Maritime Affairs and Fisheries
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Beendigung der Überfischung: viel erreicht, viel zu tun

Beendigung der Überfischung: viel erreicht, viel zu tun

Die seit einem Jahrzehnt andauernden gemeinsamen Anstrengungen, um die Erschöpfung der Fischbestände zu verhindern und nachhaltige Dauererträge in europäischen Gewässern zu maximieren, haben erste Früchte getragen.

Gute Nachrichten

Im Konsultationspapier der Europäischen Kommission über die Fangmöglichkeiten für 2014, das am 30. Mai veröffentlicht wurde, wurden die Fortschritte auf dem Weg zur Beendigung der Überfischung herausgestellt. Im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässern liegen derzeit so viele Fischbestände innerhalb sicherer biologischer Grenzen wie seit den frühen 1980er Jahren nicht mehr; ihre Zahl ist nach und nach von 12 (29 %) im Jahr 2003 auf 24 (59 %) im Jahr 2013 gestiegen. Der Anteil der überfischten Bestände in diesen Regionen ist von 94 % im Jahr 2005 auf 39 % in diesem Jahr gesunken. Wurden im Jahr 2005 nur zwei Bestände innerhalb des höchstmöglichen Dauerertrags befischt, so sind es heute bereits 25. 

 

“Dennoch können wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und müssen unsere Anstrengungen weiter verstärken, wenn wir die Überfischung bis zum vereinbarten Zieldatum beenden möchten.”

 

Ending overfishing: much to celebrate, much to do - © European Union
Ending overfishing: much to celebrate, much to do - © European Union
Maria Damanaki, EU-Kommissarin für Fischerei und maritime Angelegenheiten, sagt dazu: „Die Zahlen zeigen, dass verantwortungsvolle Bestandsbewirtschaftungsmaßnahmen sinnvoll sind und Erfolg haben. Dennoch können wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und müssen unsere Anstrengungen weiter verstärken, wenn wir die Überfischung bis zum vereinbarten Zieldatum beenden möchten.“

Wir verfügen über immer fundierteres und umfassenderes Wissen über die Fischbestände. Die Datenerfassung und die Einhaltung der Vorschriften haben sich in den letzten zehn Jahren aufgrund von Innovationen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) deutlich verbessert. Die Wissenschaftler kennen jetzt den Zustand von 50 % der Fischbestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Regionen und können Empfehlungen zu Fangmöglichkeiten für 77 Fischbestände aussprechen – die höchste Zahl seit einem Jahrzehnt.

 

Fischerei den neuesten verfügbaren Zahlen zufolge um 41 % im Jahr 2010 auf 457 Mio. EUR im Jahr 2011.

 

Gleichzeitig mit dem Rückgang der Überfischung lässt sich ein Anstieg der Gewinne feststellen. Vor allem aufgrund höherer Marktpreise stieg der Nettogewinn aus der Fischerei den neuesten verfügbaren Zahlen zufolge um 41 % – von 324 Mio. EUR im Jahr 2010 auf 457 Mio. EUR im Jahr 2011, und dies trotz der höheren Treibstoffkosten, die den Betrieb von Fischereiflotten teurer gemacht haben.

Weniger gute Nachrichten

Trotz aller Fortschritte bei der Verringerung der Überfischung werden einige Arten weiterhin übermäßig befischt. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sind 88 % der Bestände betroffen. Die Notwendigkeit einer besseren internationalen Zusammenarbeit für eine nachhaltige Fischerei lässt sich am Beispiel der Makrele im Nordostatlantik verdeutlichen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Island, den Färöern, Norwegen und der EU über die einseitige Quotenfestsetzung haben zu einer zulässigen Gesamtfangmenge (TAC) geführt, die den von der Wissenschaft empfohlenen Wert im Jahr 2013 um 36 % übertrifft.

 

Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sind 88 % der Bestände betroffen.

 

Der Rückwurf von Fängen trägt zur Überfischung und Erschöpfung der Bestände bei. Diese verschwenderische Praxis, bei der tote oder sterbende Fische zurück ins Meer geworfen werden, tritt häufig auf, wenn Fischer Quoten für andere Arten einhalten oder den Wert ihrer Fänge maximieren wollen oder wenn sie engmaschige Netze verwenden, um kleinere, aber wertvollere Arten zu fangen. Die Rückwurfrate für Kabeljau in der Nordsee ist zwar zurückgegangen, doch wird immer noch durchschnittlich ein Viertel des gefangenen Kabeljaus wieder über Bord geworfen. Bei einigen Arten ist die Rückwurfrate sogar noch höher, so beläuft sie sich bei Schollen auf rund 40 % und bei Wittlingen sogar auf 56 %. Um das Ziel einer an Null grenzenden Rate zu erreichen (eine gewisse Anzahl unbeabsichtigter Fänge ist in der Branche unvermeidbar), wird die EU ab dem 1. Januar 2015 schrittweise Rückwurfverbote einführen. Die Umsetzungsphase dieser Maßnahmen wird voraussichtlich vier Jahre dauern. Während dieser Zeit können die Fischer sich schrittweise an das neue System anpassen und ihre Ausrüstung umstellen, um die Selektivität beim Fischfang zu verbessern.

Es bleibt noch viel zu tun

Die Kommission berücksichtigt bei ihrem Ansatz zur Festsetzung der Fangquoten für das kommende Jahr wissenschaftliche Empfehlungen, um eine nachhaltige Fischerei innerhalb des höchstmöglichen Dauerertrags zu gewährleisten. Zuvor wird sich die Kommission mit der Fischereibranche und den Mitgliedstaaten darüber austauschen, wie diesbezüglich am besten vorzugehen ist. Außerdem werden Konsultationen mit Norwegen und anderen Nicht-EU-Ländern sowie weitere Diskussionen in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Die Quoten werden dann Ende Dezember festgesetzt.

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