Seit mehr als sechs Jahren nutzt sie diesen Einfluss, um gemeinsam mit ihren Partnern in aller Welt verantwortungsbewusste Fischereitätigkeiten zu fördern und die Bewirtschaftung der Ozeane zu verbessern. Der Rechtsrahmen der EU zur Bekämpfung der IUU-Fischerei stützt sich auf drei wesentliche Elemente. Erstens ermöglicht die EU nur Fisch- und Meeresfrüchteprodukten den Zugang zu ihrem Markt, die als legal gefischt zertifiziert sind: Um auf den Markt zu gelangen, muss der Fisch aus einem zugelassenen Land kommen, über geeignete Fang- und Gesundheitsbescheinigungen verfügen und die EU-Grenzkontrollen passieren. Zweitens ermöglicht es ein nachrichtendienstliches Netzwerk der Kommission und den EU-Mitgliedstaaten, Echtzeitinformationen über illegale Fischfangaktivitäten auszutauschen und gemeinsam dagegen vorzugehen. Drittens: umfangreiche Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Ländern in allen Teilen der Welt.

Unser Ziel ist es sicherzustellen, dass internationale Standards von allen gleichermaßen respektiert werden, und wir hoffen, dieses Ziel durch Dialog und Zusammenarbeit erreichen zu können. Schlägt dieser Dialog fehl, erteilt die Kommission eine Warnung (oder eine „gelbe Karte“) und leitet ein förmliches Verfahren des Dialogs und der Kooperation mit den Behörden des jeweiligen Landes ein. Werden Probleme innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens nicht gelöst, kann die Europäische Kommission daraufhin entscheiden, eine „rote Karte“ zu erteilen, wobei ein anschließendes Handelsverbot dann die allerletzte Option ist.

Dieses Konzept birgt Vorteile. Innerhalb der EU vertrauen die Verbraucher darauf, dass die auf dem Markt erhältlichen Erzeugnisse aus der Meeresfischerei legal gefangen wurden, und dass zurückverfolgt werden kann, wo er gefangen wurde. Aus internationaler Sicht hilft dies Drittländern, internationalen Verpflichtungen zur Bestandserhaltung nachzukommen, und schafft gleiche Bedingungen für alle Betreiber. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben mehr als 50 Länder mit Unterstützung der Europäischen Kommission strukturelle Reformen in ihren Fischereisektoren durchgeführt. Dies ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die illegale Fischerei.

Parallel dazu hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein wichtiges Instrument entwickelt, das Übereinkommen über Hafenstaatmaßnahmen, das es Ländern ermöglicht, illegale Betreiber von ihren Häfen fernzuhalten, indem sie sie an der Anlandung illegaler Fänge hindern. Durch das Schließen von „Gefälligkeitshäfen“ wird der illegalen Fischerei ein Riegel vorgeschoben.

Es ist klar, dass dies kein Kampf ist, den die EU alleine gewinnen kann. Deshalb ist die multilaterale Zusammenarbeit auch ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Doch der Bewusstseinswandel, der durch die Politik der EU herbeigeführt wurde, konkretisiert sich zusammen mit den wertvollen Maßnahmen der FAO in einer besseren Bewirtschaftung der Ozeane weltweit – zumindest werden die Ozeane dadurch zu einem gerechteren Ort für Fischer.

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Die internationale Gemeinschaft gegen illegale Fischerei

Straftätern, die an der illegalen Fischerei beteiligt sind, stehen harte Zeiten bevor. Am 5. Juni trat der erste internationale Vertrag, der speziell auf die Bekämpfung der illegalen Fischerei ausgerichtet ist, weltweit verbindlich in Kraft. Das von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geförderte Übereinkommen über Hafenstaatmaßnahmen ermöglicht es Ländern, illegale Betreiber von ihren Häfen fernzuhalten und sie an der Anlandung illegaler Fänge zu hindern.

Dieses innovative Übereinkommen trat in Kraft, nachdem 30 Länder formell ihre Beitrittsurkunden hinterlegt hatten. Die EU war eine der ersten, die 2011 unterzeichneten. Zusammen machen die Länder, die sich dem Übereinkommen verpflichtet haben, weltweit mehr als 62 % der Fischeinfuhren und 49 % der Ausfuhren aus, was 2013 einer Summe von mehr als 133.000 Mio. USD bzw. 139.000 Mio. USD entsprach. Die FAO schätzt, dass aus der IUU-Fischerei jährlich Fänge von 26 Mio. Tonnen mit einem Wert von 23.000 Mio. USD hinzukommen. Dadurch unterläuft sie die Bemühungen, eine nachhaltige Fischerei und verantwortungsvolle Bewirtschaftung der weltweiten Fischbestände sicherzustellen.

Die FAO drängt weitere Länder, ein Übereinkommen zu ratifizieren, das die gesamte Fischereiindustrie durch das Schließen von Häfen und die Unterbindung des Marktzugangs für skrupellose Betreiber zu größerer Nachhaltigkeit führen und eine deutliche Signalwirkung für die gesamte Lieferkette haben wird.

 

Weitere Informationen darüber, wie die EU die IUU-Fischerei bekämpft, finden Sie in dieser Infografik:

http://ec.europa.eu/fisheries/documentation/publications/2015-04-tackling-iuu-fishing_en.pdf

 

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