Maritime Angelegenheiten und Fischerei
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Europäischer Tag der Meere: Ein Zeichen setzen für eine glänzende – und blaue – Zukunft

Europäischer Tag der Meere: Ein Zeichen setzen für eine glänzende – und blaue – Zukunft

„Wir teilen die Überzeugung, dass unsere Meere und Küsten von großer Bedeutung für unsere Zukunft sind, und wir sind hier zusammengekommen, um darüber zu sprechen, wie diese Zukunft aussehen soll“, sagte Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei, auf dem 8. Europäischen Tag der Meere in Athen am 28. Mai.

Schwerpunkt der Konferenz bildete in diesem Jahr die Rolle der Häfen und Küsten innerhalb der Blauen Wirtschaft. Um das Potenzial dieses Wirtschaftszweigs auszuschöpfen, betonte der Kommissar, brauche Europa „Schutzmaßnahmen, Innovationen, Investitionen, Aus- und Weiterbildungs- sowie Sensibilisierungsmaßnahmen“.

© European Union

Die Europäische Kommission, Vertreter der Branche und Mitglieder der Forschungsgemeinschaft nutzten darüber hinaus die Gelegenheit, das Wirtschafts- und Wissenschaftsforum für blaue Wirtschaft zu starten, mit dem versucht werden soll, die Lücke zwischen theoretischer Forschung und angewandter Innovation zu schließen.

Der Kommissar erinnerte die 1 300 Teilnehmer auf dem bisher am besten besuchten Europäischen Tag der Meere daran, dass 90 % des EU-Außenhandels über EU-Gewässer abgewickelt werden und dass auf den maritimen Sektor rund fünf Millionen Arbeitsplätze entfallen. „Wirtschaftliche Möglichkeiten bringen ökologische Verantwortung mit sich“, fügte Vella hinzu. Die wichtigste Herausforderung bestehe darin, gute Ideen auf den Markt zu bringen, sagte er und kündigte die finanzielle Unterstützung neuer Unternehmen an. Er wies aber auch darauf hin, dass Ideen und Geld nicht ausreichend seien, wenn wir nicht über die Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügten, sie Realität werden zu lassen.

Tatsächlich kam das Thema Kompetenzen im Laufe der Veranstaltung wiederholt zur Sprache. „Wir müssen an die Jobs der Zukunft denken und Menschen darin unterstützen, das Lernen zu erlernen“, so MEP Eva Kaili.

In einer diesem Thema gewidmeten Sitzung berichtete Ian Jenkinson, Direktor der School of Engineering, Technology and Maritime Operations an der John Moores-Universität Liverpool, über die Erfahrungen der Stadt mit der Schaffung eines Wissenszentrums, bei dem ein einfaches Prinzip zur Anwendung kam: Die Industrie gibt Geld in die Universität und das erworbene Wissen wird geteilt. „Die Hafenrestrukturierung in Liverpool könnte 20 000 neue Arbeitsplätze schaffen, aber wir haben nicht die richtigen Leute, diese Arbeitsplätze zu besetzen“, sagte er.

Tine Viveka Westerberg vom Buskerud and Vestfold University College in Norwegen macht geltend, dass „die akademische Ausbildung den Menschen nicht das Wissen vermittelt, das Arbeitgeber wollen und brauchen.“

Diesem Punkt wurde von Lowri Evans, Generaldirektorin der GD Maritime Angelegenheiten und Fischerei der Europäischen Kommission, Nachdruck verliehen. Sie forderte Ausbildungsinstitute, Industrie und Politiker auf, kurzfristige Lösungen für das gegenwärtige Missverhältnis auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Die Richtlinie zur maritimen Raumplanung war Gegenstand eines besonders gut besuchten Workshops. Die Teilnehmer diskutierten die Herausforderungen bei der Umsetzung und tauschten Erfahrungen aus, beispielsweise mit dem ADRIPLAN-Projekt zur grenzübergreifenden maritimen Raumplanung in der Adria. Dr. Eleni Hatziyanni, Direktorin für Umwelt und Raumplanung für Kreta, drängte die Zuhörerschaft, sich auf die Ergebnisse der maritimen Raumplanung zu konzentrieren, und erinnerte daran, dass „maritime Raumplanung als Werkzeug betrachtet werden sollte“. Dieser Punkt wurde auch von Lodewijk Abspoel, Berater für integrierte maritime Politik im niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Umwelt, herausgestellt, als er die niederländische Nordsee-Raumplanungsagenda 2050 vorstellte. Maritime Raumplanung sollte „keine akademische oder rechtliche Übung sein“, betonte er.

Haitze Siemers, Abteilungsleiter bei der GD MARE, fügte ergänzend hinzu, dass die wichtigste Frage sei, „wie wir die maritime Raumplanung in sehr verschiedenen regionalen Kontexten am besten unterstützen können“, und wies auf die großen Unterschiede zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer hin. Die treibenden Kräfte hinter der maritimen Raumplanung seien die Mitgliedstaaten und ihre Regionen, betonte er: „Wir müssen eine Schnittstelle zwischen nationalen und regionalen Behörden schaffen.“

Mit Häfen als Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz untersuchte ein gesonderter Workshop, wie sie als „Kraftwerke“ für Innovationen zur Entwicklung der Meeresenergie beitragen könnten. Damien Périssé von der Konferenz der peripheren Küstenregionen argumentierte, dass Meeresenergie und marine erneuerbare Energie Arbeitsplätze schaffen könnten, vor allem für frühere Werftarbeiter. Häfen könnten in der Tat mit Meeresenergie betrieben werden, führte er weiter aus.

Simona Margarino vom Forschungsprojekt „Blaue Energieerzeugung in Häfen“ (Blue Energy Production in Ports, BEPPo) im Hafen von Ostende ergänzte, dass marine erneuerbare Energie die Flexibilität der Häfen und ihre Fähigkeit zur Diversifikation erhöhen würde. Allerdings bestehe die größte Herausforderung darin, Finanzierungen zu finden, da dafür langfristige Investitionen erforderlich seien.

Daten waren schließlich ein immer wiederkehrendes Thema während der gesamten Konferenz, nicht zuletzt im Workshop „Meeresdaten und -informationen zur Stärkung des Blauen Wachstums“, in dem Pierre Bahurel, Generaldirektor von Mercator Océan, den Copernicus Marine Environment Monitoring Service vorstellte. Nach einer sechs Jahre währenden Erprobungsphase ist dieser Dienst jetzt einsatzbereit und bietet frei zugängliche Vorhersagedaten zu den Ozeanen der ganzen Welt an, basierend auf Strömungen, Salzgehalt, Meereshöhe, Wind, Meereseis und Biogeochemie.

Die Eröffnungsworte des Kommissars wurden in der Schlusssitzung noch einmal wiederholt, als Lowri Evans die Häfen als „die Agenten des Wandels“ bezeichnete, die die Führung beim Übergang zu einer nachhaltigen, meeresbasierten Wirtschaft übernehmen sollten. Häfen hätten das Potenzial, die verschiedenen Interessen, Finanzmittel und Qualifikationserfordernisse verschiedener Sektoren zusammenzubringen und könnten so das Bindeglied zwischen Politik, Investitionen, Innovationen und Ausbildung darstellen.

Insbesondere sollten sie dazu beitragen, neue Wege zu definieren, um ein Paradoxon unserer Tage zu lösen: die immer weiter ansteigende Jugendarbeitslosigkeit, die mit einem Mangel an qualifizierten Technikern in maritimen Berufen einhergeht. Die Kommission werde weiterhin an der Verbesserung des Dialogs zwischen Industrie, Forschung und Bildungsinstitutionen arbeiten, sagte Evans, die hier einen Weg sieht, kurzfristige Lösungen für diesen Mangel an Fachkräften zu finden und das Potenzial der Blauen Wirtschaft für die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erschließen.

Die Konferenz schloss mit den Worten von Yannis Moralis, dem Bürgermeister von Piräus, der den Teilnehmern dankte. Er übergab dann an Aleksi Randell, Bürgermeister der finnischen Stadt Turku, die den Europäischen Tag der Meere 2016 ausrichten wird – eine weitere Gelegenheit, die Versprechen im Hinblick auf die Blaue Wirtschaft in Europa und erzielte Fortschritt zu überprüfen.

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